Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Frank Zimmer Seite 2 von 306

Dr. Frank Zimmer ist Journalist und digitaler Medienmacher. Er studierte Geschichte in Mainz und Köln, schrieb mehrere Bücher und war viele Jahre Leitender Redakteur im Süddeutschen Verlag. 2018 gründete er das Blog Mittelrheingold.

Bingen macht die Fähre fit und Rhein-Lahn das Internet flott

Unter den Fährbetrieben am Mittelrhein ist die Reederei Bingen-Rüdesheimer klar die Nummer eins. Die Flotte umfasst 2 Autofähren und 4 klassische Ausflugsdampfer. Flaggschiff und Mehrzweckwaffe ist die „Mary Roos“. Sie kann ebenso für Autotransporte wie als Party-Schiff eingesetzt werden. Bis vor einem Jahr rauchte bei der Bingen-Rüdesheimer der Schornstein, dann kam Corona. 2020 brach das Tourismus-Geschäft ein, und der Lockdown mit Home Office als Massenphänomen macht nun auch die Fähre unrentabel. Trotzdem blickt Geschäftsführer Oliver Pohl nach vorn. Laut „AZ“ investiert er gerade eine sechsstellige Summe in die Fährrampe im Binger Hafen. Sie soll verlängert werden, damit der Betrieb auch bei extremem Niedrigwasser läuft. „Der Klimawandel ist nicht mehr zu leugnen“, sagt Pohl. Der Reederei-Chef kann sich u. a. auf Modellrechnungen der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) berufen. Das Institut prognostiziert für die zweite Hälfte des Jahrhunderts immer häufigere Trockenperioden wie im Extremjahr 2018. Damals musste u. a. der Niederheimbacher Fährmann Michael Schnaas vorübergehend den Betrieb einstellen.

Fährbetrieb zwischen Bingen und Rüdesheim. Foto: Rüdesheim Touristik AG / Rolf Wölfert

Fährbetrieb zwischen Bingen und Rüdesheim. Foto: Rüdesheim Touristik AG / Rolf Wölfert

Die gute Nachricht ist: Wasserbau-Ingenieure halten das Fähr-Risiko langfristig für beherrschbar. Wegen ihres geringeren Tiefgangs kommen Fähren mit dem Niedrigwasser der Zukunft wesentlich besser zurecht als klassische Transportschiffe, erklärt BAW-Chef Professor Christoph Heinzelmann auf Anfrage. Fraglich bleibt, welche Betreiber sich Wasserbau-Maßnahmen leisten können und ob der Staat unterstützt. Selbst wenn noch in diesem Jahrzehnt die Mittelrheinbrücke bei St. Goar gebaut würde – was unwahrscheinlich ist: Sie könnte nicht den kompletten Fährverkehr zwischen Boppard und Bingen ersetzen. Fähren werden noch auf Jahrzehnte hinaus gebraucht. Allgemeine Zeitung, Mittelrheingold (Niedrigwasser-Szenario)

„Die Situation ist heftig und beängstigend“

Apropos Corona. Die „RZ“ hat sich bei Modehändlern in Boppard und Emmelshausen umgehört. „Die Situation ist heftig und beängstigend“, zitiert sie Nicole Weißer vom Modehaus Stammer in Boppard. Die Modebranche trifft es besonders hart. Nicht nur, dass die Läden geschlossen sind – die Ware verdirbt quasi im Schaufenster, denn die Wintermode 20/21 braucht im Frühling niemand mehr und für die neue Kollektion fehlt vielen Betrieben das Geld. Die gleichfalls stillgelegte Gastronomie kämpft weiter mit Sonderaktionen gegen die Krise an. Uwer Girnstein und Diana Hein vom Hotel „Rheingraf“ in Kamp-Bornhofen etwa haben eine eigene Lebensmittelmarke gestartet: „Rheingraf von Camp Spezialitäten“. (Rhein)gräfliche Wurst und hausgemachte Marmelade gibt es u.a. bei Rewe in Lahnstein und Boppard. Rhein-Zeitung (Modehandel), Facebook (Rheingraf)

