Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Kategorie: Menschen Seite 1 von 35

Marathonmann und Brückenbauer: 5 Fragen an Volker Boch

Unabhängige Bewerber für kommunale Spitzenämter sind nichts Ungewöhnliches mehr. Oft haben sie bessere Chancen und mehr Erfolg als Parteipolitiker mit jahrzehntelanger Erfahrung. Beispiele aus dem Welterbetal sind der Rüdesheimer Bürgermeister Klaus Zapp und sein Lorcher Kollege Ivo Reßler. Beide setzten sich 2019 gegen langjährige Amtsinhaber durch. Medienprofi und Leistungssportler Volker Boch ist trotzdem ein Sonderfall: Der Mann, der Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises werden will, ist weder Newcomer noch Veteran. Er hat noch nie in einem Kommunalparlament gesessen und kennt das Geschäft trotzdem aus nächster Nähe, denn er arbeitet seit 17 Jahren als Redakteur und Chefreporter für die „Rhein-Zeitung“. Zum Jahreswechsel sorgte er mit einem Vorstoß zur Mittelrheinbrücke für Aufsehen. Was ihn umtreibt und wie er seinen Redaktionsjob von der Kommunalpolitik trennt, erklärt er im Interview mit Mittelrheingold.

Volker Boch im Bopparder Hamm. Foto: Arthur Lik

Volker Boch im Bopparder Hamm. Foto: Privat

Herr Boch, Sie haben die Idee einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen präsentiert. Von wem ging die Initiative aus und wer hat die beteiligten Ingenieure ins Boot geholt?

Die Idee ist sukzessive im einem Entwicklungsprozess von mehreren Wochen entstanden. Es ging für mich dabei um die Frage, wie die Buga 2029 und der Tourismus belebt werden könnte. Ich sehe in der Bundesgartenschau ein großes Potenzial nicht nur für das Mittelrheintal, sondern auch für die gesamte Region. Von dieser Buga sollte gerade im touristischen Bereich ein Effekt auch für den gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis ausgehen. Der Tourismus im Rhein-Hunsrück-Kreis kann im Vorfeld der Buga und durch die Buga noch besser vernetzt werden. Die Idee der Rad- und Fußgängerbrücke ist im Kontext solcher perspektivischen Überlegungen entstanden und vor der Frage, wie sich noch ein Highlight für diese Buga setzen lässt. Da ich mich klar für den Bau der Mittelrheinbrücke als feste Querung ausspreche, habe ich einfach überlegt, ob die Fertigstellung dieses Projekts bis 2029 wirklich realistisch sein kann, um positiv während der Buga wirken zu können. Ich hoffe darauf, aber ich bin sehr skeptisch, dass es gelingen kann, diese Brücke bis 2029 zu bauen. Weil die Buga auf alternative Mobilität und auf die Schiene setzt und nachhaltig wirken soll, lag für mich der Gedanke nah, dass die Buga einen solchen temporären Brückenschlag für Radfahrer und Fußgänger gebrauchen kann; zumal der Bund auf den Radwegeausbau setzt und im Rahmen des Klimapakets 2030 auch entsprechende Förderungen in Aussicht stellt. Die Seilbahn in Koblenz hat eine unglaubliche Strahlkraft entwickelt, auch die Hängeseilbrücke Geierlay im Hunsrückort Mörsdorf wirkt weit über die Region hinaus. Eine temporäre und modular errichtete, also wiederverwendbare Rad- und Fußgängerbrücke an prominenter und zugleich schmaler Stelle im Mittelrheintal zur Buga ist aus meinen Überlegungen im Austausch mit engen Wegbegleitern entstanden. In Abstimmung mit dem Büro Dr. Siekmann + Partner wurde dies weiter vertieft und mit ingenieurtechnischem Know-how in eine Visualisierung übertragen. Ich bin den Büros Dr. Siekmann + Partener sowie Verheyen-Ingenieure sehr dankbar dafür, dass sie sich dieser Sache angenommen haben. Sie haben eine Visualisierung erarbeitet, die aufzeigt, dass es ein baulich umsetzbares Projekt ist. Diese Visualisierung habe ich mit einer Erläuterung verschiedenen Fachstellen, Entscheidern und Behörden zur Diskussion zugesandt.

Geplante Fahrradbrücke an der Loreley.

Entwurf / Visualisierung: Dr Siekmann Partner. Verheyen Ingenieure

Wie kam der Vorschlag an?

Die ersten Rückmeldungen liegen vor, die Reaktionen sind sehr offen und positiv. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass es in regionalen politischen Kreisen im Vorfeld der Landratswahl zunächst eine gewisse Zurückhaltung und in Einzelfällen auch eine nach außen getragene Skepsis gibt. Das liegt in der Natur der Sache. Dennoch gibt es auch im Bereich der regionalen Politik Zustimmung. Und wer die Entwicklung der Geierlay-Hängeseilbrücke verfolgt hat, konnte auch dort zunächst erkennen, dass es nicht nur Begeisterung gab. Bei meinem Vorschlag zur Rad- und Fußgängerbrücke Loreley war es daher sehr schön zu erleben, dass ich bereits wenige Minuten nach dem Versenden der persönlichen Anschreiben an Entscheider die ersten telefonischen und schriftlichen Rückmeldungen hatte, die sich für das Projekt aussprachen. Das war wirklich gut. Die Idee befindet sich erkennbar in einer inhaltlichen Bearbeitung, es gibt bereits erste sehr kurzfristige Gesprächstermine mit maßgeblichen Institutionen. Das finde ich sehr gut. Mein Ziel ist es, die Landratswahl im Rhein-Hunsrück-Kreis zu gewinnen und dann an diesem Projekt gemeinschaftlich weiterzuarbeiten.

Für Rüdesheim und Bingen gibt es eine ähnliche Idee. Sind Sie mit den Aktivisten dort in Kontakt?

Ich möchte nicht drum herumreden: Mir war die Idee des Hildegardsteges bis zu meiner Veröffentlichung der Rad- und Fußgängerbrücke Loreley so nicht bekannt. Entsprechend klasse fand ich es, dass sich Stefan Schweitzer als einer der Motoren dieses Projekts sofort bei mir gemeldet hat und in großer Offenheit meinen Vorschlag begrüßt hat. Das fand ich insofern stark, als dieser erste Austausch eine Gemeinsamkeit symbolisiert hat, die wir einfach brauchen, nicht nur für dieses Projekt, sondern ganz allgemein. Wir haben länger telefoniert und verabredet, dass wir uns gemeinsam austauschen. Tenor unseres Gesprächs war, miteinander zu agieren und Projektideen nicht als Konkurrenz zu interpretieren. Ich denke, dass dies eine ideale Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung von großen Zielen ist.

Sie treten als unabhängiger Kandidat für die Landratswahl an und werden von SPD und Grünen unterstützt. Wie finanziert sich der Wahlkampf?

Sie beschreiben es genau richtig. Ich bin ein unabhängiger Kandidat ohne Parteibuch, der sich bei SPD, Grünen, FDP und Freien Wähler vorgestellt hat. Jeweils in mehreren Runden, bei kleineren und größeren Versammlungen. SPD und Grüne haben sich dazu entschlossen, mich zu unterstützen, FDP und Freie Wähler haben keine Wahlempfehlung ausgesprochen. Für mich war von Beginn an klar, dass ich mich bei dieser Kandidatur vor allem selbst als Person einbringen muss, mit vielen Terminen, beim Organisieren und Aufstellen von Bauzäunen, beim Plakatieren, beim Fotografieren, Texten und Büromanagement – und selbstverständlich vor allem auch beim Finanzieren. Meine Familie unterstützt mich, ich habe von Beginn an auf Eigenfinanzierung gesetzt. Im Gegensatz zu den Parteien kann ich als Einzelperson keine Spenden annehmen. Menschen aus der Region, die mich unterstützen, haben sich mit Spenden an die unterstützenden Parteien eingebracht, um meine Kandidatur zu unterstützen. Dafür bin ich sehr dankbar. Diese Spenden sind mit eingeflossen in ein Gesamtbudget, das knapp ist und von dem ich einen sehr hohen Eigenanteil trage.

Und wie finanziert sich Volker Boch selbst? Können Sie während des Wahlkampfs noch in der Redaktion der „Rhein-Zeitung“ arbeiten?

