Mittelrheingold

Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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Wenn der Fährverkehr absäuft

Die Corona-Krise legt gerade gnadenlos offen, was seit Jahren versäumt wird: Die Rheinfähren staatlich zu unterstützen und dadurch zu kontrollieren. Alle 5 Betriebe zwischen Boppard und Rüdesheim müssen privatwirtschaftlich über die Runden kommen; sie erhalten anders als Bus- oder Bahnlinien keine Zuschüsse. Das rächt sich gerade. Wegen Corona sind deutlich weniger Autos unterwegs. Vor allem der Pendlerverkehr ist drastisch eingebrochen. Rein kommerzielle Fähre können auf die gesunkene Nachfrage nur betriebswirtschaftlich reagieren – sie reduzieren ihr Angebot und verzichten auf unrentable Fahrten am Abend. Systemrelevante Schichtarbeiter wie Pflegepersonal oder Supermarkt-Mitarbeiter müssen zeitraubende Umwege in Kauf nehmen.

Die Loreley-Fähre vor der Kirche von St .Goarhausen. Foto: Fähre Loreley GmbH & Co. KG

Die Binger-Rüdesheimer Fähre ist ohnehin schon gebeutelt, weil neben der Fähre auch leere Ausflugsschiffe zur Flotte gehören. Die Betreiberfirma wollte gerade ihren Fahrplan ausdünnen, rudert nach einem Schrei der Entrüstung aber zurück. Ohne Geld vom Staat wird es aber nicht funktionieren: „Damit wir auch weiterhin diese Fahrzeiten anbieten können, sind wir auf eine staatliche Unterstützung angewiesen“, heißt es auf der Facebook-Seite des Unternehmens.

In St. Goarshausen will Fährmann Klaus Hammerl am Montag einen „Covid-19-Notfahrplan“ in Kraft setzen, dann ist um 19 Uhr Schluss, und an Wochenenden geht’s erst um 10 Uhr vormittags los (werktags um 5 Uhr 30).

In Kaub und zwischen Niederheimbach und Lorch wird am Wochenende überhaupt nicht mehr gefahren, und auch in Boppard gibt es Einschränkungen.

Seit Jahren wird am Mittelrhein darüber diskutiert, Fähren zu subventionieren und dadurch den Betrieb auch spätabends und in der Nacht zu ermöglichen – bislang ohne Ergebnis. Befürworter eines Brückenbaus zwischen St. Goar und St. Goarshausen reagieren auf das Thema allergisch. Sie halten die Brücke für alternativlos und befürchten, dass 24-Stunden-Fähren das Projekt überflüssig machen könnten. Mit der Fertigstellung einer Brücke wird nicht vor den 30er Jahren gerechnet.

„Wir müssen jetzt mehr denn je zusammenarbeiten“

Corona trifft das Obere Mittelrheintal ins Mark: Kurz vor dem Saisonstart bricht das Tourismusgeschäft zusammen. Hotels schließen oder eröffnen gar nicht erst, Restaurants und Weinstuben können abends keine Gäste mehr bewirten. Der Bopparder Josef Mayer erlebt die schlimmste Krise seiner Branche aus nächster Nähe. Er ist Seniorchef des Familienbetriebs „Eiserner Ritter“ im Stadtteil Weiler und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. 4 Fragen an einen Gastronomen, der nie aufgibt.

Josef Meyer ist Dehoga-Chef im Rhein-Hunsrück-Kreis.

Josef Meyer ist Dehoga-Chef im Rhein-Hunsrück-Kreis.

Josef, du kennst die Hotellerie und Gastronomie am Mittelrhein seit Jahrzehnten in -und auswendig, hast selbst einen Betrieb geführt und bist jetzt Dehoga-Vorsitzender im Rhein-Hunsrück-Kreis. Hast du jemals eine ähnliche Krise erlebt wie jetzt gerade?

Nein! Und ich denke, dass kein Kollege, der ähnlich lange in unserem oder egal in welchem Gewerbe beschäftigt ist, sich an so eine Situation erinnern kann. Da ich ein positiv denkender Mensch bin, und ich kenne viele positiv denkende Kollegen, werden wir auch diese Situation meistern.

Um diese Situation jedoch geschäftlich zu überstehen,  brauchen wir in  diesem speziellen Fall zum ersten Mal finanzielle staatliche Hilfe und präzise Vorgaben vom Gesetzgeber. Ein Erlass vom 17. März mit der Maßnahme:

„Die Öffnungszeiten von Restaurants und Speisegaststätten werden auf 6:00 Uhr bis 18:00 Uhr begrenzt“

ist schwer nachvollziehbar. Was sollen diese Öffnungszeiten für die kleinen Betriebe auf dem Land? Hier ist das Mittagsgeschäft doch so oder so nicht gut. Nur billige Tagesgerichte werden gefragt,  und nur dafür ist das Personal zu teuer. Der Gast am Abend, der sich die Zeit zum Essen nimmt, bringt den Umsatz.

Ebenso unverständlich ist der Erlass:

„Übernachtungsangebote im Hotelgewerbe sind nur zu notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken zulässig“.

Soll ein Hotelbetrieb geöffnet bleiben um  eventuell 2 oder 3 notwendige Übernachtungen zu gewährleisten? Wer soll diesen Aufwand bezahlen? Außerdem müssen  wir auch unser Personal vor Ansteckung schützen!

Ein Kollege fragt bei mir an: Ist der Coronavirus nur von  6 – 18 Uhr gefährlich für unser Personal?  Ich bitte darum diese Anweisung zu ändern, und unsere Familien und Mitarbeiter keiner Gefahr auszusetzen.  Service heißt: Kontakt unter 1.50 Meter. Das ist nicht möglich. Konsequenz ist unsere einzige Chance. Komplette Schließung für eine kurze Zeit ist besser als eine verschleppte Gefahr.

Welche Betriebe treffen die Maßnahmen gegen Corona besonders hart?

Alle Betriebe, egal ob Hotel, Restaurant oder den Imbiss.

Wie kann man eurer Branche helfen?

Zunächst, indem der Staat die komplette Schließung fordert und Sofortmaßnahmen in die Wege leitet. Für uns in Boppard habe ich heute, in meiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender des Dehoga und als Stadtratsmitglied, in einem Schreiben an den Bürgermeister und den Stadtrat die Aussetzung der Abschlagszahlungen für den Touristenbeitrag und den Gästebeitrag gefordert. Hierzu haben sich schon einige Stadtratsmitglieder und der Bürgermeister positiv geäußert.

Im Tal versuchen immer wieder neue Gastronomen ihr Glück. Welchen Rat hast du jetzt für sie?

Wie gesagt: Da ich ein positiv denkender Mensch bin, und ich kenne viele positiv denkende  Kollegen, werden wir auch diese Situation meistern. Als uns in den 90er Jahren die BSE-Krise heimsuchte, sahen sich viele gezwungen, kein Rindfleisch ins Angebot zu nehmen. Damals hatte ich die Idee, unseren „Hunsrück-Metzger“ Wolf aus Woppenroth mit ins Boot zu nehmen.  Ich fragte ihn nach Kalbsbries, worauf er mich für verrückt erklärte. „Kein Mensch isst jetzt Bries“, argumentierte er.

„Man muss die Menschen nur richtig aufklären, ihnen die Herkunft des Tieres, den Bauernhof und die Metzgerei nennen, in der geschlachtet wird, und wir werden Kunden finden“, gab ich ihm zur Antwort. Er begann, Bries zu sammeln und während der Spargelsaison stand im „Eisernen Ritter“ Kalbsbries in Butter gebraten mit frischem Stangenspargel auf der Karte. Wir hätten mehr Bries verkaufen können, als der Hunsrück sie hergab.

Ähnlich erging es in der Zeit der Geflügelgrippe, die ja heute auch wieder aktuell ist Produkte aus sicherer Herkunft, aus der Region zu kaufen war und ist meine Devise. Eifel, Westerwald, Taunus und unser Hunsrück bringen tolle Grundprodukte –in einem Radius von 50 Kilometern – hervor, die von ehrlichen Erzeugern produziert werden.

Unsere Mittelrhein-Winzer liefern uns die besten Rieslinge der Welt.

Natürlich darf es auch das ein oder andere Produkt aus internationalen Gewässern oder Weiden auf der Speisenkarte geben. Den Vorrang sollten  jedoch die heimischen haben.

Wenn sich alle auf den Weg machen und nach der Krise mit uns diesen Weg beschreiten, habe ich vor der Zukunft keine Angst. Viele kennen meine Einstellung seit Jahren: Nur gemeinsam sind wir stark!

Dieser Leitfaden hat mein Geschäft- und Privatleben  seit Jahrzehnten geprägt.

Jetzt sind alle gefordert mit an einem Strang zu ziehen!

Wir müssen jetzt mehr denn je zusammen arbeiten, damit wir eine noch nie dagewesene Situation wie diese meistern!

Alteingesessene sowie neue Kollegen, die sich an dieser Art zu arbeiten anschließen,brauchen vor der Zukunft keine Angst zu haben.

Kein Bedarf in Oberwesel

Mit der Inneren Medizin verschwand im vergangenen Jahr auch die Intensivstation im Krankenhaus Oberwesel. Trotz Corona-Krise wird es aber wohl kein Revival geben. Dagegen sperrt sich der Haupteigentümer Marienhaus: „Wir werden dort sicherlich keine neuen Kapazitäten schaffen können“, zitiert die „RZ“ einen Sprecher des katholischen Krankenhaus-Konzerns.  Man werde bei Bedarf an anderen Standorten aufstocken, nicht in Oberwesel, heißt es. Die Loreley-Kliniken in Oberwesel und St. Goar stehen zum Verkauf und haben bisher noch keinen seriösen Interessenten gefunden. Rhein-Zeitung

Leere in Lahnstein

Die Corona-Krise trifft neben der Gastronomie auch den Einzelhandel am Mittelrhein hart. In Lahnstein kämpfen u. a. die Buchhandlung Mentges und das Modehaus Cleo. „RZ“-Redakteurin Karin Kring hat sich in der leeren Innenstadt umgeschaut und kurz vor der Schließung noch mit Händlerinnen unterhalten. Mentges darf zumindest noch Zeitungen verkaufen. Rhein-Zeitung

Der neue Mr. Loreley

SPD-Kandidat Mike Weiland hat die Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Loreley unerwartet klar gewonnen. Der Büroleiter von Innenminister Roger Lewentz holte 60 Prozent, Amtsinhaber Werner Groß kam nur auf 32 Prozent, und 2 weitere Kandidaten spielten keine Rolle. Damit sind innerhalb von 9 Monaten alle 3 hauptamtlichen CDU-Bürgermeister auf der rechten Rheinseite abgewählt worden. Im Juni hatte es Jürgen Helbing in Lorch erwischt und im November Volker Mosler in Rüdesheim. Ärger für die SPD gab es diese Woche trotzdem: Ein Wahlparty-Foto mit Lewentz, Weiland und Fans stieß wegen zu enger Tuchfühlung im Corona-Land auf Unverständnis.  Rhein-Zeitung, Allgemeine Zeitung, Mittelrheingold (Interview mit Mike Weiland, Februar 2020)

Ein Blick auf die Buga 2029

In Lorch macht sich eine Bundegartenschau-Kommission an die Arbeit. Neben Kommunalpolitikern packen 13 engagierte Bürger an, darunter Apothekerin Kathrin Büschenfeld, Landschaftsbau-Professor Andreas Thon und der Winzer und Querterrassen-Pionier Gilbert Laquai. Auch nebenan in Rüdesheim tut sich was. Die Wählergruppe WIR hat erste Vorschläge für 2029 vorgelegt, darunter einen 24-Stunden-Fährbetrieb während der Buga-Monate. Wiesbadener Kurier (Lorch), Wiesbadener Kurier (Rüdesheim)

