Während das Mittelrheintal schläft, macht sich Martin Nickenig an die Arbeit. Der Bopparder versorgt schon wie sein Urgroßvater die Stadt mit frischem Brot, „Schösschen“ und anderem Backwerk. 8 selbstständige Bäckereien gab es in den 70er Jahren in Boppard. Jetzt sind es noch 3. Nickenig bleibt trotz Supermarkt-Konkurrenz am Ball und kann dabei schon auf die nächste Generation zählen. 7 Fragen an den Mann von der Weihnachtsbäckerei.

Martin Nickenig. Foto_ Privat

Martin Nickenig. Foto: Privat

In deinem Beruf wirst du wahrscheinlich dauernd darauf angesprochen, und mich interessiert es natürlich auch: Wann bist du heute Morgen aufgestanden, und wie sieht ein typischer Tag von Martin Nickenig aus?

Ein Arbeitstag beginnt bei mir täglich um 2.15 Uhr. Da wir alle Backwaren frisch herstellen, müssen wir zeitig loslegen. Außerdem müssen die Bopparder Hotels und Seniorenheime bis 6.30 Uhr beliefert werden. Feierabend ist dann zwischen 10.00 und 11.00 Uhr. Danach geht es erstmal nach Hause ins Bett, um meinen Schlaf nachzuholen. Der Rest des Tages gehört meiner Familie.

Die frühen Arbeitszeiten sind nicht jedermanns Sache. Wie schwer ist es, Nachwuchs für deinen Betrieb zu gewinnen?

Ich habe das große Glück, mit meinem ältesten Sohn künftig einen kompetenten Nachfolger zu haben. Ansonsten ist es wie auch in manch anderen Berufen schwierig, fähigen Nachwuchs zu finden.

In Bacharach gab es Anfang der 70er Jahre 3 inhabergeführte Bäckereien und heute nur noch eine Lüning-Filiale. Wie sieht es in Boppard aus?

In Boppard gab es Anfang der 70er Jahre sogar 8 handwerklich geführte Bäckereien. Leider ist die Zahl bis zum heutigen Tag bis auf 3 zurückgegangen.

Wie behauptest du dich gegen Bäckerei-Ketten und Supermärkte?

Es gibt 3 wesentliche Merkmale, durch die wir uns von den Supermarkt-Bäckereien unterscheiden: Qualität, Frische und Service. Unsere Kunden kennen und schätzen unsere Produkte sehr. Ich freue mich immer besonders über gezielte Einkäufe von Menschen aus der Umgebung.

Wie erklärst du deinen Kunden, dass sie ihr Brot besser frisch beim Bäcker als abgepackt im Supermarkt kaufen?

Ich gebe jedem Kunden gerne Auskunft und Informationen über unsere Backwaren. Viele Menschen lassen sich leider immer noch von toll klingenden Brotnamen beeindrucken und bekommen häufig den Eindruck, dass dunkler gefärbte Brote gesünder seien. Dies wird jedoch meist durch zusätzliche Farbstoffe erzielt. Wir backen unsere Brote mit Natursauerteig und geben unseren Teigen die entsprechende Zeit, um sich zu entwickeln. Leider sieht das in vielen Supermärkten anders aus. Hier werden die Backwaren häufig aus Osteuropa importiert, da die Herstellungskosten dort deutlich geringer sind. Was dadurch alles an Zusätzen in Teiglinge oder Backwaren muss, um die Haltbarkeit zu erlangen, kann sich sicher jeder vorstellen. Schade, dass sich viele darüber keine Gedanken machen.

Gibt es eigentlich typische mittelrheinische Backwaren? Und was ist nochmal der Unterschied zwischen einem Paarweck und einem Wasserweck?

Ja, wir backen seit Generationen z.B. das „Rheinische Schwarzbrot“ nach einem alten Familienrezept meines Urgroßvaters. Er schien damals ein gutes Händchen gehabt zu haben, denn wir sind von der Handwerkskammer für dieses Brot schon mehrfach mit Gold ausgezeichnet worden. Paar- oder Wasserweck sind nur andere Bezeichnungen für unsere hier bekannten Schösschen.

