Corana-Krise, Massensehnsucht nach Malle und dann noch die Flutkatastrophe in der Nachbarschaft: Für den Mittelrhein-Tourismus kam es 2021 knüppeldicke. Das bedeutet viel Arbeit für Kristina Neitzert. Die neue Geschäftsführerin der Tourismusorganisation „Romantischer Rhein“ mit Sitz in Koblenz kämpft für ein starkes Saisonfinale und für mehr Möglichkeiten am Mittelrhein. Ein Interview nach 221 Tagen im Amt.

Kristina Neitzert mit der mobilen Tourist-Info in Rhens.

Der Romantische Rhein ist überall: Kristina Neitzert (l.) mit der mobilen Tourist-Info in Rhens. Foto: Romantischer Rhein

Kristina, die Corona-Saison 2020 war schon schwierig genug, aber 2021 scheint es noch zäher zu laufen. Woran liegt das?

Die Saison startete tatsächlich verhaltener als im Vorjahr. Einerseits war die Stimmung nicht so optimistisch wie nach dem Lockdown 2020. Wir haben deutlich mehr Verunsicherung gespürt, unter anderem wegen der unterschiedlichen Corona-Regeln in den einzelnen Bundesländern. Schon in Hessen galten zeitweilig andere Vorschriften als in Rheinland-Pfalz. Dann haben viele Menschen die Gelegenheit genutzt, nach 2 Jahren zum ersten Mal wieder in den Süden zu fliegen, dieser Nachholbedarf ging überall auf Kosten des Inland-Tourismus.

Welche Rolle spielt die Flutkatastrophe an der Ahr?

Das kam zu einem Zeitpunkt, als der Tourismus am Mittelrhein gerade wieder angelaufen war. Im Vergleich zu den Schicksalen vor Ort klingt es wie ein Luxusproblem, aber für uns war es ein Rückschlag. Plötzlich galt ganz Rheinland-Pfalz als Katastrophengebiet, es wurde wenig differenziert, und das hat vielen Menschen Angst gemacht. Einige haben storniert, andere hatten erhöhten Beratungsbedarf. Wir mussten viele Fragen beantworten. Eine flächendeckende Stornierungswelle gab es aber nicht.

Wie nimmst du die Stimmung wahr? In der Lokalpresse hat sich der Tourismuschef der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe gerade sehr besorgt gezeigt. Er fürchtet, dass nicht alle Betriebe den nächsten Winter überleben.

Der Kollege kennt die Situation vor Ort sicher besser als ich, darum möchte ich mir im konkreten Fall kein Urteil erlauben. Natürlich ist die Situation nach 2 Lockdowns schwierig, aber mein Eindruck ist, dass viele Betriebe überraschend gut aus der Krise kommen. Manchmal beschleunigt Corona aber auch einen Niedergang, der schon viel früher eingesetzt hat. Wer schon vor Corona strukturellere Probleme hatte, wird nach Corona noch größere haben. Die Pandemie darf jedenfalls keine Ausrede sein. Ich glaube an die Zukunft des Mittelrheintals.

Wie wird der Neustart im Tourismus-Marketing aussehen?

Wir haben das Glück, dass das Land finanzielle Unterstützung leistet. Darum wird es zum Herbst hin weitere Werbekampagnen geben, vor allem in den sozialen Netzwerken. Außerdem planen wir ein Magazin rund um das Thema Wein und Kulinarik. In der Vermarktung des Mittelrheintals als Genussregion steckt noch viele Potenzial, gerade auch im Herbst und Winter.

Die Verlängerung der Saison ist seit Jahren ein Thema. Was kann man dafür tun?

Man könnte zum Beispiel aufhören, den Winter am Mittelrhein schlecht zu reden. Manchmal klingt es so, als wäre das Tal von November bis März als einzige Region in Deutschland mausetot. Das stimmt aber nicht. Natürlich ist das Angebot eingeschränkt, aber es gibt trotzdem mehr Möglichkeiten als viele Menschen denken. Man muss diese Möglichkeiten nur zeigen, und das werden wir jetzt verstärkt tun.

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