Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Koblenz Seite 1 von 15

Kein Happy End in Oberwesel und ein Weingut braucht Millionen

Für die Krankenhäuser in Oberwesel und St. Goar gibt es keine Hoffnung mehr: CDU, Freie Wähler, FDP und AfD haben sich am Montagnachmittag im Simmerner Kreistag gegen die Übernahme durch den Rhein-Hunsrück-Kreis entschieden. Damit kann der katholische Mehrheitsgesellschafter Marienhaus beide Häuser wie geplant im September schließen. Die Kliniken sind der größte Arbeitgeber rund um Oberwesel. SPD und Grüne hatten sich vergeblich um eine kommunale Lösung bemüht und auf erfolgreiche Kreiskrankenhäuser in anderen Teilen des Landes verwiesen.

Blick auf Oberwesel. Foto: Rheinland-Pfalz-Tourismus / Dominik Ketz

Blick auf Oberwesel. Foto: Rheinland-Pfalz-Tourismus / Dominik Ketz

Am Ende spielte wohl auch die Angst vor den kommenden Corona-Haushalten eine Rolle: Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind noch nicht absehbar, den Kommunen brechen die Einnahmen weg und zusätzliche finanzielle Risiken lassen sich schwer argumentieren. Als Trostpflaster soll Oberwesel 500.000 Euro für Investitionen in ein Medizinisches Versorgungszentrum oder ein Seniorenheim bekommen. Das dortige Krankenhaus blickt auf eine über 700-jährige Geschichte zurück. Ende 2019 hatten über 1000 Menschen für seine Rettung demonstriert. SWR (Video), Rhein-Zeitung

Ein Weingut braucht Millionen

Der größte Winzer im Welterbe-Tal ist das Land Hessen. Die Zentrale der Staatsweingüter liegt zwar knapp außerhalb des Mittelrheintals im Kloster Eberbach, aber zum Betrieb gehören allein in Rüdesheim und Assmannshausen über 40 Hektar Weinberge. Eigentlich geht es dem XXL-Betrieb gut, aber Corona bringt alles durcheinander. Laut „Wiesbadener Kurier“ hat Geschäftsführer Dieter Greiner das Land um 1,9 Millionen Euro Zuschuss gebeten. Gründe seien u.a. Probleme im Exportgeschäft und drastisch gestiegene Personalkosten bei Saisonarbeitern. Die Hochschule Geisenheim erforscht unterdessen die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wein-Branche. Winzer in Tourismus-Regionen trifft es besonders hart – vor allem dann, wenn sie das Internet-Geschäft nicht verstehen. Wer abseits der Touristenströme auf digitale Wein-Vermarktung gesetzt hat, kommt am besten durch die Krise. Wiesbadener Kurier, Wikipedia (Hessische Staatsweingüter)

Die grüne Festung

Lebbe geht weider. Die gute Nachricht des Tages kommt aus Koblenz. Dort werden die preußischen Festungswerke außerhalb des Ehrenbreitstein nach und nach saniert und begrünt, z.B. die „Feste Franz“. Im 19. Jahrhundert war der Befestigungsring um Koblenz rund 14 Kilometer lang. Die Stadt galt als die stärkste Festung in Mitteleuropa und als „preußisches Gibraltar“. Was die Bastionen taugten, musste glücklicherweise nie erprobt werden – Koblenz wurde zur Preußenzeit nie belagert. Das wiederentdeckte Festungssystem könnte einer der Attraktionen der Buga 2029 werden. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet darüber u. a. im „Münchner Merkur“

Foto des Tages

Mittelrheingold gibt’s auch per Post

Der wöchentliche E-Mail-Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick.  Hier geht’s zum kostenlosen Abo.

Eine Attacke auf die Bahn und ein Lebenszeichen aus Rhein-Nahe

Die Bahnlärm-Gegner am Mittelrhein haben ein neuen Verbündeten: Arno Luik, Buchautor aus Hamburg, „Stern“-Journalist und in den 90er Jahren Chefredakteur der „taz“, rechnet in seinem neuen Sachbuch „Schaden in der Oberleitung“ mit der Deutschen Bahn ab und beschreibt dort ausführlich das Welterbe-Dilemma. Luik ist für seine Recherchen nach Bacharach gereist, übernachtete im „Rhein-Hotel“ von Andreas Stüber, nahm dort an der donnerstäglichen Honoratioren-Runde teil und ließ sich u. a. erzählen, wie der Hotelchef mit der Bahn prozessiert hat. Noch größeren Raum nimmt seine Begegnung mit dem Bopparder Lärmschutz-Aktivisten Frank Groß  („Pro Rheintal“) ein. Luik glaubt, dass der Bahnlärm die Ursache allen Übels ist und zum massiven Bevölkerungsrückgang im Tal geführt hat. Er ignoriert dabei, dass der Leerstand nicht nur entlang der Bahngleise zu sehen ist, sondern genau so in ruhigeren Stadtvierteln und in den Seitentälern. Allgemeine Zeitung (Bericht über eine Luik-Lesung in Boppard), Rhein-Zeitung (fast gleichlautender, aber kostenpflichtiger Bericht, der möglicherweise auf einer Pressemitteilung beruht)westendverlag.de (Luik-Buch)

