Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

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1000 und eine Nacht und das böse Erwachen

Eine Klinik für übergewichtige Kinder und Jugendliche in St. Goar, ein Krankenhausbetrieb in Oberwesel, ein Export-Geschäft für medizinische Geräte und viel Tagespflege: Mit diesem Mix wollte die umstrittene Firma Helexier die Loreley-Kliniken retten. Der Oberweseler Stadtrat als Mitgesellschafter hatte die Pläne am Montag abgelehnt und damit das Ende des Krankenhaus-Betriebs zum 30. September besiegelt. Was Helexier wirklich will und kann, ist weiterhin unklar. Eine 21-seitiges Konzeptpapier des Unternehmens, das Mittelrheingold vorliegt, bleibt vage. Es gibt viele Pläne, Wünsche und Absichtserklärungen, aber wenig Greifbares.

Oberwesel ist seit 700 Jahren Krankenhaus-Standort. Foto: Dominik Ketz / Romantischer Rhein Tourismus

Laut Dokument verfügen die Investoren über ein großes Vermögen im Nahen Osten und machen gerade über 40 Millionen Euro durch Immobilienverkäufe flüssig. Was fehlt, sind nachvollziehbaren Erfahrungen im Krankenhaus-Management. Hier verweist Helexier lediglich auf „Scheich Ali“, den Vater eines der Geschäftsführer, der „Beteiligungen an mehreren Krankenhäusern im arabischen Raum“ besitze. Unklar ist auch, wer Helexier wirklich steuert und wem das Unternehmen gehört.

In Oberwesel und St,. Goar läuft jetzt die Zeit davon. Bis kommende Woche müssen die die Gesellschafter der Loreley-Kliniken, darunter 3 Kommunen, im Mainzer Sozialministerium eine 22-Mio-Förderung beantragen. Damit soll ein ambulanter „Gesundheitscampus“ in Oberwesel aufgebaut und die Abfindungen der Krankenhaus-Mitarbeiter finanziert werden. Im Frühjahr hatte der kirchliche Mehrheitsgesellschafter Marienhaus bei Oberwesels Bürgermeister Marius Stiehl die Schließung der Kliniken durchgesetzt – angeblich, weil die Insolvenz und damit der Verlust der Fördermittel drohte. Nach heutigem Stand wären die Fördermittel aber auch so weg – wenn die Gesellschafter nicht noch in letzter Minute ein eigenes Konzept auf den Weg bringen. Per Mail

Einzelhandelspleite in Bingen

Einigkeit macht stark, aber in Bingen gelten andere Gesetze. In der Innenstadt haben es die Einzelhändler nicht geschafft, einen neuen Vorstand für ihre Werbegemeinschaft zu finden. Damit ist die Initiative, die u. a. Mantelsonntage und Weihnachtsaktionen organisiert hatte, nach über 50 Jahren am Ende. Der Verein wird abgewickelt. Allgemeine Zeitung

Die Buga kann kommen

Der Zweckverband Welterbe hat die Bundesgartenschau 2029 jetzt auch rechtlich und finanziell unter Dach und Fach gebracht. Seine Mitglieder – 2 Bundesländer, 5 Landkreise und alle 52 (!) Städte und Gemeinden im Oberen Mittelrheintal – haben einstimmig eine Satzungsänderung beschlossen. Sie erleichtert den Kommunen ihren Anteil an der Finanzierung und ermöglicht den Start der neuen Buga-Gesellschaft mit eigenem Geschäftsführer zum 1. Januar 2021. Die Bundesgartenschau ist als langfristiges Entwicklungsprogramm für das Tal ausgelegt. Insgesamt werden 108 Millionen Euro investiert. SWR

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Kein Happy End in Oberwesel

Kommende Woche ist es mit dem Oberweseler Krankenhaus vorbei. Am Montag scheiterte ein letzter Übernahmeversuch. Laut „RZ“ lehnte der Oberweseler Stadtrat einstimmig ein Angebot der Firma Helexier ab, die seit März ein früheres Krankenhaus im pfälzischen Zweibrücken besitzt. Offenbar wirkte Helexier auf die  Entscheider in Oberweseler wenig erfahren. Das Unternehmen mit Sitz im pfälzischen Heltersberg hat seine Wurzeln in der Immobilienbranche und konnte keine praktischen Kenntnisse im deutschen Klinik-Management vermitteln. Der Auftritt einer Helexier-Repräsentantin, die auf YouTube Zuckerwasser als Hautpflegemittel empfiehlt, macht es nicht besser. Firmenchef Alexander R.M. Jüllig ist auf Twitter als „CEO & Founder of Sky-Hype Immobilienpotral“ mit Sitz in Dubai zu sehen, wo er 2015 u. a. eine „3 – Zimmer Wohnung in Duisburg, komplett renoviert ( neu gestrichen )!!“ anbot. 

Blick auf Oberwesel. Foto: Maximilian Siech, Zweckverband Welterbe.

Blick auf Oberwesel. Foto: Maximilian Siech, Zweckverband Welterbe.

Der Stadtrat hofft jetzt auf das frühere Konzept eines „Gesundheitscampus“ mit niedergelassenen Ärzten. Allerdings fehlt auch dafür der professionelle Partner. Der Mehrheitsgesellschafter Marienhaus will nicht mitmachen und hat bereits seinen Ausstieg aus der Betreibergesellschaft angekündigt. Für die Mitarbeiter ist die bisherige Entwicklung eine Katastrophe. Sie verlieren nicht nur ihre Arbeitsplätze, sondern müssen auch um ihre Abfindungen zittern. Das Geld sollte aus einem Fördertopf des Landes und der Krankenkassen kommen. Nach Recherchen von „RZ“-Redakteurin Denise Bergfeld gibt es aber immer noch keinen Antrag. Er muss bis Ende des Monats im Mainzer Sozialministerium vorliegen. Beim Arbeitsgericht Koblenz klagen rund 100 Klinik.Mitarbeiter gegen die die Krankenhaus GmbH, die zu 45 Prozent den Städten Oberwesel und St. Goar und der Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein gehört. Rhein-Zeitung, helexier.de (Website der Firma Helexier)

Bornich will das Loreley-Hotel

Das Hotel-Projekt auf der Loreley hat seine erste Hürde genommen. Die für das Gelände zuständige Ortsgemeinde Bornich winkte die Pläne des norddeutschen Investoren Nidag durch. „Besser kann ein derartiges Hotelareal nicht in die Natur integriert werden“, zitiert die merklich hotelfreundliche „Rhein-Lahn-Zeitung“ Ortsbürgermeisterin Karin Kristja. Die endgültige Entscheidung über das 700-Betten-Projekt liegt beim Rhein-Lahn-Kreis. Wenn die Verwaltung in Bad Ems zustimmt, könnten die Bauarbeiten schon im kommenden Frühjahr starten. Rhein-Zeitung

Blühende Landschaften in Bacharach

Früher war Medenscheid einfach nur einer von 3 Bacharacher Höhenorten. Heute ist es „Das Rosendorf“ und im ganzen Welterbe-Gebiet bekannt. Leidenschaftliche Hobby-Botanikerinnen wie Beater Lieber und Stefanie Langer haben in der Medenscheider Brunnenstraße paradiesische Gärten geschaffen. Einer SWR-Reportage stellt sie vor. SWR

Die Eiserne Lady von St. Goarshausen

Apropos SWR: Der Sender berichtet auf seiner Website über den „Häusener Kran“. Das Industriedenkmal wird gerade saniert und soll einmal zu den Schmuckstücken am Rheinufer gehören. St. Goarshausen will das Areal bis zur Buga 2029 komplett neu gestalten. SWR

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Mittelrhein für Millionäre

Auch wenn der Immobilien-Boom allmählich auch im Rheintal ankommt: Grund und Boden ist trotz der zentralen Lage zwischen Großraum Koblenz und Rhein-Main-Gebiet immer noch günstig zu haben. Für manche Häuser genügt ein fünfstelliger Verkaufspreis. Am oberen Ende der Skala dürfen es aber gerne auch mehrere Millionen sein. Seit Jahren auf dem Markt aber immer noch im Angebot sind die pseudo-mittelalterliche „Rheinburg zu Koblenz“ für 3.75 Millionen Euro und die so genannte „Zamek-Villa“ oberhalb der Bacharacher Burg Stahleck (3,45 Mio). Für 2,835 Millionen gäbe es das Gut Schönburg mit Wohnhaus und Reitanlage hoch über Oberwesel. Wer es etwas urbaner mag: Am Binger Rochusberg stehen gerade mehrere Millionenobjekte zum Verkauf, darunter eine frühere Chefarzt-Residenz aus den 20er Jahren. Das „Villenjuwel auf einem parkähnlichen 3400 qm Grdst“ (O-Ton Makler) soll 1,25 Millionen Euro kosten.

Burg Stahleck über Bacharach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Burg Stahleck über Bacharach. Die „Zamek-Villa“ ist im Bild oben links zu sehen. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Bingen und die Buga

Apropos Bingen: In der Stadt wird weiter über die Bundesgartenschau diskutiert. Oberbürgermeister Thomas Feser und seine CDU blicken vor allem auf den so genannten Burggraben zwischen Burg Klopp und Innenstadt. Das eigentliche Problem ist aber die Verbindung zwischen Rheinufer und City. Hier schwebt der SPD ein System von Grünflächen vor, das allerdings noch geplant und irgendwann gezahlt und gepflegt werden muss. Bingen beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro an der Buga und kann im Gegenzug vom 108-Millionen-Budget profitieren. Allgemeine Zeitung

Bodenschätze in Biebernheim

Eine Art Mini-Buga gibt es schon jetzt im St. Goarer Höhenort Biebernheim: Zur 1200-Jahr-Feier pflegen engagierte Einwohner ein Feld mit rund 25 unterschiedlichen Pflanzenarten, darunter Tabak. Besucher können dort erleben, was den Boden alles hergibt. Für den Ort war es früher existenziell: Noch vor 100 Jahren versorgte man sich in Biebernheim weitgehend selbst. Rhein-Zeitung

Ein Besuch in Ehrenbreitstein

„Den lockersten Stadtteil von Koblenz“ nennt der SWR Ehrenbreitstein. Der Ort hat weit mehr zu bieten als die frühere preußische Festung. Eine TV-Reportage stellt die kleine aber feine Kultur- und Kreativszene im Viertel vor. SWR (Video)

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