Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Lorch Seite 1 von 78

Neue Bürger im Freistaat Flaschenhals und Bäcker Dries macht weiter

Seit fast 30 Jahren vermarkten Winzer und Gastronomen in Lorch und Kaub die unglaubliche Geschichte des „Freistaates Flaschenhals“. Das kleine Territorium zwischen Taunus und Mittelrhein entstand nach dem 1. Weltkrieg durch Zufall, weil es nirgendwo hingehörte – weder zur amerikanischen Besatzungszone rund um Koblenz noch zur französischen rund um Mainz. Auch die reguläre deutsche Verwaltung hatte wenig zu melden: Sie war von Kaub, Lorch, Sauerthal und den damals noch eigenständigen Gemeinden Lorchhausen, Ransel und Wollmerschied abgeschnitten, denn alle Straßen führten durch alliiertes Gebiet und die Bahn durfte nicht halten.

Blick auf Kaub. Foto: Romantischer Rhein Touristik / Dominik Ketz

Blick auf Kaub. Foto: Romantischer Rhein Touristik / Dominik Ketz

Mehrere Jahre lang regierte sich der inoffizielle Freistaat am Mittelrhein fast allein; der legendäre Lorcher Bürgermeister Edmund Pnischek fungierte mit dem Segen der preußischen Regierung als eine Art Staatspräsident und ließ sogar Geld drucken. Anders als heute verlief zwischen Lorch und Kaub übrigens keine Landesgrenze, beide Städte gehörten damals  zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Die 1994 gegründete „Freistaat Flaschenhals Initiative“ (FFI) ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Frühere Mitgliedsbetriebe sind geschlossen oder haben sich neu orientiert, aber die Idee lebt und FFI-Gründer Peter Bahles trommelt weiter für die Freistaat-Story, die schon Buchautoren und Comiczeichner inspiriert hat. Gerade hat die Initiative Zuwachs bekommen: Die Lorcher Gin-Macher Michael Holdinghausen und Raik Schrumpf („Bottleneck Distillers“) sind neu im Club. Im kommenden Februar wollen die Freistaatler ein besonderes Jubiläum zelebrieren. Dann jährt sich zum 100. Mal der Einmarsch der französischen Armee, die dem „Flaschenhals“ ein Ende machte. Wiesbadener Kurier (€), Freistaat Flaschenhals Initiative

Die Ampel steht

Apropos Lorch: Die rechtsrheinische B 42 ist ab Samstag endlich wieder befahrbar, wenn auch nur einspurig. Sie war zwischen Lorch und Assmannshausen mehrere Wochen lang gesperrt, weil weiter am Radweg gebastelt wird. Die Arbeiten an der Bundesstraße dauern seit 2004 und die nächste Vollsperrung im Frühjahr ist schon beschlossene Sache. Im Juni 2023 soll alles fertig sein. Nein, natürlich nicht alles. Da wäre noch das letzte kleine Stück am Rüdesheimer Ortsschild, aber das ist eine andere lange Geschichte. Wiesbadener Kurier (€)

Ladenschluss in Lahnstein

In Lahnstein geht am 31. Dezember nicht nur das Jahr zu Ende. An diesem Tag schließt mit der Buchhandlung Mentges einer der ältesten Läden am Mittelrhein. Inhaber Ludwig Leopold ist 92 und hätte vermutlich noch bis 100 weitergemacht, aber mehrere Lockdowns und die Online-Konkurrenz haben ihm das Geschäft verleidet. Seine Buchhandlung gibt es seit 1865. Rhein-Zeitung (€)

Dries macht weiter

Die Rüdesheimer Bäcker Martin und Stefan Dries dürften 3 Kreuzzeichen machen, wenn das Jahr 2022 vorbei ist. Es bescherte ihnen horrend steigende Energiekosten, über die sogar die „FAZ“ berichtete, und am Donnerstag noch einen Großbrand in ihrer Backstube. Den Schaden schätzen sie auf 500.000 Euro. Ihre Filialen laufen trotzdem weiter. Kollegen und Konkurrenten helfen ihnen dabei. Auf der Dries-Webseite erklärt der Chef die Lage per Video.  Wiesbadener Kurier (€), Bäckerei Dries (Video)

Alles muss raus

Vor 2 Jahren musste das St. Goarer Krankenhaus schließen. Die Stadt verkaufte das Gebäude und die neuen Eigentümer entrümpeln jetzt. Laut „RZ“ wird das komplette Inventar angeboten. Einiges ist schon weg, aber das Haus im Gründelbachtal ist noch lange nicht leer. Wer Interesse hat: Der Verkauf läuft an Ort und Stelle werktags von 9 bis 17 Uhr. Rhein-Zeitung (€)

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Die Zukunft der Weinbergs-Terrassen und Bürokratie an Bord

