Mittelrheingold

Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: oberheimbach Seite 1 von 7

Corona am Mittelrhein: So kämpfen Gastronomen, Einzelhändler und Kommunalpolitiker

Der Gastronom: „Ostern fällt aus“

Im kleinen Oberheimbach gibt es eines der besten Hotels und Restaurants am Mittelrhein. Die Brüder Florian und Marc Lambrich haben ihr „Weinberg-Schlösschen“ mit viel Herzblut zum Vorzeigebetrieb für einheimische Genießer, anspruchsvolle Touristen und  internationale Tagungsgäste entwickelt. Jetzt stehen sie wie alle Mittelrhein-Gastronomen mit dem Rücken zur Wand. Florian Lambrich erzählt in der Extra-Ausgabe von Mittelrheingold, wie er die Corona-Krise erlebt.

Florian Lambrich (r.) betreibt das Weinbergschlösschen gemeinsam mit seinem Bruder Marc.

Florian Lambrich (r.) betreibt das Weinbergschlösschen gemeinsam mit seinem Bruder Marc.

Florian, wann hast du gemerkt, dass Corona ein ernsthaftes Problem für deinen Betrieb werden könnte?

Ende Januar, da war die erste Stornierung eines Geburtstages, der erst im Mai stattfinden sollte. Und natürlich konnten bei den Tagungen die chinesischen Gäste nicht mehr anreisen. Aber dieses Ausmaß habe ich nicht im Traum erahnen können.

Was steht bei euch auf dem Spiel?

Das kommt auf den Zeitraum an. Jetzt muss man einen kühlen Kopf behalten und klug handeln. Also erstmal alles, was auf Eis zu legen geht, stilllegen. Aber natürlich steht die Existenz auf einem Prüfstand. Was wir aushalten können, kann ich dir erst nach der Krise schreiben

Was erwartest du von der Politik?

Ich erwarte, dass die sich an den Kosten beteiligt. Ich höre jetzt die ganze Zeit, dass sie Kredite vergeben. Die muss man aber wieder zurückzahlen. Es gibt laute Worte,  dass die Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent gesenkt werden soll. Das ist aber keine Soforthilfe. An den fixen Kosten beteiligen, wäre das hilfreichste. Für uns auf dem Land ist es auch nochmal eine ganz andere Situation wie in der Stadt. Die Öffnungszeiten bringen hier nichts, da die Gäste abends essen und nicht mittags. Geschäftsreisende gibt es nur in Form von Tagungen, die aber untersagt sind, und Privatreisen sind auch nicht erlaubt. So haben wir keinen Umsatz.

Womit wäre euch noch geholfen?

Offizielle Schließung der Gastro und der Hotels auf dem Land. Das hat versicherungstechnische Vorteile. Und natürlich an dem Schaden beteiligen, der jetzt noch nicht absehbar ist. Auch die Zeit nach Corona ist ja noch nicht sicher. Die Wirtschaft wird ja auch immer mehr lahm gelegt.

Das Welterbe-Tal lebt vom Tourismus. Was bedeutet es für die Region, wenn die ganze Saison ausfallen sollte?

Die meisten hier haben jetzt 3 bis 4 Monate Winterpause gehabt und sind seit Anfang März erst wieder geöffnet. Ostern fällt aus, dieses Jahr. Das ist ein enormer Schaden. Wenn jetzt Mai und Juni auch wegfällt, ist es nicht mehr aufzuholen. Das sind neben August und September die beiden stärksten Monate. Ich drücke alle meinen Kollegen die Daumen das wir es irgendwie schaffen. Kämpfer sind hier viele im Rheintal.

Die Kommunalpolitiker: Krankenhaus retten jetzt!

Im vergangenen Herbst versuchte der katholische Krankenhauskonzern Marienhaus, die Loreley-Kliniken zu schließen – eigenmächtig und ohne seine kommunalen Partner zu informieren. Offenbar ging es darum, im hart umkämpften Krankenhaus-Markt einen Konkurrenten für die Binger Heilig-Geist-Klinik auszuschalten, die ebenfalls zum Konzern gehört. Massive Bürgerproteste verhinderten es und sorgten für ein Jahr Aufschub. Jetzt sind überall Krankenhausbetten gefragt, und in Koblenz entsteht bereits ein Behelfs-Lazarett. Trotzdem zeigt sich Marienhaus an Kapazitäten für Oberwesel und St. Goar wenig interessiert. Die Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein und der Städte Oberwesel und St. Goar haben jetzt einen Brandbrief an die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler geschrieben. Sie fordern, die Klinik-Standorte für die Corona-Patienten zu nutzen und über 2020 hinaus zu finanzieren. Facebook

Der Einzelhändler: Service, Service, Service – und immer an das Internet denken

Im Welterbe-Tal ist wahrscheinlich kein Einzelhändler einfallsreicher als Franziskus Weinert vom Oberwesler Schreib -und Spielwarengeschäft Hermann. Im Fachmagazin „Das Spielzeug“ schildert er, wie er mit der Krise umgeht. Franziskus hat einen lokalen Lieferdienst aufgezogen, wirbt dafür in klassischen Anzeigenblättern und im Internet und hält die Kundschaft mit Video-Clips bei Laune. Außerdem gibt es günstige „Corona-Preise“. dasspielzeug.de

Das Beste zum Schluss

Katholische Priester im Bistum Trier sind nicht zu beneiden. Erst drückte ihr Bischof ihnen einen radikale Gebietsreform aufs Auge, jetzt lässt er sie wegen Corona Geistermessen vor leeren Kirchenbänken lesen. „Zur festgesetzten Zeit am angegebenen Ort“, lautet die Weisung aus der Zentrale. Boppards Dechant Hermann Josef Ludwig bittet seine Gläubigen jetzt um Selfies, die er ausdrucken und an ihre Plätze heften kann. „Ich vermisse euch. Bringt mir Fotos in die Kirche, damit ich weiß, für wen ich eine Messe halte“, zitiert ihn die „RZ“. Rhein-Zeitung

Die „Welt“ blickt auf Bingen und Rüdesheim verliert Öl

Kein Mittelrhein-Politiker versteht mehr von Medien und PR als Thomas Feser. Der Binger Oberbürgermeister war jahrelang Geschäftsführer des Regionalmagazins „BIG“ und hat dort professionelle Kommunikation gelernt. Man merkt es an der Pressearbeit der Stadtverwaltung. Wo immer sich die Gelegenheit bietet, ein Foto des Oberbürgermeisters zu veröffentlichen, wird sie genutzt. Das unterscheidet Bingen z. B. von Lahnstein, wo der Ausstoß an Pressemitteilungen zwar ähnlich hoch ist, der dortige Oberbürgermeister Peter Labonte aber weniger auffällig in Szene gesetzt wird. Normalerweise müsste sich ein Medienprofi wie Feser über einen großen Bingen-Artikel in der „Welt“ freuen, aber im Text von Wirtschaftsredakteur Karsten Seibel kommen weder er noch die Stadt besonders gut weg. Der Journalist beschreibt eine Stadt mit großen Innenstadt-Problemen und einen OB mit „Brille, Dreitagebart, zwei Lederarmbändern am Handgelenk“, dem Inaktivität vorgeworfen wird. Die „Welt“-Sicht ist besonders interessant, weil Bingen dort nicht als klischeehafte Mittelrhein-Problemzone erscheint, sondern als Teil des prosperierenden Rhein-Main-Gebietes. welt.de

Binger Weinberge. Foto: Stadt Bigen.

Foto: Stadt Bingen.

Rheinalarm in Rüdesheim

Seit dem Chemieunfall beim Schweizer Sandoz-Konzern 1986 gibt es den internationale „Warn- und Alarmplan Rhein“ (WAP). Er wird bei allen größeren Störfälle im Strom ausgelöst. Am Wochenende war es wieder soweit. Ein Hotelschiff hatte vor Rüdesheim Öl verloren. Zunächst war von 20.000 Litern die Rede, später stellte sich heraus, dass nur 3000 fehlten. Die Polizei beobachtete vom Hubschrauber aus Ölspuren auf 28 Kilometer Länge. Die Auswirkungen sind noch nicht ganz klar; ein Fischsterben wurde bislang nicht festgestellt. swr.de

Boppard ist mehr heiter als wolkig

Der Bopparder Weinfrühling lief gestern auch ohne Sonnenschein-Garantie. Laut „RZ“ pilgerten mehrere 1000 Wein-Fans in den Bopparder Hamm. Regentropfen fielen erst am Nachmittag. In den Weinbergen oberhalb der Rheinschleife präsentieren Winzer und Gastronomen aus Boppard und Spay einmal im Jahr das Beste aus Keller und Küche. Rhein-Zeitung

Bingen ganz ohne Brücke …..

…. musste in der Antike irgendwie funktionieren. Vor dem Bau der ersten Nahebrücke nutzten die Römer eine Fähre, die den Fluss etwa in Höhe der heutigen Basilika querte. Am Sonntag konnten Besucher des „Römertages“ es live erleben: Martin Rector von der Binger Denkmalgesellschaft pendelte mit einem nachgebauten Kahn hin- und her. In der „AZ“ erklärt er die Aktion. Der „Römertag“ geht übrigens noch in die Verlängerung: Am Mittwoch gibt es noch eine Wanderung auf den Spuren des römischen Dichters Ausonius im Binger Wald. Allgemeine Zeitung, denkmalgesellschaft.de

Mittelrheiner des Tages: Willi Böhler

Der Oberheimbacher hat seiner Heimatgemeinde 5 Flatterulmen gestiftet, den „Baum des Jahres“ 2019. Die „AZ“ berichtet über die Pflanzaktion im Oberheimbacher Bürgerpark. Allgemeine Zeitung

Zahl des Tages

60 Prozent der Unterkünfte im Oberen Mittelrheintal lassen sich noch nicht online buchen. Die Tourismus-Organisationen auf beiden Seiten des Rheins arbeiten an einem gemeinsamen Reservierungssystem. Wiesbadener Kurier

Termine des Tages

Festung Ehrenbreitstein – „Kochen in der Kiste“ – Die Erfindung der Kochkiste – 29. April, 18 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Boppard – „Die Goldfische“ / Cinema in der Stadthalle – 29. April, 20 Uhr. boppard.de

Bingen – „Was werden die Leute sagen?“ im Programmkino Kikubi – 29. April, 20 Uhr 15. bingen.de

Foto des Tages

Mittelrheingold auf dem Handy lesen

Die kleinste Tageszeitung am Mittelrhein gibt’s auch direkt aufs Handy. 1 x täglich wahlweise per Whatsapp, Facebook Messenger, Insta oder Telegram. Anmelden ist leicht, Abmelden geht immer. Hier steht, wie’s geht

Dornröschenschlaf in Koblenz und Hildegard-Rausch in Bingen

Das preußische Fort Asterstein ist die kleine Schwester der großen Festung Ehrenbreitstein. Bis 1969 (!) lebten in der früheren Kasematten Menschen, dann organisierte die Stadt menschenwürdige Wohnungen und ließ den Rundbau aus dem 19. Jahrhundert schließen. Jetzt ist es mit dem Dornröschenschlaf vorbei. Das Fort und seine Außenanlagen werden in den kommenden Jahren saniert. Zur Buga 2029 könnte eine neue Attraktion für Koblenz entstehen. SWR (mit Video), Wikipedia (über das Fort Asterstein)

Fort Asterstein 2016. Foto: "Wolkenkratzer" / Creative Commons / Wikipedia

Fort Asterstein 2016. Foto: „Wolkenkratzer“ / Creative Commons / Wikipedia

Hildegard-Rausch in Bingen

In Bingen wirbt „AZ“ -Mann Erich Michael Lang weiter für die Ruppertsberg-Pläne von Oberbürgermeister Thomas Feser. Eigentlich gibt es nicht viel Neues zu berichten, aber Bingens einzige lokale Tageszeitung bringt trotzdem 2 Artikel zum Thema und empfiehlt eindringlich den Kauf der so genannten „Würth’schen Villa“. Sie liegt auf dem Gelände des früheren Klosters der Hildegard von Bingen und soll zu einem Haus der Geschichte mit Kreisarchiv umgebaut werden. Die Pläne seien „außerordentlich stimmig und überzeugend“, heißt es in einem Kommentar. Und: „Gerade mit Blick auf die Heilige Hildegard wäre dies endlich das Format, das die Stadt ihrer großen Tochter und ihren Gästen schon seit Jahrhunderten schuldig ist.“ In Bingen ist das „äußerst kluge Konzept“ („AZ“) allerdings nicht unumstritten, weil der Oberbürgermeister den Stadtrat spät darüber informiert hat und die Finanzierung noch nicht klar ist. Allgemeine Zeitung (Bericht), Allgemeine Zeitung (Kommentar), Mittelrheingold (Hintergerund)

Der Lärmpegel von Lahnstein

Wer sich in Lahnstein über zu viel Bahnlärm ärgert, weiß es jetzt ganz genau: Das Bundesverkehrsministerium hat eine Messstation installiert, die den Krach rund um die Uhr überwacht und die Werte ins Internet überträgt. Demnach donnern die Züge in Lahnstein mit über 90 Dezibel vorbei.  Ab Dezember 2020 dürfen besonders laute Güterwagen nicht mehr auf die Gleise. swr.de, laerm-monitoring.de 

Rüdesheim will weniger Rheingau

Rüdesheims neuer Tourismuschef Martin Duda geht auf Distanz zu seinem Vorgänger Rolf Wölfert. Dessen Pläne für eine enge Kooperation mit der kreisweiten-Organisation „Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH“ (RTKT) sind auch anderen Rüdesheimern zu radikal. Innerhalb des Rheingau-Taunus-Kreises sieht Rüdesheim sich als touristische Extraklasse. Als Teil des Welterbe-Tals will man sich nicht zu sehr vom Rheingau vereinnahmen lassen.  Wiesbadener Kurier

Mittelrheinerin des Tages: Gisela Bender

Die Leiterin der Sozialarbeit beim Deutschen Roten Kreuz in Lorch hat gemeinsam mit ihrem Team 4 Jahre lang eine Kleiderkammer für Geflüchtete organisiert. Im Mai ist Feierabend. Wegen sinkender Flüchtlingszahlen und geringerer Nachfrage kann die Einrichtung geschlossen werden. Wiesbadener Kurier

Zahl des Tages

11 Winzer und 7 Gastronomiebetriebe präsentieren sich am Sonntag beim „Mittelrheinischen Weinfrühling“ in der Mega-Lage Bopparder Hamm.  Für Wein- und Wander-Fans gibt es von 10 bis 19 Uhr einen kostenlosen Shuttle-Service zwischen dem Hauptbahnhof Boppard, Peternach und Spay. Rhein-Zeitung, weinwanderung.net

Heute vor einem Jahr ….

… ging’s bei Mittelrheingold um Weinbergs-Vandalen in Oberheimbach. Unbekannte hatten in den Lagen „Sonne“ und „Klosterberg“ zahlreiche Weinstöcke beschädigt. Betroffen waren die Weingüter Eisenbach-Korn, Stassen und Klein. Mittelrheingold vom 25. April 2018

Mechthild Stassen von Weingut Stassen in Oberheimbach fotografierte die zerschnittenen Reben im Heimbachtal.

Foto: Mechthild Stassen, 2018.

Termin des Tages

Boppard – Tom Alaska spielt Udo Jürgens – 25. April, 19 Uhr 30. boppard.de

Foto des Tages

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