Internet-Turbo auf der rechten Rheinseite

Im Rhein-Lahn-Kreis spendiert das Land Rheinland-Pfalz fast 20 Millionen Euro für besonders schnelles Internet. Von der Digital-Offensive profitieren Privathaushalte und rund 600 Unternehmen. Im Welterbetal gehören die Stadt Lahnstein und die Verbandsgemeinde Loreley mit St. Goarshausen und Braubach zum Kreis. Landrat Frank Puchtler ist zugleich Vorsteher des Zweckverbandes Welterbe. Unterdessen schraubt die Telekom am Mobilfunknetz. Laut Pressemitteilung wurden in den vergangenen 3 Monaten weitere LTE- und 5G-Standorte im Rhein-Lahn-Kreis installiert. Davon profitieren u. a. Kaub und Kamp-Bornhofen. Rhein-Zeitung, presseportal.de (Telekom)

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Schule frei in Assmannshausen und der Traum von Knatter-Wochenende

Es ist nicht gerade klassische Rheinromantik, was im Rüdesheimer Stadtteil Assmannshausen demnächst zum Verkauf stehen soll. Aber eines der markantesten Gebäude des Ortes und ein Fest für 60er-Jahre-Fans: Die frühere Schule hoch über dem historischen Ortskern. Der leerstehende Flachdach-Bau ist momentan noch im Besitz des Rheingau-Taunus-Kreises. Der will ihn allerdings liebend gerne an die Stadt Rüdesheim loswerden. 2018 scheiterte die Transaktion u. a. noch an der Frage, wem die 2000 Liter Heizöl gehören, die noch im Keller gebunkert waren. Der 2019 gewählte Bürgermeister Klaus Zapp und sein Magistrat haben mittlerweile alle wesentlichen Dinge geklärt. Demnach wäre es auch möglich, das Gebäude mit einem Mix aus Gewerbe und Wohnen zu nutzen. Der Plan ist, die Immobilie zu übernehmen und an einen geeigneten Investor weiterverkaufen. Der müsste allerdings auch nach dem Deal noch tief in die Tasche greifen. Schon 2012 wurde der Sanierungsaufwand auf 1,4 Millionen Euro taxiert. 9 Jahre Leerstand später dürfte sich die Summe nochmals deutlich erhöhen. In Assmannshausen selbst hoffte man zuletzt, dass die Rüdesheimer Jugendherberge einsteigen könnte. Das Jugendherbergswerk hat allerdings abgewunken. Eine Nutzung als Hotel ist trotzdem nicht ausgeschlossen. Einer Studie zufolge braucht das Tal spätestens zur Bundesgartenschau 2029 deutlich mehr zeitgemäße Hotels mit mehreren 1000 neuen Betten. Wiesbadener Kurier

Assmannshausen mit der alten Schule (links im Bild). Foto: Jörg Thamer / Rheingau Tourismus

Assmannshausen mit der alten Schule (links oben im Bild). Foto: Jörg Thamer / Rheingau Tourismus

Ein Ausblick auf die Rheingau-Saison

Apropos Rüdesheim. Der „Wiesbadener Kurier“ hat recherchiert, welche Groß-Events im Rheingau 2021 realistisch sind. Nichts Genaues weiß man, aber die „Schlemmerwochen“ ab dem 23. April könnten unter Auflagen auch bei einem Lockdown bis Ostern klappen. Hoffnungsvoll sind auch die Macher von „Magic Bike“ in Rüdesheim. Das Knatter-Wochenende findet am ersten Juni-Wochenende unter freiem Himmel statt. 2020 war die Motorrad-Show allerdings wegen Corona abgesagt worden. Wiesbadener Kurier

