Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Autor: Frank Zimmer Seite 2 von 329

Dr. Frank Zimmer ist Journalist und digitaler Medienmacher. Er studierte Geschichte in Mainz und Köln, schrieb mehrere Bücher und war viele Jahre Leitender Redakteur im Süddeutschen Verlag. 2018 gründete er das Blog Mittelrheingold.

Ausverkauf in Lahnstein und Impfrekord in Lorch

Zuerst fehlten der katholischen Kirche nur die Priester, aber allmählich gehen ihr auch die Gläubigen aus. In Lahnstein geht es angesichts leerer Kirchenbänke und schwindender Einnahmen schon ans Eingemachte. Die Großpfarrei St. Martin, die bis nach Braubach reicht, plant den Verkauf zahlreicher Immobilien, darunter mehrerer Kapellen. Laut „RZ“ stehen u. a. die Lahnsteiner Heilig Geist Kapelle, die Josefskapelle und Ölbergskapelle zur Disposition. In Braubach will man sich von der Kirche und vom Pfarrhaus trennen. Lahnstein und Braubach gehören wie alle anderen rechtsrheinischen Welterbe-Gemeinden zum Bistum Limburg, das auch Frankfurt und Wiesbaden umfasst. Die gesamte Diözese zählt nur noch 550.000 Katholiken – ein Drittel weniger als 1981. Experten rechnen damit, dass es im Jahr 2060 weniger als 300.000 sein werden. Schon heute sind die meisten Mitglieder Karteileichen: Nicht einmal jeder Zehnte besucht regelmäßig den Gottesdienst. Rhein-Zeitung

Die Lahn kurz vor der Mündung in den Rhein. Foto: Romantischer Rhein-Tourismus / Henry Tornow

Die Lahn kurz vor der Mündung in den Rhein. Foto: Romantischer Rhein-Tourismus / Henry Tornow

Immunität in Lorch

Kommunalpolitisch lief in Lorch nicht immer alles rund, aber im Kampf gegen Corona ist das Städtchen umschlagbar. Das örtlichen Ärzte-Trio Matthias Ott, Brigitte Haschä und Michael Ohme impft, was das Zeug hält. 300 Dosen werden pro Tag im Rittersaal des Hilchenhauses verabreicht, selbst Rheinsteig-Wanderer kriegen ihre Spritze, wenn etwas übrig bleibt. Die Lorcher Apothekerin Kathrin Büschenfeld macht es möglich. Sie organisiert den Nachschub der Marken Biontech, AstraZeneca und Johnson & Johnson. Lorch gilt mittlerweile als durchgeimpft. Wiesbadener Kurier

2022 kommt der nächste Burgenblogger

Apropos Corona: Auch wenn die Inzidenzwerte weiter sinken, für das Projekt „Burgenblogger“ kommt die neue Sommer-Normalität zu spät. Wie schon 2020 wird auch in diesem Jahr kein Blogger auf Burg Sooneck einziehen. Es sei noch nicht möglich, „sich frei und ohne Einschränkungen unters Volk zu mischen, das Obere Mittelrheintal und seine Menschen dabei kennenzulernen und zu beschreiben“, heißt es mit Blick auf das pandemische Restrisiko und die letzten noch bestehenden Kontaktverbote. 2022 soll es endlich weitergehen. Dann erscheint auch das Buch der bislang letzten Burgenbloggerin Mareike Knevels über ihre Eindrücke aus dem Tal. Buga-Blog

One Night Stand in Salzig

Ein ordentlicher deutscher Jägerzaun-Campingplatz nach allen Regeln der Verwaltungskunst ist es nicht, was der Verkehrs- und Verschönerungsverein Bad Salzig plant. Aber ein „Trekking Camp“ für mobile Outdoor-Fans. Auf einer Wiese unterhalb der Vereinshütte sollen Wanderer für eine Nacht ihre Zelt aufschlagen dürfen. Das Angebot für Camping-Puristen umfasst neben grüner Mittelrhein-Natur eine Feuerstelle mit Sitzgelegenheiten und für den Fall der Fälle eine Kompost-Toilette. In der Pfalz ist das Konzept „Trekking Camp“ schon länger bekannt und erfolgreich. Rhein-Zeitung