Bald ist Weihnachten. Was wünschst du dir für Einzelhandel und Handwerk im Mittelrheintal?

Ich wünsche dem Einzelhandel und Handwerk im Rheintal weiterhin viel Erfolg. Gerade für Städte wie Boppard, die vom Tourismus leben, ist der Einzelhandel in der Innenstadt lebenswichtig. Was passieren kann, wenn man große Supermärkte auslagert, haben wir im Fall Simmern erlebt. Die Kernstadt ist verwaist. Wenn wir ein solches Szenario in Boppard erleben würden, wäre das der Anfang vom Ende.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Bisher in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Journalisten und Winzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim) – Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel) – Bernd und Marion Stahl (Gastronomen in Boppard) – Markus Hecher (Burgherr auf Rheinstein) – Timo Ahrens (Strandbar-Gründer aus Oberwesel) – Philipp Loringhoven (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Carolin Riffel (Winzerin aus Bingen) – Sarah Hulten – Ex-Weinkönigin, Winzerin und Riesling-Influencerin aus Leutesdorf – Walter Mallmann (Politiker aus St. Goar) – Franziskus Weinert (Einzelhändler und E-Commerce-Experte aus Oberwesel) – Klaus Becker (Präsident der TH Bingen) – Marek Gawel (Hotelier aus Boppard) – Andreas Roll (Initiator der Bopparder „Stolpersteine“, Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner) – Rolf Wölfert (Tourismuschef in Rüdesheim) – Joachim Noll und Susanne Pander(Reeder in Boppard) – Tanja Werle (Bloggerin im Rheingau) – Anna Elisabeth Bach (Pensionsbesitzerin, Heilpraktikerin und Himalaya-Reisende aus Boppard) – René Klütsch (Koch und Gastronom in Boppard-Weiler) – Herbert Piel (Fotograf aus Holzfeld) – Andreas Stüber (Hotelier und Koch aus Bacharach) – Claudia Schwarz (Tourismus-Managerin und Welterbe-Repräsentantin aus St. Goar) – Sonja Spano (Restaurant-Einrichterin und Raumausstatterin in Boppard) – Marcel D’Avis (Banker und Designer aus Oberwesel) – Gero Schüler (Winzer und Student aus Steeg) – Marlon Bröhr (Landrat des Rhein-Hunrück-Kreises) – Matthias Pflugradt (Medienprofi, Bestatter und Loreley-Rebell aus St. Goarshausen) – Heinz-Uwe Fetz (Weinbau-Präsident, Winzer und Gin-Macher aus Dörscheid) – Michael Maul (Sprecher der Fährbetriebe am Mittlerhein)

Werbung: Große Oper in Urbar

Am 1. Juni starten die „Maria Ruh Classix“ mit einer Opernnacht hoch über dem Rheintal. „Drei Freunde …. drei Tenöre“ sorgen auf der Freilichtbühne für italienische Momente und Klassik-Feeling vor bester Mittelrhein-Kulisse. Tickets ab 24 Euro. maria-ruh.demomente.shop (Ticket-Shop)

Termine des Tages

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté light – 9. Dezember, 11 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Bingen – Weihnachtsmarkt in den Weinbergen – 23. Dezember, ab 14 Uhr. vino-fredi.de

Boppard – „Märchen zur Winterzeit“ im „Bellevue“- 23. Dezember, 14 Uhr. boppard.de

Espenschied  – „Lebendiges Krippenspiel“ – 23. Dezember, 18 Uhr. Stadt Lorch

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté  / Dinnershow – 23. Dezember, 19 Uhr 30. tor-zum5-welterbe.de

Boppard – „Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen“ / Kino in der Stadthalle – 23. Dezember, 20 Uhr. boppard.de

Foto des Tages

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