Hildegard und der heilige Zorn

Die misslungene „Operation Hildegard“ sorgt in Bingen für Ärger. Eigentlich wollte die Stadt gemeinsam mit dem Kreis Mainz-Bingen die so genannte „Villa Herter“ in Bingerbrück kaufen. Dort, auf dem Gelände des früheren Hildegard-Klosters, sollte das gemeinsames Archiv untergebracht werden. Der von der Binger Lokalpresse gefeierte Deal scheiterte am kleinen Einmaleins der Immobilienwirtschaft. Ein Gutachten ergab, dass das Haus nicht annähend die Million wert ist, die der Eigentümer von Stadt und Kreis haben wollte. Jetzt werfen SPD und Grüne Oberbürgermeister Thomas Feser vor, er habe den Gutachter ohne Not eingeschaltet. Man hätte den überhöhten Preis einfach akzeptieren und die Hälfte davon vom Kreis zahlen lassen sollen. Feser argumentiert mit Sorgfaltspflicht. Die Standpunkte überraschen: Ursprünglich wollte Feser die Villa auf Biegen und Brechen („Ich ziehe das durch“). Dort sollte neben dem Archiv auch eine multimediale Erinnerungsstätte für Hildegard entstehen. Allgemeine Zeitung

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Boppard bleibt

Vor Jahren prophezeiten Demografen einen spürbaren Bevölkerungsrückgang in Boppard. Die Einwohnerzahl könnte unter die 16.000er Marke fallen, hieß es laut „Rhein-Zeitung“. Zum Glück kam es anders. In den vergangenen Jahren ist die Stadt sogar gewachsen. Zuletzt gab es zwar wieder einen leichten Knick – Ende 2020 lebten 27 Menschen weniger in der Stadt als ein Jahr zuvor -, aber mit 16.088 Einwohnern liegt die aktuelle Einwohnerzahl höher als 2017. Schon damals wunderte sich die Lokalpresse über den unerwarteten Boppard-Boom, der u. a. auf besonders viele Geburten zurückging. Nach den aktuellen Zahlen der Stadtverwaltung wuchs die Bevölkerung 2020 in den Stadtteilen Bad Salzig (+ 30), Herschwiesen (+ 26) und Udenhausen (+3). Den größten Rückgang verzeichnete Buchholz (- 46). Sorgen macht auch Hirzenach, wo weniger als 13 Prozent der Einwohner unter 20 Jahre sind. (Bad Salzig: 16,1 Prozent). Der Anteil der über 59-Jährigen liegt in Hirzenach bei rund 46 Prozent.  Mitteilung der Stadt Boppard

Boppard-Foto von Henry Tornow. / Romantischer Rhein

Boppard-Foto von Henry Tornow. / Romantischer Rhein

Home Schooling made im Mittelrheintal

Apropos Nachwuchs: Ein Mittelrhein-Startup sorgt gerade bundesweit dafür, dass Home Schooling ein Stückchen besser wird. Laut SWR nutzen rund 2000 Schulen die Koblenzer Lernplattform Sdui. Das Unternehmen entstand aus einem Schulprojekt der 3 Digital-Talente Daniel Zacharias, Jan Micha Kroll und Timo Stosius. SWR 

Marksburg First

Vergangene Woche sorgte die Entdeckung einer alten Kapelle auf Burg Sterrenberg in überregionalen Medien für Aufsehen. Stromabwärts auf der Marksburg wundert man sich über den Wirbel. Eine „Sensation“ sei der Fund in der Nachbarschaft eher nicht, zitiert die „Rhein-Zeitung“ Marksburg-Chef Gerhard Wagner. Die Sterrenberg sei nicht die einzige Rheinburg mit Kapelle. Auf der Marksburg selbst wurden 2014 ebenfalls Überreste ausgegraben. Die mittelalterliche Marksburg-Kapelle musste Ende des 16. Jahrhundert Platz für die Artillerie machen. Ihre Umrisse wurden mittlerweile auf dem Pflaster markiert. Rhein-Zeitung

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