Mittelrheingold

Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: St. Goar Seite 1 von 49

Wenn der Fährverkehr absäuft

Die Corona-Krise legt gerade gnadenlos offen, was seit Jahren versäumt wird: Die Rheinfähren staatlich zu unterstützen und dadurch zu kontrollieren. Alle 5 Betriebe zwischen Boppard und Rüdesheim müssen privatwirtschaftlich über die Runden kommen; sie erhalten anders als Bus- oder Bahnlinien keine Zuschüsse. Das rächt sich gerade. Wegen Corona sind deutlich weniger Autos unterwegs. Vor allem der Pendlerverkehr ist drastisch eingebrochen. Rein kommerzielle Fähre können auf die gesunkene Nachfrage nur betriebswirtschaftlich reagieren – sie reduzieren ihr Angebot und verzichten auf unrentable Fahrten am Abend. Systemrelevante Schichtarbeiter wie Pflegepersonal oder Supermarkt-Mitarbeiter müssen zeitraubende Umwege in Kauf nehmen.

Die Loreley-Fähre vor der Kirche von St .Goarhausen. Foto: Fähre Loreley GmbH & Co. KG

Die Binger-Rüdesheimer Fähre ist ohnehin schon gebeutelt, weil neben der Fähre auch leere Ausflugsschiffe zur Flotte gehören. Die Betreiberfirma wollte gerade ihren Fahrplan ausdünnen, rudert nach einem Schrei der Entrüstung aber zurück. Ohne Geld vom Staat wird es aber nicht funktionieren: „Damit wir auch weiterhin diese Fahrzeiten anbieten können, sind wir auf eine staatliche Unterstützung angewiesen“, heißt es auf der Facebook-Seite des Unternehmens.

In St. Goarshausen will Fährmann Klaus Hammerl am Montag einen „Covid-19-Notfahrplan“ in Kraft setzen, dann ist um 19 Uhr Schluss, und an Wochenenden geht’s erst um 10 Uhr vormittags los (werktags um 5 Uhr 30).

In Kaub und zwischen Niederheimbach und Lorch wird am Wochenende überhaupt nicht mehr gefahren, und auch in Boppard gibt es Einschränkungen.

Seit Jahren wird am Mittelrhein darüber diskutiert, Fähren zu subventionieren und dadurch den Betrieb auch spätabends und in der Nacht zu ermöglichen – bislang ohne Ergebnis. Befürworter eines Brückenbaus zwischen St. Goar und St. Goarshausen reagieren auf das Thema allergisch. Sie halten die Brücke für alternativlos und befürchten, dass 24-Stunden-Fähren das Projekt überflüssig machen könnten. Mit der Fertigstellung einer Brücke wird nicht vor den 30er Jahren gerechnet.

Stummer Protest in St. Goar und Oberwesel

Im schwarzen Mercedes sind die Vertreter des Krankenhaus-Konzerns Marienhaus am Donnerstagvormittag in Oberwesel vorgefahren, um über die Schließung der Loreley-Kliniken zu verhandeln. Die Lage der Krankenhäuser gilt als aussichtslos, weil der Hauptgesellschafter kein Interesse daran hat, sie weiter zu betreiben. Andere ernsthafte Investoren gibt es nicht, und ein Einsatz als Corona-Klinik kommt nicht in Frage – es fehlt das Personal.
In Oberwesel, St. Goar und Umgebung hängen zum Zeichen des Protests weiße Bettlaken aus den Fenstern. Die Einwohner waren im vergangenen Herbst noch gegen die Schließung auf die Straße gegangen und hatten einen Aufschub herausgeholt. Moment sind wegen des Virus keine Demonstrationen möglich. Auch der Klinik St. Goar ist beflaggt – gegen den Willen der Geschäftsführung, wie es heißt.

Mittelrheingold gibt’s auch per Post

Der wöchentliche E-Mail-Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick.  Hier geht’s zum kostenlosen Abo.

Oberwesel braucht ein Wunder

Ausgerechnet die Krankenhäuser in Oberwesel und St. Goar werden die Corona-Krise wohl nicht überleben. Für die rheinland-pfälzische Landesregierung sind die Kliniken „nicht systemrelevant“. Sie seien nicht für die Behandlung von Corona-Patienten eingeplant, berichten SWR und „Rhein-Zeitung“. Am Donnerstag trifft sich der Mehrheitsgesellschafter Marienhaus mit den Bürgermeistern der VG Hunsrück-Mittelrherin und der Städte Oberwesel und St. Goar. Sie vertreten die kommunalen Teilhaber der Loreley-Kliniken. Die Marienhaus-Gruppe wird vermutlich die Schließung beantragen. Das Land will bis zu 22 Millionen Euro für Sozialpläne bereitstellen. Corona-Zentrum in der Region wird das Binger Heilig-Geist-Krankenhaus. Es gehört ebenfalls der Marienhaus-Gruppe. SWR, Rhein-Zeitung

Foto: Loreley-Kliniken.

Kämpfen und kochen in Oberwesel

Apropos Oberwesel: Corona und Krankenhaus-Krise treffen die Stadt doppelt. Trotzdem lässt sich der örtliche Gewerbeverein nicht unterkriegen. Auf der Website gibt es eine Liste mit allen Händlern und Gastronomen, die weiter aktiv sind. 6 Restaurants und Imbissbetriebe bieten zum Beispiel Essen zum Mitnehmen oder Abholen an. Im „Lämmche“ kann sogar Kesselfleisch geordert werden. Ein Weseler Highlight ist der Service von Roland Schmelzeisen: Der Juwelier und Goldschmied nimmt weiter Reparaturen an – in einem Körbchen, das an einem Seil vom 1. Stock herabgelassen wird. ogv-mittelrhein.de

Küche in Kaub

Auch in Kaub muss niemand verhungern: Im „Deutschen Haus“ von Edgar Kirdorf kann täglich außer Montag Essen bestellt und abgeholt werden – jeweils von 12 bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr. Per Mail

Die Corona-Zahle hüben und drüben

Die „Rhein-Zeitung“ hat Corona-Zahlen für den Rhein-Hunsrück-Kreis und den Rhein-Lahn-Kreis veröffentlicht. Demnach gab es am Montag 48 positiv Getestete im Rhein-Lahn-Kreis, darunter je 9 in Lahnstein und in der Verbandsgemeinde Rhein-Lahn. Gegenüber im Rhein-Hunsrück-Kreis spricht Landrat Marlon Bröhr von 51 bekannten Fällen. Rhein-Zeitung (Rhein-Lahn), Rhein-Zeitung (Interview mit Marlon Bröhr)

Rheinstein TV geht auf Sendung

Auf Burg Rheinstein kämpft Familie Hecher mit digitalen Mitteln gegen die Krise. Ab heute gibt es täglich um 18 Uhr ein Video-Sendung aus der Burg. Die Hechers erzählen Geschichte und Geschichten und zeigen unbekannte Winkel der Burg. Per E-Mail 

Foto des Tages

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Spaziergang am Rhein in Boppard. #boppard #rhein #landschaft #mittelrheintal #rheinlandpfalz #rhine #blauerhimmel #frühling

Ein Beitrag geteilt von Christiane Schmitt (@christianeschmitt) am

Mittelrheingold gibt’s auch per Post

Der wöchentliche E-Mail-Newsletter bringt die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick.  Hier geht’s zum kostenlosen Abo.

Seite 1 von 49

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: