Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Blick auf Bacharach. Foto: Henry Tornow

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Bingen entdeckt das Barock und ein Oberweseler erforscht den wahren Werner

„Fruchtmarkt“ klingt nach idyllischer Altstadt, Einkaufsbummel und Straßencafé. In Bingen steht „Fruchtmarkt“ allerdings für Bahnhofsviertel-Charme und stadtplanerischem Offenbarungseid. Das Areal zwischen Altstadt, Bahngleisen und Nahemündung gehört noch immer zu den trostlosesten der Stadt. Die große Gestaltungslösung steht noch aus, aber laut „AZ“ endet schon jetzt eines der traurigsten Kapitel der Fruchtmarkt-Misere, der Verfall des barocken „Struth’schen Hauses“. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wird saniert und soll unter Stuckdecken einmal Platz für 8 Mietwohnungen auf insgesamt 600 Quadratmetern bieten. Nebenan entsteht ein Neubau für die Sparkasse Rhein-Nahe. Er ersetzt die bisherige Hauptstelle an der Mainzer Straße. Allgemeine Zeitung, YouTube (Video-Botschaft von OB Thomas Feser)

Blick auf Bingen am Rhein und die Nahemündung.

Blick auf Bingen: Das barocke „Struth’sche Haus“ ist im Vordergrund rechts erkennbar. Foto: Romantischer Rhein-Tourismus / Henry Tornow.

Die Wahrheit über Werner

„Tötungsdelikt“ würde die deutsche Justiz heute das nennen, was sich 1287 mutmaßlich in Oberwesel ereignete: Ein Jugendlicher namens Werner kam gewaltsam ums Leben, seine Leiche wurde in Bacharach gefunden. Niemand konnte die Tat je aufklären, aber viele habe lange Zeit Kapital daraus geschlagen: Antisemiten, die eine Ritualmord-Legende erfanden und Hass auf jüdische Konkurrenten schürten, pseudochristliche Plünderer, die sich am Eigentum ermordeter Juden bereicherten, geltungsbedürftige Priester, die vom Werner-Kult profitierten und regionale Eliten, die jahrhundertelang mit Werner-Wallfahrten Kasse machten. Noch in den 70er Jahren pflegte man in Oberwesel eine „Heiligengeschichte“, die nie eine war. Erst jetzt ist eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung des Werner-Kults erschienen. Das 616-Seiten-Werk stammt vom Oberweseler Historiker Walter Karbach. Vorgestellt wurde es an der Bacharacher Wernerkapelle, dem früheren Begräbnisort Werners. Die hochgotische Ruine ist heute ein Symbol für bürgerschaftliches Engagement und interkulturelle Versöhnung. Peter Keber, Vorsitzender und Motor des Bauvereins Wernerkapelle, hat das Buchprojekt u.a. durch Mittel aus der neuen Keber-Klein-Stiftung unterstützt. „Werner von Oberwesel: Ritualmordlüge und Märtyrerkult“ ist im Verlag Josef Karbach erschienen und kostet 45 Euro. (ISBN 978-3-00-064849-6). Allgemeine Zeitung, Mittelrheingold (7 Fragen an Peter Keber, Februar 2020)

Buchvorstellung an der Wernerkapelle. V.l.n.r.: Bacharachs katholischer Pfarrer Michael Knipp, Peter Keber, VG-Bürgermeister Karl Thorn, Walter Karbach. Foto: Jochen Schlosser.

Buchvorstellung an der Wernerkapelle. V.l.n.r.: Bacharachs katholischer Pfarrer Michael Knipp, Peter Keber, VG-Bürgermeister Karl Thorn, Walter Karbach. Foto: Jochen Werner.

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Boppards neue Medienwelt und Brückenspiele in Bingen

Boppard TV läuft: 140 Zuschauer haben diese Woche die Streaming-Premiere des Stadtrates verfolgt. Das Kommunalparlament hat als erstes und bisher einziges in der Region beschlossen, seine öffentlichen Sitzungen live im Internet auszustrahlen. „Die Beteiligung war gut und entspricht etwas mehr als einem Prozent der Wahlberechtigten Bopparder Bürger“, zitiert die „RZ“ Bürgermeister Walter Bersch. Boppards Nr. 1 kann auch sonst mit der Sitzung zufrieden sein: Seine SPD setzte mit knapper Mehrheit und gegen den Widerstand von CDU, Grünen und Freien Wählern einen Beschluss zum Thema „Rund um Boppard“ durch. Demnach dürfte die unabhängige Wochenzeitung den Exklusiv-Status und die damit verbundenen Einnahmen als Amtsblatt verlieren. Es wird eine Ausschreibung geben, in die der Kostenlos-Konkurrent „Rhein-Hunsrück-Anzeiger“ mit einem unschlagbaren Angebot gehen kann: alles gratis abzudrucken. Rhein-Zeitung

Boppard bei Nacht. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Brückenspiele in Bingen

Das Projekt einer Fahrradbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim ist zwar noch ziemlich neu, erinnert aber bereits an die Endlos-Diskussion um die Mittelrheinbrücke bei St. Goar. Ein Schreiben des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Volker Wissing an die Stadt Bingen hat laut „AZ“ kommunale Unterstützer auf den Boden der Tatsachen geholt. Demnach sind die technischen und rechtlichen Hürden höher als gedacht und für die Planung fehlen die Mittel. Eine kombinierten Auto- und Fahrradbrücke wäre aus Expertensicht zweckmäßiger- für die ist aber erst recht kein Geld in Sicht. Allgemeine Zeitung

Car Sharing in Henschhausen

1952 machte Henschhausen mobil: Im Bacharacher Höhenort wurde der erste PKW zugelassen, ein VW Käfer, den sich damals 2 Familien teilten. Heute ist in den Dörfern oberhalb des Rheintals ein Leben ohne Auto unvorstellbar. In der „AZ“ beschreibt Autor Jochen Werner heute den nördlichsten (und höchsten) Bacharacher Stadtteil und die Mini-Ortsgemeinde Breitscheid. Allgemeine Zeitung

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Neues Marketing für Bingen und ein bisschen was geht immer

Die Idee war gut, aber so richtig gezündet hat sie bisher nicht. Seit 2018 soll eine Art Superminister Bingen ins rechte Licht setzen. Der städtische Top-Job bündelt Tourismus, Marketing und Events, für ihn wurde eine eigene GmbH gegründet. Personell lief es noch nicht wirklich rund. Kandidat Nr. 1 scheiterte noch bevor er überhaupt angefangen hatte – es stellte sich heraus, dass sein Hochschulabschluss erfunden war. Für ihn kam der frühere Lufthansa-Sprecher und „Handelsblatt“-Journalist Georg Sahnen, der in Bingen nie so richtig warm wurde und im vergangenen März seinen Abschied ankündigte. Jetzt übernimmt Marketing-Profi Heiner Schiemann die Geschäftsführung der neuen „Bingen am Rhein Tourismus und Kongress GmbH“. Der 37-Jährige führte u. a.  eine Event-Agentur in Traben-Trarbach und arbeitete zuletzt freiberuflich. In Bingen verwaltet er laut „AZ“ ein Budget von rund 1,8 Millionen Euro. Zu tun gibt es genug: Bingen braucht ein professionelles Stadtmarketing, das neben dem klassischen Rheintourismus auch den örtlichen Handel fördert und den ramponierten Ruf als Einkaufsstadt aufpoliert. Außerdem müssen bis zur Buga 2029 neue Hotels her. Allgemeine Zeitung, bingen.de

Blick auf Bingen. Foto: Stadt Bingen / Torsten silz.

Blick auf Bingen. Foto: Stadt Bingen / Torsten Silz.

Loreley: Ein bisschen was geht immer

Die Absage des Stadtrates an ein förmliches Mediationsverfahren zur Loreley-Bühne macht in St. Goarshausen und der Nachbarschaft böses Blut. Der neue Bürgermeister Nico Busch versucht zu vermitteln und sieht das Thema auch noch nicht als erledigt an:  „Gespräche, und im besten Falle auch eine Einigung, sind jedoch jederzeit auch ohne ein solches Verfahren möglich“, betont er. Vorerst bleibt es bei der außerordentlichen Kündigung des Pächters Loreley Venue GmbH. Das Unternehmen ist mit rund 180.000 Euro Pachtzahlungen im Rückstand und begründet es mit Baumängeln. Corona hat die Lage nochmals verkompliziert. Momentan ist unklar, wer die Krise der Event-Branche überlebt und wann die Bühne auf der Loreley wieder bespielt werden kann. Rhein-Zeitung, Mail von Nico Busch

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