Eigentlich arbeitet Michael Stein als Ingenieur, aber er ist einer von vielen Menschen am Mittelrhein, die sich nach Feierabend in der Kommunalpolitik engagieren. Stein führt im Binger Stadtrat die CDU-Fraktion. Im Superwahljahr 2019, in dem Bingen über ein neues Kommunalparlament und über den Oberbürgermeister abstimmt, gibt es besonders viel zu tun – zum Beispiel, wenn es um den umstrittenen „Stadteingang West“ und die Probleme im Einzelhandel geht. 7 Fragen an einen Freizeit-Politiker mit professionellem Einsatz.

Michael Stein vor der Binger Rochuskapelle. Foto: CDU Bingen

Michael Stein vor der Binger Rochuskapelle. Foto: CDU Bingen

Du bist Fraktionsvorsitzender deiner Partei im Binger Stadtrat. Wie viel deiner privaten Zeit geht für dein Engagement drauf?

Für die Arbeit als Fraktionsvorsitzender gehen pro Woche im Schnitt zwischen 16 und 20 Stunden drauf. Hinzu kommen die Ausschusssitzungen und deren Vorbereitung.

Was motiviert dich?

Die Zustimmung und positiven Rückmeldungen, denn wer wird nicht gerne gelobt. Allerdings freue ich genauso über konstruktive Kritik, der ich mich gerne stelle, und die auch immer wieder neue gedankliche Ansatzpunkte bietet.

Deine CDU stellt mit Thomas Feser den Oberbürgermeister und gilt in Bingen als die Nummer 1. Trotzdem läuft es nach meinem Eindruck nicht immer rund für euch. Eine der Kontroversen betrifft den so genannten „Stadteingang West“, also das Areal am Rhein-Nahe-Eck und am Fruchtmarkt. Wie alt ist euer Plan zur Neugestaltung?

Ich fange von hinten an, die aktuellen Pläne sind von 2016. Die Entwurfsplanung ist also sehr neu und keinesfalls eine jahrzehntealte Planung. Die ersten Überlegungen waren auf das Rhein-Nahe-Eck begrenzt. Danach war lange Ruhe. Erst seit der Gotthardbasistunnel fertig ist und der Verkehr auf der Bahnstrecke Rotterdam-Genua durch das Mittelrheintal stark zunimmt – das Ende ist noch nicht abzusehen -, kam Bewegung in das Projekt.

Dem Oberbürgermeister Thomas Feser ist es zu verdanken, dass in relativ kurzer Zeit Bahn, Bund und Land an einen Tisch gefunden haben, und im Anschluss die Fördermittel und Kostenbeteiligungen dann dieses Projekt realisierbar machten. Die Planungen wurden beauftragt, und die Realisierungsphase wurde konkret. Das Motto lautet „Chancen erkennen und diese Chancen dann ergreifen“. Das ist es, was wir als CDU und der Oberbürgermeister immer wieder gemeinsam tun.

Die Anfänge des Stadteingangs West gehen auf eine Rahmenvereinbarung von 1978 zurück, nach der die damaligen 3 Bahnübergänge geschlossen werden sollten. Heute ist davon noch einer übrig. Die beiden anderen, Übergang Hafen an der Mainzer Straße und an der heutigen Touristinformation, sind schon lange durch Unterführungen für Fußgänger und die Hafenbrücke ersetzt.

Diese Anfänge haben aber mit der heute vorliegenden Planung nur noch in den Grundzügen etwas gemeinsam. Daher wurde auch der Projektname geändert in „Neugestaltung Stadteingang West“. Dies zeigt die größere Dimension.

Rhein-Nahe-Eck der Zukunft. Foto: Stadt Bingen

Rhein-Nahe-Eck mit Auto-Unterführung. Foto: Stadt Bingen

Die Binger SPD schlägt eine günstigere Lösung vor, die u. a. auf eine Auto-Unterführung zwischen Rhein und Innenstadt verzichtet. Was ist dagegen einzuwenden?

Günstiger? Was meinst du damit? Bei den Gesamtkosten gebe ich dir möglicherweise Recht. Wenn man aus der Malerei der Kollegen etwas ablesen kann, ist es allenfalls das, dass sie – nach der zwischenzeitlichen totalen Ablehnung – erkannt haben, dass etwas getan werden muss.