Bahnstrecke bei Bacharach. Foto: Frank Zimmer

Bahnstrecke bei Bacharach. Foto: Frank Zimmer

Ein Lebenszeichen aus Rhein-Nahe

Jahrzehntelang galt die Verbandsgemeinde Rhein-Nahe als die überflüssigste in Rheinland-Pfalz. Hier wurde bei der Gebietsreform 1970 zusammengefasst, was geografisch nicht zusammengehört: Das Obere Mittelrheintal bis Bacharach, die untere Nahe mit Münster-Sarmsheim und die Höhenorte Waldalgesheim und Weiler. Politisch ist die ungeliebte VG (früher: „Bingen Land“) kaum totzukriegen, weil ihre Einwohnerzahl ausreicht und keine Neustrukturierung erfordert. Aber nach fast 50 Jahren entwickelt sich jetzt doch so etwas wie Zusammenhalt. „AZ“-Mann Jochen Werner berichtet über das Erfolgsprojekt „Kommunales Entwicklungsmanagement“ (KEM), das mit viel Bürger-Engagement u. a. eine mobiles Repair Café, ein Jugendfestival und das System der „Mitfahrerbänke“ realisiert hat. Das nächste große Ding heißt „Sagenhafte Rheinromantik“, eine digitale Erlebniswelt für die Burgen Rheinstein, Reichenstein, Sooneck und Stahleck.  Allgemeine Zeitung

Let’s Dance in Bingen

André Sekulla ist Ingenieur und arbeitet laut „AZ“ für „ein großes Pharmaunternehmen der Region“ – im Lokalausgaben-Sprech die Umschreibung für Boehringer Ingelheim. Noch interessanter ist sein Nebenjob: Weil es in Bingen keine Tanzschule mehr gibt, hat Sekulla selber eine eröffnet. „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner hat den 29-Jährigen dort besucht. Der Laden läuft, und das Einzugsgebiet reicht bis nach Oberwesel. Allgemeine Zeitung

Koblenz is calling

Burgenbloggerin Mareike Knevels räumt demnächst die Burg Sooneck. Zum Glück ist es noch nicht das Ende ihrer Amtszeit, sondern ein kleiner Neubeginn: Weil die Burg nicht winterfest ist, wechselt Mareike auf die Festung Ehrenbreitstein. Wie Koblenz auf sie wirkt, beschreibt sie in ihrem neuesten Blogbeitrag. burgenblogger.de

Mit Snapchat und ohne Reiseführer in Koblenz

Mittelrheinerin des Tages: Lilly Grimm

Die Chefin der KD-Agentur in Oberwesel hört zum Saisonende auf. Sie war 11 Jahre lang das Gesicht der Köln-Düsseldorfer in Oberwesel. „Es war mir eine Ehre“, schreibt die 69-Jährige auf Facebook. Wie es in Oberwesel weitergeht, ist noch unklar. Nebenan in Bacharach übernimmt eine KD-Agentin von der rechten Rheinseite. Dort sind gerade Marianne Eichner (90) und ihre Tochter Christel in Rente gegangen. Facebook (KD Oberwesel)

Zahl des Tages

 85.000 Euro wirft der Wald der Stadt Lorch im kommenden Jahr ab. Es könnte für lange Zeit die letzte gute Nachricht sein. Wie überall am Mittelrhein kämpften die Förster auch hier mit Trockenschäden und Borkenkäfern. Der Regen 2020 war nur eine Tropfen auf den heißen Stein, und im Handel stauen sich die zwangsgefällten Fichten. „Wir haben keinen Holzmarkt mehr“, zitiert der „Wiesbadener Kurier“ den zuständigen Forstamtschef Jörg Deutschländer-Wolff. Wiesbadener Kurier

Termine des Tages

Rüdesheim – Tage des Federweißen – 25. Oktober. tage-des-federweissen.de

Bingen –  „Und es knuspert und wispert im Gruselwald / Schauerliche Märchen und Balladen mit Petra Urban und Volkmar Döring – 25. Oktober, 19 Uhr. bingen.de

Bingen – „Die wundersame Reise der unnützen Dinge“ im Programmkino KiKuBi –  25. Oktober, 19 Uhr. bingen.de

Boppard – „Bookends_Simon and Garfunkel / Konzert in der Stadthalle – 25. Oktober, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

St. Goarshausen – Stoxx / Konzert in Bernies Bluesbar – 25. Oktober, 20 Uhr. loreley-touristik.de

Lahnstein – Kerzenführung auf Burg Lahneck – 25. Oktober,  22 Uhr. lahnstein.de

Foto des Tages

Sonntags kommt Mittelrheingold mit der Post

Der wöchentliche E-Mail-Newsletter „Mittelrheingold Auslese“ sammelt die besten Artikel, Videos und Termine. Hier geht’s zum kostenlosen Sonntags-Abo.

Burgen für die Buga und das letzte Abenteuer in Bingen

Anfang des Jahres hat eine Studie der Wiesbadener Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder gezeigt, wie es um die Burggärten im Welterbe-Tal bestellt ist. Nach der Bestandsaufnahme kommen jetzt die konkreten Pläne. Laut „AZ“ hat die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie soll zeigen, was zur Buga 2029 möglich ist  – vorausgesetzt, die Eigentümer machen mit. Beim ersten Überblick hatte es hier und da Irritationen gegeben. Die Kontaktaufnahme gelang nicht überall.

Die Schönburg, fotografiert von Petra Dittmann.

Die Schönburg bei Oberwesel, fotografiert von Petra Dittmann.

Die im aktuellen „AZ“-Artikel erwähnten Kommunikationsprobleme mit dem Rheinischen Verein sind aber lange aus dem Weg geräumt. (Dem Rheinischen Verein mit Sitz in Köln gehören die Burg Stahleck über Bacharach und die Ruine Stahlberg bei Steeg). Momentan stehen  mindestens 3 Burgen im Welterbetal zum Verkauf: Die Heimburg in Niederheimbach, die Ruine Fürstenberg bei Rheindiebach und die rechtsrheinische Sauerburg an der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen.  Allgemeine Zeitung, buga2029.blog (Vorstudie)Mittelrheingold (Hintergrund)

Das letzte Abenteuer: Radeln in Bingen

Eigentlich könnte Bingen die perfekte Fahrrad-Stadt sein: Die Entfernungen sind nicht groß, abseits des Rochusbergs halten sich die Steigungen in Grenzen, und es gibt jede Menge Schüler und Studenten. Beste Voraussetzungen für eine Art Münster des Mittelrheins also, aber die Realität sieht anders aus. Die Binger Gymnasiastin Marina Koch zählt in der „AZ“ die Problemzonen auf und kritisiert, dass auch das Meldesystem „RADar“ nicht gut funktioniert. Der zuständige Binger Dezernent (und OB-Kandidat) Jens Voll verweist auf fehlendes Personal und bietet an,  Mängelberichte persönlich entgegenzunehmen. Falls Sie sich also über fehlende Markierungen wundern oder über zu hohe Bordsteinkanten ärgern:  Hier wäre der direkte E-Mail-Kontakt zum Beigeordneten. Allgemeine Zeitung

Millionen für die Volkshochschule

Apropos Bingen: Die dortige Volkshochschule genießt einen hervorragenden Ruf und ist laut Oberbürgermeister „ein Aushängeschild unserer Stadt“. Nur mit dem VHS-Gebäude am Freidhof ist es nicht allzu weit her. Es bröckelt von den Wänden und „die Sandsteingewänder sind vom Zahn der Zeit zerfressen“, so die blumige Formulierung der „AZ“.  Vor allem fehlt es an barrierefreien Zugängen. Eine üppige Finanzspritze aus Mainz ermöglicht in den kommenden Jahren die behindertengerechte Komplett-Sanierung. Die Landesregierung gibt 1,8 Millionen Euro und Bingen selbst legt nochmals 400.00 Euro drauf. Allgemeine Zeitung, vhs-bingen.de (Website der Volkshochschule)

Mittelrheiner des Tages: Wilfried Gabriel

Der St. Goarer mit ostdeutschen Wurzeln nutzte seinen Wehrdienst bei den DDR-Grenztruppen, um 1963 in voller Uniform in den Westen zu fliehen. Seit 1970 lebt er in St. Goar.  „RZ“-Redakteurin Denise Bergfeld hat die abenteuerliche Ost-West-Geschichte des heute 78-Jährigen aufgeschrieben. Rhein-Zeitung

Zahl des Tages

140 Bäume müssen in den kommenden Tagen und Wochen in Koblenz dran glauben. Die Stadtverwaltung lässt sie fällen, weil sie nicht mehr standfest genug sind und bei schweren Stürmen Menschen gefährden könnten. Wo immer es möglich ist, pflanzen die städtischen Arbeiter neu an. Laut „RZ“ gibt es in der Stadt rund 60.000 Bäume. Rhein-Zeitung

Termin des Tages

Dienstag in Boppard – „Once upon a time in Hollywood / Cinema in der Stadthalle. 15. Oktober, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Foto des Tages

Mittelrheingold per Telegram oder Notify

Im Dezember stellt Whatsapp weltweit den Newsletter-Versand ein, um sich auf Dialog per Messenger zu konzentrieren.  Falls Sie Mittelrheingold per Whatsapp  abonniert haben, gibt es eine einfache Lösung: Jetzt auf die Messenger-Alternativen Telegram oder Notify umsteigen

P.S. Vergessen Sie anschließend nicht, Ihr Whatsapp-Abo durch ein einfaches „Stop“ zu beenden, sonst bekommen Sie den  Newsletter bis Dezember doppelt.

 

Seite 1 von 15

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: