Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Rüdesheim Seite 1 von 92

Wirte kämpfen sich zurück und Winzerinnen kommen ins Kino

Nach dem Virus kommt die Pleiteweile, fürchteten spätestens im 2. Lockdown viele Wirte und noch mehr Gäste. Aber zumindest der Rhein-Hunsrück-Kreis scheint von der ganz großen Krise verschont zu bleiben. Josef Mayer, Kreisvorsitzender des Branchenverbandes Dehoga und Seniorchef des „Eisernen Ritter“ in Boppard, hat bisher nur von einem einzigen Betrieb erfahren, der wegen Corona schließen musste. Entwarnung gibt Mayer aber nicht. Das ganze Ausmaß des Schadens werde erst nach der Wintersaison sichtbar sein, heißt es. Ein verregneter Herbst oder die 4. Welle könnte das Aus bedeuten. Laut „RZ“ befürchtet Mayer, dass noch „10 bis 20 Prozent“ aufgeben. Momentan herrscht bei den Mittelrhein-Wirten eher Optimismus als Angst. Sie denken nicht an Rezession und leere Gasträume, sondern haben ein ganz anderes Problem: Personalmangel. Peter Gödert aus St. Goar-Biebernheim („Landgasthof Rebstock“)  etwa hat während des Lockdowns jede dritte Aushilfskraft verloren. Teile des Teams sind in vermeintlich sicherere Branchen gewechselt. Das Stammpersonal konnte er halten, trotzdem fehlen Fachkräfte. Aktuell sucht Gödert u. a. 2 Köche. Zu tun gibt es genug: Neben dem Stammbetrieb auf der Höhe bewirtschaftet er auch den Biergarten am St. Goarer Rheinufer. Rhein-Zeitung, Landgasthof Rebstock

Burg Rheinfels gehört der Stadt St. Goar. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Blick auf St. Goar. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Open-Air in Oberwesel

Der Kinofilm „Wein Weiblich“ dokumentiert Leben und Arbeit von 4 Winzerinnen, darunter 2 Mittelrheinerinnen: Carolin Weiler aus Lorch und Theresa Breuer aus Rüdesheim. Wegen Corona ging der Deutschland-Start von „Wein Weiblich“ 2020 ein bisschen unter. Jetzt gibt es den Film in perfekter Kulisse: Am 13. und 14. August zeigt ihn das Kulturhaus Oberwesel im historischen Klostergarten. Regisseur Christoph Koch und mindestens eine seiner Hauptdarstellerinnen sind dabei. Zum Ticket gibt es natürlich Secco, Wein und einen Imbiß.  Kulturhaus Oberwesel

28 Millionen für die Binger Unterwelt

Mit dem Wasserbau ist es wie mit der Virologie: Früher interessierte das Fach fast keinen Menschen, aber große Krisen verändern alles. Spätestens seit der Flutkatastrophe an Ahr, Erft und Lenne sorgen sich die Deutschen um ihre Kanalisation. In Bingen war die Unterwelt gerade Thema im kommunalen Werksausschuss. Demnach muss die Stadt in den kommenden 20 Jahren rund 28 Millionen Euro in ihr Kanalnetz investieren. Das unterirdische System umfasst laut „AZ“ insgesamt 180 Kilometer Rohre und 5.000 Leitungen. Es ist rund eine Viertel Milliarde Euro wert. Allgemeine Zeitung

Ein altes Kloster in Rüdesheim

In Rüdesheim hat sich ein Förderverein „Altes Hildegardiskloster Eibingen“ gegründet. Die Aktivisten wollen das Gelände rund um die Eibinger Wallfahrtskirche neu gestalten und an den Standort des früheren Hildegard-Klosters erinnern. Die Geschichte des Baus reicht bis ins Mittelalter zurück, heute sind nur noch Reste erhalten. Anfang des 20. Jahrhunderts entstand weiter oberhalb die neue Abtei St. Hildegard. Wiesbadener Kurier, Wikipedia

