Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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11 Fragen und Antworten zur Mittelrheinbrücke

Über die geplante Mittelrheinbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen gibt es mehr Informationen als in den vom Dauerthema erschöpften Regionalmedien zu lesen ist. Das komplette Material zum Raumordnungsverfahren umfasst über 1 Gigabyte Daten, darunter einen 142-seitigen „Erläuterungsbericht“ und eine Kostenschätzung. Interessant ist, welche Alternativen geprüft wurden und wie der zuständige Landesbetrieb Mobilität auf sein Ergebnis kam – die Brücke zwischen St. Goar-Fellen und St. Goarshausen-Wellmich, die laut Behörde weltererbeverträglicher ist als der Fährbetrieb. Hier sind 11 Fragen und Antworten zur Mittelrheinbrücke.

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

1. Welche Möglichkeiten wurden geprüft?

Insgesamt 3 Brücken, 1 Tunnel und 2 Fähr-Varianten:

  • Brücke zwischen den Innenstädten von St. Goar und St. Goarshausen („Tieflage zentral“)
  • Brücke stromabwärts zwischen Fellen und Wellmich („Tieflage außerhalb“)
  • Besonders hohe Brücke am Ortsausgang von St. Goar („Hochlage zentral“)
  • Tunnel
  • Gratis-Fähre
  • Gratis-Fähren rund um die Uhr.

Der Landesbetrieb Mobilität hat sich für Variante 2 entschieden: Die Brücke zwischen Fellen und Wellmich aka „Tieflage außerhalb“.

2. Welche Variante hat das beste Nutzen-Kosten-Verhältnis? 

Am wirtschaftlichsten wäre eine zentrale Brücke zwischen den Kernstädten St. Goar und St. Goarshausen, gefolgt vom Gratis-Fährbetrieb. Die tatsächlich favorisierte Variante zwischen Fellen und Wellmich liegt im Nutzen-Kosten-Ranking (NKV) auf Platz 3.

3. Warum gab das am Ende trotzdem nicht den Ausschlag?

Zum Beispiel, weil eine zentrale Brücke den Blick auf die Altstädte von St. Goar und St. Goarshausen beeinträchtigen würde. Außerdem fehlt der Platz für die Auffahrtsrampen. Wegen der Container-Schiffe muss auch eine „Tieflage“ relativ hoch geplant werden.

4. Was spricht gegen einen Tunnel?

Fast alles. Er wäre über 100 Millionen Euro teurer und nur für Autos nutzbar. Fußgänger und Fahrradfahrer blieben auf der Strecke.

5. Welche Lösung wäre die hässlichste?

Vermutlich die Variante „Hochlage zentral“, u. a. weil die Auffahrt besonders lang sein müsste. Auf der rechten Rheinseite wäre sogar noch ein zusätzlicher Tunnel erforderlich. O-Ton Landesbetrieb:

Die Brücke in Hochlage beginnt linksrheinisch an der L 206 im Gründelbachtal, schneidet dann den Hang der Burg Rheinfels an, überquert Bahn, B 9 und den Rhein. Auf der anderen Rheinseite überquert die Trasse die B 42 und die rechtsrheinische Bahnstrecke und führt dann in einem Tunnel bis zur B 274 im Hasenbachtal.

6. Welcher Variante gilt als besonders welterbeverträglich?

Die vom Land favorisierte Brücke zwischen Fellen und Wellmich („Tieflage außerhalb“).

7. Moment …. Die Brücke ist welterbeverträglicher als die Fähre? Wieso das denn?

Laut Landesbetrieb ist es die einzige Variante, die schon einmal von der Unesco begutachtet wurde. Das ist allerdings über 10 Jahre her und bedeutet noch keine konkrete Zustimmung. Gratis-Fähren hält die Koblenzer Behörde für weniger welterbeverträglich, weil sie mehr Verkehr anziehen würden. Die Brücke zwischen Fellen und Wellmich würde zwar noch mehr Verkehr verursachen, aber nicht direkt in den Stadtzentren.

8. Wie hoch wird die Brücke?

Ziemlich hoch, denn auch unter einer „Tieflage“ müssen Container-Schiffe durch. Die Brücke zwischen Fellen und Wellmich würde nach Auskunft des Landesbetriebs an ihrem höchsten Punkt ca.17 Meter über dem mittleren Wasserstand verlaufen. Das entspricht ungefähr der Höhe der Bacharacher Peterskirche (Kirchenschiff, nicht Turm). Es wären 9,7 Meter über der B9 und 11,5 Meter über der B 41.

 

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9. Wer zahlt das alles?

Das Land übernimmt den Löwenanteil, erwartet aber eine Beteiligung der beiden Landkreise. Der Rhein-Lahn-Kreis ist dazu bereit, der Rhein-Hunsrück-Kreis nicht unbedingt. Dort hat sich Landrat Marlon Bröhr bisher dagegen ausgesprochen. Bröhr ist allerdings auf dem Absprung, er kandidiert im September für den Bundestag. Bei der Brücke zwischen Fellen und Wellmich rechnet der Landesbetrieb Mobilität mit Baukosten von 40,3 Millionen Euro. Für Unterhalt und Betrieb werden pro Jahr 270.000 Euro veranschlagt.

10. Wann wäre die Brücke fertig?

Das weiß niemand genau. Wohl nicht in diesem Jahrzehnt. Der Landesbetrieb geht in seiner aktuellen Kostenschätzung von einem „Baubeginn in 10 Jahren“ aus.

11. Was bedeutet die Brücke für Fußgänger und Radfahrer?

Die gute Nachricht ist, dass die favorisierte Variante Fellen-Wellmich von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann. Das wäre bei einer Tunnellösung nicht möglich. Aber es gibt ein Problem: Sobald die Brücke steht, wird die Fähre zwischen St. Goar und St. Goarshausen unrentabel. Ohne Fähre gibt es keine Möglichkeit mehr, direkt zwischen den Kernstädten von St. Goar und St. Goarshausen zu wechseln. Radfahrer müssten den Umweg über Fellen nehmen, und wer zu Fuß von St. Goarshausen nach St. Goar will, müsste über Wellmich und Fellen laufen – außer, es würden Busse oder eine Mini-Fähre subventioniert.

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Willkommen bei den Welterbe-Gastgebern

Am Mittelrhein gibt es unzählige Hoteliers und Gastronomen, aber nur 19 Welterbe-Gastgeber. Das Qualitätssiegel des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal bekommen nur Wirte, die mehr als die üblichen Tourismus-Standards bieten. Welterbe-Gastgeber stehen nicht nur für beste Unterkünfte, Küche oder Keller, sondern auch für viel Wissen über die Region, Insider-Tipps und Liebe zu Landschaft und Leuten. Wer bei ihnen bucht, wohnt bei Mittelrhein-Kennern. Jetzt unterstützt der Zweckverband seine Welterbe-Gastgeber mit einer Kampagne. Auf Facebook und Instagram erscheinen in den kommenden beiden Monaten Posts für einzelne Betriebe, verbunden mit touristischen Tipps in der Umgebung. Das digitale Mittelrhein-Marketing wird durch Social-Media-Werbung im Rhein-Main-Gebiet und im Großraum Köln/Düsseldorf unterstützt.

Das Schlosshotel Rheinfels ist eines von 19 Welterbe-Gastgebern: Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Dominik Ketz

Die Kampagne soll helfen, die Saison bis in den Dezember hinein zu verlängern. Momentan sind noch fast alle Betriebe ausgebucht, aber nach dem katastrophalen Frühjahr sind Gäste im November und Dezember willkommen wie noch nie. Die Verluste im April und Mai seien zwar nicht mehr aufzuholen, sagte ein Welterbe-Gastgeber zu Mittelrheingold, aber: „Wenn das Geschäft bis in den Dezember hinein gut läuft, kommen wir dieses Jahr mit einem blauen Auge davon.“ welterbe-mittelrhein.de (über die Zertifizierung zum Welterbe-Gastgeber), romantischer-rhein.de (Liste der Welterbe-Gastgeber)

Disclaimer: Ich stehe in Geschäftsbeziehungen zum Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal

Blühendes Barock in St. Goar

Zu den Welterbe-Gastgebern zählt auch das Schlosshotel Rheinfels. Die Location hoch über St. Goar genießt gerade bundesweite Aufmerksamkeit, denn die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet über die geplante Neugestaltung zur Bundesgartenschau. Ein System von Hecken soll die früheren Ausmaße des Burg zeigen, und die waren noch gewaltiger als die ohnehin schon sichtbaren Rheinfels-Dimensionen: Im 17. und 18. Jahrhundert schloss sich an den Renaissance-Komplex der Landgrafen von Hessen eine barocke Festung an. Rheinfels war damals das stärkste Bollwerk am Mittelrhein und widerstand sogar der französischen Armee Ludwigs XIV. Der dpa-Artikel ist u. a. in der „Süddeutschen Zeitung“ erschienen. sueddeutsche.de

Wallfahrt nach Wellmich

Gegenüber von Rheinfels entwickelt sich Wellmich gerade zum Wallfahrtsort für Brücken-Fans. Am mutmaßlichen Standpunkt der umstrittenen Mittelrhein-Brücke versammelte sich neulich bereits die regionale SPD, um für das Projekt zu werben. Vergangene Woche traf sich an gleicher Stelle die CDU und Führung von RLP-Spitzenkandidat Christian Baldauf. Die Christdemokraten legten noch eins drauf und forderten den Bau bis zur Buga 2029. Insider halten den Termin für äußerst gewagt, denn es gibt momentan weder ein Raumordnungsverfahren noch eine Entscheidung über die Finanzierung. Sicher ist nur, dass am 14. März 2021 ein neuer rheinland-pfälzischer Landtag gewählt wird und die Brücke für Stimmung und Stimmen sorgen soll. Fun Fact: Sowohl SPD als auch CDU verfügten in den zurückliegenden 50 Jahren über absolute Mehrheiten, um den endlos diskutierten Bau durchziehen zu können. Rhein-Zeitung

Ein neues Rathaus für St. Goarshausen

„Im Herzen des Mittelrheintals“ wollen viele Orte sein, aber auf keine Kommune passt die Formulierung besser auf als St. Goarshausen. Die frühere Kreisstadt liegt nicht nur zu Füßen der Loreley, sie beherbergt auch zentrale Institutionen wie den Zweckverband Welterbe, die Mittelrhein-Weinwerbung und last but not least die Verwaltung der Verbandsgemeinde Loreley. Im VG-Rathaus allerdings der Lack ab: Das Verwaltungsgebäude aus BRD-Beton ist so heruntergekommen, dass eine Sanierung sinnlos wäre. Laut „RZ“ werden jetzt unterschiedliche Neubau-Optionen geprüft. Rhein-Zeitung

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Und ewig grüßt die Mittelrheinbrücke

Bis zur rheinland-pfälzischen Landtagswahl sind es noch über ein halbes Jahr hin, aber die Parteien laufen sich schon warm. Im Mittelrhein-Tal merkt man es daran, dass Politiker für die Brücke demonstrieren. Gerade war es wieder einmal soweit: In Wellmich versammelten sich laut „RZ“  rund 100 Sozialdemokraten, darunter Innenminister Roger Lewentz, VG-Bürgermeister Mike Weiland und Juso-Landeschef Umut Kurt. Anlass war eine Interview-Äußerung der grünen Spitzenkandidatin Anne Spiegel: Sie hatte den Sinn der Mittelrheinbrücke in Frage gestellt. „RZ“-Kommentatorin Denise Bergfeld erinnert daran, dass schon vor der Landtagswahl 2016 in ähnlichem Kreis demonstriert worden war und die Brücke noch immer nicht geplant ist, geschweige denn im Bau.

Die geplante Brücke würde Wellmich mit Fellen verbinden.

Die geplante Brücke würde Wellmich mit Fellen verbinden.

Knackpunkt bleibt die Finanzierung. Michael Maurer, Vize-Vorsitzender der SPD im Rhein-Hunsrück-Kreis und Brücken-Befürworter wie sein Landeschef Lewentz, rechnet mit Kosten von rund 60 Millionen Euro. 85 Prozent würde das Land übernehmen, den Rest müssten sich die Landkreise Rhein-Lahn und Rhein-Hunsrück teilen. Auf der linken Rheinseite besteht Landrat Marlon Bröhr (CDU) allerdings auf volle Kostenübernahme. Für den kommenden Mittwoch ist eine weitere Veranstaltung in Wellmich geplant. Dann will Lewentz über Details des Raumordnungsverfahrens informieren. Das Raumordnungsverfahren ist Voraussetzung für Planung und Bau. Eigentlich sollte es schon in diesem Jahr beginnen, wegen Corona-Hindernissen geht es aber erst 2021 los. Ein  Baubeginn vor 2030 gilt als unwahrscheinlich. Rhein-Zeitung

Law and Order bei „Besser Boppard“

Bisher ging es in der halboffiziellen Bopparder Facebook-Gruppe „Besser Boppard“ zu wie im Wilden Westen. Gründer, Administrator und SPD-Bürgermeister Walter Bersch ließ die fast 6000 Mitglieder posten und diskutieren, was ihnen gerade durch den Kopf ging – selbst dann, wenn es sich dabei um luftleeren Raum handelte. Jetzt will Bersch strenger durchgreifen und „Beiträge mit Beleidigungen und Verunglimpfungen löschen“. Facebook

Übernächsten Samstag ist Mittelrhein-Putztag

Am 12. September rücken im Welterbe-Tal wieder die ehrenamtlichen Müllsammler aus. Die internationale Aktion „RhineCleanUp“ läuft den gesamten Strom entlang, von der Quelle in der Schweiz bis zum Mündungsdelta an der Nordsee. Diesmal dürften es die Ufer besonders nötig haben: Im Hochsommer kampierten mehr Ausflügler als sonst an Wasser. Wer etwas gegen die Müllflut unternehmen will: In fast jeder Gemeinde gibt es Unterstützung, meistens organisiert von Verwaltung und Feuerwehr. Rhein-Zeitung, rhinecleanup.org (Website der internationalen Bürgerinitiative)

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