Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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„Slow Down Loreley“: Die Debatte ist eröffnet

Rund um die Loreley fallen die Reaktionen auf das geplante Großhotel unterschiedlich aus. Bisher gibt es wenig Begeisterung, wenig Total-Opposition und viele offene Fragen. Katrin Vetters, 1. Beigeordnete und amtierendes Stadtoberhaupt von St. Goarshausen, klingt nicht euphorisch, hofft aber auf einen Entwicklungsschub für ihre Stadt: „Wenn wir wollen, dass Menschen bleiben, müssen wir Räume schaffen, in denen sie bleiben können und wollen …. Im Tal ist das nicht möglich, also geht man auf die Höhe. Die Hotelplanung wurde über sechs Jahre lang diskutiert, um die Verträglichkeit im Landschaftsbild wurde hart gerungen. Jetzt wird ein Stück Natur aufgegeben zugunsten einer hochwertigen wirtschaftlichen Nutzung. Ich finde, diesen Schritt muss man wagen.“

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Kritischer äußert sich Christoph Weyrath, Vorstandssprecher der Grünen im Rhein-Lahn-Kreis: Die Verbandsgemeinde habe die ursprüngliche Obergrenze von rund 300 Betten aufgegeben und einen deutlich größere Anlage akzeptiert. Mit dem jetzt geplanten 720 Betten-Komplex „Slow Down Loreley“ werde das Naturdenkmal immer mehr zur „Betonwüste“.

Der in der Region verwurzelte Kölner Landschaftsachitekt Dirk Melzer äußert sich auf Facebook noch schärfer: Er nennt den Plan eines norddeutschen Konsortiums „Investorenarchitektur aus dem Kopierer, dazu völlig überdimensioniert.“ Das „Slow Down Loreley“ werde sich zum „Go down Loreley Projekt“ entwickeln.

Eine Stellungnahme der Unesco steht noch aus. Laut VG-Bürgermeister Mike Weiland vermittelt das Welterbe-Sekretariat der Landesregierung. Der Investor sieht alle Unesco-Vorgaben erfüllt. Darauf pocht auch Touristik-Netzwerkerin Claudia Schwarz*: „Das Tal muss sich weiterentwickeln und braucht neue touristische Angebote, gerade auch in der Verbandsgemeinde Loreley. Aber es muss welterbe- und ressourcenverträglich sein. Ich gehe davon aus, dass das geklärt ist.“ Die Geschäftsführerin der Tourismusorganisation Tal der Loreley ist auch Vorsitzende der Verbandes deutscher Welterbe-Stätten.

Für die Baugenehmigung ist die Kreisverwaltung in Bad Ems zuständig. Wenn alles so läuft, wie die „Slow-Down“-Macher wollen, könnten die Anlage mit Hotel-Hauptgebäude, Terrassen-Appartments und Ferienhaus-Villen 2024 in Betrieb gehen. Die Verbandsgemeinde Loreley rechnet mit 80 bis 100 Arbeitsplätzen. Mittelrheingold (Hintergrund)

* Disclaimer: Die Rhein-Touristik Tal der Loreley e.V. unterstützt Mittelrheingold.

Ein Buga-Kloster in Bornhofen

Falls sich die Loreley bis zur Buga 2029 zum touristischen Rummelplatz entwickeln sollte: Ruhe und Frieden gäbe es ein Stück stromabwärts im Kloster Bornhofen. RLP-Innenminister Roger Lewentz und der zuständige Limburger Bischof Georg Bätzing (ein Cousin von Lewentz‘ Ministerkollegin Sabine Bätzing-Lichtenthäler) wollen das barocke Wallfahrtskloster zu einem spirituellen Mittelpunkt der Bundesgartenschau entwickeln und zählen dabei auf den rührigen Pater Eryk. Auch die Evangelische Kircher soll eingebunden werden. Rhein-Zeitung, Saarbrücker-Zeitung

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Bacharach sucht den Tonnenhof-Wirt

Bacharach hat zwar keinen Bürgermeister, gönnt sich aber den schönsten Bauhof am Mittelrhein. Der sogenannte „Tonnenhof“  liegt nur nur wenige Schritte vom Rheinufer entfernt und grenzt unmittelbar an einen kleinen Landschaftspark. Für eine Lagerhalle war das idyllische Bruchsteingebäude mit Blick auf die Insel Heylessen Werth schon immer zu schade. In den kommenden Jahren soll der „Tonnenhof“ zum großzügigen Rheinufer-Gastronomie ausgebaut werden. Die Stadt sucht einen langfristigen Pächter; gerne für mehrere Jahrzehnte. Laut „AZ“ denkt man „eine unbedingt barrierefrei erreichbare Ganzjahresgastronomie in einem familienfreundlichen Betrieb mit „regionaler Küche und ansprechenden Speisen ohne einseitige Ausrichtung auf länderspezifische Gastronomie.“  Wenn alles gut geht, könnte ein gastronomischer Leuchtturm am Flußufer entstehen. Ein möglicher Investor hätte die Möglichkeit, über 700 Quadratmeter Hof- und Grünfläche in perfekter Mittelerhein-Kulisse zu bewirtschaften. Das Haus selbst umfasst 120 Quadratmeter und könnte nach Abstimmung mit der Bauverwaltung durch Nebengebäude erweitert werden. Potenzielle Investoren haben noch bis zum 15. Oktober Zeit, Angebote abzugeben. Allgemeine Zeitung

Bacharach am Rhein. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Bacharach am Rhein. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Tote Badehose in Kamp-Bornhofen

Ein Freibad zu bewirtschaften ist schon in normalen Zeiten kein Vergnügen, weil die Kosten fast immer höher sind als die Einnahmen. In der Corona-Saison wird es zum Horror. Besonders schwierig ist es in Kamp-Bornhofen, wo sich engagierte Bürger um den Badebetrieb kümmern. „Der Besuch in diesem Jahr ist unterirdisch“, zitiert die „RZ“ Ortsbürgermeister Frank Kalkofen. Wegen der Panademie-Auflagen kommen selbst an heißen Sonntagen nur 200 Menschen. Normal wären rund 700. Rhein-Zeitung

Die Top 10 von T-Online

Das Obere Mittelrheintal hat es im Internet-Portal T-Online auf eine Liste mit 10 Urlaubstipps geschafft. Die Redaktion wählte anhand von Leser-Empfehlungen aus. Mit in den Top 10 sind die Insel Fehmarn, Kronberg im Taunus und Waren an der Müritz. T-Online ist eines der meistbesuchten Webseiten Deutschlands. Im Juni kam die Plattform auf fast 2 Milliarden Seitenaufrufe. T-Online

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Bauen bis die Buga kommt

In den Mittelrhein-Medien sind alte und neue Baustellen gerade ein großes Thema, und jeder im Tal hofft, dass bis zum Buga-Jahr 2029 alles ampel- und barrierfrei funktioniert. Eine Auswahl:

  • Auf der linksrheinischen B9 wird es im kommenden Jahr zwischen Bacharach und der Grube Rhein ungemütlich. Dann beginnen Sanierungsarbeiten auf 2,3 Kilometern Strecke. Die Straßenverwaltung kalkuliert laut „AZ“ mit 4,8 Millonen Euro.
  • Danach geht es zwischen Bingerbrück und Trechtingshausen weiter. Ein Teil der Strecke ist gerade erst saniert worden, die Baufirma muss noch nachbessern. Das dicke Ende kommt aber noch: Im dritten Abschnitt der Endlos-Baustelle werden auf 1,2 Kilometern noch einmal 4,5 Millionen Euro verbaut.
  • Die schwierigste Baustelle wird irgendwann mitten in Bingerbrück eröffnet: Die legendäre „Darmverschlingung“, ein Alptraum für Fahrschüler, soll in den kommenden Jahren zu einem großzügig dimensionierten Kreisverkehr gestaltet werden. Wie und wann ist noch unklar.
  • Auf der rechten Rheinseite werkelt man bis mindestens 2023 am Rad- und Gehweg zwischen dem Campingplatz Lorch und Assmannshausen.
  • Die Bahnhöfe sind weitere Sorgenkinder. Mit dem Rüdesheimer beschäftigt sich schon der Petitionsausschuss des Hessischen Landtages, weil er für Menschen mit eingeschränkter Mobilität unzumutbar ist. Es gibt Überlegungen, ihn rheinaufwärts neu zu bauen.
  • In Kamp-Bornhofen ist man schon ein Stück weiter. Dort liegt jetzt die Baugenehmigung für die barrierefreie Bahnhofsgestaltung vor.

Die beiden größten Baustellen im Oberen Mittelrheintal sind noch nicht einmal geplant und darum wohl auch für das Buga-Jahr illusorisch: Die Mittelrheinbrücke bei St. Goar und die neue Bahntrasse an der B 42 in Rüdesheim. Allgemeine Zeitung (linksrheinisch), Wiesbadener Kurier (Rüdesheim und Lorch), Rhein-Zeitung (Kamp-Bornhofen)

Unübersehbar in Assmannshausen: Die legendäre "Krone". Foto: Karl Hoffmann / Rüdesheim Touristik

Blick auf Assmannshausen. Foto: Karl Hoffmann / Rüdesheim Touristik

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