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Hessens bester Mittelrheiner: 7 Fragen an Karl Ottes

Die Stadt Rüdesheim hat Karl Ottes gerade zum Ehrenbürger ernannt, aber eigentlich könnte die Auszeichnung im ganzen Tal gelten. Der Winzersohn aus Lorch engagiert sich seit über 50 Jahren für den Oberen Mittelrhein und hat die Entwicklung zur international anerkannten Unesco-Region von Anfang an vorangetrieben. Als „Welterbe-Dezernent“ des Rheingau-Taunus-Kreises gehörte er 16 Jahre lang zum Vorstand des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal, der einzigen gemeinde- und länderübergreifenden Organisation für das ganze Tal. Ottes startete 1967 im damals noch eigenständigen Höhenort Aulhausen als jüngster Bürgermeister Deutschlands und beendete seine Laufbahn im Frühjahr als dienstältester Kreispolitiker. Up to date bleibt er trotzdem: Ottes, 79, ist Apple-User und kommuniziert digital so selbstverständlich wie ein 29-Jähriger. Im Interview mit Mittelrheingold erzählt er, was sich im Tal geändert hat, wie es weitergehen muss, und welche 2 Grundregeln nicht nur in seinem Heimatort Lorch wichtig sind. 

Karl Ottes oberhalb von Lorch.

Welterbe-Pionier und Ehrenbürger: Karl Ottes engagiert sich seit Jahrzehnten für die Region. Foto: Privat

Du hast im Mittelrheintal schon Verantwortung übernommen als viele heutige Bürgermeister, Beigeordnete und Stadträte noch gar nicht auf der Welt waren. Was hat sich seit 1967 am meisten verändert und was ist konstant geblieben?

Die Hektik und Ungeduld hat sich vielfach ausgebreitet. Man verlangt von den Verantwortlichen schnelle Entscheidungen und auch möglichst sofortige Umsetzungen von Maßnahmen ohne Rücksicht auf Finanzierbarkeit oder sonstige Hindernisse. Was geblieben ist,  das ist die Liebe zur Mittelrhein-Region mit all ihren kulturellen Highlights sowie zu unserer einmaligen Landschaftskulisse, um die uns viele aus dem In- und Ausland beneiden.

Du hast die große Gebietsreform Ende der 60er bis Mitte der 70er erlebt. Seitdem gibt es im Tal kaum noch hauptamtliche Bürgermeister und es wird immer schwieriger, ehrenamtliche Kommunalpolitiker zu verpflichten. Was tun? 

Bei dieser Frage kann ich nur auf die kommunalrechtliche Situation in meinem Heimatland Hessen eingehen. Wir kennen hier seit der Gebietsreform nur die Einheitsgemeinde mit einem hauptamtlichen Bürgermeister als Verwaltungsspitze. Auf Ortsebene agieren ehrenamtlich die Ortsvorsteher mit ihren Ortsbeiräten. Das große Manko hierbei: Oftmals werden die Ideen und Vorschläge der Ortsbeiräte nicht genügend von den übergeordneten Gremien wahrgenommen. Das erzeugt teilweise Frust, da man nach dem Gesetz nur eine beratende Funktion wahrnehmen kann Umgekehrt stelle ich mir die ehrenamtliche Arbeit eines rheinland-pfälzischen Bürgermeisters in den kleinen Orten als sehr schwierig vor, auch wenn man im Gegensatz zu Hessen hier noch die direkte Einflussnahme auf Beschlüsse für seine Gemeinde hat. Schließlich haben die Gewählten neben ihrem Amt aber in der Regel einen Hauptberuf, was die Situation nicht einfacher macht. Einen Rat von „außerhalb“ möchte aus verständlichen Gründen nicht abgeben. Aber die  Schwierigkeiten bei der Verpflichtung von Amtsträgern kann ich gut nachvollziehen.

Du warst viele Jahre lang „Welterbe-Dezernent“ im Rheingau-Taunus-Kreis. Wie wichtig ist der Welterbe-Status für Rüdesheim und Lorch?

Mit dem Siegel des Welterbe – Status spielt man in der Tat in einer ganz besonderen international bekannten Liga. Das ist Anerkennung und Verpflichtung  zugleich. Für Lorch und Rüdesheim ist es wichtig, dass man als Rheingau-Kommune auch Teil der romantischen Mittelrheinregion ist. Das eröffnet neue Wege in der Entwicklung der beiden Städte -ganz besonders in der touristischen Vermarktung – aber auch für die Einwohner selbst.

Im Zweckverband Welterbe bist du immer auch eine Art hessischer Botschafter gewesen. Hattest du genug Unterstützung vom Land?

Wie im richtigen Leben gibt es immer Luft nach oben. Bei der Restaurierung und Wiederherstellung des Lorcher Hilchenhauses und bei den umfangreichen Maßnahmen am Niederwalddenkmal bzw. dem Osteinschen Park war das Land Hessen sehr kooperativ wie auch finanziell sehr aktiv dabei. Allerdings sind die besagten Flächen ohnehin im Besitz des Landes. Der weitaus bedeutendere Testfall wird die Buga 2029 sein. Hier muss meiner Meinung nach unbedingt die schriftliche Zusage des Ministerpräsidenten Volker Bouffier von  den Landesbehörden eingehalten werden, wonach Lorch und Rüdesheim eine großzügige Unterstützung bei den anstehenden Projekten erfahren sollen.

Welche Probleme löst die Buga 2029? 

Ich hoffe sehr, dass die BUGA 2029 die jeweiligen Stadtbilder hin zum Positiven verändert. Beispielgebend sind für mich hierbei die Städte Bingen und Koblenz mit der vorangegangenen Landes- bzw. Bundesgartenschau im Land Rheinland-Pfalz.

Und welche müssen anderswo gelöst werden?

Die Lösung von Verkehrsproblemen ist für das Rheintal der Schlüssel für eine erfolgreich Zukunftsperspektive. An vorderster Stelle steht die Verlagerung des unsäglichen und gesundheitsschädigenden Bahnlärms auf eine neue Gütertrasse fernab der Unesco-Kulturlandschaft. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Beseitigung des Rüdesheimer Bahnübergangs. Für beide Problemfelder ist einzig und allein der Bund zuständig. Viel zu lange wird hierüber diskutiert. Die Geduld der Bewohner wird hierbei außergewöhnlich strapaziert. Für die geplante Rheinquerung mit einer Brücke steht die Entscheidung der Unesco an. Man darf gespannt sein.

Apropos Probleme und Lösungen. Du bist gebürtiger Lorcher und wirst den heftigen politischen Streit dort verfolgt haben. Was würdest du dem Bürgermeister und den Fraktionen dort raten?

Was anderswo gilt, das gilt auch für Lorch: Erstens den Ball flach halten und sich auf die Sache konzentrieren. Und zweitens persönliche Angriffe unterlassen. Alles andere schadet dem Ansehen der Stadt und zahlt sich auch bei Wahlen niemals aus. Die Bürger wollen ein Team, das Lösungen erarbeitet und Entscheidungen trifft. Dauerstreit ist für die meisten Menschen – auch in Lorch- ein Graus und man wendet sich zu  Recht mit Kopfschütteln ab. Das sollten die Gewählten überall in den Gremien erkennen.

 

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Die nächste Welterbe-Generation

Junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren können im Spätsommer am internationalen Welterbe-Austausch am Mittelrhein und in der österreichischen Wachau teilnehmen. Das 14-tägige Programm umfasst neben Denkmalschutz und Landschaftspflege auch Ausflüge und vermutlich das eine oder andere Glas Riesling. Es findet je zur Hälfte am Mittelrhein und an der Donau statt. Nico Melchior vom Zweckverband Welterbe in St. Goarshausen freut sich über Teilnehmer direkt aus dem Tal. Infos unter n.melchior@zv-welterbe.de oder telefonisch unter 06771-599546. Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal

LAG: Reden wir über Geld

Apropos Zweckverband: An die Mittelrhein-Zentrale angedockt ist die  „Lokale Aktionsgruppe“ (LAG), die EU-Fördermittel aus dem Leader-Programm organisiert, verwaltet und in verteilt. Die Geld aus Brüssel hat in den vergangenen Jahren viele private und kommunale Projekte im Tal ermöglicht. Damit das so weitergeht und möglichst viele Mittelrheiner mitmachen, hat die LAG einen Plan für die Zukunft entwickelt. Die so genannte „Lokale Integrierte Entwicklungsstrategie“ für die Jahre 2023 bis 2029 wird am kommenden Montag ab 16 Uhr im Oberweseler Rathausaal und per Zoom-Konferent vorgestellt und diskutiert. Anmeldungen über Max Siech: (m.siech@zv-welterbe.de). LAG Mittelrhein

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„Irgendwann muss man doch zur Kenntnis nehmen, dass etwas nicht funktioniert“

Wer die Debatte über die Mittelrheinbrücke zwischen Wellmich und Fellen anstrengend findet, kennt die Brückendiskussion in Rüdesheim nicht.  Dort verhandeln Kommunalpolitiker mittlerweile in einer Art Parallelwelt. Was bisher geschah: Eine Machbarkeitsstudie hatte ergeben, dass eine weitere Autobrücke zwischen Bingern und Rüdesheim unrealistisch ist. Der Eingriff in die Natur der Rheinauen wäre zu krass, um vor irgend einem deutschen Verwaltungsgericht bestehen zu können. In Bingen fordert selbst die FDP, das Projekt zu beerdigen und stattdessen eine Brücke für Fußgänger und Fahrräder voranzutreiben und bessere Fährzeiten zu organisieren. Rheingau-Taunus-Landrat Frank Kilian sieht das ähnlich. Er kann sich allenfalls noch einen umweltverträglicheren Tunnel vorstellen, der allerdings sämtliche finanziellen und technischen Möglichkeiten sprengen würde. Der Kreistag des Rheingau-Taunus-Kreises hat trotzdem anders entschieden. Laut „Wiesbadener Kurier“ beschloss eine Mehrheit aus CDU, FWG, FDP und AfD, die Idee der Autobrücke weiter zu verfolgen und andere Standorte prüfen zu lassen. Mit einem bizarren Argument des Rüdesheimer Kreistagsmitglieds Michael Barth. „Eine feste Querung sei dringend notwendig – nicht zuletzt wegen der vielen Besucher, die 2029 zur Bundesgartenschau im Mittelrheintal erwartet werden“, zitiert ihn die Zeitung. Dass 2029 eine Autobrücke zwischen Bingen und Rüdesheim steht, gilt als ähnlich realistisch wie fliegende Einhörner in der Drosselgasse.

Blick auf Rüdesheim. Foto: Frank Gallas / Romantischer Rhein Tourismus

Selbst die Mittelrheinbrücke bei St. Goar, die im Planungsprozess viel weiter ist, wird 2029 nicht fertig sein – falls dann überhaupt der Bau begonnen hat. Für das Rüdesheimer Projekt fehlt jede Voraussetzung, um es in absehbarerer Zeit auf den Weg zu bringen. „Irgendwann muss man doch zur Kenntnis nehmen, dass etwas nicht funktioniert“, wundert sich SPD-Mann Martin Rabanus über die Brücken-Obsession im Kreistag. Für die Region ist die Verlängerung der Debatte fatal: So lange sich alles im Kreis dreht, werden praxisnahe Lösungen wie die Fahrradbrücke oder staatliche finanzierte 24-Stunden-Fähren blockiert. Wiesbadener Kurier

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