Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Redaktion Seite 2 von 56

Ein Hochamt für die Brücke

Beim Festakt zum 20. Welterbe-Geburtstag ging es viel um Vergangenes, vielleicht zu viel. Aber wer in der Oberweseler Liebfrauenkirche eine Botschaft für die Zukunft wollte, bekam sie zu hören. RLP-Innenminister Roger Lewentz sprach sie aus, sie wurde vom zukünftigen Zweckverbandschef Volker Boch bekräftigt, von mehreren Welterbe-Profis unterstützt und vom Publikum beklatscht: Die Mittelrheinbrücke kommt. Das Verwaltungsverfahren ist so weit wie noch nie und die politischen Entscheider halten zusammen wie selten. Gerichte können das umstrittene Projekt verzögern oder auch stoppen. Zur Buga 2029 steht die Brücke sicher nicht. Aber sie wird weder an der Politik noch an der Unesco scheitern.

Herbert Piel fotografierte den Festakt in der Oberweseler Liebfrauenkirche.

Herbert Piel fotografierte den Festakt in der Oberweseler Liebfrauenkirche.

Die Jubiläumsveranstaltung in Oberwesel war eine Mischung aus Gipfeltreffen und Klassentreffen (Moderation: Nadya König-Lehrmann). Neben Minister Lewentz erschienen 1 aktiver und 2 ehemalige Staatssekretäre, eine Reihe von Bürgermeistern (ohne Bingen, Lahnstein und Koblenz) , Buga-Aufsichtsratchef Thomas Metz, Jochen Sandner von der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft und Kultur-Generalin Heike Otto. Emotionalster Moment war die Verabschiedung von Karl Ottes, Hessens bestem Mittelrheiner. Als der langjährige Zweckverbands-Vize nach vorne trat, war die Stimmung nach Standing Ovations. Aber das traute sich in der Kirche dann doch keiner. Der wichtigste Appell kam übrigens von Ottes‘ Nachfolger. Hansjörg Bathke bat die Medien, nicht nur positiv über das Unesco-Welterbe zu berichten: „Wir brauchen Kritik, um besser zu werden.“ Das stimmt.

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Tiefer braucht’s nicht: Eine Reederei reagiert auf den Klimwandel

Während die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung über den Plänen zur Rheinvertiefung brütet, baut der Logistikkonzern Rhenus die Frachter der Zukunft. Bis 2023 sollen 2 komplette Schubboot-Verbände mit Elektroantrieb und minimalem Tiefgang vom Stapel laufen. Laut Reederei sind die „Rhenus Mannheim“ und die „Rhenus Wörth“ schon ab 1,20 Meter Wassertiefe einsatzbereit. Damit könnten sie die neuralgischen Punkte bei Lorch, Bacharach und Oberwesel problemlos passieren. Hier sind bei Niedrigwasser 1,90 Meter das Limit. Der Bund will die Fahrrinne ab 2030 um 20 Zentimeter vertiefen. Das Millionen-Projekt ist umstritten, weil es Strömungsverhältnisse und Landschaftsbild verändern würde. Theoretisch wäre es möglich, nicht den Fluss sondern die Frachterflotte umzubauen. Das Problem ist, dass Binnenschiffe fast so lange halten wie Schieferdächer, manche stammen noch aus der Vorkriegszeit. Das 21. Jahrhundert wird nicht lang genug dauern, um alle alten Kisten aus dem Verkehr zu ziehen.

Frachtschiff vor Bacharach. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Frachtschiff vor Bacharach. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Die einzige Alternative wäre ein gigantisches Abwrackprogramm. Es hätte den Nebeneffekt, dass mit den Oldies auch die meisten Abgase verschwinden würden. Allerdings wäre es auch mit der Schifferromantik vorbei: Schon die „Rhenus Mannheim“ kann ferngesteuert und wie ein Computer aus der Entfernung gewartet werden. Rhenus Group (Pressemitteilung der Reederei)

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20 Jahre Welterbe: Die Bilanz der „FAZ“

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ sieht das Welterbetal auf dem Weg der Besserung. 20 Jahre nach der Verleihung des Unesco-Titels scheine „der Niedergang gestoppt“, heißt es im Artikel von Oliver Bock. Der Wiesbaden-Korrespondent der „FAZ“ sprach u. a. mit dem langjährigen Rheingauer Welterbe-Dezernenten Karl Ottes, mit Rhein-Hunsrück-Landrat Volker Boch und mit Nadya König-Lehrmann vom Zweckverband Welterbe. Demnach wäre ohne das Welterbe-Prädikat deutlich weniger Fördergeld geflossen und wichtige Projekte hätten nicht stattfinden können. Ottes nennt Beispiele aus Rüdesheim und Lorch: Die Wiederbelebung des Osteinschen Parks mitsamt der Sanierung des angrenzenden Niederwalddenkmals und die Rettung des Hilchenhauses. Auch bei der Bevölkerungsentwicklung sieht es wieder besser aus. Heute leben im Welterbegebiet 4.000 Menschen mehr als im Jahr 2015. In die Rechnung fließt allerdings auch die Großstadt Koblenz mit ein; in kleineren Rheingemeinden gibt es nach wie vor demografische Probleme.

Blick auf Bacharach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Blick auf Bacharach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Boch, als designierter Vorsteher des Welterbe-Zweckverbandes quasi Mittelrheiner Nr. 1, verweist in der „FAZ“ auf „massive Verbesserungen“ beim Schutz vor Bahnlärm und auf Investitionen junger Winzer in den Steillagen-Weinbau. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Der Tourismus laboriert noch an Long Covid, die gemeinsame Mittelrhein-Identität muss weiter wachsen und dann wäre da noch die Brückenfrage. „Blühende Landschaften“ habe der Unesco-Titel noch nicht geschaffen, zitiert die „FAZ“ den Rüdesheimer Welterbe-Veteranen Ottes. Dafür soll die Buga 2029 sorgen. Frankurter Allgemeine Zeitung (€)

Schweres Gerät in Rüdesheim

Nicht allen im Tal wird es gefallen, aber das Rüdesheimer Motorradspektakel „Magic Bike“ dreht nach 2 Corona-Jahren wieder voll auf. „Vielleicht sind es so viele wie nie“ zitiert der „Wiesbadener Kurier“ Veranstalterin Vera Jung. Sie rechnet am langen Fronleichnams-Wochenende mit rund 30.000 Besuchern. Die Rüdesheimer Polizeichefin Kerstin Singhof hat sich auf 15.000 Motorräder eingestellt. Das wären mehr Maschinen als Rüdesheim Einwohner hat. Wiesbadener Kurier (€)

Blumenklau in Bingen

Die „AZ“ berichtet über Wild-West-Methoden in öffentlichen Grünanlagen. Was die städtischen Gärtner pflanzen, wird schon mal ungeniert ausgebuddelt und mitgenommen. „Da kommen Leute mit Schäufelchen und Tüte mitten am Tag zum Kübel in der Fußgängerzone“, weiß Jürgen Port. Der frühere Stadtbürgermeister von Oberwesel ist hauptamtlich Büroleiter und Pressechef der Binger Verwaltung. Besonders beliebt sind die Balkon-Klassiker Geranien, Fuchsien, Buntnesseln und Edellieschen. Bis zu 1000 Euro kostet die Stadt der Blumenklau jedes Jahr, Arbeitsaufwand fürs Nachpflanzen nicht eingerechnet. Allgemeine Zeitung (€)

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