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Bankenschwund in St. Goar und Triebstörung in Rüdesheim

Die gute Nachricht ist: In St. Goar gibt es immer noch eine Sparkasse und eine Volksbank. Menschen arbeiten in den Filialen aber nicht mehr. Nach der Teilschließung der Volksbank 2016 hat auch die Sparkasse endgültig auf Automaten-Service umgestellt. Immerhin gibt es für die freigewordene Schalter- und Bürofläche eine sinnvolle Weiternutzung. Laut „RZ“ zieht dort die städtische Tourist-Info ein. Mit dem Sparkassen-Automaten ist St. Goar im Vergleich zu Bacharach noch gut bedient: Dort ist die Sparkasse mittlerweile ganz verschwunden. Dafür hält die Volksbank noch mit Mensch und Maschine die Stellung. Rhein-Zeitung

Burg Rheinfels gehört der Stadt St. Goar. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Blick auf St. Goar. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Friedrich Gier

Triebstörung in Rüdesheim

In den vergangenen Jahren gab es in den Mittelrhein-Weinbergen vor allem ein Problem: Wann gibt es endlich Regen? Abgesehen von den Trockenschäden waren die Jahrgänge fast schon Selbstläufer. An den Stöcken hing mal mehr (2018) und mal weniger (2019), aber die Qualität war gut und größere Ausfälle gab es nur vereinzelt. Das Weinjahr 2021 ist deutlich sportlicher gestartet. Am ersten Juni-Wochenende haben Unwetter vor allem in Rüdesheim und Assmannshausen  erhebliche Schäden angerichtet. Oberhalb der Burg Ehrenfels war besonders heftig. Der „Wiesbadener Kurier“ berichtet über 50 Liter Regen pro Quadratmeter und Hagel. Laut Weinbauberater Bernd Neckerauer brachen Triebe ab und Gescheine wurden beschädigt. Hinzu kommt: Der aktuelle Mix aus Niederschlag und warmen Wetter ist ein Paradies für Pilzkrankheiten. Das staatliche Weinbauamt empfiehlt den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Wiesbadener Kurier

Das neue Gesicht der Rheinallee

Apropos Rüdesheim: Die Stadt will ihre Bürger an den Planungen rund um die Rheinallee beteiligen. Dabei geht es u. a. um die Gestaltung der zukünftigen Bahn-Haltestelle. Der Neubau wird nötig, weil der denkmalgeschützte Bahnhof am Ortsausgang Richtung Assmannshausen nicht barrierefrei umgebaut werden kann. Ideen und Hinweise sollen ab Juli in einen Architektenwettbewerb einfließen. Wer mitmachen will: Auf der Website „Rüdesheim gestalten“ gibt es alle wichtigen Infos.

Lahnstein erwacht aus dem Kultur-Koma

In Lahnstein ist die kulturlose Zeit vorbei. Den Neustart nach dem Lockdown feierte das kleine Stadttheater mit einem Chanson-Abend. Silva Heil und Ulrich Cleves präsentierten im Garten des Nassau-Sporkenheimer Hofes Lieder von Edith Piaf und Marlene Dietrich. Das Publikum war so ausgehungert, das noch nicht einmal ein heftiger Regenguss zwischendurch störte. Rhein-Zeitung, Theater Lahnstein

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„Den Nutzen hat nur der, der die Brücke vor der Haustür und ein Auto hat“

Die bundesweit verbreitete Ankündigung der Mittelrhein-Fährleute sorgt immer noch für Aufregung: Wenn die Brücke kommt, ist mit dem Fährverkehr Schluss. „AZ“-Reporter Jochen Werner hat sich bei 3 Betrieben umgehört. Der Niederheimbacher Michael Schnaas schippert in gut 20 Kilometer Entfernung zum geplanten Brückenstandort über den Rhein. Trotzdem rechnet er im Ernstfall mit 30 Prozent Umsatzrückgang. Damit rechne sich das Geschäft nicht mehr, ist er sich sicher. Ihm selbst kann es egal sein, denn bis die Brücke kommt, geht er in Rente. Aber ein Welterbetal mit nur einer Fähre – Bingen/Rüdesheim ist von St. Goar und St. Goartshausen weit genug weg um weitermachen zu können – wäre für viele Mittelrheiner ein Desaster. Wer etwa von Niederheimbach ins gegenüberliegende Lorch will, müsste dann insgesamt 40 Kilometer mit dem Auto fahren – oder 26 Kilometer plus Fähre bei Bingen. Die Brücke würde die beiden Rheinseiten nicht verbinden, sondern außerhalb von St. Goar und St. Goarshausen die Trennung noch vertiefen, glaubt Schnaas. Den Nutzen habe „nur der, der die Brücke vor der Haustür und ein Auto hat“.

