Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Wellmich Seite 1 von 4

Das Rheintal und der Starkregen: Passen wir uns an

Der Warnruf für das Welterbetal kam im Frühjahr 2016. Gewitter und Starkregen ließen harmlose Bäche zu Sturzfluten anschwellen und überschwemmten Ortschaften auf beiden Rheinseiten, darunter Wellmich, Sauerthal und Trechtingshausen. In Oberheimbach zerstörte die braune Brühe 2 Häuser. Wie durch ein Wunder gab es weder Tote noch Schwerverletzte. In der Verbandsgemeinde Loreley wurde damals ein „Vorsorge- und Schutzkonzept“ in Auftrag gegeben. Passiert ist zunächst wenig. Es gab Informationsveranstaltungen und Workshops, aber konkrete Pläne ließen auf sich warten. Seit dem Amtsantritt von VG-Bürgermeister Mike Weiland 2020 drückt man wieder mehr auf die Tube. Im kommenden September will das 2016 beauftragte Planungsbüro liefern. „Die Räte werden dann noch ergänzende Hinweise erarbeiten“, sagt Weiland auf Anfrage von Mittelrheingold. „Im November soll das Konzept dann endlich und langersehnt komplett sein.“ Dann geht es um die Umsetzung. So lange will Weiland allerdings nicht warten. Ein Verwaltungsmitarbeiter erstellt gerade ein „Bachkataster“ mit möglichen Gefahrenpunkten. Auch in Bingen ist seit 2 Jahren ein Schutzkonzept in Arbeit. Es soll im September veröffentlicht werden. Zuständig ist Bingens Stadtwerkechef Marco Mohr. Oberbürgermeister Thomas Feser denkt schon weiter: Er hat einen Staatsfonds vorgeschlagen, in den das Land und alle Kommunen einzahlen sollen. Mit dem Geld würden Maßnahmen zur Klimaanpassung ermöglicht und Flutschäden reguliert. Mitteilung der VG Loreley, Allgemeine-Zeitung (Bingen)

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Die Idylle trügt: 2016 liefen unterhalb der Burg Maus in Wellmich Straßen und Keller voll. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Ein Preis für Papa Rhein

Das Fachmagazin „Tophotel“ hat Bingens neues Vorzeigeobjekt „Papa Rhein“ als „Newcomer des Jahres“ ausgezeichnet. „Papa Rhein“ gewann in der Kategorie „Freizeit“. Der Jury gefiel u. a. die Architektur am Wasser und das maritime Innendesign. Das 108-Zimmer-Hotel von Jan Bolland (Sohn von „Günderodehaus“-Pächterin Elke Bolland) eröffnete im Sommer 2020, überstand den zweiten Lockdown und ein Hochwasser und ist seit Juni wieder in Betrieb. Allgemeine Zeitung

Ein Flug durch die Rheinfels

Wer Burg Rheinfels aus der Nähe sehen will, muss vielleicht nicht mehr unbedingt auf den St. Goarer Schlossberg. Wenn es nach Stadtbürgermeister Falko Hönisch geht, lässt sich die riesige Renaissance-Anlage irgendwann virtuell erkunden – entweder vor Ort mit einer 3D-Brille oder an zu Hause am Computer. Eine Softwarefirma will die Rheinfels komplett digitalisieren, jeden Winkel vermessen und Details zeigen, die Gäste gewöhnlich nicht wahrnehmen. Selbst Flüge durch Mauern lassen sich simulieren. Das Projekt soll 168.000 Euro kosten. Für 80.000 Euro gibt es bereits eine Zusage aus dem LEADER-Programm der EU. Rhein-Zeitung

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Erster Protest gegen die Mittelrheinbrücke und Rettung auf der Loreley

Bisher lief das Raumordnungsverfahren für die Mittelrheinbrücke nach Plan. Die ersten 3 Kommunen – die Städte St. Goar und St. Goarshausen und die Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein – haben dem Vorschlag des Landes Rheinland-Pfalz schon zugestimmt. Demnach soll die Brücke zwischen dem linksrheinischen Fellen und dem rechtsrheinischen Wellmich gebaut werden. Aber jetzt kommt der erste Gegenwind. Laut „RZ“ lehnt die gleichfalls hinzugezogene Organisation Naturschutzinitiative (NI) das Projekt kategorisch ab. Eine Verträglichkeitsprüfung im Auftrag des Landes sei „fehlerhaft und tendenziös“, zitiert die Zeitung eine Stellungnahme der NI. Die Umweltschützer kritisieren u. a. , dass die nahegelegene Insel Ehrenthaler Werth nicht in die Untersuchungen einbezogen worden sei. Sie fordern statt der Brücke einen subventionierten und verlängerten Fährverkehr. Die Absage der NI ist ein erster Vorgeschmack auf kommende Proteste und Rechtsstreitigkeiten. Anwohner und Umweltverbände könnten den Bau durch Einsprüche und Klagen jahrelang lahmlegen. Insider rechnen darum erst in den 30er Jahren mit einer Lösung. Rhein-Zeitung

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Das Turnerheim ist gerettet

Das historische Turner- und Jugendheim auf der Loreley bleibt. Der Rat der Verbandsgemeinde Loreley entschied vergangene Woche für Sanierung statt Abriss. 3,9 Mio Euro sind eingeplant. Das verschieferte Gebäude im Landhausstil stammt aus dem Jahr 1928 und hat im Tal zahllose Fans. Loreley-Wirt Muzaffer Oguz soll dort ein Restaurant eröffnen. Rhein-Zeitung

Immobilien-Affäre: Lorch nimmt sich einen Anwalt

Beim skandalumwitterten Lorcher Immobilen-Deal ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Die gerade gewählte Stadtverordnetenversammlung will den Verkauf von Genossenschafts- und Stiftungswohnungen an einen privaten Investor juristisch prüfen lassen und möglichst rückgängig machen. Der neue Erste Stadtrat (= Beigeordnete)  Rolf Schmidt von der „Liste Lorch“ schießt der klammen Kommune 5.000 Euro für die Anwaltskosten vor. Das Geschäft mit der Limburger Amadeus Group war vom 2019 abgewählten CDU-Bürgermeister Jürgen Helbing eingefädelt worden. Die Genossenschaft wurde aufgelöst und ihre Mitglieder ausbezahlt, der Immobilienbesitz der Maria-Kaufmann-Stiftung zum Entsetzen der Stifterfamilie liquidiert. Das Lorcher Kommunalparlament hat den Deal gerade zur „größten sozialpolitischen Katastrophe seit der Wohnungsnot der Nachkriegszeit“ erklärt. Wiesbadener Kurier

Steeg sitzt an der Quelle

In der „AZ“ berichtet Jochen Werner über eine mittelrheinische Kuriosität: Das Mini-Wasserwerk von Steeg. Im Bacharacher Vorort sprudelt das Trinkwasser für rund 200 Haushalte aus der eigenen Quelle. Die Versorgung wird vor Ort organisiert. In Oberdiebach gibt es ebenfalls kommunales Trinkwasser. Alle anderen Rheinorte in der VG Rhein-Nahe werden aus St. Sebastian bei Koblenz beliefert. Allgemeine Zeitung

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11 Fragen und Antworten zur Mittelrheinbrücke

Über die geplante Mittelrheinbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen gibt es mehr Informationen als in den vom Dauerthema erschöpften Regionalmedien zu lesen ist. Das komplette Material zum Raumordnungsverfahren umfasst über 1 Gigabyte Daten, darunter einen 142-seitigen „Erläuterungsbericht“ und eine Kostenschätzung. Interessant ist, welche Alternativen geprüft wurden und wie der zuständige Landesbetrieb Mobilität auf sein Ergebnis kam – die Brücke zwischen St. Goar-Fellen und St. Goarshausen-Wellmich, die laut Behörde weltererbeverträglicher ist als der Fährbetrieb. Hier sind 11 Fragen und Antworten zur Mittelrheinbrücke.

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

1. Welche Möglichkeiten wurden geprüft?

Insgesamt 3 Brücken, 1 Tunnel und 2 Fähr-Varianten:

  • Brücke zwischen den Innenstädten von St. Goar und St. Goarshausen („Tieflage zentral“)
  • Brücke stromabwärts zwischen Fellen und Wellmich („Tieflage außerhalb“)
  • Besonders hohe Brücke am Ortsausgang von St. Goar („Hochlage zentral“)
  • Tunnel
  • Gratis-Fähre
  • Gratis-Fähren rund um die Uhr.

Der Landesbetrieb Mobilität hat sich für Variante 2 entschieden: Die Brücke zwischen Fellen und Wellmich aka „Tieflage außerhalb“.

2. Welche Variante hat das beste Nutzen-Kosten-Verhältnis? 

Am wirtschaftlichsten wäre eine zentrale Brücke zwischen den Kernstädten St. Goar und St. Goarshausen, gefolgt vom Gratis-Fährbetrieb. Die tatsächlich favorisierte Variante zwischen Fellen und Wellmich liegt im Nutzen-Kosten-Ranking (NKV) auf Platz 3.

3. Warum gab das am Ende trotzdem nicht den Ausschlag?

Zum Beispiel, weil eine zentrale Brücke den Blick auf die Altstädte von St. Goar und St. Goarshausen beeinträchtigen würde. Außerdem fehlt der Platz für die Auffahrtsrampen. Wegen der Container-Schiffe muss auch eine „Tieflage“ relativ hoch geplant werden.

4. Was spricht gegen einen Tunnel?

Fast alles. Er wäre über 100 Millionen Euro teurer und nur für Autos nutzbar. Fußgänger und Fahrradfahrer blieben auf der Strecke.

5. Welche Lösung wäre die hässlichste?

Vermutlich die Variante „Hochlage zentral“, u. a. weil die Auffahrt besonders lang sein müsste. Auf der rechten Rheinseite wäre sogar noch ein zusätzlicher Tunnel erforderlich. O-Ton Landesbetrieb:

Die Brücke in Hochlage beginnt linksrheinisch an der L 206 im Gründelbachtal, schneidet dann den Hang der Burg Rheinfels an, überquert Bahn, B 9 und den Rhein. Auf der anderen Rheinseite überquert die Trasse die B 42 und die rechtsrheinische Bahnstrecke und führt dann in einem Tunnel bis zur B 274 im Hasenbachtal.

6. Welcher Variante gilt als besonders welterbeverträglich?

Die vom Land favorisierte Brücke zwischen Fellen und Wellmich („Tieflage außerhalb“).

7. Moment …. Die Brücke ist welterbeverträglicher als die Fähre? Wieso das denn?

Laut Landesbetrieb ist es die einzige Variante, die schon einmal von der Unesco begutachtet wurde. Das ist allerdings über 10 Jahre her und bedeutet noch keine konkrete Zustimmung. Gratis-Fähren hält die Koblenzer Behörde für weniger welterbeverträglich, weil sie mehr Verkehr anziehen würden. Die Brücke zwischen Fellen und Wellmich würde zwar noch mehr Verkehr verursachen, aber nicht direkt in den Stadtzentren.

8. Wie hoch wird die Brücke?

Ziemlich hoch, denn auch unter einer „Tieflage“ müssen Container-Schiffe durch. Die Brücke zwischen Fellen und Wellmich würde nach Auskunft des Landesbetriebs an ihrem höchsten Punkt ca.17 Meter über dem mittleren Wasserstand verlaufen. Das entspricht ungefähr der Höhe der Bacharacher Peterskirche (Kirchenschiff, nicht Turm). Es wären 9,7 Meter über der B9 und 11,5 Meter über der B 41.

 

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9. Wer zahlt das alles?

Das Land übernimmt den Löwenanteil, erwartet aber eine Beteiligung der beiden Landkreise. Der Rhein-Lahn-Kreis ist dazu bereit, der Rhein-Hunsrück-Kreis nicht unbedingt. Dort hat sich Landrat Marlon Bröhr bisher dagegen ausgesprochen. Bröhr ist allerdings auf dem Absprung, er kandidiert im September für den Bundestag. Bei der Brücke zwischen Fellen und Wellmich rechnet der Landesbetrieb Mobilität mit Baukosten von 40,3 Millionen Euro. Für Unterhalt und Betrieb werden pro Jahr 270.000 Euro veranschlagt.

10. Wann wäre die Brücke fertig?

Das weiß niemand genau. Wohl nicht in diesem Jahrzehnt. Der Landesbetrieb geht in seiner aktuellen Kostenschätzung von einem „Baubeginn in 10 Jahren“ aus.

11. Was bedeutet die Brücke für Fußgänger und Radfahrer?

Die gute Nachricht ist, dass die favorisierte Variante Fellen-Wellmich von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann. Das wäre bei einer Tunnellösung nicht möglich. Aber es gibt ein Problem: Sobald die Brücke steht, wird die Fähre zwischen St. Goar und St. Goarshausen unrentabel. Ohne Fähre gibt es keine Möglichkeit mehr, direkt zwischen den Kernstädten von St. Goar und St. Goarshausen zu wechseln. Radfahrer müssten den Umweg über Fellen nehmen, und wer zu Fuß von St. Goarshausen nach St. Goar will, müsste über Wellmich und Fellen laufen – außer, es würden Busse oder eine Mini-Fähre subventioniert.

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