Alleine die Parkhäuser, deren Realisierungsfähigkeit und Standortmöglichkeiten keinesfalls als sicher angenommen werden können, verschlingen den städtischen Anteil an unserem Projekt von 6 Mio. Euro.

Für die Stadt Bingen wird es auf alle Fälle teurer. Die notwendigen Kosten für ein komplett neues Planungsverfahren und die Kosten für jetzige Planung kommen hier noch on top.

Den Vorschlag als günstigere Lösung zu bezeichnen, ist nicht korrekt, jedenfalls nicht nach den mir vorliegenden Zahlen.

Skizze der Binger SPD. Bild: SPD

Alternativvorschlag der SPD. Parkhaus statt Auto-Tunnel.

Könnte die Frage in einem Bürgerentscheid geklärt werden?

Inwieweit die bestehenden Verträge noch rückgängig gemacht werden können, kann ich nicht abschätzen. Was aber sicher ist, ist dass bei einem Ausstieg Ausgleichszahlungen fällig werden, deren Höhe zum jetzigen Zeitpunkt nicht beziffert werden können, die aber mit Sicherheit jenseits von 1,5 Mio. Euro liegen.

Leerstehende Läden und Unordnung vor dem City Center sind weitere Themen, die die Binger bewegen. Warum hat der Binger Einzelhandel größere Probleme als der in Boppard?

Wer durch die Stadt geht, sieht die Leerstände, daher sind Probleme augenscheinlich. Wenn es eine einfache Lösung geben würde, wäre diese sicher schon ergriffen worden.

Die Probleme sind vielschichtig, und sicherlich gibt es daher auch viele Lösungsansätze, die aber alle alleine genommen nicht das Gesamtproblem lösen.

Was uns allen nicht weiterhilft, ist das Schlechtreden des Standortes. Das ewige Jammern über fehlende Parkplätze, teure Parkgebühren oder schlechte Angebotsvielfalt machen es für die Binger Einzelhändler sicher nicht leichter.

Dabei bieten viele ein tolles Angebot, so dass sich ein Besuch mehr als lohnt.

Welche Lokale, welche Läden und welche Orte kannst du in der Stadt besonders empfehlen?

Bingen ist immer eine Reise, einen Ausflug und einen Besuch wert. Bingen bietet für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas, daher fällt es schwer, ein Angebot hervorzuheben, denn dies würde gleichzeitig die übrigen Angebote abwerten. Bitte verzeihen Sie mir, wenn ich auf diese Frage so ausweichend antworte.

Schlussedaktion: Natascha Meyer

Binger Weinberge. Foto: Stadt Bigen.

Binger Weinberge. Foto: Stadt Bingen.

Zuletzt in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Claudia Schwarz (Tourismus-Managerin und Welterbe-Repräsentantin aus St. Goar) – Sonja Spano (Restaurant-Einrichterin und Raumausstatterin in Boppard) – Marcel D’Avis (Banker und Designer aus Oberwesel) – Gero Schüler (Winzer und Student aus Steeg) Marlon Bröhr (Landrat des Rhein-Hunrück-Kreises) – Matthias Pflugradt (Medienprofi, Bestatter und Loreley-Rebell aus St. Goarshausen) – Heinz-Uwe Fetz (Weinbau-Präsident, Winzer und Gin-Macher aus Dörscheid) – Michael Maul (Sprecher der Fährbetriebe am Mittelrhein) Martin Nickenig (Bäckermeister in Boppard)Walter Bersch (Bürgermeister von Boppard) – Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg)Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein)

Termine des Tages

Lahnstein – 17. Internationale Lahnsteiner Modellbahntage – 10. März, ab 11 Uhr. mec-lahnstein-koblenz.de

Lorch – 1. Schlenderweinprobe des neuen Netzwerks „Bakaloni“ – 10. März, 14 Uhr 30. lorch-am-rhein.de

Bingen – Saisoneröffnung im Museum am Strom – 10. März, 10 Uhr – 17 Uhr. bingen.de

Boppard – „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ / Kino in der Stadthalle- 10. März, 20 Uhr. boppard.de

Foto des Tages

Sonntags kommt Mittelrheingold mit der Post

Der wöchentliche E-Mail Newsletter „Mittelrheingold Auslese“ sammelt die besten Artikel, Videos und Termine. Hier geht’s zum kostenlosen Sonntags-Abo.