Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Kategorie: 7 Fragen an Seite 1 von 31

Arno Luik: „Die Tunnel-Idee ist absurd“

Laut „Spiegel“-Bestseller-Liste ist Arno Luik Deutschlands Bahnkritiker Nr. 1. Der „Stern“-Journalist hat für sein Buch „Schaden in der Oberleitung  – Das geplante Desaster der Deutschen Bahn“ u. a. im Oberen Mittelrheintal recherchiert, bei Andreas Stüber im Bacharacher Rheinhotel übernachtet und mit dem Bopparder Bahnlärm-Aktivisten Frank Groß („Pro Rheintal“) gesprochen.  Luik ist sich sicher: Die Region braucht keinen Milliarden-Tunnel am St. Nimmerleinstag, sondern schnelle und intelligente Maßnahmen – und eine Politik, die das Bahn-Management endlich an die Kandare nimmt. 7 Fragen an den Schrecken des Bahnvorstandes.

"Stern"-Journalist Arno Luik ist einer der proflitiersten Bahnkritiker. Foto: Lukas Reinhardt.

„Stern“-Journalist, Buchautor und Bahnkritiker: Arno Luik. Foto: Lukas Reinhardt.

Arno, ich kenne das Mittelrheintal seit meiner frühesten Kindheit, habe dort 10 Jahre lang als Erwachsener gelebt und fand den Zugverkehr nie besonders störend. Er gehörte irgendwie immer dazu. Ist das Abstumpfung oder Realismus?

Die Bahn war lange Jahre lang ein Segen für die Region. Sie brachte Touristen aus Berlin, dem Ruhrgebiet, aus Schwaben. Am Zugverkehr störte sich bis in die 90er Jahre des  vergangenen Jahrhunderts niemand, der Lärm der Autos war nervender, auch der Lärm der Kampfjets, die das enge Rheintal rauf- und runterdüsten und Krieg übten.

Die Bahnlärm-Debatte hat erst in den vergangenen 10 Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Wie stark ist der Zugverkehr seit den 90er Jahren angestiegen?

Mit dem Bau der Schnellstrecke von Köln nach Frankfurt wurden den Bürgern im Rheintal versprochen: Es wird ruhiger. So sagten  und versprachen es alle Parteien. Das Gegenteil ist eingetreten. Es wurde immer lauter. Die relativ leisen Personenzüge verschwanden, aber es kam nun ins enge Tal das infernalische Lärmen der Güterzüge. Heute donnern bis zu 500 Güterzüge durch das Tal, Tag und Nacht, rund um die Uhr. Mit Lärmexplosionen bis zu 110 Dezibel. Das ist  – im wahrsten Sinne des Wortes  – mörderisch laut. Lärm kann töten, sagt die WHO. Der zunehmende Lärm entleert die Dörfer und Städte im Oberen Mittelrheintal, dem Weltkulturerbe. Ein Traum von einer Gegend, ein Albtraum für die Bewohner – wegen des Zuglärms.

Ist es wirklich so viel lauter geworden? Die Bahn argumentiert unter anderem mit dem Einbau von Flüsterbremsen …..

Es ist extrem lauter geworden. Wie gesagt: Manchmal, eher oft, knallt es im Tal bis zu 110 Dezibel hoch.  Es sind die uralten Güterzüge, die diesen Lärm verursachen, wenn die über Weichen springen, über unebene Stellen im Gleis hüpfen, ungepflegte Räder, verkommenes Material, Stahl auf Stahl hämmert  – dann ist es mit der Nachtruhe für Tausende Menschen vorbei. Diese gepriesene Flüsterbremsen …. Na ja, ein Witz. In anderen Ländern, beispielsweise Portugal, sind sie seit den 80er Jahren Standard. Das Problem ist: Die Güterwagen der Deutschen Bahn sind im Schnitt über 30 Jahre alt, also richtige Lärmmonster mit uralten Kupplungen, die Krach machen, da ändern Flüsterbremsen wenig.

Welche Lärmschutzmaßnahmen würden im Rheintal helfen?

Neues, modernes Material, moderne, leise Güterzüge und Güterwagen, Geschwindigkeitsbegrenzungen für Güterzüge nachts, gepflegte Gleise und Räder – wie es früher bei der Bundesbahn üblich war. Intelligente Maßnahmen gegen den Lärm, nicht diese meterhohen Betonmauermonster, die nichts bringen – nur Geld für die Betonindustrie.

Im Mittelrheintal wehren sich 2 unterschiedliche Bürgerinitiativen gegen den Bahnlärm. Sollten sie sich verbinden?

Ja.

In deinem Buch „Schaden in der Oberleitung“ beschreibst du die Lust der Bahn, monströse Tunnelprojekte zu organisieren. Dann müsste ihr ein Tunnelsystem auf der rechten Rheinseite doch eigentlich recht sein, oder?

Tunnel sind unnötig. Der Mensch ist kein Maulwurf und fahren im Tunnel kein Spaß. Die einzigen, die bei Tunnelbauten profitieren, sind die Beton- und dieTunnelbohrindustrie. Es ist bizarr, was in Deutschland passiert: Die Streckenlänge nimmt seit viele Jahren ab, um gut 20 Prozent in den vergangenen 25 Jahren. Aber die Länge der Tunnel ist immens gewachsen: Zwischen 2008 und 2018 ist die Anzahl der Tunnel von 675 auf aktuell 793 gestiegen, die Tunnellänge von 490.375  auf 762.634 Meter, eine Steigerung um 55,5 Prozent. Der Grund? Ganz profan gesagt: Geld. Richtig viel Geld.  Ein Kilometer Eisenbahntunnel kostet mindestens 50 Millionen Euro – wenn die geologischen Bedingungen optimal sind. Wenn es durch Karst geht, kommt man rasch  auf 100 bis 110 Millionen Euro.  Im Klartext: Für die Tunnelbohrmaschinen- und Betonindustrie sind Tunnelbauten ein El Dorado. Aber für das Klima sind sie Gift: Beim Bau eines Kilometers Bahntunnel wird so viel Treibhausgas freigesetzt wie von 26.000 Autos im Jahr, die über 13.000 Kilometer fahren. Kommen Tunnel ins Spiel, pulverisiert sich der Öko-Bonus der Bahn aber noch aus einem Grund: Der Energieverbrauch für die Züge nimmt immens zu. Bei einem zweigleisigen Tunnel um gut 50 Prozent, einem eingleisigen Tunnel um 100 Prozent. Es gibt nun Planspiele, auf der rechten Rheinseite einen Tunnel von rund 100 Kilometern zu bauen, das ist absurd. Dieser babylonische Tunnelbau wäre ein unverantwortlicher staatlich subventionierter Klimakiller.  Und wie gesagt: Der Mensch ist kein Maulwurf. Er ist keine Rohrpost. Gerade das Fahren entlang des Rheins: ein Genuss. Und die Züge könnten dort sehr wohl leise sind, sie würden weniger stören als Autos. Wenn Gleise, Weichen und Züge gepflegt werden, siehe Schweiz, sind moderne Züge erfreulich leise. Aber billige Lösungen mag diese Bahn nicht. Der Grund: Für Neubauten muss nicht sie zahlen, das zahlt der Bürger, für Neubauten bekommt die Bahn für ihre Planungsaufsicht rund 20 Prozent der Bausumme. Darum hat die Bahn ein Interesse, dass Neubauten möglichst teuer sind. Der Bürger bezahlt und bezahlt für Unkomfort – und die Umwelt leidet. Absurd.

Unabhängig vom Bahnlärm-Problem: In welchem Zustand sind Personennahverkehr und Bahnhöfe am Mittelrhein?

Desolat. „Pitoyable“, wie Schweizer Zeitungen höhnen. Bemitleidenswert.

 

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#bacharach #mittelrhein #mittelrheingold #bahnhof #railway #rhine #schienen #bahn

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Arno Luiks „Schaden in den Oberleitung“  (296 Seiten) ist im Westend-Verlag erschienen und kostet 20 Euro. Die digitale Ausgabe gibt’s für 13,99 Euro. Das Buch gibt es z. B. im Online-Shop von Franziskus Weinert (Schreibwaren Hermann) in Oberwesel. Franziskus kann es über Nacht besorgen. 

Dieses Jahr in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein (Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler(Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) – Anne Kauer (Winzerin in Bacharach) – Gerd Benner (Manager und Hobby-Köhler aus Boppard) – Markus Kramb (Metzger aus St. Goar) – Mary-Ann Gellner (Hauptkommissarin der Wasserschutzpolizei St. Goar) – Ilka Heinzen (Einzelhändlerin und Stadträtin in Bingen) – Jan Bolland (Hotel-Investor in Bingen) – Pater Eryk (Franziskaner im Kloster Bornhofen) – Mareike Knevels (Kommunikationsdesignerin und Burgenbloggerin) – Willy Praml (Theatermacher „An den Ufern der Poesie) – Sebastian Hamann           (Beigeordneter der Stadt Bingen) – Johannes Lauer (Dachdeckermeister und Kommunalpolitiker in Lahnstein) – Almut Lager (Unternehmerin und Denkmalschützerin in Bacharach) – Maximilian Siech (Sportler und Projektleiter beim Zweckverband Welterbe) – Till Gerwinat und Lambert Lensing-Wolff (Unternehmer auf Burg Reichenstein) – Christiane Speth (Exil-Bopparderin und Udenhausen-Patriotin an der Schweizer Grenze) – Christian Albrecht (Feuerwehr-Profi aus Oberwesel) – Markus Kalkofen (Polizist und Landschaftspfleger aus Kamp-Bornhofen) – Lena Höver (Stadtmanagerin und Tourismus-Chefin in Oberwesel) – Klaus Zapp (Bürgermeister-Kandidat in Rüdesheim) – Walter Karbach (Autor und Verleger aus Oberwesel) – Heike Zimmer (Floristin und Krankenhaus-Kämpferin in Oberwesel) – Axel Strähnz (Arzt in Oberwesel) – Jens Voll (Kommunalpolitiker in Bingen) – Roger Lewentz (Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz)

Termine des Tages

St. Goar – Advent im Weingut Philippsmühle – 8. Dezember, 11-19 Uhr. VG St. Goar-Oberwesel

Boppard – Bälzer Weihnachtsmarkt – 8. Dezember, ab 12 Uhr. boppard-tourismus.de

Burg Rheinstein – „Märchenhafte Weihnachtsburg“ – 8. Dezember, 12 – 19 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Bacharach – Punsch- und Glühweinzeit im Weingut Karl Heidrich – 7. Dezember, 14 – 18 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Lorch-Espenschied – Espenschieder Advent / Lieder und Glühwein – 17 Uhr. lorch-rhein.de

Festung Ehrenbreitstein – „Festungsvarieté – 8. Dezember, 19 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Boppard – „Das perfekte Geheimnis“ / Cinema in der Stadthalle – 8. Dezember, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Foto des Tages

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Das grüne Herz von Bingen – 7 Fragen an Jens Voll

Eigentlich ist Jens Voll schon aus dem Rennen. Bei der Wahl zum Binger Oberbürgermeister kam der ehrenamtliche Beigeordnete und Kandidat der Grünen nicht über die erste Runde hinaus. Jetzt unterstützt er den SPD-Bewerber Michael Hüttner gegen den – O-Ton – „manchmal unkontrolliert wirkenden und teils selbstsüchtigen Oberbürgermeister“. 7 Fragen an einen Mann, der den Wechsel will.

Jens Voll ist Beigeordneter der Stadt Bingen. Foto: Privat.

Du bist bei der Binger OB-Wahl vor 2 Wochen in der ersten Runde ausgeschieden. Was macht man an so einem Wahlabend? Sich ärgern oder froh sein, dass es vorbei ist?

 Ich mache seit 20 Jahren Kommunalpolitik in Bingen und kann die Stadt daher recht gut einschätzen. Von daher konnte ich mich am Wahlabend schon bei den ersten Meldungen aus einzelnen Wahlbezirken gut auf die Niederlage einstellen. Natürlich bleibt die Enttäuschung, das Wahlziel Stichwahl nicht erreicht zu haben, einige Zeit hängen. Aber das grüne Team hat einen nie dagewesenen Wahlkampf hingelegt und viel Spaß dabei gehabt. Außerdem konnte ich unser Kommunalwahlergebnis um 2,5 Prozentpunkte steigern.

Wie finanziert sich so ein Wahlkampf eigentlich?

 Der Stadtverband der Grünen in Bingen hat mich als Kandidaten nominiert und trägt damit auch die Kosten. Da Wahlkämpfe aber durch die multimedialen Ansätze immer teurer werden, tragen auch einige Mitglieder, darunter ich als Kandidat, mit Spenden zur Kostendeckung bei. Insgesamt liegt unser Budget jedoch weit unter dem von CDU und SPD.

Oberbürgermeister Thomas Feser hat nach meinem Eindruck die aufwendigste Kampagne geführt. Inwieweit darf ein Amtsträger dafür auch seinen Verwaltungsapparat einsetzen? 

Das ist dem Oberbürgermeister grundsätzlich nicht gestattet, er muss sein Amt und seine parteiliche Tätigkeit streng trennen. Schwierig wird es jedoch zum Beispiel bei der Nutzung von bereits durch die Stadt veröffentlichte Meldungen und Bilder. Hier muss immer gefragt werden, zu welchem Zweck das Bild gemacht wurde oder die Meldung abgesetzt, und ob es eine Genehmigung für die spätere Nutzung gibt. Ein Schelm, wer jetzt denkt, der OB hätte diese Bewertung als Dienstherr selbst in der Hand.

Als Beigeordneter bist du selbst Teil der Verwaltung. Gibt es innerhalb der Stadtspitze Diskussionen über den Einsatz von Pressesprecher und PR-Abteilung?

Nein. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehört zum Hauptamt und damit zum geborenen Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters. Die Gemeindeordnung weist ihm hier auch weitgehende Kompetenzen zu.

Du hast dich für Michael Hüttner als neuen OB ausgesprochen. Was kann er besser als Thomas Feser?

Michael Hüttner ist am Wahlabend direkt auf unsere Wahlparty gekommen, um die inhaltlichen Schwerpunkte mit den Grünen zu besprechen. OB Feser hat dies nicht getan. Wir haben eine große Übereinstimmung festgestellt, was aufgrund des gemeinsamen Koalitionsvertrages auch erstmal nicht schwierig erscheint.

Er konnte jedoch auch darüber hinaus eindrücklich darlegen, dass es mit ihm in Bezug auf die Themen Klimaschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt sowie eine anständige Amtsführung auf Burg Klopp eine proaktive Bearbeitung geben wird.

Außerdem ist er eine Art Gegenentwurf zu unserem manchmal unkontrolliert wirkenden und teils selbstsüchtigen Oberbürgermeister. Er hört zu, wägt ab und beteiligt. Das gefällt mir.

Nach meinem Eindruck konzentriert ihr euch auf 2 Themen. Du auf Umwelt, Hüttner auf Wohnen. Was ist euch noch wichtig?

Sicher schlägt mein grünes Herz als erstes für die Umwelt und den Klimaschutz. Für Michael zählt natürlich zum Markenkern der Wohnungsbau und die soziale Gesellschaft, was wir Grüne eher als gesellschaftlichen Zusammenhalt beschreiben.

Wir sind uns darüber hinaus aber einig, dass auch die Wirtschaftspolitik, die Bildungspolitik und die Beteiligung der Bürgerschaft neue Ansätze und Maßnahmen braucht. Vieles davon steht im Koalitionsvertrag, alles wird aber von den Aktivitäten des Oberbürgermeisters und seiner Verwaltung abhängen. Deshalb sind die Beschlüsse des Stadtrates nur wenig wert, wenn ein OB sie nicht umsetzen will. Eine soziale und ökologische Stadtentwicklung, eine IGS und mehr Ganztagsplätze in Bingen oder neue Wirtschaftsansiedlungen mit neuen Arbeitsplätzen sowie die Zusammenarbeit mit der TH Bingen wird es nur mit neuem Oberbürgermeister geben.

In absehbarer Zeit wird auch der Posten des Bürgermeisters frei. Der Stellvertreter des OB wird es nicht direkt, sondern vom Stadtrat gewählt. Kannst du dir vorstellen, als hauptamtlicher Bürgermeister unter einem Oberbürgermeister Michael Hüttner zu arbeiten?

Der Koalitionsvertrag der Ampelfraktionen SPD, Grüne und FDP legt fest, dass bei der Wahl von Michael Hüttner zum OB die Grünen das Vorschlagsrecht für den Bürgermeisterposten haben. Gewählt werden muss natürlich im Stadtrat. Ich kann mir diesen Posten sehr gut vorstellen, hat doch die Hauptamtlichkeit den Vorteil, sich mit voller Kraft den Aufgaben widmen zu können. Als ehrenamtlicher Beigeordneter ist die Zeit für Tätigkeiten in der Verwaltung durch meine Tätigkeit im Familienministerium in Mainz doch sehr eingeschränkt.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

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Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein (Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler(Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) – Anne Kauer (Winzerin in Bacharach) – Gerd Benner (Manager und Hobby-Köhler aus Boppard) – Markus Kramb (Metzger aus St. Goar) – Mary-Ann Gellner (Hauptkommissarin der Wasserschutzpolizei St. Goar) – Ilka Heinzen (Einzelhändlerin und Stadträtin in Bingen) – Jan Bolland (Hotel-Investor in Bingen) – Pater Eryk (Franziskaner im Kloster Bornhofen) – Mareike Knevels (Kommunikationsdesignerin und Burgenbloggerin) – Willy Praml (Theatermacher „An den Ufern der Poesie) – Sebastian Hamann           (Beigeordneter der Stadt Bingen) – Johannes Lauer (Dachdeckermeister und Kommunalpolitiker in Lahnstein) – Almut Lager (Unternehmerin und Denkmalschützerin in Bacharach) – Maximilian Siech (Sportler und Projektleiter beim Zweckverband Welterbe) – Till Gerwinat und Lambert Lensing-Wolff (Unternehmer auf Burg Reichenstein) – Christiane Speth (Exil-Bopparderin und Udenhausen-Patriotin an der Schweizer Grenze) – Christian Albrecht (Feuerwehr-Profi aus Oberwesel) – Markus Kalkofen (Polizist und Landschaftspfleger aus Kamp-Bornhofen) – Lena Höver (Stadtmanagerin und Tourismus-Chefin in Oberwesel) – Klaus Zapp (Bürgermeister-Kandidat in Rüdesheim) – Walter Karbach (Autor und Verleger aus Oberwesel) – Heike Zimmer (Floristin und Krankenhaus-Kämpferin in Oberwesel) – Axel Strähnz (Arzt in Oberwesel)

Termine des Tages

Trechtingshausen – Weihnachtsmarkt An der Heck – 24. November, ab 11 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Burg Rheinstein – „Märchenhafte Weihnachtsburg“ – 24. November, 12 – 19 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Boppard – „Ich war noch niemals in New York“ / Cinema in der Stadthalle – 24. November, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Foto des Tages

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„Wenn man hier als Hausarzt arbeitet, weiß man, warum man Medizin studiert hat“

Mediziner wie Axel Strähnz sind selten geworden – nicht nur am Mittelrhein: Der zweifache Facharzt (Chirurgie und Allgemeinmedizin) arbeitet lieber als Hausarzt in seiner Wahlheimat Oberwesel als streng nach Dienstplan in einer Großstadt-Klinik. Wenn es um die medizinische Versorgung in der Region geht, steigt Strähnz auch schon mal aufs Podest. Bei der Kundgebung für die Loreley-Klinik am vergangenen Sonntag gehörte er zu den Rednern.  7 Fragen an einen Mediziner und Mittelrhein-Fan.

