Gut 17 Monate nach dem Beschluss, die Verbandsgemeinden Emmelshausen und St. Goar-Oberwesel zu fusionieren, und über 2 Wochen nach der offiziellen Gründung werkelt man in der neuen VG Hunsrück-Mittelrhein immer noch am Internet-Auftritt. Wer die Adresse vg-hm.de aufruft, findet noch nicht einmal einen Hinweis auf die Verbandsgemeinde, dafür aber Links zu „Camera Olympus“, „Satshop“ und „Standesamt Trier“ (Stand Donnerstagabend). Dafür gibt es ein Logo, das ohne Wettbewerb und öffentliche Diskussion beauftragt wurde. Laut VG kostete es mit 2950 Euro zu wenig, um ausgeschrieben werden zu müssen. Es stammt laut Verwaltung vom „renommierten Grafikbüro Michael Kasper, Emmelshausen“.

Das eigentliche Problem ist weniger die verkorkste Kommunikation als das System „Verbandsgemeinde“ selbst. Schon der Name ist unglücklich. Eigentlich müssten es eher „Gemeindeverband“ als „Verbandsgemeinde“ heißen, denn das ursprüngliche Konzept sah eine Art gemeinsame Dienstleistungszentrale für benachbarte Kleinstädte und Ortsgemeinden vor. Spätestens mit der Einführung der Direktwahl sind die Verbandsbürgermeister zu kommunalen Politik-Stars mit eigener demokratischer Legitimation geworden, während sich die ehrenamtlichen Stadt- und Ortsbürgermeister als unbezahlte Verwaltungs-Kulis abstrampeln. Das System gerät an seine Grenzen, weil sich immer weniger Bürger als Freizeitpolitiker engagieren wollen. Wie man sich als neue Verbandsgemeinde besser präsentiert, zeigt übrigens die ebenfalls frisch fusionierte VG Simmern-Rheinböllen.

„Über Geschmack lässt sich immer streiten“

Michael Parma, Büroleiter der früheren VG St. Goar-Oberwesel und jetzt für den neuen Bürgermeister Peter Unkel im Einsatz, über Logo und digitale Kommunikation der Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein.

Wer hat das Logo der neuen „VG Hunsrück-Mittelrhein“ entworfen?

Entworfen hat das Logo das renommierte Grafikbüro Michael Kasper, Emmelshausen.

Wurde der Auftrag ausgeschrieben, und welche Kosten sind entstanden?

Der Auftrag musste nicht ausgeschrieben werden, weil die Kosten für das Logo 2.950,- € zuzüglich MwSt betragen. Übrigens: Allen Beteiligten, insbesondere den Mitgliedern des Lenkungsausschusses, gefällt das neue Logo ausgesprochen gut und es wurde im Rahmen eines demokratischen Prozesses einvernehmlich beschlossen. Über Geschmack lässt sich immer streiten!

Warum gibt es noch keinen Internet-Auftritt der VG, und wer ist damit beauftragt worden?

Unsere neue VG ist zur Zeit auf die beiden, inhaltlich aktuellen Homepages der vormaligen Verbandsgemeinden verlinkt. Wir arbeiten an einem neuen Internetauftritt für die Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein. Pünktlich zum Start der VG wurde das neue Mitteilungsblatt Hunsrück-Mittelrhein veröffentlicht und eine umfassende Bürgerbroschüre herausgegeben. Insofern sind alle Bürgerinnen und Bürger mit Informationen derzeit gut versorgt.

Geschichten der Woche

1. Bundesstraßen ohne Ende

Im Vergleich zu den Bundesstraßen im Mittelrheintal ist der Berliner Großflughafen ein Kurzzeit-Projekt. Auf der B9 (linksrheinisch) und der B42 (rechtsrheinisch) wird seit Jahrzehnten gearbeitet. Irgendwas ist immer, auch wenn man kurz nach der Sanierung gleich wieder anfangen muss. Auf der B9 ist das 2018 fertiggestellte Teilstück zwischen Bingen und Trechtingshausen so uneben, dass die Baufirma (Strabag) gefragt ist. Im Sommer soll ein weiteres Teilstück zwischen Trechtingshausen und Niederheimbach in Angriff genommen werden, danach geht es hinter Bacharach los. Gegenüber auf der rechten Rheinseite arbeitet man wieder am „teuersten Radweg Deutschlands“ („FAZ“). Der Landesbetrieb Hessen Mobil nimmt sich jetzt die 5.5 Kilometer zwischen Lorch und Assmannshausen vor. Man rechnet mit 64 Millionen Euro und hofft, bis 2023 fertig zu werden.  Allgemeine Zeitung (linksrheinisch), FAZ (rechtsrheinisch)

2. Geschichtsstunde in Bingen

2019 war sich Thomas Feser noch ganz sicher: „Ich ziehe das durch“. Der Binger Oberbürgermeister wollte auf Biegen und Brechen die so genannte „Würth’sche Villa“ in Bingerbrück kaufen, weil sie auf dem Gelände des früheren Hildegard-Klosters steht. Mittlerweile sind selbst die größten Hildegard-Fans kleinlaut geworden. Der Traum vom historischen Hildegard-Zentrum wäre so teuer, dass er nur mit privaten Sponsoren zu finanzieren wäre. Weitere Unterstützung erhofft man sich von der rheinland-pfälzischen Landesregierung und ihren Buga-Töpfen. Die „AZ“ zitiert aus einem Bittbrief des Stadtmarketingvereins BUZ, der allerdings wenig Geschichtskenntnis verrät: Das Land möge doch helfen, „zukünftig einer herausragenden Person der Zeitgeschichte eine Plattform zu bieten“, heißt es dort. Unter „Zeitgeschichte“ versteht man eigentlich die jüngere Vergangenheit, über die noch Zeitzeugen berichten können. Hildegard von Bingen starb vor 840 Jahren. Allgemeine Zeitung

