Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Blick auf Bacharach. Foto: Henry Tornow

Schlagwort: Boppard Seite 1 von 82

„Wir müssen das Tal total umkrempeln, damit es attraktiver wird“

Die Mittelrhein-Saison 2020 ist besser gelaufen als nach Lockdown und Osterpleite befürchtet. Der Boom in der Jahresmitte hat die Verluste des Frühjahrs zwar nicht ausgleichen können. Aber er zeigt, was im Tal möglich ist. „Wir hatten noch nie so viele Tagesgäste wie in diesem Jahr. Es hat diesen Sommer richtig gerappelt“, zitiert die „AZ“ Rheinstein-Chef Markus Hecher. Laut Tourist-Info Bacharach kamen neue Gäste aus ganz Deutschland und blieben deutlich länger als üblich. Was besser werden kann, zeigt eine Studie im Auftrag der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Demnach nerven nicht nur der Bahnlärm, sondern auch Maggifix-Gastronomen und Unterkünfte auf 70er-Jahre-Niveau. Ein weiteres Problem: Die Marke Oberes Mittelrheintal ist außerhalb der Region noch zu wenig bekannt. Eine Experten-Kommission des rheinland-pfälzischen Landtags fordert darum die Abkehr vom klassischen Mittelrhein-Klein-Klein: „Erfolgreich gegen die Konkurrenz anderer Destinationen kann die Region nur als Ganzes vermarktet werden. Kleinteilige Tourismusstrukturen sind dabei hinderlich“, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Gutachten.  Für Tourismus-Profi Hecher geht es bis zur Bundesgartenschau 2029 nicht ohne radikale Veränderungen: „Wir müssen das Tal total umkrempeln, damit es attraktiver wird“. Allgemeine Zeitung

Blick von Burg Rheinstein. Foto: Friedrich Gier / Romantischer Rhein Tourismus

Blick von Burg Rheinstein. Foto: Friedrich Gier / Romantischer Rhein Tourismus

Boppard buddelt für die Buga

Ein Bopparder Baustein für die Bundesgartenschau 2029 ist der so genannte Mehrgenerationenpark am Rheinufer, ein Open-Air-Angebot für jedes Alter. Geplant sind u.a. ein Spielschiff für Kinder, ein Skaterpark mit Kletterwand und eine Boule-Bahn für die älteren Semester. Die Bauarbeiten sollen noch im Herbst beginnen. Die Stadt steckt 775.000 Euro in das Projekt. Ganz unumstritten ist es nicht: Kritiker befürchten Lärm und Verunstaltung durch den Skaterpark. Rhein-Zeitung

Scharlachberg-Rekord in Bingen

Bingens Ära als kleine Cognac-Metropole ist zwar schon eine Weile her, aber unterhalb der Weinlage Scharlachberg steht immer noch die frühere „Meisterbrand“-Destillerie. Das historische Firmengelände beherbergt heute mehrere Discounter und soll laut „AZ“ gründlich modernisiert werden. Ein brandenburgischer Investor plane dort „den größten Netto-Markt“ in Deutschland, heißt es. Der Charmes des Industriedenkmals soll erhalten werden; die charakteristischen Schornsteine bleiben stehen. Allgemeine Zeitung

TV-Besuch in Rüdesheim

Apropos Weinbrand. Gegenüber in Rüdesheim ist bekanntlich der noch bekanntere „Asbach Uralt“ zu Hause. Auch hier gibt es es ein historisches und für andere Zwecke genutztes Firmengebäude. Anders als in Bingen geht in der alten Hochprozent-Immobilie aber heute kein Tierfutter über die Theke, sondern Weinprobe-Jetons: In der 2017 eröffneten Vinotek „Rheinweinwelt“ kann man am Automaten probieren. Das klingt wenig romantisch, eröffnet aber fast unendlich viele Möglichkeiten, unterschiedliche Weine zu erleben. Wie das genau funktioniert, zeigt ein aktueller TV-Beitrag in der „Hessemschau“. hessenschau.de (Video, ab ca. Minute 21)

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Seid verschlungen, Millionen

Nach der Schließung der Krankenhäuser in St. Goar und Oberwesel kündigt sich eine weitere Hospital-Krise in Boppard an. Das dortige Hospital „Zum heiligen Geist“ ist zwar nicht akut bedroht, aber beim dahinter stehende Klinikverbund scheint das Geld schon wieder knapp zu werden. Boppard gehört zum so genannten „Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein“ mit weiteren Standorten in Koblenz, Mayen und Nastätten. Eigentümer sind die Stadt Koblenz, der Kreis Mayen-Koblenz und mehrere Stiftungen, darunter die Bopparder Hospitalstiftung. Im Februar mussten die Gesellschafter 8 Millionen zuschießen, um die Gruppe über Wasser zu halten. Anfang nächsten Jahres drohe der nächste Engpass, berichtet der SWR. Längerfristig müsste in das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden. Mit dem Krankenhauskonzern Sana stünde ein potenzieller Investor bereit. Eine Übernahmeangebot der Sana ist laut SWR allerdings abgelehnt worden. SWR

Blick auf Boppard. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Blick auf Boppard. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Boppard braucht noch ein paar Millionen

Als Sanierungsfall ist das Bopparder Karmeliterkloster im Vergleich zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein harmlos, aber das historische Gebäude verschlingt gerade deutlich mehr als vorgesehen. Laut „RZ“ muss die Stadt zusätzliche 3,7 Millionen Euro einplanen. Ein Großteil geht auf Bauschäden durch Insekten zurück: Nage- und Kugelkäfer haben im Lauf der Zeit Boden und Dachkonstruktionen ruiniert. Bisher war mit knapp 10 Millionen Euro kalkuliert worden.  Das frühere Kloster ist Sitz der Bopparder Stadtverwaltung. Rhein-Zeitung

Die Weinkönigin und der Prinz

Nur wenige Mittelrhein-Weinköniginnen haben so eine Karriere hingelegt wie Bärbel Weinert. Die Oberheimbacherin leitet das über 30 Hektar große Nobel-Weingut „Prinz von Hessen“ in Johannisberg im Rheingau. Im Interview mit der „FAZ“ erzählt sie u. a. wie sie den Betrieb zum Bio-Weingut umbaut. Weinert war 2003/2004 Gebietsweinkönigin. Mit (fast) gekrönten Häuptern hat sie es auch in ihrem heutigen Job zu tun: Ihr Arbeitgeber ist der Chef des Hauses Hessen. Der Dynastie regierte bis 1918,  noch früher gehörte ihr auch die Burg Rheinfels, die Burg Katz und die Marksburg. FAZ

Weihnachtshilfe für Bingen

Nach der Selbstauflösung der Binger Werbegemeinschaft erbarmt sich der Stadtmarketingverein Bingen Unternehmen Zukunft (BUZ) und kümmert sich um das Weihnachtsambiente in der Innenstadt. Eine dauerhafte Lösung ist es nicht. In der „AZ“ fordert Lokalredakteur Erich Michael Lang mehr Engagement der Einzelhändler. Allgemeine Zeitung

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„Nach Mallorca darf man noch, aber die deutsche Hotellerie wird abgewürgt“

Bisher wirkte Jan Bolland wie das Sonntagskind unter den Mittelrhein-Hoteliers. In der Corona-Saison machte er immer genau zu richtigen Zeit die richtigen Dinge: Während des Lockdowns im Frühjahr baute er in Ruhe sein „Papa Rhein“ am Binger Hafen zu Ende, und im Sommer, als die Pandemie schon fast überwunden schien, eröffnete er. Mit der 2. Welle wird es aber auch für Bolland ernst. Die Diskussion um Risikogebiete und Beherbergungsverbote drückt aufs Geschäft. Bolland versteht die Strategie und die Kommunikation der Landesregierungen genauso wenig wie seine Kollegen: „Jemand aus einem Risikogebiet könnte also bei uns im Restaurant mit mehreren Leuten am Tisch sitzen und essen, aber allein in seinem Zimmer übernachten dürfte er nicht?“ fragt er in der „AZ“. Die Zeitung hat auch mit Hotelier Karl-Heinz Kaiser vom Binger „Römerhof“ gesprochen. Er macht wegen Corona nur noch 30 Prozent des sonst üblichen Umsatzes. Dem Branchenverband Dehoga ist nach eigenen Angaben kein Fall bekannt, in dem sich ein Gast in einen rheinland-pfälzischen Hotel angesteckt hätte. Für Bolland ist es eine Steilvorlage: „Nach Mallorca darf man noch, aber die deutsche Hotellerie wird abgewürgt“. Allgemeine Zeitung

Hotel "Papa Rhein" in Bingen: Der Pool auf dem Dach.

Besser Baden in Bingen: Der Dach-Pool des „Papa Rhein“ mit Blick auf Rüdesheim. Foto: Hotel Papa Rhein

Ein Mittelrhein-Wochenende beim Nachbarn

Gegenüber im Rheingau haben sich die Hoteliers eine ungewöhnliche Idee einfallen lassen: Urlaub in der Nachbarsachaft. Wer immer schon mal wissen wollte, wie man in den Hotels der Umgebung schläft, bekommt in ausgewählten Häusern bessere Konditionen als Otto Normaltourist. Heißt konkret: Bürger aus dem Rheingau, aus Hochheim und aus Flörsheim am Main können am „Heimatwochenende“ rund um den 14. November ermäßigt im „Schulhaus“ in Lorch, in „Breuers Rüdesheimer Schloss“, im „Central“ und im „Grünen Kranz“ in Rüdesheim wohnen. Mittelrheiner aus Lorch und Rüdesheim können auch in Geisenheim oder Eltville einchecken. Laut „Wiesbadener Kurier“ kostet die Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer pro Person zwischen 47 und 89 Euro, im Einzelzimmer zwischen 67 und 115 Euro. Wiesbadener Kurier, rheingau.com

Video: Der Boppard-Pendler aus Indien

Anfang der 70er Jahre reiste der Bopparder Martin Kämpchen nach Indien und blieb einfach dort. Heute lebt der Deutschlehrer, Übersetzer und Autor in der Nähe von Kalkutta. Er engagiert sich in der Entwicklunghilfe und im Jugendaustausch. Wegen Corona ist Kämpchen gerade länger als sonst in der alten Mittelrhein-Heimat. In der SWR-Landesschau Rheinland-Pfalz erzählt der Pendler zwischen Asien und Europa über sein Leben. SWR

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