Bernd und Marion Stahl haben den Wandel der Mittelrhein-Gastronomie hautnah miterlebt. Die beiden Bopparder führten viele Jahre lang die Szene-Kneipe „Die Falle“ und sind seit 2004 glückliche Besitzer des Wein-Restaurants „Römerburg“ am Burgplatz. Im 7-Fragen-Interview erzählen sie, was sich in Boppard seit den 80ern verändert hat, was man für den „Bopparder Winter“ braucht, wie sie mit Kritik aus dem Internet umgehen und bei welchen Kollegen sie einkehren, wenn sie selbst frei haben. Die Fragen stellte Natascha Meyer.

Bernd und Marion Stahl sind die Chefs der "Römerburg". Foto: Natascha Meyer.

Bernd und Marion Stahl sind die Chefs der „Römerburg“. Foto: Natascha Meyer.

Bernd und Marion, Ihr betreibt seit 14 Jahren das Restaurant Römerburg in Boppard. Warum gerade hier? Was verbindet Euch mit der Region?

Als uns 2004 die Römerburg angeboten wurde, griffen wir sofort zu: Ein seltenes Gastronomie-Objekt noch im Originalzustand der 1930er mit neuem Leben zu füllen, war einfach zu verlockend; Mauern aus dem 4. Jahrhundert, 100 Jahre alte Holzböden und Wandvertäfelungen und dazu das Ensemble der Kurtrierischen Burg vor der Tür – herrlich! Das fiel uns beiden Boppardern nicht schwer – denn hier lebt es sich so entschleunigt, wie wir es nach drei Jahrzehnten „Die Falle“ auch brauchten.



Wie hat sich die gastronomische Szene in Boppard in den letzten 20 Jahren verändert?

Von ehemals 150 Schankkonzessionen sind nur noch zwei Handvoll übriggeblieben. Auch die Vielfalt hat gelitten: Konnte man früher einen kompletten Abend gestalten, angefangen vom Kino mit zwei Sälen über Dutzende Restaurants, zwei Diskotheken, Nachtbars bis hin zum „Abschluss“ im Puff, so fällt der Hammer hier heutzutage wesentlich früher. Liegt sicherlich auch an der demografischen Entwicklung – es sind halt nur noch halb so viel Jüngere geboren worden wie noch in den Sechzigern. Dafür hat sich aber bei Einigen die Qualität eklatant verbessert – mehr Klasse als Masse halt.

Über das Image von Lokalen entscheiden immer öfter Vergleichsportale wie TripAdvisor. Wie steht Ihr dazu?

Vergleichsportale sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken; sie ersparen den Ortsunkundigen das Fragen vor Ort (Mundpropaganda), und man kann sich vor Anreise schon ein Bild der Destination machen. Allerdings setzt das erfolgreiche Benutzen dieser Foren die Fähigkeit des „Lesens zwischen den Zeilen“ voraus, um die Aussagekraft der Bewertungen richtig einschätzen zu können. Dazu kommt die Schwerfälligkeit der Portale: Wechselt der Inhaber, aber Name und Anschrift bleiben, so bleiben auch alle einzelnen Bewertungen, Fotos und das Ranking weiterhin bestehen.

Wie sollte man als Gastronom mit negativen Bewertungen umgehen?

Zuerst einmal ruhig bleiben; ein paar Nächte drüber schlafen und dann entscheiden, wie qualifiziert war die Bewertung eigentlich – lohnt es sich, sich damit ernsthaft zu befassen (Lebenszeit!)? Oftmals entlarven sich solche negativen Statements als Wutausbrüche von Wichtigtuern, was erfahrene Leser auch selbst herausfinden können. Ist die Kritik berechtigt, so sollte man die Bewertung als das begreifen, was sie ist: Eine Hilfe, den eigenen Tunnelblick abzulegen und besser zu werden.


Mundpropaganda ist das wohl älteste Bewertungsportal. Wie bekommt man als Gastronom mit, was in der Stadt selbst über das eigene Lokal erzählt wird?

Als Bopparder bekommt man von Verwandtschaft, Freundeskreis oder Vereinskollegen schon mal „auf`s Brot geschmiert“, wo´s hakt. Als Neubürger wird es da wohl etwas schwieriger…


Welchen Rat würdet Ihr einem Kollegen geben, der am Mittelrhein ein Lokal übernimmt?

Ganz genau das zu tun, wofür man einsteht. Nutze die Region als Vorlage und füge etwas Modernität hinzu…, Lieferanten, Winzer, Metzger, Jäger…. es gibt alles vor Ort, und die Gäste wissen Regionales zu wertschätzen. Und dann ganz nüchtern noch: Genug Liquidität mitbringen – der „Bopparder Winter“ kann lang sein…

Wenn Ihr Freizeit habt, geht Ihr dann auch mal zur Konkurrenz? Gibt es eine Empfehlung, wo man unbedingt mal gewesen sein müsste?

Die urigen kleinen Lokalitäten haben es uns angetan, die Fondel‘s Mühle im Mühltal, das kleine Café Zeitgeist im Fachwerkhäuschen oder auch nur mal mit der Sesselbahn fahren… so nostalgisch, aber der Blick ist für uns Bopparder einfach unbezahlbar!!

Bisher in der Reihe „7 Fragen an ….“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Weinliebhaber, Journalisten und Nebenerwerbswinzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim), Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel)

Termine des Tages

St. Goar – Wanderung mit Rheinfelsranger Jürgen Goedert von Biebernheim zum „Spitzen Stein“ – 24 .Juni, 5 (!) Uhr. Zweckverband Welterbe

Im ganzen Tal – „Tal Total“ / autofreie Bundesstraßen – 24. Juni, 10-18 Uhr. taltotal.de

Bingen – Tag der Architektur. – 24. Juni, 11- 18 Uhr. bingen.de

Bingen – Kunstpfad am Rheinufer – 24. Juni, 11 – 18 Uhr . bingen.de

Bingen – „Bingen swingt“ – 24. Juni. bingen.de

Bingen – Gang durch das jüdische Bingen / Führung mit Luise Lutterbach – 24. Juni, 15 -17 Uhr. Facebook

Rüdesheim – „Mit Bach in die Sommerpause“ / Chorart Rheingau singt in St. Jakobus Bachmotetten. 24. Juni, 17 Uhr chorart-rheingau.de

Bingen – After Swing Party in der Vinothek – 24. Juni, ab 18 Uhr. bingen.de

Foto des Tages

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