Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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„Wir müssen das Festival deutschlandweit vermarkten“

Willy Praml ist kein Mann für kleine Dinge. Der Frankfurter Theatermacher will das Mittelrhein-Festival „An den Ufern der Poesie“ zu einem nationalen Kulturereignis machen. Das klingt verwegen, aber die Voraussetzungen sind nicht schlecht. Es gibt mit Heines „Rabbi von Bacharach“ ein großes Leitmotiv, Menschlichkeit als universelles Thema und eine Landschaft von Weltrang als literarischer Schauplatz. „Wir müssen das Festival und die Bedeutung des Stoffes deutschlandweit vermarkten“, zitiert in die „AZ“. Am Freitag startet die vierte Auflage von „An den Ufern der Poesie“ in Bacharach. Aufführungen und Lesungen gibt es auch in Oberwesel, Lorch und Kaub. Praml ist 80, ein Kind des 2. Weltkrieges. In Bingen engagieren sich unterdessen 65 Jahre jüngere Schüler in seinen Sinn. Sie haben mit ihrem Lehrer Marcel Griesang und mit Unterstützung des Oberweseler Historikers Walter Karbach einen Dokumentarfilm über den antisemitischen Werner-Kult am Mittelrhein gedreht. Zu sehen ist er u. a. am 19. Juli im Binger Programmkino KiKuBi. Allgemeine Zeitung (€), KiKuBi (Kino-Website), An den Ufern der Poesie (Festival mit Ticket-Verkauf)

Blick auf die Wernerkapelle, 2022.

Blick auf die Wernerkapelle, 2022.

Happy End in Boppard

Boppard sitzt nicht länger auf dem Trockenen. Am Wochenende öffnete nach 14 (!) Jahren das komplett neu gestaltete Freibad. Eine Bürgerinitiative mit Niko Neuser und Eva Schneider an der Spitze hat es möglich gemacht. Boppards Open-Air-Paradies setzt auch ökologische Maßstäbe: Ab 2023 wird das Wasser durch warme Thermalquellen beheizt. SWR (Video)

Ein neuer Top-Manager am Mittelrhein

Christoph Riemer, Manager aus München und promovierter Chemiker, übernimmt eine der wichtigsten Jobs am Oberen Mittelrhein. Riemer wird Chef der Lahnsteiner Chemiefirma Zschimmer & Schwarz. Das Unternehmen beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter und erwirtschaftet pro Jahr ca. 700 Millionen Euro. Der neue CEO kommt von börsennotierten Chemiekonzern Wacker. Rhein-Zeitung [€), Zschimmer & Schwarz (Pressemitteilung)

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Liebe geht durch den Krümel

Lia und Krisztian Berki haben ein leerstehendes Ladenlokal in Bacharach aus dem Koma geholt. Jetzt führen sie dort ein Bistro, das „Krümel“. Mareike Knevels hat die beiden besucht und weiß jetzt, worauf es in der Gastronomie ankommt.

Illustration: Mareike Rabea Knevels

Illustration: Mareike Rabea Knevels

„Wir mögen das Wasser. Nicht nur zum Duschen, sondern auch zum Gucken“, sagt Lia und blickt aus dem großen Schaufenster. So als könnte sie hinter der Häuserreihe den Rhein sehen. Dann wandert ihr Blick prüfend zu Krisztian: „Du doch auch, oder?“ Der schnell ein „Doch, doch“ brummelt.

Lia und Krisztian Berki führen seit dem 24. März „Der Krümel“ in der Bacharacher Oberstraße. Es ist für sie nicht die erste eigene Gastronomie: Vorher betrieben sie das Hotel „Blüchertal“ im Stadtteil Steeg und noch früher die Gaststätte „Zum Saalbau“ in Mainz-Mombach. Die Rumänin und der Ungar haben über 25 Jahre Gastronomie-Erfahrung; jetzt sind sie im Zentrum Bacharachs angekommen.

Buttercreme und Lebensmittelpreise

Holztische mit unebenen Kanten, graue und lila Wände, schwarze Butcher-Fliesen an der Theke, viele Pflanzen – das Restaurant ist mit Liebe und Sorgfalt eingerichtet. Man soll sich familiär fühlen und gut essen.

Vor allem aber lässt Lias Kuchenvitrine die Herzen höher schlagen: Rumänische Süßspeisen aus Buttercreme zubereitet sitzen in Probierhäppchen auf Tellern. Die habe sie selbst gemacht, lächelt Lia, und die Kuchen seien von ihrer Schwester. „Die meisten Deutschen möchten abnehmen, aber die Touristen, die hier vorbeikommen, probieren schon gerne.“

Krisztian ist ausgebildeter Koch und das Kochen macht ihm Spaß; nicht immer natürlich aber fast. Er zuckt mit den Schultern. Man könne auch im Büro einen schlechten Tag haben, so sei es eben auch mal in der Küche. Was es ihm schwerer macht, sind die steigenden Lebensmittelpreise. „Fett kostet fast das Zehnfache und da fängt es erst an. Die steigenden Preise kann man natürlich nicht eins zu eins auf das Endprodukt umlegen.“ Denn dann würden die Gäste nicht mehr kommen. Die Laune lassen sie sich trotzdem nicht verderben, dafür arbeiten sie schon zu lange zusammen.

Die Geschichten der anderen

Ihr erstes Restaurant eröffneten Lia und Krisztian in Mainz. Den „Saalbau“ betrieben sie 13 Jahre lang. Bis zu 100 Menschen fanden dort Platz „Damals ist man viel gerannt. Zeit für die Gäste hatten wir nicht“, erinnern sie sich. Das ist in Bacharache anders. Hier im „Krümel“ fühlt man sich wie bei Freunden zu Besuch, sitzt gemütlich, kann den Gesprächen der anderen lauschen oder sich mit den beiden Inhabern unterhalten.

Dieses Miteinander ist den beiden wichtig. „Ich mag die Geschichten, die mir die Menschen mitbringen“, erzählt Lia. Sie nimmt sich gern Zeit, um zuzuhören, aber auch um etwas von sich zu erzählen. „Das ist doch das Tolle an der Gastronomie.“ Der Austausch und die Begegnung.

Im Radio läuft „Sweet Home Alabama“ von Lynyrd Skynyrd.

Sweet home Alabama
Where the skies are so blue
Sweet home Alabama
Lord I’m comin‘ home to you

Die Songzeilen passen.

Das „Krümel“ ist nicht groß, der Platz reicht für 25 bis 28 Gäste. Lia und Krisztian ging es beim Konzept nicht nur die familäre Atmosphäre. Es war ihnen wichtig, dass sie den Laden zu zweit betreiben können. Überall in der Gastronomie fehlt Personal. Da ist es besser, nicht darauf angewiesen zu sein.

Illustration: Mareike Rabea Knevels.

Illustration: Mareike Rabea Knevels.

Männer ohne Nerven

Seit 17 Jahren sind die beiden nun verheiratet. Kennengelernt hat das Paar sich in Mainz im „Im goldenen Engel“, dort war Krisztian Koch und Lia Zimmermädchen.

„17 mal drei“, lächelt Lia. „Das sind die drei Schichten: Arbeit, Freizeit und Urlaub. Die verbringen wir gemeinsam. Also sind wir eigentlich schon 51 Jahre verheiratet.“

Natürlich geht das nicht ganz ohne Streit. „Dann muss man klar besprechen, woran es liegt. Unsere Gäste merken sofort, wenn zwischen uns etwas nicht passt.“ Und ihr gemeinsames Ziel, ihre Gastronomie, lenke den Blick dann auch schnell wieder nach vorne, sagt Lia.

In dem Moment kommt Krisztian aus der Küche und sagt: „Und ich habe gute Nerven.“ Lia lacht und meint dann: „Ich bin stolz auf uns und dass wir das bis hierhin geschafft haben.“

Die Familien des rumänisch-ungarischen Paares leben in ihren Herkunftsländern, umso wichtiger sind ihnen ihre Freunde. „Die leben alle in Mainz. Dort fahren wir einmal in der Woche hin.“ Mainz vermisse Lia schon hin wieder, ihr Herz hänge noch ein wenig an der anderen Stadt am Rhein.

