Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Frank Zimmer Seite 2 von 368

Dr. Frank Zimmer ist Journalist und digitaler Medienmacher. Er studierte Geschichte in Mainz und Köln, schrieb mehrere Bücher und war viele Jahre Leitender Redakteur im Süddeutschen Verlag. 2018 gründete er das Blog Mittelrheingold.

Guten Tag, wir sind von der Unesco

Beim Welterbekomitee der Unesco dürfte die Akte Mittelrhein in den kommenden Jahren um einiges dicker werden. Im Tal stehen große Entscheidungen an. Thema Nr. 1 ist die Mittelrheinbrücke zwischen St. Goar und St. Goarshausen, die die Stadtteile Wellmich und Fellen verbinden soll. Ähnlich gravierend ist die Ortsumgehung bei Braubach. Beide Maßnahmen sind noch nicht entschieden, aber klar ist, dass es nicht ohne Zustimmung der Unesco geht. Vergangene Woche waren darum internationale Experten der UN-Organisation und ihres Beraters Icomos („International Council on Monuments and Sites“) im Tal unterwegs, informierten sich über mögliche Konflikte und sprachen mit Bürgerinitiativen. Gastgeber waren RLP-Inneminister Roger Lewentz, die rheinland-pfälzische Welterbe-Beauftragte Nicole Steingaß und der designierte Vorsteher des Zweckverbands Welterbe Oberes Mittelrheintal, Rhein-Hunsrück-Landrat Volker Boch. Neben Brücke und Braubach-Umgehung ging es um den künftigen Managementplan für das Welterbetal, um den Umgang mit Windrädern und Photovoltaikanlagen und um die Buga 2029.  Die Innenstadt von Braubach.Ruhe vor der Rush Hour: Braubacher Innenstadt. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Lewentz beschreibt die Tour als „sehr intensiv, aber konstruktiv“. Die regelmäßigen Bestandsaufnahmen sind nötig, um den Welterbe-Status zu sichern. Die Eindrücke der Experten fließen in einen Bericht für das jährlich tagende Welterbekomitee ein und bleiben bis dahin unter Verschluss. Wann und wo die Versammlung 2022 stattfinden wird, ist momentan unklar. Eigentlich war sie für den Juni im russischen Kasan geplant. Wegen des Überfalls auf die Ukraine ist der Termin abgesagt worden. Innenministerium Rheinland-Pfalz (Pressemitteilung), Rhein-Zeitung (€)

Ein Bopparder in Indien

Vor über 50 Jahren zog der Bopparder Martin Kämpchen nach Indien. In Deutschland wurde er auch aus der Ferne bekannt. Als Religionswissenschaftler, Übersetzer und Journalist arbeitete er u. a. für das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Jetzt hat Kämpchen seine Autobiografie vorgelegt: „Mein Leben in Indien – Zwischen den Kulturen zu Hause“. Frankfurter Allgemeine, Wikipedia, Patmos-Verlag

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Die Orte fürs Miteinander

Man muss am Mittelrhein nicht immer die ganz großen Dinger drehen. Fördermittel gibt es auch für kleinere Projekte. Die beim Zweckverband Welterbe angedockte „Lokale Aktionsgruppe“ (LAG) hat für 14 Initiaven fast 100.000 Euro lockergemacht. Fast ein Drittel des Budgets fließt nach Oberwesel und Umgebung: An die katholische Kirchengemeinde (Lautsprecheranlage für die Liebfrauenkirche), an die Realschule Plus (Stele der Freundschaft / Kunstprojekt mit der Partnerschule in Ruanda), an die Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein (3 Meter hohes Buga-Logo im Skulpturenpark Urbar) und last but not least in das Innenstadt-Projekt von Christian Büning und Marcel D’Avis. Die beiden Kreativen wollen in einem ehemaligen Laden einen Gemeinschaftsraum mit Küche einrichten, der für Weinproben, Spieleabende oder kleine Feiern gemietet werden kann. In Berlin würde man es  „Pop-up-Bar“ nennen. Orte fürs Miteinander sind am Mittelrhein ohnehin das große Thema. So soll im Höhenort Reichenberg mit „LAG“-Geld ein Open-Air-Treffpunkt und Rastplatz für Einheimische und Wanderer entstehen, Spay bekommt ein Sonnensegel für den Lambertuspark und Dachsenhausen gestaltet einen Mehrgenerationenraum im Ortskern. Die LAG übernimmt immer nur einen Teil der Kosten und erwartet bis zu 55 Prozent Eigenleistung. Gefördert werden Projekte, die das Tal attraktiver machen, Menschen vernetzen und den Welterbe-Gedanken fördern. Zweckverband Welterbe

Abendsonne in Oberwesel. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Abendsonne in Oberwesel. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Alarm am Mäuseturm

Am Binger Loch ist am Donnerstagmittag ein Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg gesprengt worden. Kampfmittelexperte Thomas Guindeuil musste ran, weil bei Baggerarbeiten im Rhein ein so genanntes Nebelfass gefunden worden war. Die Chemie-Dosen wurden von der Wehrmacht genutzt, um Stellungen zu tarnen. Bei der Entsorgung verlief alles nach Plan. Laut SWR gab es nur eine kleine Detonation unter Wasser. Der komplette Verkehr rund um das Binger Loch – Strom, Schiene und Straße – stand während des Einsatzes still. SWR

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Loreley-Bühne: Man weiß nicht, was soll es bedeuten

Im Streit über die Zukunft der Loreley-Bühne ging es bisher immer nur um Ulrich Lautenschläger gegen den Rest der Welt. Der Geschäftsführer des Pächters Loreley Venue Management liegt mit der Stadt St. Goarshausen im Clinch, weil er Baumängel geltend macht und die Pacht zurückhält. Der Fall ist längst vor Gericht. Aktuell hat die Stadt aber noch ein ganz anderes Problem. Sie hätte keine Lösung zur Hand, wenn sie gegen Lautenschläger gewinnen würde und ist auch nicht in der Lage, einen Vergleich zu schließen und den Pächter auszuzahlen. 2 mögliche Alternativen zu Lautenschläger sind laut SWR nacheinander gescheitert. Zunächst sollte die Buga-Gesellschaft einspringen und die Bühne übernehmen. Kurz vor der Vertragsunterzeichnung starb überraschend Buga-Geschäftsführer Berthold Stückle und der Loreley-Plan wurde auf Eis gelegt. Dann kam die Idee auf, die Verbandsgemeinde und ihre neue Touristik-Tochter in Boot zu holen. Dazu ließ VG-Bürgermeister Mike Weiland ein Gutachten erstellen. Es muss so desaströs ausgefallen sein, dass der Verbandsgemeinderst mit großer Mehrheit gegen eine Beteiligung votierte. Weiland selbst nennt die Absage die „einzig politisch und finanziell verantwortbare Entscheidung.“

Blick vom Rheinsteig auf die Loreley.

Blick vom Rheinsteig auf die Loreley. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Dominik Ketz

Der schwarze Peter ist jetzt bei der Stadt St. Goarsausen, der Eigentümerin  der Bühne. Wie es aussieht, muss sie den Konflikt jetzt allein ausfechten. Entscheind wird ein Gutachten zum Zustand der Bühne sein, das noch im Mai erwartet wird. Dann fällt das Oberlandesgericht Koblenz sein Urteil. Für St. Goarshausen könnten die Optionen wie Pest oder Cholera sein. Gewinnt Lautenschläger, wäre die Pacht futsch. Gewinnt die Stadt, stünde sie ohne Konzept und ohne Event-Partner da.

Für Stadtbürgermeister Nico Busch und seine Räte wird es schon jetzt ungemütlich. In der Lokalpresse hagelt es Kritik. VG-Chef Weiland kritisiert via Pressemitteilung die „finanzielle Erwartungshaltung der Stadt, die sich bislang nach wie vor finanziell schadlos halten will.“ Auch Buschs Parteifreund Karl-Heinz Lachmann, der SPD-Fraktionschef im Verbandsgemeinderat, spricht in der „RZ“ von einer „Katastrophe“. O-Ton  „Ich weiß nicht, ob sich die Stadt St. Goarshausen der Tragweite dieser Entscheidung bewusst ist und was sie für die Region wirtschaftlich und touristisch bedeutet.“  Busch kündigte gegenüber Mittelrheingold „Gespräche in den politischen Gremien der Stadt“ an. Er hat die Hoffnung auf eine gemeinsame Lösung noch nicht aufgegeben: „Wichtig ist der WIR-Gedanke: Die Bühne ist, wichtiger noch als für die Stadt, wichtig für die ganze Region.“ SWR, BEN-Kurier, Rhein-Zeitung (€), Mitteilung von Nico Busch 

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