Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: St. Goarshausen Seite 1 von 42

Erster Protest gegen die Mittelrheinbrücke und Rettung auf der Loreley

Bisher lief das Raumordnungsverfahren für die Mittelrheinbrücke nach Plan. Die ersten 3 Kommunen – die Städte St. Goar und St. Goarshausen und die Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein – haben dem Vorschlag des Landes Rheinland-Pfalz schon zugestimmt. Demnach soll die Brücke zwischen dem linksrheinischen Fellen und dem rechtsrheinischen Wellmich gebaut werden. Aber jetzt kommt der erste Gegenwind. Laut „RZ“ lehnt die gleichfalls hinzugezogene Organisation Naturschutzinitiative (NI) das Projekt kategorisch ab. Eine Verträglichkeitsprüfung im Auftrag des Landes sei „fehlerhaft und tendenziös“, zitiert die Zeitung eine Stellungnahme der NI. Die Umweltschützer kritisieren u. a. , dass die nahegelegene Insel Ehrenthaler Werth nicht in die Untersuchungen einbezogen worden sei. Sie fordern statt der Brücke einen subventionierten und verlängerten Fährverkehr. Die Absage der NI ist ein erster Vorgeschmack auf kommende Proteste und Rechtsstreitigkeiten. Anwohner und Umweltverbände könnten den Bau durch Einsprüche und Klagen jahrelang lahmlegen. Insider rechnen darum erst in den 30er Jahren mit einer Lösung. Rhein-Zeitung

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Das Turnerheim ist gerettet

Das historische Turner- und Jugendheim auf der Loreley bleibt. Der Rat der Verbandsgemeinde Loreley entschied vergangene Woche für Sanierung statt Abriss. 3,9 Mio Euro sind eingeplant. Das verschieferte Gebäude im Landhausstil stammt aus dem Jahr 1928 und hat im Tal zahllose Fans. Loreley-Wirt Muzaffer Oguz soll dort ein Restaurant eröffnen. Rhein-Zeitung

Immobilien-Affäre: Lorch nimmt sich einen Anwalt

Beim skandalumwitterten Lorcher Immobilen-Deal ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die gerade gewählte Stadtverordnetenversammlung will den Verkauf von Genossenschafts- und Stiftungswohnungen an einen privaten Investor juristisch prüfen lassen und möglichst rückgängig machen. Der neue Erste Stadtrat (= Beigeordnete)  Rolf Schmidt von der „Liste Lorch“ schießt der klammen Kommune 5.000 Euro für die Anwaltskosten vor. Das Geschäft mit der Limburger Amadeus Group war vom 2019 abgewählten CDU-Bürgermeister Jürgen Helbing eingefädelt worden. Die Genossenschaft wurde aufgelöst und ihre Mitglieder ausbezahlt, der Immobilienbesitz der Maria-Kaufmann-Stiftung zum Entsetzen der Stifterfamilie liquidiert. Das Lorcher Kommunalparlament hat den Deal gerade zur „größten sozialpolitischen Katastrophe seit der Wohnungsnot der Nachkriegszeit“ erklärt. Wiesbadener Kurier

Steeg sitzt an der Quelle

In der „AZ“ berichtet Jochen Werner über eine mittelrheinische Kuriosität: Das Mini-Wasserwerk von Steeg. Im Bacharacher Vorort sprudelt das Trinkwasser für rund 200 Haushalte aus der eigenen Quelle. Die Versorgung wird vor Ort organisiert. In Oberdiebach gibt es ebenfalls kommunales Trinkwasser. Alle anderen Rheinorte in der VG Rhein-Nahe werden aus St. Sebastian bei Koblenz beliefert. Allgemeine Zeitung

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„Normalerweise würden wir jetzt Rücklagen für den Winter bilden“

Die Mittelrheinbrücke ist für die Fährleute im Tal gerade das geringste Problem. Auf den Schiffen geht die Sorge um, noch nicht einmal die Buga 2029 zu erleben. Corona hat die Passagierzahlen abstürzen lassen und die Kosten laufen weiter. In der ZDF-Sendung „Drehscheibe“ kamen gerade Michael Schnaas von der Fähre Niederheimbach-Lorch und Bingen-Rüdesheimer-Chef Oliver Pohl zu Wort. Schnaas spricht von „starken Existenzängsten“ und blickt schon mit Sorge auf die Nachsaison: „Normalerweise würden wir jetzt Rücklagen für den Winter bilden“. Sein Neffe, Mitarbeiter und möglicher Nachfolger Jonas Rittweiler fragt sich, ob er überhaupt noch das Schifferpatent machen soll. Den Familienbetrieb gibt es seit 1892.

Michael Schnaas ist Fährmann in 4. Generation. Screenshot: ZDF

Michael Schnaas ist Fährmann in 4. Generation. Screenshot: ZDF

Größter Fähranbieter im Tal ist die Bingen-Rüdesheimer Reederei. Auch hier spitzt sich die Lage zu. Laut Geschäftsführer Oliver Pohl verbrennt sein Unternehmen jeden Tag bis zu 5.000 Euro. Die Corona-Hilfen der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz – je 25 Euro pro Betriebsstunde – seien „ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Pohl im ZDF. Die Fähr-Krise offenbart ein jahrelanges politisches Versäumnis: Anders als z. B. in Frankreich sind die Betriebe nie als als öffentlicher Nahverkehr gefördert worden. Man verließ sich auf ein rein kommerzielles Modell und träumte ansonsten von der Mittelrheinbrücke. Die Kapitulation einzelner Fährbetriebe hätte verheerende Folgen für das Tal. Eine nachhaltige Subventionierung der Betriebe gilt als schwer vermittelbar, weil sich alles auf den Brückenbau konzentrieren soll – der ist aber erst in den 30er Jahren realistisch. ZDF (Video)

Niederheimbach und der tiefe Graben

Apropos Niederheimbach: Fast 2 Jahre nach der Kommunalwahl gleicht der Ort einem gallischen Dorf. Ortsbürgermeister Ole Wysotzki und seine Beigeordneten streiten öffentlich mit früheren Parteifreunden, die sich als „Freie Fraktion Niederheimbach“ von der dominierenden FWG abgespalten haben und den Haushaltsentwurf ablehnen. Ganz schlau daraus wird man auch nach der Lektüre der „AZ“ nicht, denn dort kommt nur die Bürgermeisterseite zu Wort. Sie droht mit Rücktritt und Neuwahlen, wenn die unliebsamen Gemeinderäte ihre Mandate nicht niederlegen. Allgemeine Zeitung

 

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Der Häusener Kran macht blau

Die gute Nachricht des Tages kommt aus St. Goarshausen. Dort ist der über 100 Jahre alte „Häusener Kran“ saniert und zum Schluss noch bugablau gestrichen worden. Eine Bürgerinitiative hatte jahrelang für die Rettung des Industriedenkmals gekämpft. Bund, Welterbe-Zweckverband, Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz und der Kran-Besitzer Rhenus legten zusammen und brachten rund 250.000 Euro auf. Jetzt geht der Kran in den Besitz der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz über. Der Standort ist ein Filetstück am Rheinufer: Ein für Mittelrhein-Verhältnisse ungewöhnlich großes und ebenes Gelände in Loreley-Nähe, das bisher nicht genutzt wird und Platz für Gastronomie und/oder Kultur bieten könnte. Rhein-Zeitung

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Kunst am Treppenbau und Lärm auf der Loreley

396 Stufen führen von St. Goarshausen hoch zum Loreley-Plateau. Die Endlos-Treppe soll in den kommenden Jahren neu gestaltet werden. Laut „RZ“ unterstützen Stadtbürgermeister Nico Busch und sein Stadtrat eine Idee des Hunsrücker Künstlers Hermann-Josef Wilhelm: Auf jeder einzelnen Stufe soll ein „Danke“ in unterschiedlichen Sprachen und jeweils mit einer kleinen Geschichte stehen. Menschen können „ihre“ Stufe gestalten und an Ort und Stelle verewigen, wofür sie sich bedanken. Die Details würde ein Verein regeln, der auch Spenden einwerben soll. Laut „RZ“ kalkuliert man mit 1,6 Millionen Euro Kosten und 2 Jahren Bauzeit. Spätestens zur Buga soll die „Danke“-Treppe fertig sein. Der Aufstieg ist momentan so marode, dass er ohnehin saniert werden müsste. Rhein-Zeitung

Die Loreley mit Burg Katz im Vordergrund. Foto: Dominik Ketz / Romantischer Rhein Tourismus

Die Loreley mit Burg Katz im Vordergrund. Foto: Dominik Ketz / Romantischer Rhein Tourismus

Der Loreley-Lärm und das neue Hotel

Apropos Loreley: Die Investoren des geplanten Großhotels hadern mit Lärmschutz-Auflagen der Verwaltung. Sie wollen den im Bebauungsplan vorgesehenen Schallschutz einsparen und bieten für Konzerte auf der Loreley eine andere Lösung an: Bestimmte Hotelzimmer sollen einfach nicht vermietet werden, wenn es auf der Bühne laut wird. Die zuständigen Kommunen lehnen das ab. Die Idee sei zu unklar, zu kompliziert und zu schwierig umzusetzen, finden die Verbandsgemeinde Loreley, die Stadt St. Goarshausen als Bühneneigentümerin und die Ortsgemeinde Bornich. Sie warten jetzt auf eine Entscheidung des Rhein-Lahn-Kreises. Von ihm hängt ab, ob das umstrittene Hotel überhaupt gebaut werden darf. Rhein-Zeitung

St. Goar will die Gratis-Fähre

Brücke oder Fähre? Über diese Frage diskutiert das Tal seit Jahrzehnten. Die Stadt St. Goar hat gerade eine Antwort gefunden: Beides. Der Stadtrat unterstützt den Bau der Mittelrheinbrücke zwischen Fellen und Wellmich, will bis dahin aber eine kostenlose 24-Stunden-Fähre. Experten halten Bau und Fertigstellung der Brücke frühestens im nächsten Jahrzehnt für realistisch. Hunsrück News

Schönes aus Bingen

Corona verheert den Einzelhandel, aber gegründet wird trotzdem. Zu den Lichtblicken gehört „Schönes von Lotte“ in der Binger Vorstadt. Die 21-jährige Charlotte Kunz hat den Laden für selbst genähte Kindermode und Taschen im vergangenen September eröffnet. Die Geschäftsidee funktioniert selbst im Lockdown. „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner hat mit Bingens jüngster Gründerin gesprochen. Allgemeine Zeitung, Schönes von Lotte

Zahl des Tages

Rund 80 Ziegen weiden im Viertälergebiet rund um Bacharach und Oberdiebach. Die meisten von ihnen haben südafrikanische Vorfahren. Die so genannten „Hottentotten-“ oder „Buren-Ziegen“ halten nicht nur jedes Gestrüpp im Steilhang nieder, sie liefern auch bestes Fleisch. Wer es nicht glaubt: Andreas Stüber vom Rhein-Hotel empfiehlt „zwölf Stunden lang bei 75 Grad im Spätburgunder mit Fenchelsamen geschmort“. Allgemeine Zeitung

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