Mittelrheinische Weinbergsterrassen haben in den letzten 1400 Jahren eine Menge gesehen: Wikinger auf Beutezug, Kreuzritter auf angeblicher Pilgerfahrt, schwedische und spanische Landsknechte, französische Revolutionäre, englische Upper-Class-Reisende, die ersten Dampfschiffe, amerikanische GIs und westdeutsche Wirtschaftswundertouristen. Leider ist die alte Kulturlandschaft so gefährdet wie ein volles Glas Riesling beim Braubacher Winzerfest. Henry Tornow fotografierte die Pfalz bei Kaub .
Burg Gutenfels mit historischen Weinbergsterrassen. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein

Seit 1900 sind über 80 Prozent der alten Wein- und Obstbauterrassen verwildert, verschüttet oder komplett verschwunden. Ein Fall für Professor Eckhard Jedicke von der Hochschule Geisenheim: Der Experte für bedrohte Kulturlandschaften hat gemeinsam mit dem Zweckverband Welterbe ein Projekt namens „Landschaftsmosaik Welterbe Oberes Mittelrheintal“ auf den Weg gebracht. Zunächst werden 3 Orte werden untersucht:  Bacharach, Spay und Lorch. Das Ziel ist, Schieferterrassen und schwer zugängliche Steilhänge für Reben oder Obstbäume zu erhalten. Hochschule Geisenheim, YouTube (Video mit Prof. Jedicke und Welterbe-Managerin Nadya König-Lehrmann)

„Die Personalstärke diktiert, was wir anbieten können und was nicht“

Deutsche Bürokratie verschärft den Fachkräftemangel am Mittelrhein. Laut „AZ“ gelten neuerdings alle, die auf einem Ausflugsschiff oder einer Fähre arbeiten, als „nautisches Personal“ – auch die Kassierer auf dem Fährdeck. Sie müssen eine Prüfung ablegen, was vor allem Quereinsteiger abschreckt. Die Bingen-Rüdesheimer Reederei versucht, das Problem mit eigenen Ausbildungsplätzen zu lösen, aber der Markt bleibt schwierig. „Die Personalstärke diktiert zunehmend, was wir anbieten können und was nicht“, zitiert die Zeitung Geschäftsführer Oliver Pohl. Im kommenden Jahr muss er den Fahrplan ausdünnen und eine der täglichen Ausflugsfahrten streichen. Allgemeine Zeitung (€)

Gourmet-Check in Rüdesheim

Die „FAZ“ hat das Rüdesheimer Restaurant „Bees“ getestet und weiß nicht, was soll es bedeuten. Rhein-Main-Ressortleiterin Jaqueline Vogt war mit der ungewöhnlichen Speisekarte überfordert und mit den Portionsgrößen nicht zufrieden, lobt aber den Service und das Essen. Frankfurter Allgemeine Zeitung (€), Bees

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Die Winzer-Stars und ihre Sterne

27 Winzerinnen und Winzer aus dem Welterbetal haben es in die neue Ausgabe des „Vinum Weinguide Deutschland“ geschafft. Rüdesheim schneidet besonders stark ab. Die Stadt, die weinrechtlich zum Anbaugebiet Rheingau gehört, stellt 11 Spitzenbetriebe, davon 3 aus dem Stadtteil Assmannshausen. Aus Rüdesheim kommen auch die beiden bestplatzierten Weingüter: Georg Breuer und Carl Ehrhard holten jeweils viereinhalb Sterne. Hier die Gesamtübersicht entlang des Rheinlaufs:

Weinberge bei Assmannshausen. Foto: Rheingau Marketing / Saskia Marloh.

Weinberge bei Assmannshausen. Foto: Rheingau Marketing / Saskia Marloh.

Die „Vinum“-Spitzenbetriebe im Welterbetal und ihre Sterne

Rüdesheim inkl. Assmannshausen 

  • Georg Breuer (4,5)
  • Carl Erhard (4,5)
  • August Kessler (4)
  • Leitz (4)
  • Bischöfliches Weingut (3)
  • Krone (4)
  • Robert König (3)
  • Fendel (2)
  • Trapp (1,5)
  • Friesenhahn (1)
  • Dr. Nägler (1)

Bingen

  • Riffel (3,5)
  • Dessoy (1)

Lorch 

  • Mohr (3)
  • Weiler (2,5)
  • Graf von Kanitz (2)
  • Wurm (2)

Bacharach

  • Ratzenberger (3,5)
  • Toni Jost (3)
  • Dr. Kauer (3)
  • Schüler (1)

Oberwesel

  • Goswin Lambrich (1)
  • Lithos (1)

St. Goar

  • Philipps-Mühle (2)

Boppard

  • Heilig Grab (1,5)

Spay

  • Matthias Müller (3,5)
  • Weingart (3)

Dazu noch 2 Bonus Tracks

Die gebürtige Oberheimbacherin und Viertäler-Rockerin Bärbel Weinert holte jenseits der Unesco-Grenze als Direktorin des Weingutes Prinz von Hessen in Johannisberg 3 Sterne. Und Mittelrhein-Influencerin Sarah Hulten bekam 2 Sterne für ihre Weine aus Leutesdorf. Vinum Weinguide

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