Und dann ist da noch die Verbindung nach Steeg. Dem Weindorf haben sie ein Schnitzel gewidmet, „Das Steeger Schnitzel, so bringen wir ein Stück Steeg nach Bacharach“, lacht Lia. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch bald einen Mainz Muffin oder Mombacher Maultaschen oder…

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An den Ufern der Poesie geht’s weiter

Corona-Auflagen stoppten 2021 die Mittelrhein-Biennale „An den Ufern der Poesie“. Jetzt kommt das Kulturfestival zurück, und zwar nach Bacharach, Oberwesel, Kaub und Lorch. Zwischen dem 1. und dem 17. Juli präsentieren das Frankfurter Theater Willy Praml und Gäste wie der Schauspieler Michael Quast rund ein Dutzend Aufführungen, u. a. in der Bacharacher Wernerkapelle, im Lorcher Hilchenhaus und im Oberweseler Klostergarten. Der literarische Kern bleibt Heinrich Heines unvollendetes Meisterwerk „Der Rabbi von Bacharach“ mit seinen Lehren für die Gegenwart, Fakes-News-Analyse inklusive. „An den Ufern der Poesie“ wird diesmal von einer Serie von Ausstellungen über jüdisches Leben am Mittelrhein begleitet. In Bacharach und Oberwesel, lange Zeit die Zentren des antisemitischen Werner-Kultes, gibt es Präsentationen und Führungen. Die Vernissage ist am kommenden Samstag (18. Juni) im Kulturhaus Oberwesel. Veranstalter ist das Kulturnetz Welterbe Oberes Mittelrheintal (KOM).  An den Ufern der Poesie (Festival-Website mit Spielplan), Jüdisches Leben am Mittelrhein (Website des Ausstellungsparcours)

„Rabbi von Bacharach“-Inszenierung 2017. Foto: Linda Butz.

Manchmal muss es Bingen sein

Jahrzehntelang war für Frankfurter Feinschmecker die Welt am rechten Rheinufer zu Ende. Man tafelte sich quer durch den Rheingau und hielt sich von Orten wie Bingen fern. Bis jetzt. Neulich bat die Lifestyle-Zeitschrift „Top Magazin Frankfurt'“ ,Jürgen Dollase, einen der bekanntesten Restaurant-Kritiker der Republik, um 5 kulinarische Ausflugstipps im Rheingau. Dollase lieferte, aber der Rheingau war ihm nicht genug. Zu seinen Top 5 gehört auch das Binger „Bootshaus“ im Hotel „Papa Rhein“. O-Ton: „Der Ausflug wird sich lohnen, weil dort mit Nils Henkel einer der ganz großen deutschen Köche arbeitet, der schon einmal mit drei Michelin Sternen ausgezeichnet wurde.“ Dollases 4 weitere Rheingau-Empfehlungen liegen in Wiesbaden (Landhaus Diedert), Eltville (Kronenschlösschen), Hattenheim (Zum Krug) und im Kloster Eberbach (Klosterschänke) Top Magazin

Noch ein Argument für die Alternativtrasse

Der undichte Gefahrgutwaggon in Lahnstein hat nicht nur die Feuerwehr alarmiert. In der „RZ“ erinnert Willi Pusch von der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm an den Unfall 2020, als 130.000 Liter Heizöl im Lahnsteiner Erdreich versickerten. Diesmal blieb der Schaden zwar gering, aber Pusch will die Politik trotzden nicht davonkommen lassen: „Wir fordern die Bundesregierung auf, endlich die Machbarkeitsstudie für die Alternativstrecke von Bonn-Troisdorf bis Mainz-Bischofsheim fertig zu stellen und nicht abermals auf die lange Bank zu schieben.“ Rhein-Zeitung (€)

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