3. Papa ante portas

Es dauerte ein bisschen, bis Investor Jan Bolland mit seinem Hotelprojekt „Papa Rhein“ in die Gänge kam, aber jetzt gehen die Bauarbeiten schneller als erwartet. Der Rohbau steht bereits. Am 30. Januar ist Richtfest. Bolland will das „Papa Rhein“ mit 108 Zimmern und Suiten spätestens im September eröffnen. Bingen braucht dringend modern ausgestattete Hotels. Die Stadt rangiert mit rund 100.000 Übernachtungen im Jahr weit hinter Rüdesheim und Boppard. Allgemeine Zeitung, paparheinhotel.de

4. Durchzug in Kaub

In Kaub hätte man sich einen schöneren Anlass für bundesweite Aufmerksamkeit vorstellen können, aber die kleinste Stadt im Welterbe-Tal schafft es immerhin in die „Süddeutsche Zeitung“: Dort und in anderen deutschen Medien erschienen ein dpa-Artikel über den maroden Bahnhof und sein „Dachgerippe ohne Dächer“. Die Bahn hat schon vor Jahren das Dach über dem Bahnsteig abmontieren lassen und will erst 2024 (!) für Ersatz sorgen. sueddeutsche.de

Ein Blick auf die Buga

Lahnstein ist so knapp bei Kasse, dass die Aufsichtsbehörde weitere Einsparungen fordert und sogar die geplanten Investitionen für die Buga 2029 in Frage gestellt hat. Nach ein Proteststurm im Stadtrat rudert das Land jetzt zurück. Wegen der Bedeutung für die Regionalentwicklung dürfen auch klamme Kommunen Geld für die Buga ausgeben. Rhein-Zeitung

Video der Woche

Apropos Buga: Auf Facebook kursiert gerade ein Video über die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz. Der Zusammenschnitt mehrerer Reportagen zeigt, wie die Stadt und ihre Bürger von der Buga profitiert haben. Zu sehen ist u.a. Trainer-Legende Rudi Gutendorf. Die Koblenzer Buga war die erste Bundesgartenschau in Rheinland-Pfalz. Die Erwartungen wurden weit übertroffen. Vor der Eröffnung hofften Optimisten auf 2 Millionen Besucher. Tatsächlich kamen 3,5 Millionen. Facebook

Termine der Woche

Freitag in Bingen – „Schandflut“ / Lesung mit Helge Weichmann – 17. Januar, 19Uhr 30. bingen.de

Freitag in Bingen – „Avanti, Avanti!“ im Programmkino KiKuBi – 17. Januar, 20 Uhr 30. bingen.de

Samstag in Bingen – Spaziergang und Konzert zum Gedenken an Ida Dehmel-Coblenz – 18. Januar, 16 Uhr 30. bingen.de

Samstag in Boppard-Weiler – „New York, New York“ / Mittelrhein-Momente im „Eisernen Ritter“ – 18. Januar. mittelrheinmomente.de

Samstag in Bingen – „Das OP-Schiff“ im Programmkino KiKuBi – 18. Januar, 19 Uhr. bingen.de

Samstag in Bacharach – Eddy Smith / Konzert in der „Münze“ – 18. Januar, 20 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Samstag in Oberwesel – „Ladies Night“ / Musik und Kabarett im Kulturhaus – 18. Januar, 20 Uhr. oberwesel.de

Samstag in Bingen – „Black Project“ im Jazzkeller „Binger Bühne“ – 18. Januar, 20 Uhr 30. bingen.de

Sonntag auf der Festung Ehrenbreitstein – Kostproben aus dem „WeinReich“ Rheinland-Pfalz, 19 Uhr, 13 – 16 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Sonntag in Boppard – „SWR 1 Hits und Stories – Die Show“ – 19. Januar, 19 Uhr. boppard-tourismus.de

Dienstag in Bingen – „Britt-Marie war hier“ im Programmkino KiKuBi – 21. Januar, 17 Uhr 15 und 20 Uhr 15. bingen.de

Foto der Woche

Das Beste zum Schluss

Lange vor der Erfindung von Facebook hießen die sozialen Netzwerke des Mittelrheintals „St. Ägidus“ oder „Obere Niedersburger“. Die genossenschaftlich organisierten „Nachbarschaften“ prägten jahrhundertelang das Zusammenleben in Kleinstädten und Dörfern. Vor allem in Boppard haben sie sich bis heute erhalten. Der dortige Heimatforscher Jürgen Johann setzt sich seit Jahren dafür ein, die historischen Nachbarschaften zum „Immateriellen Kulturerbe der Unesco“ erklären zu lassen. Sie stünden damit in einer Reihe mit Traditionen wie dem Sternsingen zum Dreikönigstag, dem rheinischen Karneval und der ostfriesischen Teekultur. Der Zweckverband Welterbe unterstützt Johanns Initiative und lädt für den 29. Januar zu einem ersten Informationsaustausch ins Bopparder Rathaus. Wer dabei sein will: Nicole Schuh vom Zweckverband freut sich über formlose Anmeldungen per Mail: n.schuh@zv-welterbe.de