Heinz-Uwe Fetz ist schon als Kind früher aufgestanden als andere Leute. Heute kann der Mann aus dem Höhenort Dörscheid eine Erfolgsgeschichte erzählen: Er beschäftigt gemeinsam mit seinen Brüdern 80 Mitarbeiter, ist als Präsident des Weinbauverbandes Mittelrhein-Winzer Nr. 1, sorgt neuerdings als Gin-Brenner für Furore und denkt beim Marketing weiter als viele seiner Kollegen. Fetz gilt als Macher und Anpacker, aber beim Blick von der Hahnenplatte ins Tal geht ihm noch immer das Herz auf.  7 Fragen an einen Unternehmer mit Mittelrhein-Gefühl.

Heinz-Uwe Fetz engagiert sich u.a. für die "Mittelrhein Riesling Charta". Foto: Weingut Fetz.

Heinz-Uwe Fetz engagiert sich u.a. für die „Mittelrhein Riesling Charta“. Foto: Weingut Fetz.

Fetz in Dörscheid, das steht für dein Weingut, für das Landgasthaus Blücher, aber auch für Tasmin Fetz, die neue Loreley. Wie hängt das zusammen?

Das Weingut und Destillerie Fetz und das Landgasthaus Blücher, das seit dem 1. Dezember unter dem neuen Namen „Fetz – Das Loreley Hotel“ läuft, gehört ebenso zur Fetz-Gruppe wie die Betriebe in Oberstdorf im Allgäu. „Fetz – Das Loreley Hotel“, „Das Freiberg“, „Das Maximilians“ und „Das Fetzwerk“ werden von jeweils einem Bruder mit Familie geleitet. Zurzeit sind rund 80 Mitarbeiter in unserer Gruppe beschäftigt.

Die neue Loreley Tasmin Fetz ist mit uns nicht verwandtschaftlich, aber natürlich freundschaftlich  verbunden. Der Name Fetz steht halt für ehrenamtliches Engagement für die Region. So wie auch die neue Loreley Tasmin.

Mit Dörscheid hat man früher vor allem klassische Landwirtschaft verbunden. Habt ihr schon immer Weinbau betrieben oder fiel, ähnlich wie bei Gerhard Lambrich in Dellhofen, irgendwann die Entscheidung, vom Landwirt zum Winzer zu werden?

Die Oma und die Eltern hatten früher ein Dorfkneipe mit eigener Hausschlachtung, Landwirtschaft und ein wenig Weinbau. Der Opa war Metzger. In den Jahren 1972 bis 1976 wurde in Dörscheid eine Flurbereinigung der Weinberge durchgeführt. Oma und Eltern haben in der Zeit erkannt, dass langfristig mit Tourismus ein besseres Einkommen für die Familie zu erwarten ist. Über die Jahre hat sich dann der Gemischtwarenladen zu 2 eigenständigen Betrieben in Hotellerie und Weinbau entwickelt. 2003 entstand der Neubau der Destillerie.

Du bist nicht nur Winzer, sondern auch Brenner und produzierst seit diesem Jahr sogar Gin. Was ist so faszinierend daran?

Mein Vater hatte früher eine Brennereikonzession. Als ich dann 1983 mit noch nicht mal 20 Jahren den Betrieb übernommen habe, gab es eben diese Brennerei. Als Kind musste ich, bevor ich an die Bushaltestelle gehen durfte, meinem Vater helfen, die Jutesäcke mit Trester zu befüllen, und am Nachmittag, bevor man zum Mittagessen gehen durfte, musste man ebenfalls erst einmal helfen. Das hieß für mich, immer früher aufzustehen als meine Schulkameraden. Als ich dann das Weingut übernahm, musste ich zwangsläufig die Konzession der Brennerei mit übernehmen. Aber das damalige Standard-Programm mit Apfel-, Trester- und Hefebränden stellte mich nicht zufrieden. Weil ich für die Destillerie keine Ausbildung gemacht hatte, habe ich mir in einem Crashkurs die Grundlagen zum guten Destillieren in 3 Tagen reingezogen.

"Ich habe mir die Grundlagen in einem Crashkurs reingezogen". Foto: Weingut Fetz

„Ich habe mir die Grundlagen in einem Crashkurs reingezogen“. Foto: Weingut Fetz

Ab 2003 bauten wir dann die Vinothek und Erlebnisbrennerei zum heutigen Bekanntheitsgrad aus. Dadurch wurden auch die Brüder Wanning auf uns aufmerksam. Das war dann auch die Verbindung zur heutigen Zusammenarbeit mit den drei Brüdern, mit dem schönen Namen Three Bros. Distillery. So hat die Erfolgsgeschichte und die Vision des Loredry Gin begonnen. Und ganz gerade raus: Eine super Kooperation !

Auch mit 56 Jahren bin ich noch lange nicht müde, neue Dinge auszuprobieren und neue Wege zu gehen. Meine Lebenseinstellung ist: „Wer nichts macht, kann auch nicht erkennen, wie man manches anders oder besser machen muss“. Dem folge ich noch heute. Mein Bauchgefühl hat mich noch nie im Stich gelassen. Wichtig ist auch, darauf zu hören, was der Rest der Familie zu neuen Wegen sagt.

Als Weinbaupräsident hast du einen guten Überblick über das Weinanbaugebiet Mittelrhein. In den vergangenen Jahrzehnten sind viele Weinberge aufgegeben worden. Wie kann man den Rückgang stoppen?

Der Rückgang der Weinbergsflächen ist schon seit über 10 Jahren gestoppt. Ganz im Gegenteil, alljährlich verzeichnen wir einen leichten Anstieg durch Neuanpflanzungen. Der Steillagenweinbau hatte dem Zeitwandel nichts entgegenzusetzen. Die Verdienstmöglichkeiten in den Städten und in der Industrie haben viele Leute wahrgenommen, und die elterlichen Weinbauflächen kamen über kurz oder lang zum Erliegen. Natürlich hat sich auch der Anspruch der Konsumenten verändert. Wer da als Winzer mithalten wollte, musste ständig investieren. Heute hat man in der Gesellschaft erkannt,  wie wichtig der Steillagenweinbau für das Mittelrheintal ist. Deshalb nenne ich uns Winzer gerne auch die „Gärtner der Steil- und Steilstlagen“. Die Winzerbetriebe, die den Wandel vollzogen haben, stehen eigentlich recht gut da.

Jetzt geht es um die Digitalisierung, und wir werden erneut sehen, welche Betriebe es verstehen, mit der Zeit zu gehen, und welche nicht. Das wird aber in allen Wirtschaftsbereichen zu spüren sein.

Der Mittelrhein ist das einzige der 13 deutschen Anbaugebiete, dessen Ernte zu 90 Prozent über Familienbetriebe vermarktet wird. Ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Weinbau. Es sollte uns gelingen, diese regionale Besonderheit in der Öffentlichkeit zu platzieren und neuen Schwung ins Gebiet zu bringen.

Was kostet ein Weinberg in der Steillage jetzt eigentlich? Ich habe Anfang der 90-er Jahre in Bacharach eine Mark pro Quadratmeter bezahlt. Sind die Preise immer noch so niedrig?

Leider hat sich an den Preisen nichts geändert, Nachfrage und Angebot regeln den Preis. Vielleicht ändert sich etwas in nächster Zeit?

Wein braucht Werbung. Wie kann man Mittelrhein-Wein bekannter machen?

Wegen der kleinstrukturierten Familienbetriebe ist nur wenig Werbung für Mittelrhein-Wein zu sehen. Darum sind Netzwerke so wichtig. Die „Mittelrhein Riesling Charta“ ist eine Winzervereinigung, in der jeder Winzerbetrieb Mitglied werden kann. Sie hat begonnen, Ideen und Vermarktung zu bündeln, um so als eines der kleinsten Anbaugebiete besser und öfters in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.  Aber auch Veranstaltungen im Laufe eines Jahres tragen dazu bei, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Ich persönlich sehe nicht die Werbung für den Wein als das Wichtigste. Nein, wir müssen ein Paket schnüren, mit dem das ganze Tal mit all seine Facetten beworben werden muss. Jeder für jeden und jeder mit jedem.

Wenn du selbst jemanden vom Mittelrheintal überzeugen müsstest: An welchen Aussichtspunkt würdest du ihn führen?

Als Winzer und Jäger kenne ich mein Dorf und die Umgebung sehr genau. Der Ausblick von der Hahnenplatte gegenüber von Oberwesel ist für mich das Highlight. Der Blick über die Weinberge, die alte Festungsstadt Oberwesel und der Blick rheinaufwärts bis zur Pfalzgrafenstein ist einfach faszinierend.

Ich kenne diesen Aussichtspunkt bei auf- und untergehender Sonne. Ich kenne ihn frühmorgens, wenn Nebel das Rheintal füllt und man meint, über den Wolken zu schweben oder im Hochgebirge zu sein. Ich kenne den Punkt zu allen Jahreszeiten und zu allen Uhrzeiten. Einmalig, gigantisch, imposant – ein Traum, unser Mittelrheintal.

Ich stelle mir die Frage, wann immer ich an diesem Ort verweile:  Warum tut man sich am Mittelrhein so schwer ?

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Bisher in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Journalisten und Winzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim) – Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel) – Bernd und Marion Stahl (Gastronomen in Boppard) – Markus Hecher (Burgherr auf Rheinstein) – Timo Ahrens (Strandbar-Gründer aus Oberwesel) – Philipp Loringhoven (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Carolin Riffel (Winzerin aus Bingen) – Sarah Hulten – Ex-Weinkönigin, Winzerin und Riesling-Influencerin aus Leutesdorf – Walter Mallmann (Politiker aus St. Goar) – Franziskus Weinert (Einzelhändler und E-Commerce-Experte aus Oberwesel) – Klaus Becker (Präsident der TH Bingen) – Marek Gawel (Hotelier aus Boppard) – Andreas Roll (Initiator der Bopparder „Stolpersteine“, Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner) – Rolf Wölfert (Tourismuschef in Rüdesheim) – Joachim Noll und Susanne Pander(Reeder in Boppard) – Tanja Werle (Bloggerin im Rheingau) – Anna Elisabeth Bach (Pensionsbesitzerin, Heilpraktikerin und Himalaya-Reisende aus Boppard) – René Klütsch (Koch und Gastronom in Boppard-Weiler) – Herbert Piel (Fotograf aus Holzfeld) – Andreas Stüber (Hotelier und Koch aus Bacharach) – Claudia Schwarz (Tourismus-Managerin und Welterbe-Repräsentantin aus St. Goar) – Sonja Spano (Restaurant-Einrichterin und Raumausstatterin in Boppard) – Marcel D’Avis (Banker und Designer aus Oberwesel) – Gero Schüler (Winzer und Student aus Steeg) – Marlon Bröhr (Landrat des Rhein-Hunrück-Kreises) – Matthias Pflugradt (Medienprofi, Bestatter und Loreley-Rebell aus St. Goarshausen)

Werbung: Das Schönste an der Loreley …

…. ist der Blick darauf. Gegenüber in Maria Ruh startet am 1. Juni neue „Classix“-Saison mit insgesamt 13 Open-Air-Events bis in den September hinein. Tickets können schon jetzt bestellt und natürlich auch unter den Weihnachtsbaum gelegt werden. Hier geht’s zur Programm-Übersicht und hier zum Ticket-Shop.

2018 gab es auf Maria Ruh u..a eine "Johann-Strauss-Gala". Foto: Anna Becker / Schloss Rheinfels

2018 gab es auf Maria Ruh u..a eine „Johann-Strauss-Gala“. Foto: Anna Becker / Schloss Rheinfels

Termine des Tages

St. Goar – Advent im Weingut Philippsmühle – 9. Dezember, 11 – 19 Uhr. VG St. Goar-Oberwesel

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté light – 9. Dezember, 11 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Burg Rheinstein – „Märchenhafte Weihnachtsburg“ – 9. Dezember, ab 12 Uhr. VG Rhein-Nahe

Rüdesheim – Glühweinwanderung – 9. Dezember, 12 Uhr 30. ruedesheim.de

Burg Reichenstein – „Von mutigen Maiden und raffinierten Rittern“ / Rittergeschichten auf Burg Reichenstein – 9. Dezember, 13 Uhr. VG Rhein-Nahe

Bacharach – Punsch- und Glühweinzeit im Weingut Karl Heidrich – 9. Dezember, ab 14 Uhr. VG Rhein-Nahe

Lorch – Hof-Weihnachtsmarkt im Traubenwerk – 9- Dezember, 14 Uhr. Stadt Lorch

Braubach – Weihnachtsmarkt – 9. Dezember, ab 14 Uhr. braubach.de

Hirzenach – Lieder im Advent / „Gipsy Christmas“ präsentiert von Django Reinhardt & Band zu Gunsten von Solwodi – 9. Dezember, 17 Uhr. boppard.de

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté  / Dinnershow – 9. Dezember, 19 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Boppard – „Bohemian Rhapsody“ / Kino in der Stadthalle – 9. Dezember, 20 Uhr – boppard.de

Foto des Tages

Werbung: Charity in Kamp-Bornhofen

Am 15. Dezember findet der „Charity Day“ in Kamp-Bornhofen statt. Im Hotel „Rheingraf“ von  Uwe Girnstein und Diana Hein öffnet um 10 Uhr der Weihnachtsmarkt mit Weihnachtsbaumverkauf. Der Erlös geht an die Elterninitiative Krebskranker Kinder unter Vorsitz von Helma Kutzner. Ab 19 Uhr steigt eine Glühwein-Party mit Mike Reinhardt und Band. Facebook (Hotel Rheingraf),