Video der Woche

Ab in den Wald! So lange es noch keine Ausgangssperren gibt, empfehlen Chefarzt Matthias Rudolph von der Bad Salziger Mittelrhein-Klinik und Boppards Forstamtschef Axel Henke einsame Spaziergänge im Grünen. Wald-Wanderungen stärken das Immunsystem und helfen gegen Lagerkoller und innere Unruhe. Voraussetzung ist natürlich, dass sie nicht in Massenveranstaltungen ausarten und Abstand eingehalten wird. Platz gibt es eigentlich genug. Allein die Forstreviere auf der linken Rheinseite zwischen Boppard und Bingen umfassen rund 19.000 Hektar Wald; das ist mehr als das Fürstentum Liechtenstein. Henke und Rudolph erklären ihr „kleines Impfmittel vor der Haustür“ in einem SWR-Video.

Mittelrhein-Zahl der Woche

Rund 1,5 Millionen Liter Wasser fasst der Löschteich der Feuerwehr Heimbachtal im Binger Wald. Im Dezember musst er wegen dringender Sanierungsarbeiten abgepumpt werden. Damals war nicht klar, wie schnell er sich wieder auffüllen würde. Die bange Frage ist jetzt beantwortet: Schneller als gedacht. Nach dem verregneten Winter ist wieder mehr als genug Wasser da. Allgemeine Zeitung

Termine der Woche ….

… gibt es wegen Corona erstmal nicht.

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Foto der Woche

Das Beste zum Schluss

Franziskus Weinert und Christian Büning vom Oberweseler Gewerbeverein haben eine Plattform für Nachbarschaftshilfe ins Netz gestellt: „Vermittelrhein – Corona Care in der Region“. Auf der Seite bieten Bürger ihre Hilfe bei Einkauf oder Betreuung an. vermittelrhein.de

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Operettenmonarchie in St. Goar: „Man darf sich auch Graf Koks nennen“

Burg Rheinfels über St. Goar war schon immer anders. Bei den Eroberungskriegen des französischen „Sonnernkönigs“ Ludwig XIV. blieb sie als einzige Burg am Mittelrhein unbesiegt. Während ringsherum alles kapitulierte oder in Flammen aufging (meistens beides) hielt die Rheinfels jedem französischen Angriff stand. Dem St. Goarer Drechslermeister Johann Kretsch gelang es während der Belagerung sogar, den französischen Oberbefehlshaber Graf Tallard aus 200 Meter Entfernung mit einem Meisterschuss vom Pferd zu holen. Heute haben es blaublütige Angreifer in St. Goar leichter. Man wehrt sich nicht mehr lange und rollt ihnen irgendwann sogar den roten Teppich aus. Selbst dann, wenn sie keine keine Macht mehr besitzen, ein Nazi-Problem haben und so viel royalen Glamour ausstrahlen wie ein Finanzbeamter bei der Umsatzsteuerprüfung. Bürgermeister Falko Hönisch (SPD) und seine Mehrheit im Stadtrat wollen einem Nachfahren des letzten Deutschen Kaisers wacklige Ansprüche auf die Burg abkaufen, indem sie dessen Stiftung an den Eintrittsgeldern beteiligt. Das Land Rheinland-Pfalz hält das für unnötig, weil Georg Friedrich Prinz von Preußen keine Ansprüche zu stellen habe. Auch der Berliner Jura-Professor Torsten Tristan Straub wundert sich. Er hat sich auch mit anderen Rückgabeforderungen des Prinzen beschäftigt und bezweifelt, dass der Urenkel des Hitler-Fans Kronprinz Wilhelm überhaupt für „das Haus Hohenzollern“ sprechen kann.  Ein Interview über Wunsch und Wirklichkeit.

Rheinfels gehört zu den Top-Adressen am Mittelrhein. Foto: Hotel Schloss Rheinfels.

Rheinfels gehört zu den Top-Adressen am Mittelrhein. Foto: Friedrich Gier.

Der Stadtrat von St. Goar hatte in der vergangenen Woche über einen Vergleich mit dem „Haus Hohenzollern“ abzustimmen. So war es in der Beschlussvorlage formuliert, und auch in den Medien ist immer vom „Haus Hohenzollern“ und seinem „Chef“ die Rede. Wie würden Sie als Jurist das „Haus Hohenzollern“ definieren: Ist das eine Rechtspersönlichkeit oder eher eine romantische Fantasie?

Mit der Abschaffung der Monarchie hat der Begriff „Haus Hohenzollern“ in Deutschland keine öffentlich-rechtliche Bedeutung mehr. Auch das Privatrecht kennt grundsätzlich keine dynastischen „Häuser“. Im heutigen Familienrecht gibt es kein „Oberhaupt“ mehr. Prinz Georg Friedrich mag der Vormund für seine Kinder sein, allerdings nicht allein, sondern nur neben deren Mutter. Als Vertreter aller anderen Nachkommen des Kronprinzen Wilhelm bzw. des Prinzen Louis Ferdinand darf er nur anerkannt werden, wenn diese ihn bevollmächtigt haben.

Vielleicht gibt es eine privatrechtliche Familienstiftung, die sich „Haus Hohenzollern“ nennt. Das entzieht sich vorerst meiner Kenntnis genauso wie die Frage, ob für den Ausdruck „Haus Hohenzollern“ etwa eine Marke eingetragen ist.

Jeder darf seine Familie heutzutage im privaten Bereich „Haus“ nennen, z.B. „Haus Zimmer“. Das ist Geschmackssache. Im Privatleben ist man nicht verpflichtet, den zivilstandsmäßigen Namen zu benutzen. Man darf sich auch „Graf Koks“ nennen, außer im Verkehr mit Behörden, und solange man nicht zufällig das absolute Recht eines anderen an diesem Namen verletzt, sich dessen Identität anmaßt oder ihm betrügerisch einen Vermögensschaden zufügt.

Prinz Georg Friedrich von Preußen benutzt seinen zivilrechtlichen Namen. Der Auftritt als „Chef der Hohenzollern“ bedeutet hier allerdings mehr als nur nostalgische Denkmalspflege. Er suggeriert eine Vertretungsmacht, die über seine eigene Person und die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublick Deutschland hinausreichen will – und genaugenommen nicht besteht.

Der eigentliche Vergleich soll mit Georg Friedrich Prinz von Preußen abgeschlossen werden. Inwieweit kann er für die Nachkommen des letzten Kaisers sprechen? 

Es ist durchaus möglich, dass die anderen Nachkommen des Kronprinzen Wilhelm bzw. des Prinzen Louis Ferdinand das Auftreten des Prinzen Georg Friedrich als „Chef der Hohenzollern“ dulden, weil sie in einem entsprechenden Geist erzogen worden sein dürften. Ansonsten bindet, berechtigt und verpflichtet ein Vergleich grundsätzlich nur die Parteien, welche ihn abschließen, ganz wie sonst auch bei Verträgen. Dann wäre seitens der Hohenzollern allein Prinz Georg Friedrich aus dem Vergleich berechtigt und verpflichtet. Das deutsche Recht erkennt darüber hinaus auch Verträge zu Gunsten Dritter an; hier würde die „Prinzessin-Kira-von-Preußen-Stiftung“ in Frage kommen.

Könnte ein Verwandter des Prinzen ähnliche Ansprüche an der Burg Rheinfels anmelden?

Falls Prinz Georg Friedrich den Vergleich ohne Vertretungsmacht der anderen Nachkommen des Kronprinzen Wilhelm bzw. des Prinzen Louis Ferdinand abschließt, würden diese höchstens nach den Grundsätzen des „Vertrages zugunsten Dritter“ berechtigt, falls der Vergleich entsprechende Klauseln enthält. Einen „Vertrag zulasten Dritter“ erkennt das deutsche Recht hingegen nicht an. Deshalb würde der Vergleich keine Wirkung gegenüber einem anderen Nachkommen des Kronprinzen Wilhelm bzw. des Prinzen Louis Ferdinand entfalten, der glaubt, ein ähnliches Recht wie Prinz Georg Friedrich auf ein Stück des Kuchens der Burg Rheinfels zu haben.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Staat kein Staatseigentum auf jemanden übertragen darf, der seinen Anspruch von einer Erbregelung ableitet, die ihn als Thronprätendenten für die Restauration der Monarchie mit Vermögen ausrüsten wollte.

Außerdem teile ich das Urteil des Landgerichts Koblenz, wonach Burg Rheinfels bei Verletzung von Pflichten durch die Stadt St. Goar höchstens an das Land Rheinland-Pfalz zurückfallen würde, nicht an irgendwelche Nachfahren des Kaisers.

Die Befürworter der Rheinfels-Deals verweisen auf die karitativen Aktivitäten der Kira-von-Preußen-Stiftung, die ja über 70 Jahre lang an den Eintrittsgeldern der Burg Rheinfels beteiligt werden soll. Es sei eine „Win-Win“-Situation, heißt es. Wie schätzen Sie das ein?

Angesichts des deutlichen Sieges des Landes Rheinland Pfalz und der Stadt St. Goar vor dem Landgericht Koblenz in erster Instanz leuchtet mir überhaupt nicht ein, dass sich der Bürgermeister von St. Goar vor dem Gang des Prinzen Georg Friedrich in die Berufung fürchten soll. Das Prozessrisiko erscheint mir dafür nicht groß genug. Demnach hätte der St. Goarer Stadtbürgermeister einen unnötigen Vergleich initiiert. Worin da die „Win-win-Situation“ bestehen soll, bedarf weiterer Aufklärung, wozu ich nichts sagen möchte, solange ich den ganzen Wortlaut des Vergleichs nicht kenne.

Falko Hönisch gehört der SPD an. Das erinnert mich daran, dass schon Friedrich Ebert keine Republik wollte, sondern die Aufrechterhaltung einer konstitutionellen Monarchie bevorzugte – mit ihm selbst als Reichskanzler.

Die Loreley GmbH kommt

Die Neustrukturierung des Loreley-Tourismus ist unter Dach und Fach. Laut „RZ“ beschloss der Touristik-Verein der Verbandsgemeinde fast einstimmig die Gründung einer GmbH, die auch das Plateau bewirtschaften soll. Sie könnte auch die Freilichtbühne übernehmen, falls der zahlungsunwillige Pächter ausfällt. Rhein-Zeitung

Internetfrei und Spaß dabei

Der Bopparder „Rhein-Hunsrück-Anzeiger“ wirkt aus der Zeit gefallen: Das Anzeigenblatt von Alfred Strödicke gibt es nur auf Papier oder im unhandlichen PDF-Format, die Internetseite stammt aus dem Jahr 1996 und scheint sich seitdem kaum verändert zu haben. Trotzdem funktioniert das Geschäftsmodell. Laut Strödicke hat seine kleine Zeitung 2019 das beste Jahr ihrer Geschichte erlebt. 2020 feiert der „RHA“ seinen 30. Geburtstag. Eine Sonderausgabe fasst die Highlights zusammen. In Boppard existiert noch eine weitere (und ältere) Mini-Zeitung: „Rund um Boppard“.  Auch sie hat keine moderne Digitalausgabe, überlebt aber sogar als kostenpflichtiger Abo-Titel. Rhein-Hunsrück-Anzeiger (Jubiläumsausgabe), Rund um Boppard (Website)

Eine neue Hotelchefin in Rüdesheim

Das Rüdesheimer Hotel Trapp ist verkauft. Die Eigentümerfamilie Brühl übergibt den 39-Zimmer-Betrieb nach 37 Jahren in neue Hände. Das „Trapp“ gehört jetzt Peter Häfner vom Restaurant „Am Niederwald“. Seine Frau Ulla übernimmt die Geschäftsführung. Wiesbadener Kurier

Michelin-Teller am Mittelrhein

Apropos Gastronomie: Der Gourmet-Reiseführer „Guide Michelin“ hat in seiner neuen Ausgabe auch das Obere Mittelrheintal bedacht. Marcus Schwarze listet die regionalen Gewinner im Buga-Blog auf. Außerhalb von Koblenz gibt es zwar keine Sterne, dafür aber „Michelin Teller“ für überdurchschnittliche Qualität. Sie gingen an:

Gut essen im Welterbe Oberes Mittelrheintal: Hier gibt es ausgezeichnete Restaurants

Ein Blick auf die Buga

Rainer Zeimentz ist ein Garant für klare Worte. Der Chef der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz koordiniert die Vorbeitungen für die Buga und erklärt zaghaften Lokalpolitikern gerne, was sie vom Großereignis erwarten können und was sie dafür tun müssen. Bei der Mitgliederversammlung des Vereins Loreley-Touristik war es wieder einmal so weit. 108 Millionen Euro umfasst das Buga-Budget.  Wer gute Ideen hat, kann daran teilhaben. „Es gibt kein vergleichbares Investitionsprogramm in Rheinland-Pfalz“, zitiert die „RZ“  Zeimentz.  Die „extrem hohe Investition“  sei nur durch den Welterbe-Status möglich. Rhein-Zeitung, buga2029.blog (weitere Infos zur Buga)

Video der Woche

9 Jahre nach der Buga in Koblenz profitiert die Stadt noch immer.  Die Grünanlagen an der Festung Ehrenbreitstein etwa sind noch so gut in Schuss wie 2011. Ein SWR-Video zeigt, wie viele freiwillige Helfer dabei anpacken. swr.de

Mittelrhein-Zahl der Woche

100 Jahre wird die Binger Weinkellerei Reh Kendermann in diesem Jahr. Das Familienunternehmen gönnt sich zum Geburtstag neue Büro- und Lagerflächen und investiert im Binger Osten mehrere Millionen Euro. Allgemeine Zeitung

Termine der Woche

Freitag in Rüdesheim – Beatbox in der Villa Sturm – 6. März, 19 Uhr. ruedesheim.de

Freitag in Bingen – „Fairtraders“ im Programmkino KiKubBi  – 6. März, 19 Uhr 30. bingen.de

Samstag in Bingerbrück – Tage der Stadtgeschichte im Binger Stadtarchiv – 7. März. bingen.de

Samstag in Oberheimbach – Küchenparty im Weinbergschlösschen / Mittelrhein-Momente. mittelrheinmomente.de

Samstag in Boppard – „24 Einblicke in die Seele Chopins“ / Musikdinner im Bellevue – 7. März, 18 Uhr 30. boppard-tourismus.de

Samstag in Bingen – Autoren lesen für einen guten Zweck – 7. März, 19 Uhr. bingen.de

Samstag in Bacharach – „Bacharacher Meisterkonzerte mit Christoph Schanze am Cembalo – 7. März, 19 Uhr 30. rhein-nahe-touristik.de

Sonntag in Bingerbrück – Tage der Stadtgeschichte im Binger Stadtarchiv – 8. März. bingen.de

Sonntag in Rüdesheim – Hildegard Wein Walk: „Hildegard und die Kranken“/ Themenwanderung – 8. März, 13 Uhr 30. ruedesheim.de

Sonntag in Niederheimbach – Schlenderweinprobe – 8. März, 14 Uhr 30. rhein-nahe-touristik.de

Sonntag in Bingen – Klaviermusik in der Johanneskirche – 8. März, 16 Uhr. bingen.de

Sonntag in Bingen – Gedenkfeier und Konzert zur Erinnerung an Ida Dehmel-Coblenz – 8. März, 16 Uhr 30. bingen.de

Sonntag in Oberwesel – Konzert im Kulturhaus – 8. März, 17 Uhr. oberwesel.de

Montag in Bingen – Thermografie-Spaziergang durch Büdesheim – 9. März, 19 Uhr. bingen.de

Mittwoch in Bingen – „Battle of Sexes“ im Programmkino KiKuBi – 11. März, 20 Uhr 15. bingen.de

Donnerstag in Lahnstein – Ausstellungseröffnung „Bomben auf Lahnstein“ – 12. März, 13 Uhr 30. lahnstein.de

Donnerstag in Oberwesel – „Alte Geschäfte, neue Wohnkonzepte“ / Bilderschau, Vortrag und Diskussion im Kulturhaus – 12. März, 18 Uhr (Einlass). oberwesel.de

Donnerstag in Boppard – „Mannis kleine Welt“ / Kleinkunstbühne Mittelrhein – 12. März, 19 Uhr 30. boppard-touristik.de

Freitag in Spay – „Hollyfood“ / Mittelrhein-Momente im Weingut Matthias Müller – 13. März, 19 Uhr. mittelrheinmomente.de

Freitag in Bacharach – Stübers Haus- und Küchenparty / Mittelrhein-Momente im Rheinhotel – 13. März, 19 Uhr. mittelrheinmomente.de

Freitag in Lahnstein – „Das Phantom der Oper“ / Musical in der Stadthalle – 13. März, 19 Uhr (Einlass). lahnstein.de

Freitag in Bingen – „The Circle“ im Programmkino KiKuBi – 13. März, 19 Uhr 30. bingen.de

Freitag in Boppard – „We rock Queen“ / Revival-Show in der Stadthalle – 13. März, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Freitag auf der Festung Ehrenbreitstein – „Kulinarische Weltreise: Frankreich“ / Menü im „Casino“ – 13. März, 20 Uhr. tor-zum-welterbe.de

Foto der Woche

 

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@tw400 . Mornings in Bacharach – from the vineyards you have a view on the village with the illuminated chapel Wernerkapelle and the Rhine. Did you know that the windows of the chapel are more than 12 meters high? Thank you to @tw400 die wonderfully capturing this beautiful moment! . Morgens in Bacharach – von den Weinbergen aus hat man einen Blick auf den Ort mit der angestrahlten Wernerkapelle und den Rhein. Wusstet ihr, dass die Fenster der Kapelle über 12 Meter hoch sind? Danke an @tw400, der den schönen Moment wunderbar eingefangen hat! __________ #visitrlp #bacharach #rheinlandpfalz #rlp #rhinelandpalatinate #meinrlp #rlperleben #mittelrheintal #middlerhinevalley #mittelrheingram #rheinstagram #mittelrhein #beautifuldestinations #archilovers #archidaily #kings_villages #moodygrams #allthealleys #bitsofbuildings #super_europe #living_europe #loves_united_germany #travel_2_germany #germanytourism #srs_germany #map_of_europe #duitsland #meindeutschland #visitgermany #deutschlandkarte

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Das Beste zum Schluss

Die Bacharacher Burg Stahleck kennt jeder, aber etwas abseits vom Rhein findet sich im Stadtteil Steeg ein Geheimtipp, die Ruine Stahlberg. Offiziell gehört sie genau wie ihre große Schwester dem Rheinischen Verein in Köln, aber eigentlich ist sie Gemeinschaftsbesitz aller Steeger. Das Dorf kümmert sich um die Burg, und Menschen wie Klaus Kemmer und Dieter Stiehl wenden viel Zeit dafür auf, Wege freizuhalten und Mauern zu inspizieren. Für Wanderer gab es bislang wenige Informationen. Jetzt zeigt eine Schautafel, was es mit der Burg auf sich hat und wie sie früher aussah. Allgemeine Zeitung

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