Mittelrheingold

Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Oberwesel Seite 1 von 64

Boppard liefert besser

Schön ist die Website der Stadt Boppard nicht gerade, aber sie erfüllt in schwierigen Zeiten ihren Zweck. Anders als in Bingen, Lahnstein oder Rüdesheim wirbt die Stadtverwaltung schon auf der Startseite für die Liefer- und Abholdienste ihrer Gewerbetreibenden. Das städtische Tourismus-Büro hat eine Liste mit Betrieben zusammengestellt. Kostenlose Lieferungen bieten u. a. der Bopparder Buchladen von Dagmar Reitz, das Modehaus Stammer und das Haushaltswarengeschäft Brockamp an. Eine private Website präsent weitere Bopparder Angebote und vermittelt lokale Gutscheine: wer-bringts.de

Blick auf Boppard. Im Hintergrund das Kloster Marienberg. Foto: Stefan Rees.

Blick auf Boppard. Im Hintergrund das Kloster Marienberg. Foto: Stefan Rees.

Alles auf Grün

Apropos Boppard: Die dortige CDU denkt schon an die Zeit nach Corona und möchte spätestens zur Bundesgartenschau 2029 einen Kur- und Heilwald nach Lahnsteiner Vorbild ausweisen. Der mutmaßliche SPD-Bürgermeisterkandidat  Niko Neuser hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, Boppard zum „Bad“ zu erklären. Rhein-Zeitung

Der Rheinsteig im Corona-Modus

Wandern tut in Corona-Zeiten besonders gut – vorausgesetzt, man läuft nicht nicht in Rudeln durch die Natur, sondern hält sich an die Einschränkungen. Auf dem Rheinsteig ist das nicht immer möglich. In Lahnstein gelten darum für die Ruppertsklamm einige neue Regeln. Rhein-Zeitung

Telemedizin in Wesel

Oberwesels Digital-Doktor Axel Strähnz hat erste Erfahrungen mit seiner virtuellen Sprechstunde gesammelt. Laut „RZ“ konnte er bisher 15 Patienten am Bildschirm behandeln. Die digitale Praxis ersetzt nicht den persönlichen Kontakt und soll nicht zum Regelfall werden. Strähnz will das Angebot aber auch nach Corona aufrechterhalten und denkt dabei u. a. an Patienten mit eingeschränkter Mobilität. Rhein-Zeitung

Foto des Tages

„Nach Corona müssen wir im Tal etwas bieten können“

Eigentlich ist die Wintersaison gerade erst vorbei, aber Rheinstein-Gastronom Marco Hecher denkt schon an die nächste. Aus gutem Grund: Wenn Corona die besten Tourismus-Zeit verhagelt, kann sich ab Oktober niemand zurücklehnen. Darum müssen schon jetzt Netzwerke gebildet und Vorbereitungen getroffen werden. In einem offenen Brief ruft Hecher zur Zusammenarbeit auf:

Viele von uns sind Familienbetriebe, die eine besondere Verantwortung tragen für Ihre Mitarbeiter, Gäste, Lieferanten und für unser Tal. Nun brauchen wir alle schnell kreative Ideen zur Sicherung unserer Betriebe. Seit vielen Jahren ist die
Ausweitung der Saison in die Wintermonate ein großes Thema. Aufgrund der akuten Krise, sehe ich die Zeit gekommen, dieses Potential dringend zu nutzen.

Den ganzen Text mit Marcos Kontaktdaten gibt es hier. Im Mittelrheingold-Interview erklärt er seine Initiative und schildert, wie die Krise seinen eigenen Betrieb trifft. Marco Hecher ist der Juniorchef auf Burg Rheinstein bei Trechtingshausen. Er bewirtschaftet das Schlossrestaurant „Kleiner Weinprinz“.

Marco Hecher ist Juniorchef auf Burg Rheinstein und betreibt dort das Schlosslokal "Kleiner Weinprinz". Foto: Privat.

Marco, am Anfang des Frühjahrs über die Wintersaison zu reden, klingt erst einmal verrückt. Was erhoffst du dir von deiner Initiative?

Ja klar, vor allem bei der jetzigen Situation. Andererseits aber auch nur auf den ersten Blick. Die meisten touristischen Betriebe im Rheintal leben von der Sommersaison, und da diese nun eingeschränkt und verkürzt stattfindet, können wir die Ausfälle nur durch eine Verlängerung der Saison abfangen. Ich habe Verständnis für jeden Betrieb, der sich in seiner Not neue Geschäftsideen ausdenkt. Abhol- und Lieferdienste werden die Verluste aber nicht mal annähernd abfangen können. Ein Lichtblick ist, dass die Menschen nach den jetzigen Einschränkungen wieder etwas unternehmen wollen, und auf Reisen ins Ausland werden viele wohl erstmal verzichten. Dann müssen wir im Tal etwas bieten können, sonst werden wir diese Chance an andere nationale Tourismus-Regionen verlieren.

Wie trifft euch die Corona-Krise persönlich?

So, wie wohl die meisten anderen auch, sehr hart. Ein privates Kulturgut wirtschaftlich zu führen, ist schon in normalen Zeiten ein herausfordernde Aufgabe. Für die staatlichen Hilfen muss man eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass man in Finanznot ist. Das heißt, private Rücklagen, z.B. für das Alter, müssen erst genutzt werden. Eine Hilfe mit großem Haken.

Greift in so einem Extremfall irgendeine Versicherung?

Nein, unsere Betriebsschließungsversicherung umfasst keine Coronaviren …. man hätte es sich denken können. Aber wir haben einen sehr guten Steuerberater, der uns frühzeitig auf die aufkommende Situation eingestellt hat. Unsere Hausbank ist seit 40 Jahren unser Partner und steht an unserer Seite. Erstmal sind alle möglichen Kosten und Vorhaben eingefroren. Unsere Mitarbeiter erhalten Kurzarbeitergeld, das wir auf 100 Prozent aufstocken. Unsere Lieferanten haben wir natürlich alle noch bezahlt. Wir haben nun also einen vollen Weinkeller, aber keine Gäste.

Wie geht es für euch in den kommenden Monaten weiter?

Entscheidend wird sein, wie lange die Einschränkungen dauern. Und ob wir die Solidarität, die wir allen nun für die Schwächsten unserer Gesellschaft zeigen, von unseren Gäste und Veranstaltern zurückbekommen. Da bin ich guten Mutes. Unser Plan steht aber bereits, wir werden unsere Angebote in der Wintersaison ausbauen und hoffen auf viele Mitstreiter.

Flagge zeigen in allen Medien

In Oberwesel, St. Goar und anderen Orte am Mittelrhein haben zahlreiche Anwohner weiße Bettlaken und Tischtücher aus den Fenstern gehängt. Der stumme Protest gegen die Schließung der Loreley-Kliniken wurde von zahlreichen Medien verbreitetet, u.a. in der „Süddeutschen Zeitung“. Trotzdem kann die Krankenhäuser nur noch ein Wunder retten. Der Standort St. Goar wird bereits geräumt, und bei der nächsten Gesellschafterversammlung in 2 Wochen würde bereits die einfache Mehrheit des Hauptgesellschafters Marienhaus genügen, um auch Oberwesel stillzulegen. Die kommunalen Minderheitsgesellschafter Oberwesel, St. Goar und VG Hunsrück-Mittelrhein hätten theoretisch die Möglichkeit, die Kliniken in Eigenregie weiterzuführen. Die Marienhaus-Gruppe hat immer wieder angeboten, ohne Gegenleistung auszusteigen. Allerdings schrecken die Bürgermeister vor dem unkalkulierbaren Risiko zurück. Momentan wird nicht nur das Geld, sondern auch das Personal immer knapper. Süddeutsche Zeitung, SWR, Rhein-Zeitung

„Vergesst das Lachen nicht!“

Gute Lokaljournalisten greifen in ungewöhnlichen Zeiten zu ungewöhnlichen Formaten. Im Rhein-Lahn-Kreis startet „RZ“-Redakteur Michael Stoll die Reihe „Eine Verabredung mit ….“ Er telefoniert mit interessanten Menschen aus der Region und lässt sich erzählen, wie sie mit der Krise umgehen. Gerade erschienen: Das Interview mit dem Lahnsteiner Volksschauspieler, Karnevalisten und Tourismus-Experten Karl Krämer. Krämer vermisst die Bühne und hat sich neulich schon mit seinem Akkordeon in den Hof gesetzt, um die Nachbarschaft zu unterhalten. Seine Bitte an alle: „Vergesst das Lachen nicht! Und vergesst bitte eure Nachbarn und all diejenigen nicht, die jetzt Hilfe brauchen.“ Rhein-Zeitung

Löwen-Krise in Bingen

Die Corona-Krise bringt Bingens größten Gewerbesteuerzahler in Schwierigkeiten. Laut „AZ“ hat die Spielautomatenfirma Löwen zum 1. April Kurzarbeit für über 4.000 Mitarbeiter angemeldet. Gewöhnlich spürt Bingen es in der Stadtkasse, wenn bei Löwen etwas nicht wie gewohnt läuft. Zuletzt hatten größere Investitionen im Unternehmen für einen massiven Einbruch bei den Steuereinnahmen gesorgt. Allgemeine Zeitung

Bei Anruf Barbecue

Florian und Marc Lambrich vom „Weinberg-Schlösschen“ bieten in Zeiten der Corona-Krise ein Haustürgeschäft der besonderen Art: Sie kommen mit ihrem Grill vorbei und brutzeln direkt vor der Haustür. Allgemeine Zeitung

Foto des Tages

In Bacharach hat Eisen- und Haushaltswaren-Händler André Heisecke Flagge für die Loreley-Kliniken gezeigt. Die geschlossene Ladentür täuscht übrigens: Die Firma Heisecke bleibt offen, weil als Werkzeug- und Gartenmarkt klassifiziert ist.

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Stummer Protest in St. Goar und Oberwesel

Im schwarzen Mercedes sind die Vertreter des Krankenhaus-Konzerns Marienhaus am Donnerstagvormittag in Oberwesel vorgefahren, um über die Schließung der Loreley-Kliniken zu verhandeln. Die Lage der Krankenhäuser gilt als aussichtslos, weil der Hauptgesellschafter kein Interesse daran hat, sie weiter zu betreiben. Andere ernsthafte Investoren gibt es nicht, und ein Einsatz als Corona-Klinik kommt nicht in Frage – es fehlt das Personal.
In Oberwesel, St. Goar und Umgebung hängen zum Zeichen des Protests weiße Bettlaken aus den Fenstern. Die Einwohner waren im vergangenen Herbst noch gegen die Schließung auf die Straße gegangen und hatten einen Aufschub herausgeholt. Moment sind wegen des Virus keine Demonstrationen möglich. Auch der Klinik St. Goar ist beflaggt – gegen den Willen der Geschäftsführung, wie es heißt.

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