Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Frank Zimmer Seite 1 von 356

Dr. Frank Zimmer ist Journalist und digitaler Medienmacher. Er studierte Geschichte in Mainz und Köln, schrieb mehrere Bücher und war viele Jahre Leitender Redakteur im Süddeutschen Verlag. 2018 gründete er das Blog Mittelrheingold.

Auch Boppard reißt es nicht raus: Die Mittelrheinerin ist aus dem Rennen

Christian Klein (35,5 Prozent) und Volker Boch (34,2 Prozent) machen die Wahl zum Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreis unter sich aus. Die einzige Mittelrheinerin unter dem Kandidaten, Rita Lanius-Heck aus Oberwesel, schafft es nicht in die Stichwahl. Sie kam am Sonntag auf 27,2 Prozent der Stimmen. Roger Mallmenn von den Linken landete mit 3,1 Prozent weit abgeschlagen auf dem vierten Platz. Zum Rhein-Hunsrück-Kreis gehören die Stadt Boppard und die Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein mit St. Goar und Oberwesel. Boppard hat bereits Einzelergebnisse veröffentlicht. Demnach lag Klein mit fast 40 Prozent auch hier vorn. Lanius-Heck holte 34,4 Prozent; hier hätte es für die Endrunde gereicht. Die Entscheidung zwischen Klein und Boch fällt am 30. Januar. Es wird darauf ankommen, für wen sich die Wähler von Lanius-Heck entscheiden. Sie selbst hat noch keine Empfehlung abgegeben. Die Fronten sind nicht ganz klar. Lanius-Heck gehört eigentlich zur CDU, war aber als unabhängige Kandidatin angetreten. Ihre umstrittene Entscheidung könnte den offiziellen CDU-Kandidaten Klein den Sieg im ersten Wahlgang gekostet haben, die Stimmung zwischen beiden Lagern gilt als angespannt. Boch bewirbt sich komplett ohne Parteibuch, er wird aber von der SPD und den Grünen unterstützt. Der bisherige Landrat Marlon Bröhr (CDU) sitzt mittlerweile im Bundestag. SWR, Rhein-Zeitung (€), Stadt Boppard (Boppard-Ergebnisse)

Blick auf Boppard. Foto: Stadt Boppard / K. Gipp

Blick auf Boppard. Foto: Stadt Boppard / K. Gipp

Radeln in Rüdesheim

Der alte Leinpfad am Rüdesheimer Rheinufer ist nur schön, wenn man nicht draufguckt. Seit Jahren soll er aufgehübscht werden. Jetzt hat sich die Stadt ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Neugestaltung als Fuß -und Radweg bis zur Buga 2029. Billig wird das Projekt nicht. Laut „Wiesbadener Kurier“ rechnet die Stadt mit über 15 Millionen Euro. Der Weg ist zwar nur 800 Meter lang, bisher aber viel zu schmal. Er müsste direkt am Rhein auf bis zu 7 Meter verbreitert werden. Wegen ähnlicher Herausforderungen gilt der 2019 eingeweihte Radweg stromabwärts nach Lorch als der teuerste Deutschlands. Wiesbadener Kurier (€)

Montagsdemos in Bingen

In der Binger Innenstadt wird es am Montagabend voll. Neben den „Spaziergängern“, die seit mehreren Wochen gegen staatliche Corona-Maßnahmen protestieren, werden auch Gegendemonstranten unterwegs sein. Zwischen 18 und 20 Uhr könnte es laut Stadtverwaltungen zu Verkehrsbehinderungen kommen.  Allgemeine Zeitung

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Rüdesheim sortiert sich neu

Wer die Marketing-Strukturen am Mittelrhein kompliziert findet, kennt Rüdesheim nicht. Dort hat sich Stadt weitgehend aus dem operativen Tourismus-Geschäft zurückgezogen, zahlt aber weiter dafür. Seit 2003 werden Jahr für Jahr 360.000 Euro an den ehrenamtlich geführten „Verein Wirtschafts- und Tourismusförderung“ (WTF) überwiesen, der damit die eigene Rüdesheim Tourist AG (RÜD AG) finanziert. Momentan ist mit den Ergebnissen niemand so richtig glücklich. Der Verein will mehr Geld von der Stadt, in der Stadt fragt man sich, warum der Verein dazwischengeschaltet werden muss, und kaum jemand weiß, wofür die Marke Rüdesheim eigentlich steht. Unterdessen hat die Rüdesheim Tourismus AG den zweiten Chef in weniger als 3 Jahren verschlissen. Ende 2019 verabschiedete sich der langjährige Vorstand Rolf Wölfert; er arbeitet mittlerweile für die Buga-Gesellschaft. Sein Nachfolger Martin Duda ist auch nicht mehr da. Vorerst helfen Seilbahn-Geschäftsführer Rainer Orben und der Rüdesheimer Unternehmensberater Henry Rölz aus. Bis zum Herbst soll ein neuer RÜD-Chef her. Parallel entwickelt eine regionale Arbeitsgruppe eine neuen Strategie für Rüdesheim. Wiesbadener Kurier (€)

Rüdesheim bei Nacht. Foto: RÜD AG / Marlis Steinmetz

Rüdesheim bei Nacht. Foto: RÜD AG / Marlis Steinmetz

Blaue Augen in Bingen

„AZ“-Redakteurin Christine Tscherner hat die nachrichtenarme Zeit rund um den Jahreswechsel genutzt, um im Binger Einzelhandel zu recherchieren. Ihre Bilanz fällt besser aus als befürchtet. Die Läden im City-Center spüren zwar die Corona-Flaute, aber das Weihnachtsgeschäft hätte schlimmer ausfallen können. Manche Kunden haben die Innenstadt sogar wiederentdeckt, weil sie die Ballungszentren jetzt lieber meiden. „Wir sind bislang mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Sportfachhändler Markus Klingler. Allgemeine Zeitung (€)

Ein Tag auf der Marksburg

Was geht im Winter am Mittelrhein? Der SWR wollte es wissen hat und eine junge Familie aus Rheinhessen nach Braubach geschickt. Die Landesschau-Reportage über ihren Ausflug auf die Marksburg macht Lust auf den Mittelrhein. SWR (Video)

Geld für Bacharach

Viel ist es nicht, aber Bacharach kann traditionell jeden Euro gebrauchen. Die Stadt bekommt 86.000 Euro aus dem Fördertopf „Lebendige Zentren“. Das bundesweite Programm ist für die Weiterentwicklung historischer Innenstädte gedacht. Laut „AZ“ sollen in Bacharach überwiegend private Investitionen unterstützt werden. Allgemeine Zeitung, Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (Website zum Förderprogramm)

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Marathonmann und Brückenbauer: 5 Fragen an Volker Boch

Unabhängige Bewerber für kommunale Spitzenämter sind nichts Ungewöhnliches mehr. Oft haben sie bessere Chancen und mehr Erfolg als Parteipolitiker mit jahrzehntelanger Erfahrung. Beispiele aus dem Welterbetal sind der Rüdesheimer Bürgermeister Klaus Zapp und sein Lorcher Kollege Ivo Reßler. Beide setzten sich 2019 gegen langjährige Amtsinhaber durch. Medienprofi und Leistungssportler Volker Boch ist trotzdem ein Sonderfall: Der Mann, der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises werden will, ist weder Newcomer noch Veteran. Er hat noch nie in einem Kommunalparlament gesessen und kennt das Geschäft trotzdem aus nächster Nähe, denn er arbeitet seit 17 Jahren als Redakteur und Chefreporter für die „Rhein-Zeitung“. Zum Jahreswechsel sorgte er mit einem Vorstoß zur Mittelrheinbrücke für Aufsehen. Was ihn umtreibt und wie er seinen Redaktionsjob von der Kommunalpolitik trennt, erklärt er im Interview mit Mittelrheingold.

Volker Boch im Bopparder Hamm. Foto: Arthur Lik

Volker Boch im Bopparder Hamm. Foto: Privat

Herr Boch, Sie haben die Idee einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen präsentiert. Von wem ging die Initiative aus und wer hat die beteiligten Ingenieure ins Boot geholt?

Die Idee ist sukzessive im einem Entwicklungsprozess von mehreren Wochen entstanden. Es ging für mich dabei um die Frage, wie die Buga 2029 und der Tourismus belebt werden könnte. Ich sehe in der Bundesgartenschau ein großes Potenzial nicht nur für das Mittelrheintal, sondern auch für die gesamte Region. Von dieser Buga sollte gerade im touristischen Bereich ein Effekt auch für den gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis ausgehen. Der Tourismus im Rhein-Hunsrück-Kreis kann im Vorfeld der Buga und durch die Buga noch besser vernetzt werden. Die Idee der Rad- und Fußgängerbrücke ist im Kontext solcher perspektivischen Überlegungen entstanden und vor der Frage, wie sich noch ein Highlight für diese Buga setzen lässt. Da ich mich klar für den Bau der Mittelrheinbrücke als feste Querung ausspreche, habe ich einfach überlegt, ob die Fertigstellung dieses Projekts bis 2029 wirklich realistisch sein kann, um positiv während der Buga wirken zu können. Ich hoffe darauf, aber ich bin sehr skeptisch, dass es gelingen kann, diese Brücke bis 2029 zu bauen. Weil die Buga auf alternative Mobilität und auf die Schiene setzt und nachhaltig wirken soll, lag für mich der Gedanke nah, dass die Buga einen solchen temporären Brückenschlag für Radfahrer und Fußgänger gebrauchen kann; zumal der Bund auf den Radwegeausbau setzt und im Rahmen des Klimapakets 2030 auch entsprechende Förderungen in Aussicht stellt. Die Seilbahn in Koblenz hat eine unglaubliche Strahlkraft entwickelt, auch die Hängeseilbrücke Geierlay im Hunsrückort Mörsdorf wirkt weit über die Region hinaus. Eine temporäre und modular errichtete, also wiederverwendbare Rad- und Fußgängerbrücke an prominenter und zugleich schmaler Stelle im Mittelrheintal zur Buga ist aus meinen Überlegungen im Austausch mit engen Wegbegleitern entstanden. In Abstimmung mit dem Büro Dr. Siekmann + Partner wurde dies weiter vertieft und mit ingenieurtechnischem Know-how in eine Visualisierung übertragen. Ich bin den Büros Dr. Siekmann + Partener sowie Verheyen-Ingenieure sehr dankbar dafür, dass sie sich dieser Sache angenommen haben. Sie haben eine Visualisierung erarbeitet, die aufzeigt, dass es ein baulich umsetzbares Projekt ist. Diese Visualisierung habe ich mit einer Erläuterung verschiedenen Fachstellen, Entscheidern und Behörden zur Diskussion zugesandt.

Geplante Fahrradbrücke an der Loreley.

Entwurf / Visualisierung: Dr Siekmann Partner. Verheyen Ingenieure

Wie kam der Vorschlag an?

Die ersten Rückmeldungen liegen vor, die Reaktionen sind sehr offen und positiv. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass es in regionalen politischen Kreisen im Vorfeld der Landratswahl zunächst eine gewisse Zurückhaltung und in Einzelfällen auch eine nach außen getragene Skepsis gibt. Das liegt in der Natur der Sache. Dennoch gibt es auch im Bereich der regionalen Politik Zustimmung. Und wer die Entwicklung der Geierlay-Hängeseilbrücke verfolgt hat, konnte auch dort zunächst erkennen, dass es nicht nur Begeisterung gab. Bei meinem Vorschlag zur Rad- und Fußgängerbrücke Loreley war es daher sehr schön zu erleben, dass ich bereits wenige Minuten nach dem Versenden der persönlichen Anschreiben an Entscheider die ersten telefonischen und schriftlichen Rückmeldungen hatte, die sich für das Projekt aussprachen. Das war wirklich gut. Die Idee befindet sich erkennbar in einer inhaltlichen Bearbeitung, es gibt bereits erste sehr kurzfristige Gesprächstermine mit maßgeblichen Institutionen. Das finde ich sehr gut. Mein Ziel ist es, die Landratswahl im Rhein-Hunsrück-Kreis zu gewinnen und dann an diesem Projekt gemeinschaftlich weiterzuarbeiten.

Für Rüdesheim und Bingen gibt es eine ähnliche Idee. Sind Sie mit den Aktivisten dort in Kontakt?

Ich möchte nicht drum herumreden: Mir war die Idee des Hildegardsteges bis zu meiner Veröffentlichung der Rad- und Fußgängerbrücke Loreley so nicht bekannt. Entsprechend klasse fand ich es, dass sich Stefan Schweitzer als einer der Motoren dieses Projekts sofort bei mir gemeldet hat und in großer Offenheit meinen Vorschlag begrüßt hat. Das fand ich insofern stark, als dieser erste Austausch eine Gemeinsamkeit symbolisiert hat, die wir einfach brauchen, nicht nur für dieses Projekt, sondern ganz allgemein. Wir haben länger telefoniert und verabredet, dass wir uns gemeinsam austauschen. Tenor unseres Gesprächs war, miteinander zu agieren und Projektideen nicht als Konkurrenz zu interpretieren. Ich denke, dass dies eine ideale Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von großen Zielen ist.

Sie treten als unabhängiger Kandidat für die Landratswahl an und werden von SPD und Grünen unterstützt. Wie finanziert sich der Wahlkampf?

Sie beschreiben es genau richtig. Ich bin ein unabhängiger Kandidat ohne Parteibuch, der sich bei SPD, Grünen, FDP und Freien Wähler vorgestellt hat. Jeweils in mehreren Runden, bei kleineren und größeren Versammlungen. SPD und Grüne haben sich dazu entschlossen, mich zu unterstützen, FDP und Freie Wähler haben keine Wahlempfehlung ausgesprochen. Für mich war von Beginn an klar, dass ich mich bei dieser Kandidatur vor allem selbst als Person einbringen muss, mit vielen Terminen, beim Organisieren und Aufstellen von Bauzäunen, beim Plakatieren, beim Fotografieren, Texten und Büromanagement – und selbstverständlich vor allem auch beim Finanzieren. Meine Familie unterstützt mich, ich habe von Beginn an auf Eigenfinanzierung gesetzt. Im Gegensatz zu den Parteien kann ich als Einzelperson keine Spenden annehmen. Menschen aus der Region, die mich unterstützen, haben sich mit Spenden an die unterstützenden Parteien eingebracht, um meine Kandidatur zu unterstützen. Dafür bin ich sehr dankbar. Diese Spenden sind mit eingeflossen in ein Gesamtbudget, das knapp ist und von dem ich einen sehr hohen Eigenanteil trage.

Und wie finanziert sich Volker Boch selbst? Können Sie während des Wahlkampfs noch in der Redaktion der „Rhein-Zeitung“ arbeiten?

Als ich mich zu dieser Kandidatur entschieden habe, war klar, dass es kein leichter Weg sein wird – meine Road to RHK ist so, wie ich es von einem früheren Leistungssportler und langjährigen Journalisten selbst erwarten würde: großer Einsatz, professionelle Einstellung und voller Fokus auf das Ziel! Für mich fängt dies mit einer scharfen Trennung von Beruf und Ambition an. Ich werde häufiger gefragt, warum ich zuvor nicht kommunalpolitisch in Räten engagiert gewesen bin. Ich hätte es nicht für professionell gehalten, hauptberuflich über Politik zu schreiben und vor Ort parallel dazu kommunalpolitisch tätig zu sein. Für mich ist eine Trennung wichtig. Ich habe deshalb vor der Bekanntgabe meiner Kandidatur bei meinem Arbeitgeber um unbezahlten Urlaub gebeten.

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