Mittelrheingold

Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Rhein-Optimierung bei Bacharach: „Ich bin geschockt“

Die so genannte „Abladeoptimierung Mittelrhein“ ist weit mehr als nur das Ausfräsen der Fahrrinne. Das bundeseigene Großprojekt würde das Bild des Welterbetals deutlich verändern. In Bacharach sind Kommunalpolitiker und Anwohner entsetzt, berichtet „AZ“-Mann Jochen Werner. Vertreter der zuständigen Behörde haben dort ihre Pläne präsentiert. Im Kern geht es darum, möglichst viel Strömung in die Fahrrinne zu leiten; der Uferbereich abseits der Schiffsanlegestege spielt keine große Rolle mehr. Dazu soll ein über 1 Kilometer langes Längsbauwerk in den Strom gesetzt werden. Es beginnt etwa in Höhe des Klärwerks zwischen Bacharach und Rheindiebach und erstreckt sich stromabwärts bis hinter die große Sandbank.  Mittelrhein bei Bacharach

Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Tourismus

Für die Bacharacher Insel haben sich die Ingenieure des Bundesverkehrsministeriums ein Querwerk augedacht, dass vom linken Rheinufer bis zur Spitze des Eilands reichen soll. Besitzer Friedrich Bastian fürchtet, dass der Rhein dort in trockenen Jahren ganz verschwinden wird. Auch in den anderen Uferabschnitten rechnet man mit einer Art Wattenmeer aus Wasserpfützen und Schlammflächen. Die Mitglieder des fast 140 Jahre alten Bacharacher Rudervereins sehen ihren Sport am Ende. „Ich bin geschockt“, zitiert die „AZ“ Bacharachs 2. Beigeordneten Rainald Kauer. Auch der frühere Stadtbürgermeister Karlheinz Schleis fühlt sich getäuscht – das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt habe alle Hinweise der Anwohner vom Tisch gewischt und vertrete die Interessen der Logistikbranche, so der Vorwurf.

Falls sich die Behörde durchsetzt, käme der Ausbau zudem zum ungünstigsten Zeitpunkt – im Jahr der Bundesgartenschau 2029. Das Bundesverkehrsministerium will nicht nur zwischen Lorch und Bacharach baggern. Weitere Maßnahmen sind am Geisenrücken bei Oberwesel geplant.  Allgemeine Zeitung, WSA Rhein (Infos zur „Abladeoptimierung Mittelrhein“) 

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Dan Perkey (@the_perkiad)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

Mittelrhein statt nur dabei: Die neue Kolumne von Christian Büning

Christian Büning ist Mittelrheiner mit innerdeutschem Migrationshintergrund: Der Kreative aus Münster lebt und arbeitet seit 2017 in Oberwesel. Dort führt er sein Designbüro „Büro Büning“, engagiert sich im Stadtrat und hilft bei vielen Initiativen im Welterbetal. Nebenbei saniert er alte Häuser und vermietet gemeinsam mit seinem (Ur-)Oberweseler Lebenspartner Marcel D’Avis geschmackvoll eingerichtete Ferienwohnungen. Schreiben kann er auch noch. Ab sofort ist er regelmäßiger Kolumnist bei Mittelrheingold. Willkommen, Christian!

Mittelrhein statt nur dabei: Christian Büning ist Wahl-Oberweseler, kommunikationsdesigner und Kolumnist bei Mittelrheingold.

Christian Büning ist Kommunikationsdesigner in Oberwesel und seit 2021 Kolumnist bei Mittelrheingold.

Gude, Moin und Guten Tag

Es ist ein Krimi, jedesmal. Irgendein Ort am Mittelrhein. Linksrheinisch, rechtsrheinisch – egal. Du läufst eine Straße entlang und jemand kommt dir von Weitem entgegen. Die Straße ist lang und gerade, Du siehst dein Gegenüber und wartest auf den passenden Moment, um zu grüßen. Keiner will der sein, der wie ein irrer Fernsehgartenmoderator von Weitem winkt und über die Straße brüllt. Zu spät will allerdings auch keiner grüßen, das würde irgendwie unwillig wirken und wer will schon unwillig sein, vor allem am Mittelrhein. Ein schwieriger Grad ist also einzuhalten zwischen Wahnsinn und Anstand, gegen den selbst der Knigge machtlos ist. Man kann diesen Wahnsinn allerdings noch gehörig steigern durch die Frage, womit ich denn eigentlich grüße. In Hamburg sagt man Moin, in Bayern sagt man Servus, in Berlin sagt man eine unverständliche Beleidigung und in Westfalen wird wortlos genickt. Und am Mittelrhein? Da sagt man Gude. Oder Morje. Oder Gemoje. Oder Morgn. Oder Hallo. Oder oder oder.

Zurück auf der Straße, in dem kleinen Zeitfenster, in dem man sich grüßen kann. Es ist wie Stein-Schere-Papier. Was nehme ich? Was nimmt der andere? Ich weiß nicht, was mein Gegenüber nimmt, aber beide müssen sich entscheiden. Also grüße ich morgens auf dem Weg zum Büro den ersten mit einem noch verschlafenen Morgn und bekomme ein fröhliches Gude als Antwort. Also gut. Ich mache mich der kulturellen Aneignung verdächtig und wähle als Zugezogener beim Nächsten, den ich treffe, ein erstaunlich fröhliches Gude – die Antwort ist ein tiefes Morje und ein Zeigefinger, der leicht zum Gruß angehoben wird. Beim nächsten gehe ich also sicherheitshalber wieder zurück auf das Morgn von eben und bekomme ein glockenhelles Hallo zurück. So geht es die ganze Zeit. Egal, in welcher Kombination, es gibt keine zwei gleichen Grußformeln. Im Büro angekommen, schließe ich die Tür hinter mir, reibe mir leicht verwirrt die Augen und sage leise Hallo in den leeren Flur. Keine Antwort.

Ich schwöre es: Seit ich hier lebe, ist es noch nie passiert, dass beide das gleiche gegrüßt haben. Sollte das jemals der Fall sein, dann bleibt vermutlich der Rhein stehen oder die Mittelrheinbrücke erscheint mit Donner aus dem Nebel. Was sagt es über eine Region aus, wenn man nicht nur eine einzige Grußformel für alles hat, sondern einen ganzen Strauß davon? Der Mittelrhein ist grußtechnisch keine einförmige Monokultur, sondern ein artenreicher Dschungel mit vielen bunten Grußformeln darin. Wer weiß, vielleicht entstehen in Zukunft sogar neue Grußformeln, von denen wir heute noch gar keine Ahnung haben? Vielleicht wird ja noch etwas Niederländisch, Englisch oder Thai mit eingeflochten, sprachlich ein wenig rundgewaschen und eingerheint bis es nach Mittelrhein klingt? Ich mag diesen Dschungel und mache mich nachher wieder auf den Weg nach Hause, eine lange, gerade Straße entlang. Mal sehen, wer da grüßt, ich bin auf alles vorbereitet.

Das Rheintal und der Starkregen: Passen wir uns an

Der Warnruf für das Welterbetal kam im Frühjahr 2016. Gewitter und Starkregen ließen harmlose Bäche zu Sturzfluten anschwellen und überschwemmten Ortschaften auf beiden Rheinseiten, darunter Wellmich, Sauerthal und Trechtingshausen. In Oberheimbach zerstörte die braune Brühe 2 Häuser. Wie durch ein Wunder gab es weder Tote noch Schwerverletzte. In der Verbandsgemeinde Loreley wurde damals ein „Vorsorge- und Schutzkonzept“ in Auftrag gegeben. Passiert ist zunächst wenig. Es gab Informationsveranstaltungen und Workshops, aber konkrete Pläne ließen auf sich warten. Seit dem Amtsantritt von VG-Bürgermeister Mike Weiland 2020 drückt man wieder mehr auf die Tube. Im kommenden September will das 2016 beauftragte Planungsbüro liefern. „Die Räte werden dann noch ergänzende Hinweise erarbeiten“, sagt Weiland auf Anfrage von Mittelrheingold. „Im November soll das Konzept dann endlich und langersehnt komplett sein.“ Dann geht es um die Umsetzung. So lange will Weiland allerdings nicht warten. Ein Verwaltungsmitarbeiter erstellt gerade ein „Bachkataster“ mit möglichen Gefahrenpunkten. Auch in Bingen ist seit 2 Jahren ein Schutzkonzept in Arbeit. Es soll im September veröffentlicht werden. Zuständig ist Bingens Stadtwerkechef Marco Mohr. Oberbürgermeister Thomas Feser denkt schon weiter: Er hat einen Staatsfonds vorgeschlagen, in den das Land und alle Kommunen einzahlen sollen. Mit dem Geld würden Maßnahmen zur Klimaanpassung ermöglicht und Flutschäden reguliert. Mitteilung der VG Loreley, Allgemeine-Zeitung (Bingen)

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Die Idylle trügt: 2016 liefen unterhalb der Burg Maus in Wellmich Straßen und Keller voll. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Ein Preis für Papa Rhein

Das Fachmagazin „Tophotel“ hat Bingens neues Vorzeigeobjekt „Papa Rhein“ als „Newcomer des Jahres“ ausgezeichnet. „Papa Rhein“ gewann in der Kategorie „Freizeit“. Der Jury gefiel u. a. die Architektur am Wasser und das maritime Innendesign. Das 108-Zimmer-Hotel von Jan Bolland (Sohn von „Günderodehaus“-Pächterin Elke Bolland) eröffnete im Sommer 2020, überstand den zweiten Lockdown und ein Hochwasser und ist seit Juni wieder in Betrieb. Allgemeine Zeitung

Ein Flug durch die Rheinfels

Wer Burg Rheinfels aus der Nähe sehen will, muss vielleicht nicht mehr unbedingt auf den St. Goarer Schlossberg. Wenn es nach Stadtbürgermeister Falko Hönisch geht, lässt sich die riesige Renaissance-Anlage irgendwann virtuell erkunden – entweder vor Ort mit einer 3D-Brille oder an zu Hause am Computer. Eine Softwarefirma will die Rheinfels komplett digitalisieren, jeden Winkel vermessen und Details zeigen, die Gäste gewöhnlich nicht wahrnehmen. Selbst Flüge durch Mauern lassen sich simulieren. Das Projekt soll 168.000 Euro kosten. Für 80.000 Euro gibt es bereits eine Zusage aus dem LEADER-Programm der EU. Rhein-Zeitung

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Weingut Dr. Kauer (@weingut_dr_kauer)

Mittelrheingold gibt’s auch als Newsletter

Der wöchentliche Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo

 

Seite 1 von 350

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: