Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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„Den Nutzen hat nur der, der die Brücke vor der Haustür und ein Auto hat“

Die bundesweit verbreitete Ankündigung der Mittelrhein-Fährleute sorgt immer noch für Aufregung: Wenn die Brücke kommt, ist mit dem Fährverkehr Schluss. „AZ“-Reporter Jochen Werner hat sich bei 3 Betrieben umgehört. Der Niederheimbacher Michael Schnaas schippert in gut 20 Kilometer Entfernung zum geplanten Brückenstandort über den Rhein. Trotzdem rechnet er im Ernstfall mit 30 Prozent Umsatzrückgang. Damit rechne sich das Geschäft nicht mehr, ist er sich sicher. Ihm selbst kann es egal sein, denn bis die Brücke kommt, geht er in Rente. Aber ein Welterbetal mit nur einer Fähre – Bingen/Rüdesheim ist von St. Goar und St. Goartshausen weit genug weg um weitermachen zu können – wäre für viele Mittelrheiner ein Desaster. Wer etwa von Niederheimbach ins gegenüberliegende Lorch will, müsste dann insgesamt 40 Kilometer mit dem Auto fahren – oder 26 Kilometer plus Fähre bei Bingen. Die Brücke würde die beiden Rheinseiten nicht verbinden, sondern außerhalb von St. Goar und St. Goarshausen die Trennung noch vertiefen, glaubt Schnaas. Den Nutzen habe „nur der, der die Brücke vor der Haustür und ein Auto hat“.

Lorch-Panorama von Fotograf Frank Gallas für Romantischer Rhein Tourismus.

Ohne Fähre wäre die Verbindung zwischen Lorch und Niederheimbach gekappt.  Foto: Frank Gallas / Romantischer Rhein Tourismus.

In St. Goar weist Anne Hammerl von der Loreley-Fähre auf die ungeklärte Situation für Fußgänger hin: Weil die Brücke weit außerhalb des Stadtkerns gebaut werden soll, wäre der innerstädtische Wechsel von hüben nach drüben nicht mehr möglich. Ohne Fähre müsste ein Busverkehr eingerichtet werden, der über den Umweg Fellen und Wellmich z. B. Schüler nach St. Goarshausen bringt. Kevin Kilb von der Fähre Kaub fragt im „AZ“-Artikel „Warum Geld für eine Brücke rausschmeißen, die im Anschluss ohnehin vernachlässigt wird?“ Er schlägt vor, das Geld für die Brücke lieber in die öffentliche Finanzierung der Fähren zu investieren. Mittelfristig haben die Fährleute wenig zu befürchten – die Bauarbeiten für die Brücke beginnen frühestens Anfang der 30er Jahre. Trotzdem wirkt sich die Brückendiskussion schon jetzt auf ihre Planungen aus. Wegen der unsicheren Lage werden Investitionen auf Eis gelegt und Nachfolgeregelungen verzögert. Für Banken und potenzielle Bewerber werden die Fährbetriebe zunehmend unattraktiv. Eine Abwärtsspirale setzt sich in Gang, die das Überleben der Fähren immer schwieriger macht. Je weniger Zukunftsperspektive, desto größer die Bereitschaft, aufzugeben. Allgemeine Zeitung

Spätfolgen in Kestert

Apropos Verkehrsprobleme: 12 Wochen nach dem Felssturz bei Kestert ist weiterhin unklar, wie örtliche Grundstückseigentümer zu ihren Flächen kommen. Die Bahn hat im Zuge der horrend teuren Hangsicherung eine Autozufahrt gesperrt. Jetzt ist der Bau einer neuen Unterführung im Gespräch. Das Problem: Genehmigung, Planung und Bau könnten sich bis zu 5 Jahre hinziehen – falls die Bahn überhaupt die erforderlichen Millionen bereitstellt. Rhein-Zeitung

Erleuchtung in Rhens

Der Zweckverband Welterbe ist die einzige Instanz für das gesamte Obere Mittelrheintal. Die Mitgliedsbeiträge aller Gebietskörperschaften inklusive der beiden Länder Hessen und Rheinland-Pfalz ermöglichen u. a. Förderungen für regionale Projekte. Gerade wurde der neue Haushalt verabschiedet. Laut „RZ“ stellt der Zweckverband 74.000 Euro für „Rheinleuchten“ bereit. Die Illuminationsshow für alle musste wegen Corona ausfallen und ist jetzt für den Spätsommer geplant. 48.000 Euro gibt es außerdem für die regelmäßige Beleuchtung des Rhenser Königstuhls. Derzeit versinkt die größte Attraktion der Stadt noch jeden Abend in Dunkelheit. Bei besonderen Anlässen musste ein Dieselmotor für den notwendigen Strom sorgen. Zuschüsse gibt es auch für die Zertifizierung zum Welterbe-Gastgeber, die Weiterentwicklung der William-Turner-Route, die Vermarktung der Mittelrhein-Kirsche und für das Festival „An den Ufern der Poesie“, das 2021 abgesagt werden musste und 2022 neu startet. Rhein-Zeitung

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Ein DJ für den Mäuseturm und Alarm in Kestert

Bingens neuer Marketingchef Heiner Schiemann hat ein Händchen für spektakuläre Bingen-Auftritte. Nach dem coronakonformen Sundowner-Konzert auf der Terrasse des „Papa Rhein“ steigt man demnächst der städtischen Tourismus-Ikone aufs Dach: Ein DJ soll auf der Spitze des Mäuseturms „sein Musik-Programm abfeuern“, schreibt Christine Tscherner  in der „AZ“. Die Idee klingt verrückt, denn es gibt nicht nur kein Publikum, sondern auch keinen hörbaren Sound. Mit Rücksicht auf Vögel in der Umgebung spielt sich alles in den Kopfhörern des Künstlers ab. Aber wenn das Video samt spektakulären Panorama-Aufnahmen auf YouTube erscheint, ist die volle Dröhnung zu hören. Die PR-trächtige Mäuseturm-Aktion gehört zum „Kulturstrom“-Programm der Binger Tourist-Info. Die Video-Konzertreihe bietet Musikern trotz Event-Verbots eine Bühne und setzt gleichzeitig die Stadt Bingen in Szene. Allgemeine Zeitung, YouTube (Kultustrom-Kanal)

Den Mäuseturm gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Foto: Tourist-Info Bingen am Rhein.

Binger Mäuseturm. Foto: Tourist-Info Bingen am Rhein

Alarm in Kestert

2 Monate nach dem Felsrutsch von Kestert rollen zwar wieder die Züge, aber im Ort bleibt man alarmiert. Die Deutsche Bahn lässt noch immer offen, wie und mit welchen Konsequenzen der Hang langfristig gesichert wird. Ein 6 Meter hoher und 100 Meter langer Schutzwall könnte Teile der Gemarkung dauerhaft vom Ort abschneiden, darunter ein momentan nicht bewohntes Haus. Das Gelände ist seit dem Geröll-Abgang vom 15. März nur noch zu Fuß zu erreichen. Rhein-Zeitung

Rückschlag für Cafe Global

„Cafe Global“ heißt eine Privatinitiative in Oberwesel, die Einheimische mit Migranten an einen Tisch holt. Die Corona-Krise hart das Projekt zurückgeworfen. „Persönliche Begegnungen sind kaum möglich“, sagt Flüchtlingshelferin Tanja Peschek in der „RZ“. Wie es trotzdem weitergeht, erklärt die Wahl-Weselerin im Interview mit Redakteuerin Denise Bergfeld. Rhein-Zeitung

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Zusammenhalt in Lahnstein und die Rückkehr der Güterzüge

Von der Corona-Krise profitieren und freiwillig etwas abgeben: In Lahnstein funktioniert das, wenn auch nicht in allen Betrieben. Bei der Spendenaktion der Handwerksmeister Joachim Krech (Sanitär und Heizung) und Roger Nengel (Schreinerei) sind rund 70.000 Euro zusammengekommen. Marc Klassmann von der städtischen Wirtschaftsförderung organisiert die Verteilung an notleidende Einzelhändler und Gastronomen. Krech und Nengel haben wie viele Handwerker am Bau- und Einrichtungsboom während der Pandemie verdient. Ihre Idee war, einen Teil davon an die Gewerbetreibenden abzugeben, denen der Lockdown das Geschäft verhagelt hat. O-Ton: “Wir leben ja auch vom Einzelhandel in Lahnstein, bekommen von denen unsere Aufträge, warum soll ich dann jetzt nicht einmal etwas zurückgeben, an die, die es dringend brauchen“. Stadt und Volksbank unterstützten das Projekt. Laut „RZ“ waren allerdings nicht alle Handwerker so großzügig.  Ein Teil der Summe stammt von „einzelnen Privatleuten“, die sich „mit zum Teil hohen Beträgen“ beteiligten. Rhein-Zeitung

Schamott-Schlösschen am Lahnsteiner-Rheinufer. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Touristik

Schamott-Schlösschen am Lahnsteiner-Rheinufer. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein Touristik

Die Güterzüge sind zurück

Für die Logistik-Branche ist es wahrscheinlich das Comeback des Jahres, aber die Anwohner hätten gerne darauf verzichtet: Seit Samstag rumpeln die Güterzüge wieder auf der rechten Rheinseite. 7 Wochen nach dem Felssturz bei Kestert ist die Strecke wieder befahrbar. Der SWR berichtet über die gemischten Gefühle im Welterbetal. Rechtsrheinisch verwünscht man die Güterzüge, freut sich aber über die Rückkehr des regulären Personennahverkehrs. Linksrheinisch ist man froh, dass nicht mehr ganz so viel entlangdonnert – während der Streckensperrung waren die meisten Züge aufs andere Ufer umgeleitet worden. Unklar ist, wie die Absturzstelle langfristig gesichert wird. Anwohner und Landschaftsschützer waren alarmiert, weil ein 6 Meter hoher und 100 Meter langer Schutzwall Teile der Gemarkung Kestert inklusive eines Wohnhauses abschnüren würden. Laut Bahn ist es aber nur eine vorübergehende Maßnahme. Die endgültige Hangsicherung soll mit Behörden und Bürgern abgestimmt werden. SWR

Ein neuer Chefarzt in Lahnstein

Christoph Esten ist der neue Chef-Internist im Lahnsteiner St. Elisabeth-Krankenhaus. Der gebürtige Limburger kam nach Stationen in Mainz und Neuwied 2009 als Oberarzt nach Lahnstein und übernimmt jetzt die Leitung der Klinik für Innere Medizin. Rhein-Zeitung, St. Elisabeth Krankenhaus (Website der Klinik)

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