Als ich mich zu dieser Kandidatur entschieden habe, war klar, dass es kein leichter Weg sein wird – meine Road to RHK ist so, wie ich es von einem früheren Leistungssportler und langjährigen Journalisten selbst erwarten würde: großer Einsatz, professionelle Einstellung und voller Fokus auf das Ziel! Für mich fängt dies mit einer scharfen Trennung von Beruf und Ambition an. Ich werde häufiger gefragt, warum ich zuvor nicht kommunalpolitisch in Räten engagiert gewesen bin. Ich hätte es nicht für professionell gehalten, hauptberuflich über Politik zu schreiben und vor Ort parallel dazu kommunalpolitisch tätig zu sein. Für mich ist eine Trennung wichtig. Ich habe deshalb vor der Bekanntgabe meiner Kandidatur bei meinem Arbeitgeber um unbezahlten Urlaub gebeten.

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Mittelrheintaler (@mittelrheintaler)

Jetzt den Mittelrheingold-Newsletter abonnieren

Jeden Freitag die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Rüdesheim-Profi Kai Climenti: „Ich glaube an meine Idee und habe die Erfahrung“

Keine Gäste, keine Event-Kunden und keine Nachtruhe mehr: Kai Climenti war gerade Vater geworden, als der erste Lockdown das komplette Familienunternehmen mit 6 Mitarbeitern von heute auf morgen lahmlegte. Der Rüdesheimer Tourismus-Profi machte aus der Not eine Chance und entwickelte „Walk like a local“, eine neue Art der  Weinwanderung. Noch im selben Jahr gewann er damit den Rheingauer Gründerpreis. Im Gespräch mit Mittelrheingold-Gastbloggerin Marie-Luise Krompholz, erzählt er, wie die Idee entstand, Tempo aufnahm und nach Corona noch größer werden soll. 

Kai Climenti setzt (fast) alles auf eine Karte. Foto: Tim Krämer

Kai Climenti setzt (fast) alles auf eine Karte. Foto: Tim Krämer

Kai, was ist „Walk like a local”?

Du bekommst eine coole „Walk like a local“-Umhängetasche und gehst dann eigenständig auf eine Weintour rund um Rüdesheim. In der Tasche sind vier Flaschen à 0,25 Liter Rheingauer Weine, zwei Gläser, eine Wegkarte und 15 Spielkarten. Die Spielkarten sind der eigentliche Clou am Konzept: An jeder Station kannst du mit deinem Smartphone einen QR-Code scannen und dir kurze Videos anschauen, bei denen ein Einheimischer Interessantes über die Region erzählt, dich in seinen Weinkeller mitnimmt oder Insider-Tipps gibt. Bei einigen Karten gibt es auch Audio-Dateien mit extra aufgenommenen kleinen Hörspielen. Dabei kannst du feinen Wein probieren und unfassbar schöne Aussichten genießen, und wenn du wieder daheim bist, dir nochmal alles angucken und deinen Lieblingswein online bestellen. 

Wie bist du auf die Idee gekommen? 

In der Rüdesheimer Altstadt gegenüber der Seilbahn ist unsere Homebase mit den Querfeldwein-Weinwanderungen, den Querfeldheim-Ferienwohnungen und dem Bollesje-Keller. Beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 mussten wir von heute auf morgen alles stoppen und schließen. Wir hatten gerade Nachwuchs bekommen, dazu die Verantwortung für 6 Angestellte und einige Helfer. Ich bin kein ängstlicher Typ, aber da habe ich mich schon gefragt, wie es weitergehen soll. Beim Joggen durch die Weinberge höre ich manchmal Podcasts und bei einem Lauf kam mir die Idee, dass man regionale Audios für Touristen anbieten könnte, das wäre ja corona-konform. Das Format sollte informativ sein, auf den Punkt, aber auch locker und Spaß machen. Daraus ist dann über sechs Monate „Walk like local“ gereift und etwas größer geworden. Ich habe Tim Krämer als Videofilmer und die Wiesbadener Agentur 99 Grad für die Idee begeistern können und einige Weingüter davon überzeugt, Sonderabfüllungen ihrer hochwertigen Weine zu machen. Außerdem habe ich Einheimische ins Boot geholt, die Gästen ihre Region und Leidenschaften näherbringen wollen. Das Ganze entspannt, authentisch und mit dem richtigen Know-how. 

Wie läuft es bisher? Welche Kunden habt ihr gewinnen können?

Individuelle Touren und Online-Angebote sind in der Corona-Zeit viel populärer geworden, das spielt uns natürlich in die Karten. Unsere Kunden sind bunt gemischt: Da kommen junge Leute aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet zum Weinwandern. Privatleute verschenken Gutscheine zu Geburtstagen und Firmen ordern die Taschen als Mitarbeiter- oder Kundenpräsente. Das Tolle an „Walk like a local“ ist ja, dass es so flexibel ist und dir viele Freiheiten gibt. Du musst keinen festen Termin vorab buchen, sondern kannst auf die Weintour gehen, wenn du Zeit hast und die Sonne scheint. Du kannst die bequeme Variante mit der Seilbahn wählen oder das ganze Jahr über unterwegs sein. Und natürlich kannst du den Wein trinken, wann, wo und mit wem du das am liebsten magst.

Dein Hauptgeschäft ist ja die Vermietung von Ferienwohnungen, Weinwanderungen und das Event-Essen. Welche Auswirkungen hat Corona?

Es ist eine schwierige Zeit, daran hat sich seit einem Jahr leider nicht viel geändert. Die Ferienwohnungen und die Vinothek liefen zumindest im Sommer und Herbst. Event-Essen und das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft fielen dagegen komplett aus.

Wer oder was hilft dir, auch in diesen schwierigen Zeiten mutig und kreativ zu sein?

Für „Walk like a local“ habe ich ein Darlehen bei meiner Hausbank aufgenommen. Klar ist es riskant, jetzt zu investieren, aber ich bin mir sicher, dass es sich langfristig auszahlen wird. Ich glaube an meine Idee und habe Erfahrung durch unsere Weinwanderungen und die Gästezahlen, um das Potenzial einzuschätzen. Mit „Walk like a local“ bin ich seit Monaten sehr umtriebig, fürs Grübeln habe ich eher selten Zeit. Meine Frau und Familie halten mir dabei den Rücken frei und unterstützen mich sehr bei der Umsetzung. Meine Tochter sieht mich durch die relativ vielen Termine manchmal nicht so oft, aber ich bin unfassbar stolz, wenn sie ein Plakat mit dem Wanderer sieht und „Papa“ ruft. Dafür hat sich die eine oder andere Extra-Stunde für Illustrationen gelohnt. Abschalten kann ich ganz gut bei meiner großen Liebe elektronische Musik. Sie lässt einen entspannt durch den Tag schlendern und macht mir viel Freude.  Vom Typ her bin ich eine Kombination aus bodenständig und kreativ. Spazierengehen mit meinem Hund durch die Weinberge macht mir den Kopf frei für neue Ideen. Die nehme ich dann unterwegs als Sprachnachrichten auf und feile zuhause weiter daran. Ich mag schöne Dinge sehen und bin sehr detailverliebt. Wenn ich etwas mache, dann soll es möglichst perfekt werden!

Wie geht es weiter? Kann sich „Walk like a local“ halten, wenn wieder persönliche Führungen und gesellige Weinproben möglich sind?

Bisher kommen die meisten Anfragen online zu uns. Wir bearbeiten jede Bestellung individuell: unsere Köchin packt die Pakete, unser Animateur fährt sie aus. Damit kann ich ihnen zumindest etwas Beschäftigung geben, und sie sind voll motiviert dabei! Das Frühjahr nutze ich vor allem, um das Projekt bekannt zu machen. Ich habe es in regionalen Fachforen vorgestellt und 18 Kooperationspartner dafür begeistert, darunter mehrere Hotels und Tourist-Informationen von Lorch bis Wiesbaden und der anderen Rheinseite. So richtig losgehen wird es, wenn die Hotels wieder aufmachen dürfen. Dann sind die Leute vor Ort und wollen etwas unternehmen. „Walk like a local“ ergänzt die bestehenden Angebote und ist gerade für Individualgäste attraktiv, weil es ihnen viel Freiheit und Flexibilität bietet. Der Individualtourismus wird weiter zunehmen, unabhängig von Corona. Deshalb wird sich „Walk like a local“ langfristig etablieren und wachsen. Wenn in ein oder zwei Jahren wieder mehr internationale Gäste kommen, wird auch eine englischsprachige Version umgesetzt.

