Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Schlagwort: Espenschied Seite 1 von 5

Landliebe in Lorch und Kochen auf der Loreley

Oberhalb von Lorch ist die Welt noch in Ordnung. Anderswo mögen Dörfer zu scheintoten Schlafgemeinden degenerieren, aber im  Höhenort Espenschied (knapp 300 Einwohner) gibt es dank des florierenden Wandertourismus 2 Gasthäuser und neuerdings sogar einen Food-Truck. Für landesweite Aufmerksamkeit sorgt gerade ein Bericht des Hessischen Rundfunks. Der Sender hat die  Espenschieder „Dorfschänke“ in eine Auswahl von 5 beispielhaften Landgasthöfen aufgenommen. Wirt Egor Batukov setzt auf saisonale Küche mit Kräutern aus dem eigenen Garten: „Ich schaue, dass ich weitestgehend alles selbst mache, vom Burger-Brötchen bis hin zu Saucen“. Ebenfalls in den hessischen Top 5 ist Maresa Nieten vom „Breuer’s Rüdesheimer Schloss“. Die 34-Jährige setzt sich vom herkömmlichen Drosselgassen-Remmidemmi ab und will im 4-Sterne-Familienbetrieb Klasse statt Masse. Hesssicher Rundfunk

Blick auf Lorch am Rhein

Lorch profitiert von Wandertourismus. Foto: Robert Carrera.

Kochen auf der Loreley

Apropos Essen: Bis im ehemaligen Turnerheim auf der Loreley Speisekarten gereicht werden, dauert es noch. Das historische Gebäude wird noch saniert, darum existiert das dort geplante Restaurant vorerst nur auf dem Papier. Trotzdem gab es auf dem Felsen neulich gehobene Küche: Der SWR produzierte auf der leeren Freilichtbühne eine Folge seiner Koch-Show „Marktfrisch“. Moderator Jens Hübschen und der Mainzer TV-Koch Frank Brunswig bruzzelten „Saibling im Nudelnest“ und „Arme Ritter“. SWR (mit Video)

Die elektrischen Reiter

Kalorienmäßig rangieren E-Bikes irgendwo zwischen Dauerlauf und Cabrio fahren. Wer es rund um die Loreley ausprobieren möchte: Die Touristik-Organisation in der Verbandsgemeinde bietet neuerdings geführte Touren mit dem E-Mountainbike an. Der nächste Termin ist am kommenden Freitag. Open PR (Pressemitteilung der Loreley-Touristik)

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Die Mittelrhein-Saison 2021 ist nichts für Feiglinge

Corona nur noch eine ferne Erinnerung, endlich wieder Amerikaner, Japaner und Chinesen im Tal und dazu noch viele junge Familien aus Deutschland, die Inland-Tourismus cool finden: So malten sich vor einem Jahr Optimisten die Mittelrhein-Saison 2021 aus. Leider ist die Realität nicht ganz so rosig. Corona hat noch einen Saisonstart abgewürgt und das Frühjahrsgeschäft gedrückt, die Touristen aus den USA und Fernost fehlen immer noch, die Deutschen drängt es wieder nach Malle oder Mykonos, und über das Wetter reden wir gar nicht. Wie sich Mittelrhein-Touristiker und Einzelhändler trotzdem reinhängen, beschreibt „AZ“-Redakteurin Christine Tscherner am Beispiel Bingen. Dort umwirbt die Reederei Bingen-Rüdesheimer jüngere Fahrgäste und bietet u. a.  „Happy Cocktail“- und Burger-Fahrten an. Mittlerweile seien die Passagierzahlen“ halbwegs zufriedenstellend“, zitiert die Zeitung Reedereichef Oliver Pohl. Der Saisonstart war schwer genug und die Corona-Regeln verwirrten alle: Zeitweise mussten die Schiffe im hessischen Rüdesheim Corona-Tests verlangen, gegenüber im rheinland-pfälzischen Bingen aber nicht.

Ausflugsschiffe am Binger Rheinufer. Foto: Stadt Bingen / Dominik Ketz

Ausflugsschiffe am Binger Rheinufer. Foto: Stadt Bingen / Dominik Ketz

Apropos Bingen: Die Stadt profitiert in der Krise von ihrem Kulturufer und anderen Verbesserungen aus der Zeit der Landesgartenschau. Einzelhändler aus der Salzstraße schlagen am Rhein regelmäßig ihre Verkaufsstände auf. „Verkauft wird dort nicht viel, aber der Werbeeffekt ist enorm“, sagt Feinkost-Profi Sabine Martin. Bei gutem Wetter wird das Ufer ohnehin zum Binger Wohnzimmer; abends sorgen junge Gastro-Initiativen wie der „Ankerplatz“ für bessere Stimmung. Gegenüber auf der rechten Rheinseite tut sich auch etwas, und zwar an lange Zeit totgesagten Ecken‘: Der „Wiesbadener Kurier“ berichtet über eine Café-Eröffnung in Sauerthal und den Neustart in Espenschied: Dort bewirtet der gelernte Koch Michael Hemberger jetzt hungrige Wanderer an seiner mobilen Grillstation „Barney’s Grill & BBQ“. Auf Wunsch gibt es sogar Vegetarisches aus Hembergers Garten. Das Lorcher und Kauber Hinterland erlebt dank der neuen Wisper-Trails gerade einen Wander-Boom.  Allgemeine Zeitung (Bingen), Wiesbadener Kurier (Espenschied und Sauerthal)

Happy Birthday, Dries!

Rüdesheim und Lorch stehen für Rheintourismus und Weinbau, das ist klar. Was nicht alle wissen: Beide Städte sind zugleich auch kleine Bäckerei-Metropolen. In Lorch ist die Bäckerei von Frank Laquai zu Hause, die zwischen St. Gosrshausen und Hallgarten 9 Filialen betreibt. Stromaufwärts in Rüdesheim dirigiert die Bäckerfamilie Dries ein Filialnetz mit 26 Geschäften bis nach Wiesbaden – übrigens auch nahe der Laquais in Lorch. Dries feiert gerade den 125. Firmengeburtstag. An der Spitze des Unternehmens teilen sich die Brüder Martin und Stefan Dries in ziemlich rheinischer Weise die Geschäfte: Martin hat Bäcker gelernt, dann aber Betriebswirtschaft studiert und verantwortet das Kaufmännische. In der Backstube ist Stefan der Chef, obwohl er zuerst eine Winzerausbildung absolviert hat und erst später eine Konditorlehre draufsattelte. Die ungewöhnliche Kombination erinnert daran, dass die Familie Dries wie viele mittelrheinische Handwerker auch eigene Weinberge bewirtschaftete. Wiesbadener Kurier

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Raus aus den Schulden: Ein Bürgermeister macht den Peter Zwegat

Als Lorchs Bürgermeister Ivo Reßler 2020 ins Amt kam, fand er im Rathaus nur leere Kassen vor. Die Stadt ist so arm, dass sie noch nicht einmal für eine Gebietsreform in Frage kommt – das benachbarte Rüdesheim würde wohl eher für die griechischen Staatsschulden bürgen als Lorch einzugemeinden. Reßler und seinem Magistrat bleibt nur ein harter Sparkurs. Die Grundsteuern sind drastisch erhöht worden; besonders betroffene Handwerksbetriebe und Weingüter drohen mit Klagen vor dem Verwaltungsgericht. Die neuen Steuersätze sollen zunächst für 4 Jahre gelten. Danach kann die Stadt u. a. mit Einnahmen aus dem Kommunalwald rechnen. Laut „Wiesbadener Kurier“ will Reßler weitere neue Geldquellen erschließen, darunter Freiflächen für Fotovoltaik. O-Ton: „Die Zeit müsst ihr mir geben – oder mich in fünf Jahren abwählen“. Wiesbadener Kurier

Blick auf Lorch. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Blick auf Lorch. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Unter den Linden

Apropos Lorch: Im Höhenort Espenschied könnte es 2022 das Traditionslokal „Zur Linde“ erwischen. Inhaberin Helga Elben-Naderhoff ist 60 geworden und denkt ans Aufhören. Wenn sich kein Pächter findet, ist nach 4 Generationen Schluss. Elben-Naderhoffs Uropa hatte die „Linde“ vor ziemlich genau 100 Jahren eröffnet. Die heutige Chefin stieg 1994 in den Familienbetrieb ein. Eigentlich funktioniert das Geschäft noch: Die Einheimischen sitzen heute zwar öfter vor dem Fernseher oder dem Rechner als am Stammtisch. Dafür profitiert man vom boomenden Wander-Tourismus. Architektonisch ist die „Linde“ ein Juwel; das denkmalgeschützte Wirtshaus im Ortskern stammt aus dem 18. Jahrhundert. Wiesbadener Kurier, Zur Linde (Website des Wirtshauses)

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