Axel Strähnz bei der Krankenhaus-Kundgebung am 10. November. Foto: Werner Brager.

Axel, du bist niedergelassener Arzt in Oberwesel. Warum gerade hier?

Die Tatsache, dass ich in Oberwesel gelandet bin, ist eigentlich eine Kette von Zufällen. Zunächst bin ich aus privaten Gründen in den Hunsrück gezogen und wollte mich dort niederlassen. Dann kam ich jedoch über Umwege als Arzt in die Chirurgie der Loreley-Kliniken. In dieser Zeit wurde mir eine Hausarztpraxis in Oberwesel angeboten. Da ich mich hier sehr wohlgefühlt habe, habe ich relativ spontan entschieden, das Angebot anzunehmen, und ich habe diese Entscheidung nie bereut.

Wie attraktiv ist der Standort für Mediziner?

Für jemanden, der gerne im „alten“ Sinne als Haus- oder Landarzt tätig sein möchte, also seine Patienten über einen langen Zeitraum in der Praxis, in Ihrem Zuhause und dem familiären Umfeld behandeln will, ist der Standort sehr attraktiv. Die Menschen und auch die Region sind wunderbar, und wenn man hier als Hausarzt arbeitet, weiß man, warum man Medizin studiert hat.

Für junge Mediziner sind allerdings Praxen in Städten oder die Arbeit in den Krankenhäusern attraktiver, weil für sie die Rahmenbedingungen (die Work –  Life -Balance) dort als besser empfunden werden.

Vor allem auf der rechten Rheinseite wird der Ärztemangel dramatisch. Warum ist es so schwierig, junge Ärzte zu gewinnen?

Die Grundvorrausetzungen für die jungen Kollegen stimmen leider nicht mehr. Solange man als Oberarzt im Krankenhaus oder in einer Praxis in der Stadt mehr verdient als auf dem Land, überwiegen für die Kollegen auch diese Vorteile gegenüber der Tätigkeit als Hausarzt in ländlichen Gebieten. Der zeitliche Anspruch, den eine Praxis auf dem Land mit sich bringt, ist deutlich höher. Hinzu kommt noch die Angst vieler junger Kollegen vor den immer noch bestehenden Regressandrohungen (finanzielle Rückforderungen für Leistungen, die nach Meinung der Kassen zu viel erbracht wurden) und der finanziellen Ungewissheit der Selbstständigkeit.

Was würdest du ändern, wenn du es könntest?

Um es einfach auf den Punkt zu bringen: Kollegen, die im ländlichen Bereich arbeiten, sollten für die aufwendigere Betreuung der Patienten, z.B. durch längere Wege zu Hausbesuchen, deutlich mehr Geld bekommen als die Kollegen in der Stadt, beispielsweise im Rahmen eines Landarztzuschlages.

Budgets und Regresse müssen für Landärzte ausgesetzt oder abgeschafft und Zulassungsbeschränkungen für Ärzte im ländlichen Bereich aufgehoben werden.

In Oberwesel und St. Goar sind die Loreley-Kliniken in Gefahr. Dein Kollege Alfred Galeazzi hat die Idee eines medizinischen Versorgungszentrums ins Spiel gebracht, das eng mit den niedergelassenen Ärzten kooperieren würde. Wie realistisch ist das?

In einer Situation wie in St. Goar und Oberwesel sind in Zukunft sicherlich konstruktive und vielleicht auch unkonventionelle Lösungen erforderlich, weil die Situation der medizinischen Versorgung sich rasant verändert. Einfach wird es sicherlich nicht, da wir bei einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) oder auch dem ärztlichen Bereitschaftsdienst von einer Versorgung durch niedergelassene Kassenärzte sprechen, die mit einer Notfallversorgung in einer Krankenhausambulanz zunächst nichts zu tun hat, weder personell noch wirtschaftlich. Eine komplexe, aber nicht unlösbare Aufgabe.

Aber wir haben besprochen, dass wir uns zusammensetzen werden, um mit allen eine machbare Lösung für die Menschen zu finden.

Du hast in deiner Zeit als Krankenhaus-Arzt selbst in den Loreley-Kliniken gearbeitet. Was waren deine Erfahrungen mit der Geschäftsführung und dem Marienhaus-Konzern?

Zu meiner Zeit als Chirurg in den Loreley-Kliniken Anfang der 2000er habe ich sehr positive Erfahrungen mit der damaligen Geschäftsführung gemacht. Der Marienhauskonzern war in der Zeit – nach meinem Empfinden – nur im Hintergrund.

Was können die Menschen in der Region tun, um die Kliniken zu retten?

Die Menschen in der Region haben schon so unglaublich viel getan, und das hat ja auch schon zu ersten Erfolgen geführt. Jetzt heißt es „dranbleiben“ für alle und zusammen den Weg weitergehen. Wenn jeder das, was er kann, weiterhin einbringt, haben wir eine Chance, die wohnortnahe medizinische Versorgung weiterhin zu erhalten.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Dieses Jahr in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein (Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler(Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) – Anne Kauer (Winzerin in Bacharach) – Gerd Benner (Manager und Hobby-Köhler aus Boppard) – Markus Kramb (Metzger aus St. Goar) – Mary-Ann Gellner (Hauptkommissarin der Wasserschutzpolizei St. Goar) – Ilka Heinzen (Einzelhändlerin und Stadträtin in Bingen) – Jan Bolland (Hotel-Investor in Bingen) – Pater Eryk (Franziskaner im Kloster Bornhofen) – Mareike Knevels (Kommunikationsdesignerin und Burgenbloggerin) – Willy Praml (Theatermacher „An den Ufern der Poesie) – Sebastian Hamann           (Beigeordneter der Stadt Bingen) – Johannes Lauer (Dachdeckermeister und Kommunalpolitiker in Lahnstein) – Almut Lager (Unternehmerin und Denkmalschützerin in Bacharach) – Maximilian Siech (Sportler und Projektleiter beim Zweckverband Welterbe) – Till Gerwinat und Lambert Lensing-Wolff (Unternehmer auf Burg Reichenstein) – Christiane Speth (Exil-Bopparderin und Udenhausen-Patriotin an der Schweizer Grenze) – Christian Albrecht (Feuerwehr-Profi aus Oberwesel) – Markus Kalkofen (Polizist und Landschaftspfleger aus Kamp-Bornhofen) – Lena Höver (Stadtmanagerin und Tourismus-Chefin in Oberwesel) – Klaus Zapp (Bürgermeister-Kandidat in Rüdesheim) – Walter Karbach (Autor und Verleger aus Oberwesel) – Heike Zimmer (Floristin und Krankenhaus-Kämpferin in Oberwesel)

Termine des Tages

Boppard – „Das Klavier singt“ / Sonntagmatinee im Bellevue Rheinhotel – 17. November, 11 Uhr. boppard-tourismus.de

Assmannshausen – Tag der offenen Tür im Staatsweingut – 17. November, 11 – 18 Uhr. kloster-erberbach.de

Bacharach – „Romantische Klaviermusik“ mit Valerio Premuroso  / Bacharacher Meisterkonzerte – 17. November, 18 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Festung Ehrenbreitstein  – Kinga Glyk / Konzert im Kuppelsaal – 17. November, 19 Uhr. tor-zum-welterbe.de

St. Goar – Küchenparty auf Rheinfels – 17. November, 19 Uhr. mittelrheinmomente.de 

Boppard – „Dem Horizont so nah“/ Cinema in der Stadthalle – 17. November, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Foto des Tages

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