Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Blick auf Bacharach. Foto: Henry Tornow

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„Vielleicht bin ich einfach Idealist“ – 7 Fragen an Nico Busch

In der Verbandsgemeinde Loreley scheint die SPD-Welt noch in Ordnung zu sein: Landeschef und RLP-Innenminister Roger Lewentz ist über seinen Wohnort Kamp-Bornhofen hinaus der ungekrönte König am rechten Rheinufer, sein früherer Büroleiter Mike Weiland gewann im März die Wahl zum VG-Bürgermeister, und mit Ex-„Loreley“ Theresa Lambrich aus Filsen verfügt die Partei über ein im ganzen Tal bekanntes Nachwuchstalent. Übernächsten Sonntag will die Loreley-SPD auch in St. Goarshausen feiern. Ihr Kandidat Nico Busch, 37, bewirbt sich um die Nachfolge des zurückgetreten Stadtbürgermeisters Matthias Pflugradt. Der Jurist und Event-Unternehmer („Loreley Security Service“) ist in der Stadt aufgwachsen und lebte später in Erlangen. 7 Fragen an einen, der weggezogen und zurückgekehrt ist. 

Nico, du hast in Bayern studiert und dort gearbeitet. Was hat dich zurück nach St. Goarshausen gezogen?

Lass einen Franken nie hören, er wäre Bayer. Aber im Ernst: Zurückgezogen hat mich die Liebe zur Region. Und die familiäre Verbundenheit hier. Ich war gefühlt immer nur vorübergehend weg. Auch wenn ich in Franken gelebt habe, war ich immer regelmäßig in St.Goarshausen. In der Großstadt zu leben ist das Eine – aber das ländliche St. Goarshausen würde ich immer der anonymen Großstadt vorziehen.

Am 11. Oktober willst du zum Bürgermeister gewählt werden. Es wäre viel Arbeit für ein eher symbolisches Gehalt. Was motiviert dich?

Ich möchte etwas bewegen. Ich saß oft in Stadtratssitzungen und hätte gerne meine Meinung – fachlich wie auch persönlich – eingebracht. Das kann ich aber nur, wenn ich aktiv „dabei“ bin. Als Beigeordneter habe ich jetzt schon ein Rederecht, als Stadtbürgermeister auch ein Stimmrecht. Ich möchte, dass es in der Stadt voran geht und die Möglichkeit haben, Themen aktiv anzugehen, Veränderungen anzustoßen. Natürlich wünsche ich mir auch ein positives Feedback für mein Engagement. Das ist ein weiterer „Gehaltsbestandteil“. Ansonsten bin ich vielleicht einfach Idealist.

In deiner Stadt sind gleich mehrere Themen akut. Fangen wir mit dem Dauerbrenner an, der Brücke. Jeder weiß, dass sie in diesem Jahrzehnt nicht mehr gebaut wird. Warum sorgt man in der Zwischenzeit nicht für deutlich bessere Fährzeiten? 

Nun, es gab ausgeweitete Fährzeiten. Zuletzt in den Jahren 2012 bis 2016. Dabei wurde der Fährbetrieb vom Land für zusätzliche Früh- und Spätfahrten bezahlt. Eine Ausweitung der Fährzeiten ist wohl primär eine Kostenfrage. Und im zweiten Schritt dann eine Frage der Wirtschaftlichkeit: Was investiert man, und was für einen Nutzen bringt es, also z.B. wie wird das Angebot angenommen. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es für den Fährbetreiber nicht wirtschaftlich zu sein, generell die Fährzeiten auszuweiten. Ich spreche jetzt nicht von den aktuellen Corona-Fährzeiten. Diese zeitliche Beschränkung soll aber meines Wissens nach zum Winterfahrplan wieder wegfallen. Zur Frage, ob für das Land eine weitere Förderung entsprechenden Mehrwert für die Region bringt oder wie diese Frage ausgewertet wurde, konnte ich vom Verkehrsministerium leider keine Antwort bekommen. Hier konnte man mir nur eine Zwischenauswertung für die Jahre 2012 und 2013 geben. Eine abschließende Auswertung scheint wohl leider nicht erfolgt zu sein.

Mittelrhein-Metropole St. Goarshausen. Foto: Rheinland-Pfalz-Touristik / Dominik Ketz.

Blick auf St. Goarshausen. Foto: Rheinland-Pfalz-Touristik / Dominik Ketz.

Dein Parteifreund Michael Maurer aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis hat in der „RZ“ erklärt, dass das Land 85 Prozent der Brückenkosten übernehmen würde. Warum keine 100 Prozent, wenn das Thema so wichtig ist und sich der Landrat in Simmern gegen eine kommunale Beteiligung sperrt?

Nun, es heißt ja „Landeszuschuss“ bzw. „Förderung“. Nicht Brücken-Schenkung. Es gibt klare Förder-Richtlinien, die solche Beteiligungen regeln. Dabei klingt 85 Prozent für mich schon sehr hoch. Üblicherweise scheinen Förderanteile geringer zu sein. Deshalb ist auch die volle Kostenübernahme des Raumordnungsverfahrens durch das Land für mich etwas nicht Selbstverständliches.

Kommen wir zur Loreley. Dort soll eine Hotelanlage mit über 700 Betten entstehen. Warum so groß?

720 Betten, um genau zu sein. Es gibt eine Studie, die besagt, das über 3.000 Betten im Mittelrheintal fehlen. Zudem gibt es Baurecht, das die Größe zulässt. Und einen Investor, der natürlich wirtschaftlich denkt. Die Rahmenbedingungen führen im Ergebnis zu dem geplanten Projekt, wie es kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Wie soll es mit dem Tourismus in St. Goarshausen weitergehen? Kommt die Kooperation mit St. Goar oder wartert ihr auf die neue Loreley GmbH?

Wie der Jurist so schön sagt: Es kommt darauf an. Die Frage scheint sich mehr auf eine Tourist-Info in St. Goarshausen zu richten. Hierzu werde ich Gespräche führen und Angebote einholen. Für mich ist klar: St. Goarshausen braucht eine Tourist-Info! Ob wir diese selbst besetzen, oder sie als Dienstleistung bei St. Goar, der Loreley-Touristik e.V. oder einer kommenden GmbH einkaufen, muss sich zeigen. Wichtig ist für mich aber auch, dass in St. Goarshausen wieder mehr WIR-Gefühl aufkommt, auch unter den Gewerbetreibenden, von denen eine Vielzahl touristisch orientiert ist: Gemeinsam auftreten. Miteinander, statt jeder für sich. So stelle ich mir den Tourismus in der Loreleystadt vor.>Was die Vermarktung nach außen hin betrifft: Wir sind in einer Vielzahl touristischer Organisationen, an die auch Gelder fließen. Hier werde ich aktiv auch die bezahlten Leistungen einfordern. St. Goarshausen kann nicht alles selbst machen, und sollte nicht grundsätzlich eine „eigene Suppe kochen“ wollen. Aber dass Preis- und Leistung stimmen muss, und das eingekaufte Leistung auch erbracht werden muss – das werde ich im Auge behalten, und gegebenenfalls als ersten Schritt entsprechende Gespräche dazu führen.

In diesem Jahr ist der Konflikt mit dem Pächter der Freilichtbühne eskakaliert. Warum ist kein Mediationsverfahren möglich?

Jetzt kommt der Jurist zu Wort: Ein Mediationsverfahren, bzw. ein Vergleich zwischen zwei Parteien eines Rechtsstreits, ist immer möglich. Denn die Parteien sind im Zivilrecht die Herren des Verfahrens. Das letzte Mediationsverfahren hat sich in der Vorbereitung sehr in die Länge gezogen, weil sich die beiden Parteien über Details zum Mediationsverfahren uneinig waren. Irgendwann hat dann der Stadtrat beschlossen, das Hauptsacheverfahren, welches bis dahin geruht hat, wieder anzugehen. Ihm ist sozusagen „der Geduldsfaden gerissen“. Es ist also nicht grundsätzlich unmöglich. Natürlich müssen für ein Mediationsverfahren aber die Voraussetzungen stimmen. Man muss auf beiden Seiten verhandlungsbereit sein. Auch muss die Lösung für beide Seiten tragbar und vertretbar sein. Entsprechende Einigungsangebote können von beiden Seiten eingebracht werden – ob mit oder ohne Mediator. Der Mediator ist dabei dann mehr der Moderator oder der Vermittler. Und durch den zeitlichen Faktor darf kein weiterer Nachteil drohen. Die Kurse zum Thema Mediation während meines Referendariats waren sehr auf Psychologie und Gesprächsführung ausgerichtet – aber extrem interessant und hilfreich.

Nico Busch will Bürgermeister von St. Goarshausen werden. Foto: Privat

Ab geht die Post

Apropos Loreley: Die bekannteste Mittelrheinerin aller Zeiten gibt es jetzt auch als Briefmarke. Das Motiv wurde standesgemäß auf dem Felsen präsentiert. Es gehört zur neuen Briefmarkenserie „Sagenhaftes Deutschland“. SWR (Video)

Erleuchtung in Bingen

Hans Henrich führt eines der ältesten Fachhandelsgeschäfte in Bingen. Seinen Familienbetrieb „Lampen Henrich“ gibt es seit 1878. Der 55-Jährige genießt einen bundesweiten Ruf als Beleuchtungs-Experte: Laut „AZ“ wurde er auf einer Branchenmesse gerade als „Lichtplaner des Jahres“ ausgezeichnet. Allgemeine Zeitung

Video-Tipp: Expedition nach Oberheimbach

In der SWR-Serie „Landgenuss“ entdecken Moderator Jens Hübschen und Profikoch Frank Brunswig Perlen in der Provinz. Die neueste Folge führte zum „Weinbergschlösschen“ der Gebrüder Lambrich in Oberheimbach. Film ab: SWR

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Das Touristik-Leben nach dem Lockdown

Nach dem katastrophalen Saison-Auftakt kommt der Tourismus am Mittelrhein wieder auf Touren. In der „AZ“ zieht Rhein-Nahe-Touristiker Christian Kuhn eine erste Bilanz. Gut laufen Camping, Ferienwohnungen und Außengastronomie. Bei den Hotels macht sich Aufwand in professionelle Hygiene-Konzepte bezahlt. Das Geschäft mit Gruppenreisen dagegen bleibt schwierig bis unterirdisch. Darunter leiden vor allem die Jugendherbergen. Die gute Nachricht ist: Der Ausfall der meisten internationalen Gäste konnte unerwartet gut kompensiert werden. Es kommen mehr deutsche Urlauber ins Tal und sie bleiben länger. Außerdem profitiert man von den einheimischen Balkon-Urlaubern, die ihre Heimat gerade neu entdecken. „Jetzt merken viele, dass sie echt einmal eine Traumschleife laufen und danach in einer Weinstube einkehren können“, so Kuhn in der „AZ“. Ob das Touristik-Comeback für alle Betriebe reicht, bleibt trotzdem fraglich. Allgemeine Zeitung

Burg Stahleck über Bacharach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Burg Stahleck über Bacharach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Bingens höchster Swimming-Pool

Apropos Tourismus-Betriebe: Zu den entspannteren Gastronomen am Mittelrhein gehört Jan Bolland vom „Papa Rhein“ in Bingen. Sein Hotel wurde während des Lockdowns erst noch gebaut. Die Eröffnung im August kommt im passenden Augenblick. „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner war am Wochenende beim „Pre-Opening“ und schildert in der aktuellen Ausgabe ihre Eindrücke. Abgesehen vom urbanen Wein-Preis (7,50 für ein Glas Weißburgunder aus Bingen-Kempten) war der Tag des offenen Hotels ein voller Erfolg. Besonders gut kam der Swimming-Pool auf der Dachterrasse an. Das 114-Zimmer-Haus am Rheinufer startet am 28. August den regulären Betrieb. Allgemeine Zeitung

Eine lebhafte Hochzeitsnacht in Lahnstein

Unter die Kategorie „Hotelgäste, die niemand braucht“, fällt eine nicht  namentlich genannte Stimmungskanone, die am Samstagabend auf einer Hochzeitsfeier im 15. Stock des Lahnsteiner „Wyndham Garden“ ein bengalisches Feuerwerk zündete und es damit in die „Bild“-Zeitung schaffte: Der starke Rauch alarmierte die Feuerwehr, die das komplette Gebäude evakuierte und auf mögliche Brandherde untersuchte. Das Brautpaar verbrachte seine Hochzeitsnacht vermutlich auf der Flucht, denn es wurde ebenso wie seine Gäste nicht mehr gesehen. Rhein-Zeitung

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Loreley-Passage flussabwärts. #loreley #mittelrhein #schifffahrt #welterbe #wennrausdannrhein #wandern

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Ein kleines Buga-Jubiläum und die Burg der freundlichen Brüder

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) erinnert an 5 Jahre Buga-Vision. Aus der Idee ist längst ein Projekt geworden. Seit 2 Jahren steht fest, dass die Bundesgartenschau 2029 an den Mittelrhein kommt. Sie soll genau wie die Buga in Koblenz und die Landesgartenschau in Bingen weit über das eigentliche Event hinausreichen und die Entwicklung der Region vorantreiben. Im dpa-Artikel erklären u.a. RLP-Innenminister Roger Lewentz und Buga-Stratege Rainer Zeimentz den großen Plan. Der Text dürfte in den kommenden Tagen in vielen deutschen Zeitungen erscheinen. Die dpa beliefert Verlage bundesweit mit journalistischen Inhalten.

Roger Lewentz und Rainer Zeimentz (l.) schieben die Buga an. Foto: Innenministerium RLP

Roger Lewentz und Rainer Zeimentz (l.) schieben die Buga an. Foto: Innenministerium RLP

Die Burg der freundlichen Brüder

Es gibt fast nichts, was die Schönburg über Oberwesel in den letzten 900 Jahren nicht erlebt hätte – inklusive Mord im Mittelalter (Täter war natürlich ein Bacharacher), Zerstörung durch die Franzosen und Wiederaufbau durch einen Millionär aus Amerika. Corona ist nur ein weiteres Kapitel in einer langen Geschichte. Die heutige Inhaberfamilie Hüttl hat nach dem Lockdown ihr 4-Sterne-Hotel wiedereröffnet, eines der besten Betriebe am Mittelrhein. Der SWR hat die Brüder Johann und Hermann Hüttl auf der Burg besucht. Im Video geht es u.a. um die klare Arbeitsteilung hoch über Oberwesel: Hermann kümmert sich um die Hotellerie, Johann um das Restaurant. Eigentlich wollten die Hüttls in diesem Jahr nochmals kräftig investieren und erweitern, aber die Krise hat sie vorsichtiger werden lassen. Das neue Burg-Bistro wird in diesem Jahr trotzdem eröffnet. SWR (Video)

105 Jahre Oberwesel

Apropos Oberwesel: Die Stadt hat das Zeug zum Gesundbrunnen, denn laut „RZ“ wohnt hier die älteste Einwohnerin des gesamten Rhein-Hunsrück-Kreises. Anneliese Thorn wurde gestern 105 (!) Jahre alt. Als sie 1915 in Oberwesel geboren wurde, regierte in Deutschland noch Wilhelm II. und in Österreich-Ungarn Kaiser Franz Joseph. Thorn versorgt ihren Haushalt und ihren Garten, läuft jeden Tag mindestens 2 Kilometer zum Einkaufen und regelt auch sonst noch alles selbst. Ihr Motto: „Nicht ruhen und immer viel arbeiten und sich bewegen“. Konfessionell ist sie allerdings eine eher untypische alte Oberweselerin: Thorn ist evangelisch und gehört damit seit jeher zu einer Minderheit im tief katholischen Ort. In ihrer Jugend hatten die Gegensätze zwischen den Konfessionen noch einen Hauch von Nordirland. Im mehrheitlich protestantischen Bacharach etwa hatte jede Konfession ihre eigene Schule, ihren eigenen Arzt und bevorzugte ihre eigenen Handwerker. Heute gibt es noch nicht einmal überall eigene Pfarrer. Laut „Wiesbadener Kurier“ sind allein auf der rechten Rheinseite 3 evangelische Pfarrstellen unbesetzt.  Rhein-Zeitung (Anneliese Thorn), Wiesbadener Kurier (Pfarrstellen rund um Kaub und Lorch)

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