Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Oberwesel Seite 1 von 71

Der stille Abschied von den Krankenhäusern

Der Protest gegen die Schließung der Loreley-Kliniken war lang und laut, aber das Ende kommt fast unmerklich. In den aktuellen „Hunsrück-Mittelrhein-Nachrichten“, dem Amtsblatt der Verbandsgemeinde, findet sich auf Seite 15 oben ein kurze Mitteilung von Oberwesels Stadtbürgermeister Marius Stiehl. Demnach sind die letzten Verhandlungen mit potenziellen Krankenhausbetreibern gescheitert, und  im September werden die Krankenhäuser in Oberwesel und St. Goar stillgelegt. Für die Belegschaft sei ein Sozialplan vereinbart worden. Der kurze Absatz endet mit: „Auf diesem Weg darf ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für hervorragende geleistete Arbeit bedanken.“

Krankenhaus Oberwesel: Im September ist Schluss. Foto: Frank Zimmer / Mittelrheingold

Dem Vernehmen nach waren zuletzt noch Gespräche mit der Bad Kreuznacher Diakonie geführt worden. Sie betreibt u.a. das frühere Kreiskrankenhaus in Simmern. Die Diakonie äußert sich nicht dazu. Nach der Schließung der Krankenhäuser kann der katholische Mehrheitsgesellschafter Marienhaus seine Pläne für ein größeres Seniorenheim in die Tat umsetzen. Die kommunalen Partner Oberwesel, St. Goar und VG Hunsrück-Mittelrhein bleiben als Teilhaber an Bord.

Unklar ist, ob es zusätzlich ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) geben wird, das Teile der Krankenhaus-Aufgaben übernehmen könnte. Laut Stiehl hat die Berliner Unternehmensberatung GÖK Consulting dazu ein Konzept entwickelt. Es sollte den Gesellschaftern gestern vorgestellt werden. Hunsrück-Mittelrhein-Nachrichten

Zur Kasse, bitte

Bingens Oberbürgermeister Thomas Feser hat neuen Ärger mit der SPD-Opposition. Sie fordert, dass er 12.260 Euro aus seiner privaten Tasche an die Stadtkasse zahlt. Die Summe entspricht einer Gebühr für fehlende Stellplätze am Studentenwohnheim der TH. Feser hatte sie dem Bauherren eigenmächtig erlassen und war dafür vom Landesrechnungshof gerügt worden. Der Oberbürgermeister und seine CDU argumentieren, dass der Stadtrat sowieso zugestimmt hätte. Zuletzt hatte die SPD von Feser gefordert, dass er seine Amtsgeschäfte ruhen lässt. Das Binger Stadtoberhaupt war stark alkoholisiert am Steuer erwischt worden. Allgemeine Zeitung

Leerlauf auf dem Rhein

Die  Weiße Flotte fährt wieder, aber von Hochsaison kann keine Rede sein. Die „RZ“ hat sich bei mehreren Reedereien umgehört. Demnach laufen die Geschäfte mehr schlecht als recht. Wegen Corona darf nicht mit voller Passagierzahl abgelegt werden, und die Gäste aus dem Ausland fehlen immer noch. „Dieses Jahr können wir eigentlich abhaken“, zitiert die Zeitung Sonja Bruchof von der Loreley-Linie Weinand in Kamp-Bornhofen. Den Betrieben fehlt nicht nur der Umsatz im Tagesgeschäft. Mit den Großfeuerwerken „Rhein in Flammen“ fällen dieses Jahr auch die Schiffskorsos aus. Rhein-Zeitung

Boppard jetzt!

Bis zum 30. Juni läuft noch das Online-Voting zum Deutschen Waldpreis. Boppard ist in der Kategorie „Bester Waldbesitzer“ nominiert. Wer noch nicht abgestimmt hat: Hier entlang, bitte.

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Die dunkle Seite von Oberwesel und die Rückkehr des Reichenstein-Barons

Zu den Traditionen, Sagen und Überlieferungen am Mittelrhein gehören auch einige hässliche. Zum Beispiel die rassistische Ritualmord-Legende um Werner, einen Jungen aus Oberwesel, der im 13. Jahrhundert unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Sein Tod wurde wie üblich den Juden in die Schuhe geschoben und löste eine Welle antisemitischer Gewalt aus. Der damalige deutsche König Rudolf von Habsburg musste einschreiten, um den massenhaften Mord und Totschlag an Juden im ganzen Rheinland zu beenden. Oberwesel und Bacharach haben von den finsteren Fake News des Mittelalters lange profitiert. In beiden Orten entstanden „Wernerkapellen“ mit Wallfahrts-Charakter. In Bacharach endete der Werner-Kult mit der Einführung der Reformation und dem Verfall der Kapelle. In Oberwesel blühte er weiter. Im 18. Jahrhundert ließ man dort sogar ein Steinrelief anfertigen, das die angebliche Ermordung Werners durch 2 Juden darstellen soll. Es wurde in der dortigen Wernerkapelle an der Stadtmauer angebracht. Ein gerade erschienener wissenschaftlicher Artikel von Oberwesel-Historiker Walter Karbach zeigt, wie ungern sich die Stadt selbst nach dem Holocaust von ihrem Rassismus-Relief getrennt hat. Das Bistum Trier musste Druck auf die unwillige Kirchengemeinde ausüben und mit dem Entzug von Fördermitteln drohen, bis der blutrünstige Stein 1970 endlich aus der Kapelle entfernt wurde. Die „Rhein-Zeitung“ machte damals Stimmung gegen den „Bildersturz“ und verbreiterte die falsche Darstellung, das „Frankfurter Rabbinat“ habe dafür gesorgt, dass den Oberweselern ihr Kunstwerk genommen werde. Das umstrittene Relief lagert heute in einer früheren Friedhofskapelle. Die Wernerkapelle ist mittlerweile der selig gesprochenen Franziskaner-Nonne Rosa Flesch geweiht. Schon vorher war „St. Werner“ aus dem Heiligenkalender gestrichen worden. In den 90er Jahren verschwand auch der Name „St. Werner Krankenhaus“ für die angrenzende Klinik. Karbachs Artikel ist in „Aschkenas“ erschienen, einer Fachzeitschrift für Geschichte und Kultur des Judentums in West- und Mitteleuropa. degruyter.de (Website von „Aschkenas“ mit Hinweisen auf die aktuelle Ausgabe), Wikipedia (über Werner von Oberwesel)

Oberwesel aus Sicht von Henry Tornow. (Romantischer Rhein Tourismus)

Oberwesel aus Sicht von Henry Tornow (Romantischer Rhein Tourismus). Der kleine spitze Turm der Wernerkapelle ist neben dem Krankenhauskomplex zu erkennen.

Die Rückkehr des Reichenstein-Barons

Eine weit bessere Mittelrhein-Geschichte ist die der Reichenstein-Rettung. Der Dortmunder Verleger Lambert Lensing-Wolff, ein Nachfahre der früheren Eigentümer-Familie Puricelli, übernahm die Burg vor einigen Jahren und verwandelte die heruntergekommene Gastronomie in einen Musterbetrieb unter Leitung von Till und Katrin Gerwinat. Für das Anwesen inklusive Hotel und Museum gibt es mittlerweile einen Audio-Guide. Professionelle Sprecher erzählen dort die Geschichte der Burg aus der Sicht ihrer früheren Bewohner, u.a. des Barons Nikolaus Kirsch-Puricelli. „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner hat sich darüber mit Christina Schirra unterhalten, der Marketingleiterin von Reichenstein. Der Betrieb ist nach dem Lockdown wieder geöffnet und soll trotz Corona-Krise weiter wachsen. Außerhalb der Burgmauern entstehen gerade in einem leer stehenden Hotel in Trechtingshausen zusätzliche Übernachtungskapazitäten für Reichenstein-Fans. Allgemeine Zeitung, burg-reichenstein.com (Website der Burg)

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Ein kleines Buga-Jubiläum und die Burg der freundlichen Brüder

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) erinnert an 5 Jahre Buga-Vision. Aus der Idee ist längst ein Projekt geworden. Seit 2 Jahren steht fest, dass die Bundesgartenschau 2029 an den Mittelrhein kommt. Sie soll genau wie die Buga in Koblenz und die Landesgartenschau in Bingen weit über das eigentliche Event hinausreichen und die Entwicklung der Region vorantreiben. Im dpa-Artikel erklären u.a. RLP-Innenminister Roger Lewentz und Buga-Stratege Rainer Zeimentz den großen Plan. Der Text dürfte in den kommenden Tagen in vielen deutschen Zeitungen erscheinen. Die dpa beliefert Verlage bundesweit mit journalistischen Inhalten.

Roger Lewentz und Rainer Zeimentz (l.) schieben die Buga an. Foto: Innenministerium RLP

Roger Lewentz und Rainer Zeimentz (l.) schieben die Buga an. Foto: Innenministerium RLP

Die Burg der freundlichen Brüder

Es gibt fast nichts, was die Schönburg über Oberwesel in den letzten 900 Jahren nicht erlebt hätte – inklusive Mord im Mittelalter (Täter war natürlich ein Bacharacher), Zerstörung durch die Franzosen und Wiederaufbau durch einen Millionär aus Amerika. Corona ist nur ein weiteres Kapitel in einer langen Geschichte. Die heutige Inhaberfamilie Hüttl hat nach dem Lockdown ihr 4-Sterne-Hotel wiedereröffnet, eines der besten Betriebe am Mittelrhein. Der SWR hat die Brüder Johann und Hermann Hüttl auf der Burg besucht. Im Video geht es u.a. um die klare Arbeitsteilung hoch über Oberwesel: Hermann kümmert sich um die Hotellerie, Johann um das Restaurant. Eigentlich wollten die Hüttls in diesem Jahr nochmals kräftig investieren und erweitern, aber die Krise hat sie vorsichtiger werden lassen. Das neue Burg-Bistro wird in diesem Jahr trotzdem eröffnet. SWR (Video)

105 Jahre Oberwesel

Apropos Oberwesel: Die Stadt hat das Zeug zum Gesundbrunnen, denn laut „RZ“ wohnt hier die älteste Einwohnerin des gesamten Rhein-Hunsrück-Kreises. Anneliese Thorn wurde gestern 105 (!) Jahre alt. Als sie 1915 in Oberwesel geboren wurde, regierte in Deutschland noch Wilhelm II. und in Österreich-Ungarn Kaiser Franz Joseph. Thorn versorgt ihren Haushalt und ihren Garten, läuft jeden Tag mindestens 2 Kilometer zum Einkaufen und regelt auch sonst noch alles selbst. Ihr Motto: „Nicht ruhen und immer viel arbeiten und sich bewegen“. Konfessionell ist sie allerdings eine eher untypische alte Oberweselerin: Thorn ist evangelisch und gehört damit seit jeher zu einer Minderheit im tief katholischen Ort. In ihrer Jugend hatten die Gegensätze zwischen den Konfessionen noch einen Hauch von Nordirland. Im mehrheitlich protestantischen Bacharach etwa hatte jede Konfession ihre eigene Schule, ihren eigenen Arzt und bevorzugte ihre eigenen Handwerker. Heute gibt es noch nicht einmal überall eigene Pfarrer. Laut „Wiesbadener Kurier“ sind allein auf der rechten Rheinseite 3 evangelische Pfarrstellen unbesetzt.  Rhein-Zeitung (Anneliese Thorn), Wiesbadener Kurier (Pfarrstellen rund um Kaub und Lorch)

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