Worauf freust du dich am meisten, wenn Corona endlich unter Kontrolle ist?

Aufs Musik machen, ein überragendes Open-Air mit netten Leuten, am liebsten viele Freunde treffen und umarmen – einfach auf eine unbeschwerte Zeit zum Feiern und „no distancing“.

Marie-Luise-Krompholz hat während der Pandemie noch weitere Macherinnen und Macher am Mittelrhein interviewt. Bisher erschienen:

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Burg Rheinstein (@burgrheinstein)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

 

„Das Verständnis für Digitalisierung fehlt beiden Kandidaten“

Philipp Loringhoven, 33, war der jüngste und unkonventionellste Bewerber bei der Bopparder Bürgermeisterwahl. Der Vertriebsmanager, Stadtrat und frühere CDU-Mann trat ohne Partei im Rücken an und holte fast ein Viertel der Stimmen. Für die Stichwahl am kommenden Sonntag reichte es trotzdem nicht. Im Finale treffen Boppards SPD-Ortsvorsteher Niko Neuser, 42,  und der Westerwälder Strafverteidiger Jörg Haseneier, 53, als Kandidat des CDU-Establishments aufeinander. Eine Wahlempfehlung gibt Loringhoven nicht ab, aber er hat etwas auf dem Herzen: Boppard muss digitaler werden. Dringend. Ein Gespräch über Versäumnisse der Vergangenheit und Chancen für die Zukunft.

Philipp Loringhoven trat als unabhängiger Kandidat an. Foto: Team Loringhoven

Philipp, am Sonntag wählt Boppard den neuen Bürgermeister. Wen wählst du?

Das werde ich auch dir nicht verraten. weil ich die Stichwahl nicht beeinflussen möchte und darum auch keine Wahlempfehlung abgebe.

Eines deiner großen Wahlkampf-Themen war die Digitalisierung. Wer hat da die Nase vorn – Jörg Haseneier oder Niko Neuser?

Aus meiner Sicht ist da keiner der beiden Kandidaten gut aufgestellt. Leider! Der eine Kandidat hält es schon für Digitalisierung, wenn Glasfaserkabel verlegt werden.

Du meinst Jörg Haseneier.

Das kann ja jeder nachlesen. Die Forderung nach Glasfaserkabeln ist so simpel und selbstverständlich, dass man über so etwas gar nicht mehr reden muss. In Boppard tut sich da auch schon was. Der Kreis unterstützt, davon profitiert zum Beispiel das Mühltal. Aber Digitalisierung ist mehr als Kabel zu verlegen. Es geht um Chancen und Lösungen für die Menschen und die Betriebe in Boppard, auch für die Verwaltung. Das Verständnis dafür fehlt mir bei beiden Kandidaten. Der eine reduziert Digitalisierung auf Kabel und der andere fürchtet die Digitalisierung.

Du meinst Niko Neuser.

Auch da kann sich jeder selbst sein Urteil bilden. Es gibt die Angst, dass Digitalisierung Arbeitsplätze kostet. Aber Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Angst muss nur der haben, der immer Probleme und nie Lösungen sieht. Die Digitalisierung kommt sowieso. Darum ist es besser, sie zu gestalten als sich gestalten zu lassen.

Du hast eine Boppard-App vorgeschlagen. Warum nur für Boppard?

Ich habe 2 Apps vorgeschlagen. Eine für bürgernahe Verwaltungsleistungen und eine Plattform für das Leben in der Stadt, mit Freizeit-, Tourismus- und Kulturangeboten, digitalem Ticketing inklusive.

So etwas regeln andere Kommunen über eine attraktive Website, die auch auf dem Smartphone funktioniert.

Leider hat Boppard das nicht. Unsere Website ist eine Katastrophe. Von 100 digitalen Möglichkeiten nutzen wir momentan 10. Und von diesen 10 Möglichkeiten sind null richtig gut umgesetzt.

Foto des Tages

Mittelrheingold-Newsletter bestellen

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Seite 1 von 35

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: