Seit 2016 wird das Loreley-Plateau neu gestaltet. Wenn die Bagger verschwunden und über 18 Millionen Euro verbaut sind, soll das weltweite Symbol des Mittelrheins in der touristischen Champions League spielen. Aber es gibt Kritiker am Großprojekt. Einer der leidenschaftlichsten unter ihnen ist Matthias Pflugradt. Den markantesten Lebenslauf hat er auf jeden Fall: Er ist Literatur- und Musikagent und gleichzeitig Bestatter bei Dirk Born in St. Goarshausen. 7 Fragen an einen Loreley-Liebhaber und Rebellen.

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Matthias, du stammst aus Nochern bei St. Goarshausen, warst zwischendurch in Bayern und bist wieder zurückgekommen. Was hat dich wieder an den Mittelrhein gezogen?

Wenn man es genau nimmt, bin ich zweimal zurückgekommen. Einmal, als ich meine Ausbildung zum evangelischen Diakon abgebrochen und meinen Zivildienst im Turner- und Jugendheim auf der Loreley aufgenommen habe. Ein zweites Mal, als ich von einer projektbezogenen Zusammenarbeit mit Leslie Mandoki und Peter Maffay zurückkam. Und jedes Mal war es ein unglaubliches Gefühl, mit dem Zug aus dem Loreley-Tunnel herauszufahren und die Heimat wiederzusehen.

Du beschreibst dich selbst als „erbitterten Gegner der Neugestaltung des Loreley-Plateaus“. Was stört dich daran?

Wieviel Zeit haben wir? An diesem Projekt stört mich alles. Vor allem aber, wie die Politik, egal welche Partei, mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf der Loreley umgegangen ist. Das war widerwärtig und bleibt verabscheuungswürdig.

Einer meiner besten Freunde war knapp 30 Jahre Herbergsvater im Turner- und Jugendheim. Ihm und seiner Familie wurde ohne Dank der Stuhl vor die Türe gesetzt. Sowohl die Jugendherberge als auch das Berghotel hätten mit gezielten Eingriffen optimiert werden können. Stattdessen macht man alles platt, um im Nachsatz zu beklagen, dass es in der Region an Übernachtungsmöglichkeiten fehlt.

Loreley-Video 2016:

Im gleichen Atemzug renoviert man dann eine marode Jugendherberge in St. Goar, reißt aber zuvor eine funktionstüchtige auf der Loreley ab. Das passt alles nicht zusammen. Den Mythos, den man erwecken möchte, den hat man mit der Neugestaltung endgültig begraben. Zumal von Beginn an die Freilichtbühne auf der Loreley außen vor gelassen wurde. Denn Musik ist für mich der Faktor auf der Loreley, der sich verkaufen und vermarkten lässt.

Wen interessieren geologische Studien und historische Betrachtungen auf Heine und Brentano? Keine Sau! Der Pächter der Loreley Freilichtbühne hätte zur Vermarktung der Freilichtbühne auch außerhalb der Saison noch viele und neue Ideen, wenn man ihn denn man so arbeiten ließe, wie er denn wollte. Auch ihm werden seit Jahren Steine in den Weg gelegt. Wir könnten heute auf der Loreley weiter sein, wenn wir die Freilichtbühne und deren Betreiber von Beginn an angehört und mit einbezogen und vor allem alle Beteiligten an einen Tisch bekommen hätten. Das hat vor allem die Verbandsgemeinde Loreley versäumt.

Loreley-Video 2018:

Was stört dich noch am Oberen Mittelrheintal?

Am Oberen Mittelrheintal stört mich nichts. Im Gegenteil. Ich liebe die Orte, die Menschen, die Landschaft. Das ist meine Heimat. Was mich stört, das ist die kleingeistige Politik. Das in Grenzen denkende. Da plant man zum Beispiel eine BUGA 2029, aber es wird nicht möglich sein, im ÖPNV im direkten Weg von Kestert auf schnellem Weg nach St. Goar zu fahren. Egal ob per Fähre oder Bus. Da gibt es zwei verschiedene Kreise, verschiedene Verkehrsverbünde, und man schafft es nicht, gemeinsame Sache zu machen? Das verstehe ich nicht…

Du hast eine ziemlich ungewöhnliche Vita. Du bist Medienprofi, arbeitest aber auch als Bestatter. Wie kam es dazu?

Beides waren Glücksfälle oder Produkte des Zufalls. Meinen Job im Medienbereich habe ich zum Beispiel im Preisausschreiben bei SWF 1 gewonnen. Da wollte die Radiolegende Ferdinand Keller wissen, welches Bild auf einem bestimmten Album von Phil Collins zu sehen war. Ich wusste es, gewann, bekam aber nie eine Reaktion auf meinen Gewinn. Briefe und Telefonate, alles ewig unbeantwortet. Dann rief mich Otto Meyer an, Musikredakteur bei SWF 1. Ich wurde von ihm ins Studio von SWF 1 eingeladen und lernte dort Leslie Mandoki kennen. Der hatte gerade die Red Rooster Studios von Peter Maffay übernommen. So kam ich zu Leslie Mandoki und Peter Maffay.

Zum Bestatter bin ich durch den Beruf meines Papas gekommen. Der war evangelischer Pfarrer. Bestatter und Pfarrer kennen sich naturgemäß ziemlich gut. Als kleiner Bub wollte ich immer „Beerdiger“ werden. Als ich dann 2012 auf der Beisetzung eines lieben Bekannten war, kam ich mit dem örtlichen Bestatter ins Gespräch. Seither arbeite ich für Bestattungen Born in St. Goarshausen.  

Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen. Du könntest kandidieren und versuchen, deine Vorstellungen von St. Goarshausen umzusetzen. Trittst du an? Und was würdest du anders machen?

Wenn es meine berufliche Situation zulässt, dann kandidiere ich auf jeden Fall. Vielleicht sogar als Bürgermeister. Ich möchte vernetzen. Menschen ins Gespräch bringen, das Miteinander fördern. Wir denken im kommunalpolitischen Bereich zu sehr in Grenzen. St. Goar und St. Goarshausen bezeichnen sich immer als Schwesterstädte. Im realen Leben wird das aber nicht sichtbar. Ich möchte gerne St. Goarshausen zu einem Mittelpunkt für die Gemeinden, auch und vor allem auf den Rheinhöhen machen. Das Mittelzentrum tatsächlich als solches darstellen. Gemeinsamkeiten aufbauen, fördern und darstellen.Die Gastronomie, die sich in den letzten Jahren ganz großartig entwickelt hat, mehr in den Vordergrund stellen. Wir haben hier tolle Unternehmer(innen), die aber immer nur dann in den Vordergrund rücken, wenn sie durch die Touristikabgabe abkassiert werden sollen. Das ist wachstumshemmend.

Die Gastro-Studie der Verbandsgemeinde Loreley ist eine Bankrotterklärung und wird all diesen Unternehmern nicht gerecht. Hier wird pauschalisiert und über einen Kamm geschoren. All jene, die diese Studie erstellt haben, haben niemals einen gastronomischen Betrieb im Oberen Mittelrheintal besucht oder sich mit den Unternehmern vor Ort unterhalten. Ich möchte das Gespräch und den Austausch fördern, Wachstum voranbringen sowie Gemeinden vernetzen.

Brauchen wir die Brücke?

Wir brauchen vor allem eine klare wie regelmäßige, verlässliche Verbindung von hier nach dort. Auch und vor allem in den Verkehrsverbünden. Die kommen mir bei der Brückendiskussion immer viel zu kurz. Wie kann ich denn im Fall einer Brücke komplikationslos von Nochern nach Emmelshausen mit dem Bus fahren? Eine Brücke wäre wunderbar, noch besser wäre ein Tunnel, aber der ist nicht finanzierbar. Aber auch die Fähren liegen mir am Herzen. Es ist ein unbeschreibliches Erlebnis, mit der Fähre von hier nach dort zu fahren. Wie auch schon vorhin genannt. Egal wie, wir müssen in Verbindung kommen. Regelmäßig. Ohne Grenzen.

Apropos Verbindungen auf die anderen Seite: Welcher Ort am linken Ufer hat es dem rechtsrheinischen Matthias Pflugradt besonders angetan?

Da steht Boppard bei mir ganz vorne. Wer nach Boppard kommt, der sollte sich unbedingt ins „Café am Markt“ von Michael und Mona Sorko verirren. Denn hier gibt es die weltbesten Rosinenschnecken, hausgemachte Pralinen und zahlreiche andere Leckereien. Und dann gibt es noch den Bopparder Buchladen. Da verliere ich regelmäßig mein Geld.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Bisher in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Journalisten und Winzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim) – Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel) – Bernd und Marion Stahl (Gastronomen in Boppard) – Markus Hecher (Burgherr auf Rheinstein) – Timo Ahrens (Strandbar-Gründer aus Oberwesel) – Philipp Loringhoven (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Carolin Riffel (Winzerin aus Bingen) – Sarah Hulten – Ex-Weinkönigin, Winzerin und Riesling-Influencerin aus Leutesdorf – Walter Mallmann (Politiker aus St. Goar) – Franziskus Weinert (Einzelhändler und E-Commerce-Experte aus Oberwesel) – Klaus Becker (Präsident der TH Bingen) – Marek Gawel (Hotelier aus Boppard) – Andreas Roll (Initiator der Bopparder „Stolpersteine“, Kommunalpolitiker und Verkehrsplaner) – Rolf Wölfert (Tourismuschef in Rüdesheim) – Joachim Noll und Susanne Pander(Reeder in Boppard) – Tanja Werle (Bloggerin im Rheingau) – Anna Elisabeth Bach (Pensionsbesitzerin, Heilpraktikerin und Himalaya-Reisende aus Boppard) – René Klütsch (Koch und Gastronom in Boppard-Weiler) – Herbert Piel (Fotograf aus Holzfeld) – Andreas Stüber (Hotelier und Koch aus Bacharach) – Claudia Schwarz (Tourismus-Managerin und Welterbe-Repräsentantin aus St. Goar) – Sonja Spano (Restaurant-Einrichterin und Raumausstatterin in Boppard) – Marcel D’Avis (Banker und Designer aus Oberwesel) – Gero Schüler (Winzer und Student aus Steeg) Marlon Bröhr (Landrat des Rhein-Hunrück-Kreises)

Werbung: Das Schönste an der Loreley …

…. ist der Blick darauf. Gegenüber in Maria Ruh startet am 1. Juni neue „Classix“-Saison mit insgesamt 13 Open-Air-Events bis in den September hinein. Tickets können schon jetzt bestellt und natürlich auch unter den Weihnachtsbaum gelegt werden. Hier geht’s zur Programm-Übersicht und hier zum Ticket-Shop.

2018 gab es auf Maria Ruh u..a eine "Johann-Strauss-Gala". Foto: Anna Becker / Schloss Rheinfels

2018 gab es auf Maria Ruh u..a eine „Johann-Strauss-Gala“. Foto: Anna Becker / Schloss Rheinfels

Termine des Tages

Boppard – Bopparder Winterzauber  und verkaufsoffener Sonntag – 2. Dezember, ab 11 Uhr. boppard.de

Rüdesheim – Sektpräsentation mit Kellerführung und Live-Degorgieren im Sekthaus Solter – 2. Dezember, 11-18 Uhr. ruedesheim.de

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté light – 2. Dezember, 11 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Burg Rheinstein – „Märchenhafte Weihnachtsburg“ – 2. Dezember, ab 12 Uhr. VG Rhein-Nahe

Burg Reichenstein – „Von mutigen Maiden und raffinierten Rittern“ / Rittergeschichten auf Burg Reichenstein – 2. Dezember, 13 Uhr. VG Rhein-Nahe

Filsen – Weihnachtsmarkt mit Mittelrheinkirschen – 2. Dezember, 13 Uhr. filsen.de

Oberwesel – Historischer Weihnachtsmarkt – 2. Dezember, ab 13 Uhr. oberwesel.de

Rüdesheim – Krimi-Wanderung „Gruseltour zur Germania“ mit Wolfgang Blum und Leila Emami,  2. Dezember, 13 Uhr 45. mords-mittelrhein.de

Assmannshausen – Assmannshäuser Weihnachtsmarkt – 2. Dezember, ab 14 Uhr. ruedesheim.de

Bingen – „Der kleine Lord“ / Theater im Kulturzentrum – 2. Dezember, 15 Uhr. bingen.de

Bingen – Adventskonzert des Johanneschors – 2. Dezember, 17 Uhr. bingen.de

Oberwesel – Adventsmusik der Oberweseler Chöre – 2. Dezember, 18 Uhr. oberwesel.de

Bingen – Chanukka / Jüdisches Lichterfest – 18 Uhr. bingen.de

Festung Ehrenbreitstein – Festungsvarieté  / Dinnershow – 2. Dezember, 19 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Lahnstein – „Die Feuerzangenbowle“ / Theater in der Stadthalle – 2. Dezember, lahnstein.de

Boppard – „Johnny English: Man lebt nur dreimal“ / Kino in der Stadthalle – 2. Dezember, 20 Uhr. boppard.de

Foto des Tages

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