Lorch-Panorama von Fotograf Frank Gallas für Romantischer Rhein Tourismus.

Ohne Fähre wäre die Verbindung zwischen Lorch und Niederheimbach gekappt.  Foto: Frank Gallas / Romantischer Rhein Tourismus.

In St. Goar weist Anne Hammerl von der Loreley-Fähre auf die ungeklärte Situation für Fußgänger hin: Weil die Brücke weit außerhalb des Stadtkerns gebaut werden soll, wäre der innerstädtische Wechsel von hüben nach drüben nicht mehr möglich. Ohne Fähre müsste ein Busverkehr eingerichtet werden, der über den Umweg Fellen und Wellmich z. B. Schüler nach St. Goarshausen bringt. Kevin Kilb von der Fähre Kaub fragt im „AZ“-Artikel „Warum Geld für eine Brücke rausschmeißen, die im Anschluss ohnehin vernachlässigt wird?“ Er schlägt vor, das Geld für die Brücke lieber in die öffentliche Finanzierung der Fähren zu investieren. Mittelfristig haben die Fährleute wenig zu befürchten – die Bauarbeiten für die Brücke beginnen frühestens Anfang der 30er Jahre. Trotzdem wirkt sich die Brückendiskussion schon jetzt auf ihre Planungen aus. Wegen der unsicheren Lage werden Investitionen auf Eis gelegt und Nachfolgeregelungen verzögert. Für Banken und potenzielle Bewerber werden die Fährbetriebe zunehmend unattraktiv. Eine Abwärtsspirale setzt sich in Gang, die das Überleben der Fähren immer schwieriger macht. Je weniger Zukunftsperspektive, desto größer die Bereitschaft, aufzugeben. Allgemeine Zeitung

Spätfolgen in Kestert

Apropos Verkehrsprobleme: 12 Wochen nach dem Felssturz bei Kestert ist weiterhin unklar, wie örtliche Grundstückseigentümer zu ihren Flächen kommen. Die Bahn hat im Zuge der horrend teuren Hangsicherung eine Autozufahrt gesperrt. Jetzt ist der Bau einer neuen Unterführung im Gespräch. Das Problem: Genehmigung, Planung und Bau könnten sich bis zu 5 Jahre hinziehen – falls die Bahn überhaupt die erforderlichen Millionen bereitstellt. Rhein-Zeitung

Erleuchtung in Rhens

Der Zweckverband Welterbe ist die einzige Instanz für das gesamte Obere Mittelrheintal. Die Mitgliedsbeiträge aller Gebietskörperschaften inklusive der beiden Länder Hessen und Rheinland-Pfalz ermöglichen u. a. Förderungen für regionale Projekte. Gerade wurde der neue Haushalt verabschiedet. Laut „RZ“ stellt der Zweckverband 74.000 Euro für „Rheinleuchten“ bereit. Die Illuminationsshow für alle musste wegen Corona ausfallen und ist jetzt für den Spätsommer geplant. 48.000 Euro gibt es außerdem für die regelmäßige Beleuchtung des Rhenser Königstuhls. Derzeit versinkt die größte Attraktion der Stadt noch jeden Abend in Dunkelheit. Bei besonderen Anlässen musste ein Dieselmotor für den notwendigen Strom sorgen. Zuschüsse gibt es auch für die Zertifizierung zum Welterbe-Gastgeber, die Weiterentwicklung der William-Turner-Route, die Vermarktung der Mittelrhein-Kirsche und für das Festival „An den Ufern der Poesie“, das 2021 abgesagt werden musste und 2022 neu startet. Rhein-Zeitung

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Ein Beitrag geteilt von Claudia Döhring · Rheingucken® (@rheingucken)

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