Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Frank Zimmer Seite 1 von 321

Dr. Frank Zimmer ist Journalist und digitaler Medienmacher. Er studierte Geschichte in Mainz und Köln, schrieb mehrere Bücher und war viele Jahre Leitender Redakteur im Süddeutschen Verlag. 2018 gründete er das Blog Mittelrheingold.

Hotel-Notbremse auf der Loreley und Millionen für den Felshang

Das Großprojekt „Slow Down Loreley“ ist gescheitert. Die Investoren des geplanten Hotelkomplexes kündigten am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur ihren Rückzug an. Offiziell wegen zu hoher Lärmschutzauflagen: Die Verwaltung bestand auf bauliche Maßnahmen, damit auf der nahegelegenen Freilichtbühne weiterhin Konzerte stattfinden können. In der Verbandsgemeinde Loreley befürchtete man Hotel-Klagen bei zu viel Krach und damit ein unkalkulierbares Risiko für den nächsten Bühnenpächter. Laut Verbandsbürgermeister Mike Weiland gab es aber noch andere strittige Punkte. Der Investor Planet-Gruppe drängte offenbar auf unerfüllbare Nachlässe bei den Erschließungskosten und auf die vorzeitiger Eröffnung der Hotelvillen noch vor Fertigstellung des 5-stöckigen-Hauptgebäudes. Insgesamt sollten auf der Loreley ein Hoteldorf mit 700 Betten entstehen. Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und überregionale Medien wie die „FAZ“ kritisierten die Anlage als überdimensioniert. Deutlich wohlwollender berichtete die Rhein-Lahn-Ausgabe der „Rhein-Zeitung“. Die Planungen für „Slow Down Loreley“ hatten unter dem früheren VG-Bürgermeister Werner Groß bis 2020 weitgehend im Verborgenen stattgefunden. Sein Nachfolger Weiland unterstützte das Projekt zwar, aber nicht um jeden Preis. Er verhandelte noch in der vergangenen Woche mit den Investoren. Von ihrem Ausstieg habe er nun aus der Presse erfahren, sagte Weiland auf Anfrage von Mittelrheingold. Die eigentliche Entscheidung lag bei der Kreisverwaltung in Bad Ems. SWR, Rhein-Zeitung, Mitteilung von Mike Weiland

Slow Down Loreley: Im Frühjahr 2021 sollen die Bauarbeiten

Slow Down Loreley: Im Frühjahr 2021 sollten die Bauarbeiten starten. Foto: Unternehmen

Millionen für den Felshang

Nach dem Felssturz von Kestert wächst der Druck auf Bund und Bahn, eine Ausweichstrecke für den Güterverkehr zu planen. Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) fordert vom zuständigen Bundesverkehrsministerium eine Alternativtrasse und hat sich nach den Kosten für die Sicherungsmaßnahmen im Tal erkundigt. Demnach rechnet man im Fall Kestert mit mehreren Millionen Euro. Die Bahn ist Eigentümerin des maroden Hangs und wird komplett auf den Kosten sitzen bleiben; Versicherungsschutz besteht nicht. Der Bahnverkehr ist seit dem 15. März unterbrochen. Von den täglich ca. 114 rechtsrheinischen Güterzügen fahren die meisten vorerst linksrheinisch. Knapp 30 werden noch weiter umgeleitet. SWR

In den Straßen von Bingen

9 (!) Streifenwagen haben sich in der Nacht zum Donnerstag an einer Verfolgunsjagd rund um Bingen beteiligt. Ein Audi A 1 mit Hamburger Kennzeichen gab Gas, als ihn die Polizei kontrollieren wollte und „durchfuhr das gesamte Dienstgebiet der Polizeiinspektion Bingen unter Missachtung des Rechtsfahrgebots, Überholverbots und durch eine hohe Überschreitung der Geschwindigkeit“, wie es Polizeibericht heißt. Der Fahrer stellte sich als 52-Jähriger Drogenkonsument mit Sturmhaube heraus. Den Mann mit Wohnsitz im Kreis Bad Kreuznach erwartet jetzt eine ganze Latte von Ermittlungsverfahren:

  • Gefährdung im Straßenverkehr
  • Verbotenes Kraftfahrzeugrennen
  • Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz
  • Führen eines Autos unter Einfluss von Betäubungsmitteln

Dazu kommt wohl noch ein Bußgeld wegen Missachtung der Ausgangssperre. Allgemeine Zeitung

Blackout in Boppard

Bis zu 5000 Bopparder waren am Donnerstagabend ohne Strom. Oder wie es der zuständige Energieversorger Westnetz nannte: „Es gab eine Versorgungsunterbrechung im Mittelspannungsbereich“. Nach etwa einer Stunde gingen in der Stadt die Lichter wieder an. Die Kommunikation mit den Bürgern lief über die viel gescholtene Facebook-Gruppe „Besser Boppard“. Hunsrück News

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Weingut Dr. Kauer (@weingut_dr_kauer)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Hidden Champions: Die Weltmarktführer aus dem Welterbetal

Oberes Mittelrheintal und innovative Industrie, das klingt wie Atomkraft in Bullerbü. Aber das Klischee von der abgehängten Region, die nur noch am Tourismus-Tropf hängt, hat noch nie gestimmt. Es gibt auch außerhalb von Koblenz Unternehmen, die in ihrer Branche Weltmarktführer sind. Die Universität Trier hat in ihrer Studie „Hidden Champions in Rheinland-Pfalz“ Mittelständler mit internationaler Bedeutung identifiziert. 4 davon sitzen im Welterbetal:

  • Bomag: Der Bopparder Baumaschinenproduzent gehört mit 2.500 Mitarbeitern zu den 30 größten Arbeitgebern in Rheinland-Pfalz. Er ist u.a. in China und Singapur vertreten.
  • Lahnpaper: Der Papierprofi aus Lahnstein gilt mit nur 170 Mitarbeitern als Weltmarktführer für Spezialfasern. Lahnpaper stellt u. a. Renovierungs- und Tapetenvlies für Maler her.
  • Schottel: 1921 in Spay gegründet und damit der älteste der 4 Musterbetriebe. Schottel produziert u .a. Schiffsschrauben und beschäftigt weltweit rund 1.300 Mitarbeiter.
  • Sebapharma: Der zweite „Hidden Champion“ aus Boppard sitzt im Stadtteil Bad Salzig. Sebapharma (ca. 200 Mitarbeiter) ist die Firma hinter der Marke Sebamed und nach wie vor in Familienbesitz.

Zu den Top-Mittelständlern im Welterbetal gehören noch 3 Unternehmen aus Koblenz: Die Fahrradfirma Canyon Bicycles, der börsennotierte Softwareanbieter Compugroup Medical und die IT-Firma MPS, ein Spezialist für digitale Verwaltungslösungen. Bingen ist auf der Liste nicht vertreten. Universität Trier (Studie)

Blick auf Bad Salzig. Foto: Romantischer Rhein Touristik / rheinsteig.de / Frank Gallas

Blick auf Bad Salzig. Vorne im Bild die Sebapharma-Zentrale. Foto: Romantischer Rhein Touristik / rheinsteig.de / Frank Gallas

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Dunja (@life_in_my_eye.s)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Achtung Ausgangssperre: Das Welterbetal als Pandemie-Puzzle

Corona macht die territoriale Zersplitterung am Mittelrhein so deutlich wie selten. Von den 5 Landkreisen, die ins Welterbetal hineinreichen, haben 2 nächtliche Ausgangssperren verhängt: Zuerst der Kreis Mayen-Koblenz (Rhens, Brey, Spay), der mit einer 7-Tages-Inzidenz von 146,4 den regionalen Negativrekord hält. Dann der Rhein-Hunsrück-Kreis, der zuletzt zwar wieder unter die 100er Marke gefallen ist, aber trotzdem die Notbremse ziehen musste. Dadurch ergibt sich z. B. die kuriose Situation, dass abendliche Spaziergänge rund um den Bacharacher Höhenort Henschhausen nur auf Bacharacher Territorium problemlos möglich sind – wenige Meter weiter beginnt der Rhein-Hunsrück-Kreis und damit die Ausgangssperre. Aber was heißt schon „Ausgangssperre“ – in Frankreich wäre man schon dankbar für das, was in Oberwesel oder St. Goar immer noch möglich ist. Franzosen dürfen sich nicht weiter als 10 Kilometer von ihrem Wohnsitz entfernen und ab 19 Uhr gar nicht mehr vor die Tür. Zwischen Koblenz und Oberwesel herrschen innerdeutsche Reisefreiheit und eine „Ausgangssperre“ ab 21 Uhr mit Ausnahmen – z.B. für Besuche naher Verwandter oder die Jagd.

Bacharach am Rhein. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Bacharach liegt am Schnittpunkt von 4 Landkreisen und 2 Bundesländern. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Das Henschhausen-Kuriosum könnte bald zu Ende sein, denn bei steigenden Infektionszahlen drohen auch im Kreis Mainz-Bingen härtere Maßnahmen. Gegenüber auf der rechten Rheinseite ist man noch nicht ganz so weit: Der Rhein-Lahn-Kreis meldet 94,9 Infizierte pro 100.000 Einwohner und der hessische Rheingau-Taunus-Kreis liegt bei 79,6. Dort war ein Versuch der Stadt Rüdesheim gescheitert, als Modellkommune nach Tübinger Vorbild zu lockern.

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Boppard-Hirzenach (@gasthaus.zum.rebstock)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Seite 1 von 321

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: