Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Kategorie: Interviews Seite 1 von 33

„Ich glaube an die Zukunft des Mittelrheintals“

Corana-Krise, Massensehnsucht nach Malle und dann noch die Flutkatastrophe in der Nachbarschaft: Für den Mittelrhein-Tourismus kam es 2021 knüppeldicke. Das bedeutet viel Arbeit für Kristina Neitzert. Die neue Geschäftsführerin der Tourismusorganisation „Romantischer Rhein“ mit Sitz in Koblenz kämpft für ein starkes Saisonfinale und für mehr Möglichkeiten am Mittelrhein. Ein Interview nach 221 Tagen im Amt.

Kristina Neitzert mit der mobilen Tourist-Info in Rhens.

Der Romantische Rhein ist überall: Kristina Neitzert (l.) mit der mobilen Tourist-Info in Rhens. Foto: Romantischer Rhein

Kristina, die Corona-Saison 2020 war schon schwierig genug, aber 2021 scheint es noch zäher zu laufen. Woran liegt das?

Die Saison startete tatsächlich verhaltener als im Vorjahr. Einerseits war die Stimmung nicht so optimistisch wie nach dem Lockdown 2020. Wir haben deutlich mehr Verunsicherung gespürt, unter anderem wegen der unterschiedlichen Corona-Regeln in den einzelnen Bundesländern. Schon in Hessen galten zeitweilig andere Vorschriften als in Rheinland-Pfalz. Dann haben viele Menschen die Gelegenheit genutzt, nach 2 Jahren zum ersten Mal wieder in den Süden zu fliegen, dieser Nachholbedarf ging überall auf Kosten des Inland-Tourismus.

Welche Rolle spielt die Flutkatastrophe an der Ahr?

Das kam zu einem Zeitpunkt, als der Tourismus am Mittelrhein gerade wieder angelaufen war. Im Vergleich zu den Schicksalen vor Ort klingt es wie ein Luxusproblem, aber für uns war es ein Rückschlag. Plötzlich galt ganz Rheinland-Pfalz als Katastrophengebiet, es wurde wenig differenziert, und das hat vielen Menschen Angst gemacht. Einige haben storniert, andere hatten erhöhten Beratungsbedarf. Wir mussten viele Fragen beantworten. Eine flächendeckende Stornierungswelle gab es aber nicht.

Wie nimmst du die Stimmung wahr? In der Lokalpresse hat sich der Tourismuschef der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe gerade sehr besorgt gezeigt. Er fürchtet, dass nicht alle Betriebe den nächsten Winter überleben.

Der Kollege kennt die Situation vor Ort sicher besser als ich, darum möchte ich mir im konkreten Fall kein Urteil erlauben. Natürlich ist die Situation nach 2 Lockdowns schwierig, aber mein Eindruck ist, dass viele Betriebe überraschend gut aus der Krise kommen. Manchmal beschleunigt Corona aber auch einen Niedergang, der schon viel früher eingesetzt hat. Wer schon vor Corona strukturellere Probleme hatte, wird nach Corona noch größere haben. Die Pandemie darf jedenfalls keine Ausrede sein. Ich glaube an die Zukunft des Mittelrheintals.

Wie wird der Neustart im Tourismus-Marketing aussehen?

Wir haben das Glück, dass das Land finanzielle Unterstützung leistet. Darum wird es zum Herbst hin weitere Werbekampagnen geben, vor allem in den sozialen Netzwerken. Außerdem planen wir ein Magazin rund um das Thema Wein und Kulinarik. In der Vermarktung des Mittelrheintals als Genussregion steckt noch viele Potenzial, gerade auch im Herbst und Winter.

Die Verlängerung der Saison ist seit Jahren ein Thema. Was kann man dafür tun?

Man könnte zum Beispiel aufhören, den Winter am Mittelrhein schlecht zu reden. Manchmal klingt es so, als wäre das Tal von November bis März als einzige Region in Deutschland mausetot. Das stimmt aber nicht. Natürlich ist das Angebot eingeschränkt, aber es gibt trotzdem mehr Möglichkeiten als viele Menschen denken. Man muss diese Möglichkeiten nur zeigen, und das werden wir jetzt verstärkt tun.

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„Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“

Susanne Röntgen-Müsel war Tourismus-Managerin in Frankfurt, als sie einen ungewöhnlichen Anruf bekam: Ob sie sich vorstellen könnte, einen Hotelbetrieb in Lorch aufzubauen? Sie konnte. Das Hotel sollte nicht in irgendeiner Gewerbeimmobilie entstehen, sondern in der ehemaligen Schule. Die Lorcher Weingutsbesitzerin Franziska Breuer-Hadwiger hatte das Gebäude im Bauhaus-Stil gekauft, um es vor dem Leerstand zu retten. Sie selbst war dort als Kind zur Schule gegangen. Röntgen-Müsel bekam freie Hand. Die gebürtige Dortmunderin startete eine der erfolgreichsten Neugründungen am Mittelrhein. Sie setzte nicht auf herkömmlichen Seniorenteller-Tourismus, sondern auf Gäste mit Geschmack und Sinn für das Besondere. Heute gehört das „Hotel im Schulhaus“ zu den Vorzeigebetrieben im Tal und zu den zertifizierten „Welterbe-Gastgebern“. 7 Fragen an eine Quereinsteigerin mit Marketing-DNA.

Susanne Röntgen-Müsel eröffnete 2013 das "Hotel im Schulhaus". Foto: Rald Kaltenbach

Susanne Röntgen-Müsel eröffnete 2013 das „Hotel im Schulhaus“. Foto: Ralf Kaltenbach

Susanne, wie kommt eine Marketingexpertin aus Dortmund zu einem Hotel in Lorch?

Der Liebe wegen bin ich im Rheingau gelandet und gleich in das Hotelgeschäft eingetaucht. Von da ab war ich angefixt und konnte mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen. Aber nach einigen Hotel-Stationen im Rheingau und Wiesbaden hat mich auch die andere Seite des Tourismus interessiert. Bei der Rüdesheimer Tourist Information habe ich die Privatisierung und Überführung in die „RÜD AG“ live erlebt und gelebt. Das war spannend. Im Rahmen der internationalen Vermarktung konnte ich die halbe Welt bereisen, wertvolle Erfahrungen sammeln, mein Wissen erweitern und mein touristisches Netzwerk ausbauen. Alles das kam mir zugute, nachdem ich als Vertriebsleiterin zur Deutschen Zentrale für Tourismus nach Frankfurt gewechselt hatte. Dann bekam ich im Sommer 2011 einen Anruf, den ich wohl nie vergessen werde. Ich sollte die Leitung eines neu entstehenden Hotels in Lorch übernehmen.. Meine Liebe zum Hotel Business war sofort wieder geweckt,  auch wenn viele Menschen in meinem Umfeld das neue Projekt als wenig erfolgversprechend ansahen. So kann man sich täuschen. 

Wie schwer war es für dich, im Hotelgeschäft anzukommen und was hat dich am meisten überrascht?

Es war super interessant, alles von Beginn an mitzugestalten. Am Anfang hatte ich lediglich einen Grundrissplan vor Augen und einen Plan im Kopf. Doch dann ging alles sehr schnell, im April 2013 haben wir eröffnet und jetzt bin ich sozusagen schon im 9. Schuljahr. Ich kann das kaum glauben. Ich habe bis heute nie an meinem Entschluss gezweifelt, auch nicht, wenn es Schwierigkeiten gab. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, mit der unerwarteten hohen Fluktuation des Personals umzugehen. Das kannte ich in meiner bisherigen Laufbahn nicht. Nach wie vor ist es mir wichtig, mein Team  zu motivieren, zu fördern und langfristig zu halten. 

Positiv überrascht hat mich die steigende Zahl der Wandergäste. Über den Run auf unser kleines Lorch freue ich mich riesig. Ich habe das Thema Wandern zwar von Anfang an vorangetrieben, aber dass es sich so entwickeln würde, hätte selbst ich nicht zu hoffen gewagt. Und jetzt bin ich glücklich, dass es so gut läuft. Mit den neuen Premium-Wanderwegen, den Wisper Trails, kommen noch mehr Gäste, die gerne wandern zu uns ins Hotel. Lorch und unser Haus sind jetzt noch gefragter. Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. 

 

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Eine Studie hat den Hotel-Bedarf im Mittelrheintal hochgerechnet. Demnach müssen bis zur Buga 2029 noch mehrere 1000 Betten modernen Standards her. Wie soll das funktionieren?

Oh ja, ein heikles Thema! Aber eigentlich ist es doch klar: Investiert – auch von außen –  wird nur, wenn man der Meinung ist, dass es sich lohnt. Und da gilt es in diesem Fall, viele Voraussetzungen zu schaffen, dass der Invest auch zurückkommt. Zwei wichtige Punkte sind die Verbesserung der Infrastruktur und die Verlängerung der Saison. Das Tal muss auch für die Monate November bis  März attraktiv werden. Dazu gehören u. a. touristische Attraktionen und gästefreundliche Öffnungszeiten der Gastronomie. Diese Themen sind nicht neu und werden schon seit zig Jahren von allen Hotel-Kollegen gefordert. Unsere Gäste haben in den Wintermonaten einfach zu wenig Möglichkeiten, außer Wandern, die Belegung sinkt vom Oktober mit knapp 90 Prozent  im November auf 20 Prozent  bis Februar auf 10 Prozent! Wer traut sich da, zu investieren? 

Die Corona-Krise hat deine Branche schwer getroffen. Wie ist es euch nach dem Lockdown ergangen?

Nach dem ersten Lockdown in 2020 waren alle euphorisch und noch nicht so gebeutelt wie nach dem zweiten Lockdown. In 2020 gab es für mich keine Personalprobleme. Die Gäste haben fleißig gebucht und wir hatten von Juni bis September gutes Geschäft. Doch der Umsatz schmolz dahin, denn wir hatten durch die Pandemie viele zusätzliche Kosten. Und dann kam der Winter, und der ist hier sowieso schwierig. Der zweite Lockdown war dann eine Voll- Katastrophe! Danach haben sich einige Mitarbeiter einen neuen Job gesucht und Personal zu finden ist noch schwieriger geworden als vor Corona. Das geht in die Knochen und belastet das verbleibende Team, das einen supertollen Job macht. 

Von der Belegung her sind wir zufrieden. Wir sind glücklich, mittlerweile als Wanderhotel bekannt und beliebt zu sein. Und heute gilt mehr denn je: Gäste wollen raus! Das merken wir bei den aktuellen Buchungen. Leider können wir uns dennoch nicht voll ausbuchen, da die Abstandsregelung im Restaurant unsere Sitzkapazitäten einschränkt. Bei einer Auslastung von 75 – 80 Prozent ist Schluss.

Zudem hängen die Ungewissheit, wie es weitergehen wird und aktuellen Corona-Verordnungen wie ein Damoklesschwert über der Branche – die Ungewissheit ist weiter hoch. Denn keiner weiß, wie sich die Politik mit steigenden Inzidenzahlen entscheiden wird. Trotzdem – wir blicken positiv nach vorne! Denn wir lieben das, was wir machen Wir sind Gastgeber von Herzen.

Das Weingut Altenkirch ist Partnerbetrieb deines Hotels. Wann eröffnet der Gutsausschank wieder?

Sobald es geht! Wir suchen aktuell neue Pächter, die bereit sind eine gute Gastronomie anzubieten. Weil wir ein Hotel garni sind, ist eine Kooperation von unserer Seite aus gesehen mehr als gewünscht. Lorch ist ein guter Ort  für einen Neuanfang. Vielleicht  auch für Gastronomie-Kollegen, die durch das jüngste Hochwasser ihre Betriebe  verloren haben. Hier in Lorch wären sie herzlich willkommen. Und ich verspreche eins: Unser Team wird helfend zur Seite stehen und Gäste schicken. 

Das Angebot an einen Gastronomen aus dem Flutgebiet ist eine von vielen Möglichkeiten zu helfen. Welche Initiativen aus deiner Branche sind dir aufgefallen?

Die Hilfsbereitschaft ist umwerfend groß! Jeder versucht mit seinen Mitteln etwas dazu beizutragen. Man sollte keinen besonders herausstellen, weil jeder mit einer Aktion dabei ist. Zum Beispiel mit Events und Menüs, deren Erlös gespendet werden. Aus vielen Winzerorten fahren jede Woche kleine Trupps an die Ahr zum Helfen. Sehr gut kommt die Aktion „Flutwein“ an! Toll finde ich, dass alle, Gäste und Kollegen, am gleichen Strang ziehen und sich mit Spenden an der Hilfe beteiligen. Wir sind uns einig, dass die Aktionen noch lange weitergehen müssen.

Du warst schon vor deinem Wechsel nach Lorch Tourismus-Profi. Was könnte man beim Marketing für das Obere Mittelrheintal besser machen? 

Schon wieder so eine Frage, bei der ich weit ausholen könnte, weil sie mich immer wieder beschäftigt. Ich antworte hier jetzt einfach mal in Schlagworten zum Weiterdenken … und Handeln: 

  • Kommunikation verbessern – man soll endlich wieder über uns sprechen … 
  • Die Bildsprache muss ansprechender und moderner werden, mehr sexy, 
  • Romantisch sein liegt doch im Trend … 
  • Mittelrheintal – D I E  Destination für Hochzeitsreisende, Why not? 
  • So viele Burgen – so viele Chancen 
  • Vermarktung von ansprechenden Events: Oldtimer Treffen, Sport Events, Romantik Parcours, Landhaus-Living inklusive Mode … auf einer Burg, etc.
  • Weine des Mittelrheintals besser herausstellen – siehe junge Moselwinzer 
  • Begriff „Welterbe“ erklären. Das ist doch was. Aber was eigentlich? 
  • Junges Publikum fokussieren – zum Beispiel junge und junggebliebene Outdoor – Liebhaber, 
  • Ich wünsche mir insgesamt mehr Mut und Kampagnen, die Lust machen 

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Hessens bester Mittelrheiner: 7 Fragen an Karl Ottes

Die Stadt Rüdesheim hat Karl Ottes gerade zum Ehrenbürger ernannt, aber eigentlich könnte die Auszeichnung im ganzen Tal gelten. Der Winzersohn aus Lorch engagiert sich seit über 50 Jahren für den Oberen Mittelrhein und hat die Entwicklung zur international anerkannten Unesco-Region von Anfang an vorangetrieben. Als „Welterbe-Dezernent“ des Rheingau-Taunus-Kreises gehörte er 16 Jahre lang zum Vorstand des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal, der einzigen gemeinde- und länderübergreifenden Organisation für das ganze Tal. Ottes startete 1967 im damals noch eigenständigen Höhenort Aulhausen als jüngster Bürgermeister Deutschlands und beendete seine Laufbahn im Frühjahr als dienstältester Kreispolitiker. Up to date bleibt er trotzdem: Ottes, 79, ist Apple-User und kommuniziert digital so selbstverständlich wie ein 29-Jähriger. Im Interview mit Mittelrheingold erzählt er, was sich im Tal geändert hat, wie es weitergehen muss, und welche 2 Grundregeln nicht nur in seinem Heimatort Lorch wichtig sind. 

Karl Ottes oberhalb von Lorch.

Welterbe-Pionier und Ehrenbürger: Karl Ottes engagiert sich seit Jahrzehnten für die Region. Foto: Privat

Du hast im Mittelrheintal schon Verantwortung übernommen als viele heutige Bürgermeister, Beigeordnete und Stadträte noch gar nicht auf der Welt waren. Was hat sich seit 1967 am meisten verändert und was ist konstant geblieben?

Die Hektik und Ungeduld hat sich vielfach ausgebreitet. Man verlangt von den Verantwortlichen schnelle Entscheidungen und auch möglichst sofortige Umsetzungen von Maßnahmen ohne Rücksicht auf Finanzierbarkeit oder sonstige Hindernisse. Was geblieben ist,  das ist die Liebe zur Mittelrhein-Region mit all ihren kulturellen Highlights sowie zu unserer einmaligen Landschaftskulisse, um die uns viele aus dem In- und Ausland beneiden.

Du hast die große Gebietsreform Ende der 60er bis Mitte der 70er erlebt. Seitdem gibt es im Tal kaum noch hauptamtliche Bürgermeister und es wird immer schwieriger, ehrenamtliche Kommunalpolitiker zu verpflichten. Was tun? 

Bei dieser Frage kann ich nur auf die kommunalrechtliche Situation in meinem Heimatland Hessen eingehen. Wir kennen hier seit der Gebietsreform nur die Einheitsgemeinde mit einem hauptamtlichen Bürgermeister als Verwaltungsspitze. Auf Ortsebene agieren ehrenamtlich die Ortsvorsteher mit ihren Ortsbeiräten. Das große Manko hierbei: Oftmals werden die Ideen und Vorschläge der Ortsbeiräte nicht genügend von den übergeordneten Gremien wahrgenommen. Das erzeugt teilweise Frust, da man nach dem Gesetz nur eine beratende Funktion wahrnehmen kann Umgekehrt stelle ich mir die ehrenamtliche Arbeit eines rheinland-pfälzischen Bürgermeisters in den kleinen Orten als sehr schwierig vor, auch wenn man im Gegensatz zu Hessen hier noch die direkte Einflussnahme auf Beschlüsse für seine Gemeinde hat. Schließlich haben die Gewählten neben ihrem Amt aber in der Regel einen Hauptberuf, was die Situation nicht einfacher macht. Einen Rat von „außerhalb“ möchte aus verständlichen Gründen nicht abgeben. Aber die  Schwierigkeiten bei der Verpflichtung von Amtsträgern kann ich gut nachvollziehen.

Du warst viele Jahre lang „Welterbe-Dezernent“ im Rheingau-Taunus-Kreis. Wie wichtig ist der Welterbe-Status für Rüdesheim und Lorch?

Mit dem Siegel des Welterbe – Status spielt man in der Tat in einer ganz besonderen international bekannten Liga. Das ist Anerkennung und Verpflichtung  zugleich. Für Lorch und Rüdesheim ist es wichtig, dass man als Rheingau-Kommune auch Teil der romantischen Mittelrheinregion ist. Das eröffnet neue Wege in der Entwicklung der beiden Städte -ganz besonders in der touristischen Vermarktung – aber auch für die Einwohner selbst.

Im Zweckverband Welterbe bist du immer auch eine Art hessischer Botschafter gewesen. Hattest du genug Unterstützung vom Land?

Wie im richtigen Leben gibt es immer Luft nach oben. Bei der Restaurierung und Wiederherstellung des Lorcher Hilchenhauses und bei den umfangreichen Maßnahmen am Niederwalddenkmal bzw. dem Osteinschen Park war das Land Hessen sehr kooperativ wie auch finanziell sehr aktiv dabei. Allerdings sind die besagten Flächen ohnehin im Besitz des Landes. Der weitaus bedeutendere Testfall wird die Buga 2029 sein. Hier muss meiner Meinung nach unbedingt die schriftliche Zusage des Ministerpräsidenten Volker Bouffier von  den Landesbehörden eingehalten werden, wonach Lorch und Rüdesheim eine großzügige Unterstützung bei den anstehenden Projekten erfahren sollen.

Welche Probleme löst die Buga 2029? 

Ich hoffe sehr, dass die BUGA 2029 die jeweiligen Stadtbilder hin zum Positiven verändert. Beispielgebend sind für mich hierbei die Städte Bingen und Koblenz mit der vorangegangenen Landes- bzw. Bundesgartenschau im Land Rheinland-Pfalz.

Und welche müssen anderswo gelöst werden?

Die Lösung von Verkehrsproblemen ist für das Rheintal der Schlüssel für eine erfolgreich Zukunftsperspektive. An vorderster Stelle steht die Verlagerung des unsäglichen und gesundheitsschädigenden Bahnlärms auf eine neue Gütertrasse fernab der Unesco-Kulturlandschaft. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Beseitigung des Rüdesheimer Bahnübergangs. Für beide Problemfelder ist einzig und allein der Bund zuständig. Viel zu lange wird hierüber diskutiert. Die Geduld der Bewohner wird hierbei außergewöhnlich strapaziert. Für die geplante Rheinquerung mit einer Brücke steht die Entscheidung der Unesco an. Man darf gespannt sein.

Apropos Probleme und Lösungen. Du bist gebürtiger Lorcher und wirst den heftigen politischen Streit dort verfolgt haben. Was würdest du dem Bürgermeister und den Fraktionen dort raten?

Was anderswo gilt, das gilt auch für Lorch: Erstens den Ball flach halten und sich auf die Sache konzentrieren. Und zweitens persönliche Angriffe unterlassen. Alles andere schadet dem Ansehen der Stadt und zahlt sich auch bei Wahlen niemals aus. Die Bürger wollen ein Team, das Lösungen erarbeitet und Entscheidungen trifft. Dauerstreit ist für die meisten Menschen – auch in Lorch- ein Graus und man wendet sich zu  Recht mit Kopfschütteln ab. Das sollten die Gewählten überall in den Gremien erkennen.

 

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Die nächste Welterbe-Generation

Junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren können im Spätsommer am internationalen Welterbe-Austausch am Mittelrhein und in der österreichischen Wachau teilnehmen. Das 14-tägige Programm umfasst neben Denkmalschutz und Landschaftspflege auch Ausflüge und vermutlich das eine oder andere Glas Riesling. Es findet je zur Hälfte am Mittelrhein und an der Donau statt. Nico Melchior vom Zweckverband Welterbe in St. Goarshausen freut sich über Teilnehmer direkt aus dem Tal. Infos unter n.melchior@zv-welterbe.de oder telefonisch unter 06771-599546. Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal

LAG: Reden wir über Geld

Apropos Zweckverband: An die Mittelrhein-Zentrale angedockt ist die  „Lokale Aktionsgruppe“ (LAG), die EU-Fördermittel aus dem Leader-Programm organisiert, verwaltet und in verteilt. Die Geld aus Brüssel hat in den vergangenen Jahren viele private und kommunale Projekte im Tal ermöglicht. Damit das so weitergeht und möglichst viele Mittelrheiner mitmachen, hat die LAG einen Plan für die Zukunft entwickelt. Die so genannte „Lokale Integrierte Entwicklungsstrategie“ für die Jahre 2023 bis 2029 wird am kommenden Montag ab 16 Uhr im Oberweseler Rathausaal und per Zoom-Konferent vorgestellt und diskutiert. Anmeldungen über Max Siech: (m.siech@zv-welterbe.de). LAG Mittelrhein

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