Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Redaktion Seite 1 von 22

„Ich weiß, dass es so einen Laden nicht mehr geben wird, wenn wir schließen“

1958 startete Walter Hermanspahn als Lehrling im Bopparder Lebensmittelladen seines Onkels Erich Brandt. Damals war Eisenhower Präsident der USA und Adenauer Bundeskanzler. Die B 9 führte noch mitten durch die Stadt und ein VW Käfer kostete um die 4000 Mark. Hermanspahn gefiel der Job. In den 70er Jahren übernahm er das Geschäft, Aldi und allen Supermärkten zum Trotz. Jetzt ist Boppards erfahrenster Kaufmann 77 und setzt sich zur Ruhe. Einen Nachfolger hat Hermanspahn nicht. Der wahrscheinlich letzte Tante-Emma-Laden am Mittelrhein ist zwar immer noch rentabel und hätte als Feinkost-Bistro sogar Potenzial für mehr, aber es gibt das Problem vieler Händler und Handwerker: Das Geschäft lohnt sich, aber der Preis für die Selbständigkeit ist hoch. Hermanspahn fuhr jeden Morgen um 4 Uhr zum Großmarkt nach Koblenz, um das frischste Obst und Gemüse aus der Region zu organisieren. Bis vor einigen Jahren hatte er bis abends um halb 7 geöffnet, dann trat er kürzer und konzentrierte sich auf die Vormittagsstunden. In der „RZ“ klingt Hermanspahn wehmütig: „Uns hat das immer viel Spaß gemacht und ich weiß, dass es so einen Laden nicht mehr geben wird, wenn wir schließen“.  Aktiv bleibt er trotzdem: Laut Zeitung gibt  er seinen Enkelinnen Reitunterricht. Rhein-Zeitung

Feinkost Erich Brandt in Boppard.

Boppards ältestes Lebensmittelgeschöft schließt Ende Oktober.

Kapelle zu verkaufen

Falls Sie schon immer mal eine katholische Kapelle aus dem Mittelalter besitzen wollten – in Lahnstein wäre gerade die Gelegenheit gewesen. Laut „RZ“ trennt sich die Pfarrei St. Martin von der ca. 700 Jahre alten Heilig-Geist-Kapelle in Oberlahnstein. Ein Käufer ist gefunden und der Vertrag sei unterschriftsreif, heißt es. Wer den historischen Bau übernimmt und was er damit vorhat, bleibt offen. Die Lahnsteiner Pfarrei will noch weitere Immobilien verkaufen, weil der Unterhalt zu teuer geworden ist. Die „RZ“ berichtet über einen Sanierungsstau von rund 6 Mio Euro. Rhein-Zeitung, Regionalgeschichte Net (über die Kapelle)

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Das grüne Wohnzimmer am Rhein und ein Kreis als Krösus

„PAM“ steht für eines der erfolgreichsten Projekte Bingens. Der „Park am Mäuseturm“ begrünt seit der Landesgartenschau 2008 die Bahnhofsvorstadt Bingerbrück, deren traditioneller Spitzname „Kaltnaggisch“ einiges über die frühere Tristesse verrät. Im „PAM“ steckt nicht nur Steuergeld, sondern auch viel Binger Herzblut. Ein privater Förderverein unterstützt die weitere Entwicklung. Laut „AZ“ soll Bingens Freiluft-Wohnzimmer bis zur Buga 2029 noch besser werden. Geplant sind u. a. ein Bouleplatz in Turnierqualität und ein Sonnensegel für Open-Air-Aufführungen. Auf der To-Do-Liste steht außerdem eine kleine Schau-Saline. Allgemeine Zeitung, Freundekreis Park am Mäuseturm

Der Park am Mäuseturm entstand zur Landesgartenschau 2008. Foto: Stadt Bingen / Torsten Silz

Der Kreis als Krösus

Die Gründung des Kreises Mainz-Bingen 1969 war für das Mittelrheintal nicht gerade eine Sternstunde, denn das neue Konstrukt zog eine weitere Grenze. Oberwesel und Bacharach, bis dahin Nachbarorte im Kreis St. Goar, gehören seitdem zu unterschiedlichen Verwaltungsbezirken. Mainz-Bingen war nicht bei allen Mittelrheinern beliebt, aber manchmal fängt bei Geld die Freundschaft an. Der Speckgürtel-Kreis am Rande des Rhein-Main-Gebiet gilt als einer der reichsten in Rheinland-Pfalz. Er nimmt selbst im schwierigen Jahr 2021 mehr ein als er ausgibt. Laut „AZ“ rechnet man mit 5,4 Mio Euro Überschuss. Allgemeine Zeitung

Die Heimkehr des Hildegard-Buchs

Rund 500 Seiten ist der so genannte „Riesencodex“ der Hildegard von Bingen dick. Das handgeschriebene Buch aus dem Mittelalter ist eine der wichtigsten Überlieferungen über Leben und Werk der Heiligen. Der Wälzer von kaum schätzbaren Wert gelangte im frühen 19. Jahrhundert in den Besitz der Wiesbadener Landesbibliothek. Dass er dort noch immer liegt, ist ein Glücksfall: Ausgelagert in einen Dresdner Banktresor überstand der Codex den Bombenangriff von 1945 und alle späteren Plünderungs- und Enteignungsversuche. Auf welchen halblegalen Wegen er Anfang der 50er Jahre wieder zurück nach Wiesbaden kam und welche Rolle das Rüdesheimer Kloster Eibingen dabei spielte, erzählt die Historikerin Christiane Heinemann in einem gerade erschienenen Buch. Wiesbadener Kurier, Historische Kommission für Nassau

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Top-Vinotheken in Deutschland: Spay und Rüdesheim sind dabei

Was früher mit dem Schild „Flaschenweinverkauf“ oder maximal in einer „Probierstube“ erledigt wurde, heißt heute „Vinothek“. Im Welterbetal ist der Trend zum stylischen Verkaufserlebnis noch nicht überall angekommen. Von futuristischer Weinguts-Architektur wie in Kalifornien, Neuseeland oder Südtirol können die meisten Winzer ohnehin nur träumen. Mittelrhein-Betriebe sind nicht groß. Für ambitionierte Neubauten fehlt oft das Geld und fast immer der Platz. Trotzdem haben es 2 Welterbe-Winzer in die Top-30-Auswahl des Deutschen Weininstituts (DWI) geschafft. In der Liste der „ausgezeichneten Vinotheken 2021“ finden sich die Weingüter Weingart in Spay und Georg Breuer in Rüdesheim.

Vinothek von Florian Weingart am Bopparder Hamm. Foto: DWI

Vinothek von Florian Weingart am Bopparder Hamm. Foto: DWI

Florian Weingart überzeugte mit seiner idyllischen Holzkonstruktion am Bopparder Hamm, Theresa Breuer mit einem puristisch gestalteten Loft (O-Ton DWI „Schlicht und ehrlich“). Das Deutsche Weininstitut hat seine Auswahl zum 2. Mal veröffentlicht. Bei der Premiere 2016 hatte es nur ein Betrieb aus dem Welterbetal in die Top 30 geschafft, Matthias Müller aus Spay. SWR, Deutsches Weininstitut

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