Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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Die digitale Rathaus-Revolution

Das Ziel ist lange bekannt, aber Bingen steht laut Oberbürgermeister Thomas Feser „noch ganz am Anfang“: So beschreibt die „AZ“ die Digitalisierung der Binger Verwaltung. Schuld sei die Landesregierung, von dort komme „gar nichts“, zitiert die Zeitung Feser. Die Zeit drängt: Ende 2022 müssen bundesweit alle Verwaltungsleistungen digital verfügbar sein. Das schreibt das so genannte Onlinezugangsgesetz (OZG) vor, dass 2017 vom Bundestag verabschiedet wurde. Anders als der „AZ“-Artikel suggeriert, werden die Kommunen mit der Aufgabe allerdings nicht allein gelassen. Bund und Länder haben die Aufgaben verteilt und stellen ihre Entwicklungen jeweils allen anderen zur Verfügung. Der Bund zahlt für alles, sorgt für Standards und achtet darauf, dass alle mitkommen. Jedes Online-Angebot soll in jeder Kommune funktionieren, ohne dass Nutzer den Unterschied merken. Wer ab 2023 z. B. in Bingen, Boppard, Lahnstein oder St. Goarshausen online einen neuen Wohnsitz anmeldet, wird eine Entwicklung der Freien und Hansestadt Hamburg nutzen. Das Musketier-Prinzip „Einer für alle – alle für einen“ erspart es Tausenden von Verwaltungen in Deutschland, alles selbst zu bauen. Ansprechpartner für die Kommunen in Rheinland-Pfalz ist Marcel Boffo im Innenministerium. Gegenüber in Hessen sitzt übrigens ein alter Bekannter am Thema „Onlinezugangsgesetz“: Rüdesheims Ex-Bürgermeister Volker Mosler leitet mittlerweile im Hessischen Innenministerium die „Koordinierungsstelle OZG-Kommunal“. Allgemeine Zeitung, OZG Hessen (Mosler)

Blick auf Bingen, Burg Klopp

Die schönste Bürgermeister-Büro am Mittelrhein: In Bingen sitzt der Verwaltung auf Burg Klopp. Foto: Stadt Bingen / Dominik Ketz

Lorch bekommt eine Vize-Bürgermeisterin

Apropos Verwaltung: In Lorch gibt es eine neue Nr. 2: Nach dem Rücktritt des Ersten Stadtrates Rolf Schmidt übernimmt Rike Kochem. Die Frau aus dem Höhenort Wollmerschied ist als Organisatorin des Festivals „Tropen Tango“ bekannt geworden. Im neuen Amt ist sie ehrenamtliche Stellvertreterin von Bürgermeister Ivo Reßler. Außerdem wechselt Holger Büschenfeld – ebenfalls ehrenamtlich – von der Stadtverordnetenversammlung in den Magistrat. Kochem und Büschenfeld gehören zur unabhängigen „Liste Lorch“ (LiLo), die bei der Kommunalwahl im März auf Anhieb stärkste Fraktion geworden war. Wiesbadener Kurier

Ein Fuchs als Spürhund

Der Anblick eines Mannes mit einem Silberfuchs an der Leine wäre komisch, wenn es nicht um das Ahrtal ginge. Die „RZ“ berichtet über eine besondere Hilfsaktion von Marko Weber von der Wildtierhilfe Loreley. Der Biebernheimer unterstützt Polizei und Katastrophenhilfe mit seinem Silberfuchs „Shadow“ bei der Leichensuche. Das Tier hat einen besseren Geruchssinn als jeder Spürhund. Unter Trümmern werden immer noch vermisste Hochwasseropfer vermutet. Rhein-Zeitung

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Bingen sortiert sich und Boppard hat einen neuen Bürgermeister

Der Binger Fruchtmarkt zählt nicht zu den stylischsten Einkaufsadressen, aber er hat einen unschätzbaren Vorteil. Ähnlich wie in Teilen der Bopparder Innenstadt darf der Einzelhandel auch an Sonn- und Feiertagen öffnen, weil Schiffsanlegestellen dasselbe Privileg wie Hauptbahnhöfe oder Flughäfen genießen: Im Umkreis von 300 Metern gilt das Ladenschlussgesetz nicht. Für den Binger Modehändler Heck Grund genug, vom Speisemarkt Richtung Rhein zu ziehen. Der Laden war kurz vor dem ersten Lockdown 2020 eröffnet worden, hat alle Corona-Wellen überlebt und startet jetzt nochmal neu durch.  „Wir haben uns sehr bewusst für Bingen entschieden“, zitiert die „AZ“ Inhaberin Michaela Heck. Ab Frühjahr öffnet sie auch am Sonntag. Laut „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner gibt es weitere Veränderungen in der Binger City: „Frollein Wunderbar“ aka Ilka Heinzen wechselt mit ihrer Boutique von der Salzstraße in die Schmittstraße. Dafür wird die Salzstraße zum Agenturstandort: Das Designbüro Schönski zieht ein. Allgemeine Zeitung

Blick auf Bingen. Foto: Stadt Bingen / Torsten silz.

Blick auf Bingen. Foto: Stadt Bingen / Torsten Silz.

Boppard hat einen neuen Bürgermeister

Boppard ohne Bersch ist nach 24 Jahren schwer vorstellbar, aber einmal muss es doch sein. Seit heute ist CDU-Mann Jörg Haseneier die Nummer 1 in Boppard. Der Rechtsanwalt aus Simmern (Westerwald, nicht Hunsrück) hatte sich bei den Stichwahlen Ende März überraschend gegen Berschs Parteifreund Niko Neuser durchgesetzt. Walter Bersch selbst durfte aus Altersgründen nicht mehr antreten. Die offizielle Amtsübergabe in der Bopparder Stadthalle ist auf YouTube zu sehen. Bersch setzt sich in seinem Heimatort Oppenhausen zur Ruhe und freut sich auf ein Leben ohne Terminkalender und Schwimmbad-Debatten. YouTube

Lokaljournalist und Landrat

Bei der Landratswahl im Rhein-Hunsrück-Kreis (inkl. Boppard, Oberwesel, St. Goar) wird’s spannend. Nach CDU-Mann Christian Klein und der Oberweselerin Rita Lanius-Heck hat am Freitag „RZ“-Redakteur Volker Boch seine Kandidatur erklärt. Bochs Bewerbung ist ungewöhnlich, aber interessant. Als Journalist kennt er den Politik- und Verwaltungsbetrieb, ohne direkt darin verwickelt zu sein. Boch tritt ebenso wie Lanius-Heck als unabhängiger Kandidat an. Bei der Urwahl im Januar wird über die Nachfolge von Marlon Bröhr entschieden. Bröhr ist neuer Bundestagsabgeordneter in Berlin. Vermutlich wird es noch eine vierte Bewerbung geben – die SPD entscheidet sich erst kommenden Monat. Rhein-Zeitung

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Das grüne Wohnzimmer am Rhein und ein Kreis als Krösus

„PAM“ steht für eines der erfolgreichsten Projekte Bingens. Der „Park am Mäuseturm“ begrünt seit der Landesgartenschau 2008 die Bahnhofsvorstadt Bingerbrück, deren traditioneller Spitzname „Kaltnaggisch“ einiges über die frühere Tristesse verrät. Im „PAM“ steckt nicht nur Steuergeld, sondern auch viel Binger Herzblut. Ein privater Förderverein unterstützt die weitere Entwicklung. Laut „AZ“ soll Bingens Freiluft-Wohnzimmer bis zur Buga 2029 noch besser werden. Geplant sind u. a. ein Bouleplatz in Turnierqualität und ein Sonnensegel für Open-Air-Aufführungen. Auf der To-Do-Liste steht außerdem eine kleine Schau-Saline. Allgemeine Zeitung, Freundekreis Park am Mäuseturm

Der Park am Mäuseturm entstand zur Landesgartenschau 2008. Foto: Stadt Bingen / Torsten Silz

Der Kreis als Krösus

Die Gründung des Kreises Mainz-Bingen 1969 war für das Mittelrheintal nicht gerade eine Sternstunde, denn das neue Konstrukt zog eine weitere Grenze. Oberwesel und Bacharach, bis dahin Nachbarorte im Kreis St. Goar, gehören seitdem zu unterschiedlichen Verwaltungsbezirken. Mainz-Bingen war nicht bei allen Mittelrheinern beliebt, aber manchmal fängt bei Geld die Freundschaft an. Der Speckgürtel-Kreis am Rande des Rhein-Main-Gebiet gilt als einer der reichsten in Rheinland-Pfalz. Er nimmt selbst im schwierigen Jahr 2021 mehr ein als er ausgibt. Laut „AZ“ rechnet man mit 5,4 Mio Euro Überschuss. Allgemeine Zeitung

Die Heimkehr des Hildegard-Buchs

Rund 500 Seiten ist der so genannte „Riesencodex“ der Hildegard von Bingen dick. Das handgeschriebene Buch aus dem Mittelalter ist eine der wichtigsten Überlieferungen über Leben und Werk der Heiligen. Der Wälzer von kaum schätzbaren Wert gelangte im frühen 19. Jahrhundert in den Besitz der Wiesbadener Landesbibliothek. Dass er dort noch immer liegt, ist ein Glücksfall: Ausgelagert in einen Dresdner Banktresor überstand der Codex den Bombenangriff von 1945 und alle späteren Plünderungs- und Enteignungsversuche. Auf welchen halblegalen Wegen er Anfang der 50er Jahre wieder zurück nach Wiesbaden kam und welche Rolle das Rüdesheimer Kloster Eibingen dabei spielte, erzählt die Historikerin Christiane Heinemann in einem gerade erschienenen Buch. Wiesbadener Kurier, Historische Kommission für Nassau

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