Seit 2015 finanziert das Land Rheinland-Pfalz den „Burgenblogger“ auf  der Sooneck. Der finanzielle Aufwand dafür ist überschaubar, aber die Wirkung enorm. Zum Start war es DAS Mittelrhein-Projekt schlechthin. Es sorgte für bundesweite Aufmerksamkeit und vermittelte dem Tal erstmals ein Gemeinschaftsgefühl. Das Burgenblogger-Projekt regte weitere Initiativen an, darunter eine Facebook-Gruppe mit mittlerweile über 4200 Mitgliedern. Ohne das wäre wahrscheinlich auch dieses Blog hier nie entstanden. Mit Christoph Bröder ist am 1. Juni Burgenblogger Nr. 4 auf Burg Sonneck eingezogen. Genau wie seine Vorgänger Jessica Schober (2015), Moritz Meyer (2016) und Timo Stein (2017) will Christoph seine eigenen Akzente setzen. 7 Fragen an einen Burgbewohner und Drohnenpiloten.

Christoph Bröder ist seit dem 1. Juni Burgenblogger auf Sooneck. Foto: Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz

Christoph Bröder ist seit dem 1. Juni Burgenblogger auf Sooneck. Foto: Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz / Werner Dupuis

Das Burgenblogger-Projekt hat seit 2015 eine Menge bewegt und war Initialzündung für viele andere Projekte, darunter auch für diese hier. Warum hat es diesmal so lange gedauert?

Es hat zwei Gründe, warum das Projekt in diesem Jahr erst im Juni begann. Zum einen habe ich Ende Mai erst mein Volontariat bei der Rhein-Zeitung beendet. Zum anderen habe ich mich gemeinsam mit den drei Projektpartnern bewusst dafür entschieden, den Zeitraum mal zu verlagern. So ergibt sich das Potenzial, Ende des Jahres neue/andere Geschichten im Tal umzusetzen. Was passiert, wenn die Touristen weg sind? Ist dann überhaupt noch was im Tal los? Das gilt es, herauszufinden.

Gelten noch dieselben Konditionen wie für die erste Burgenbloggerin Jessica? Damals bekam der Burgenblogger vom Land 2000 Euro pro Monat und sollte noch Freiraum für andere Jobs haben. Quasi ein Teilzeitjob – falls das überhaupt realistisch ist. Wie organisierst Du das?

Bisher waren meines Wissens nach alle Burgenblogger selbstständig. Ich habe mich nun aber bei der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz anstellen lassen. Die Konditionen sind aber geblieben. Ich weiß nicht, ob ich parallel nun noch andere Jobs machen kann. Das habe ich aber auch gar nicht vor. Ich möchte mich voll und ganz auf das Burgenblogger-Projekt konzentrieren. Nach den ersten Tagen kann ich auch jetzt schon sagen, dass mich das ziemlich einspannt.

In welchem Verhältnis stehst Du zu den Projektpartnern „Rhein-Zeitung“, „Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz“ und „Generaldirektion Kulturelles Erbe“? Wer ist für was zuständig und mit wem tauscht Du Dich am meisten aus?

Da ich mein Volontariat ja bei der „Rhein-Zeitung“ absolviert habe, kenne ich dort natürlich viele Redakteure und Reporter. Ich bin nun aber selbst dort nicht mehr angestellt, schreibe also nicht für die „RZ“. Ich bin nach wie vor völlig frei in dem, was ich als Burgenblogger tue. Wie auch bei meinen Vorgängern, werden aber sicherlich auch mal Texte von mir in der RZ erscheinen. Und ich halte auch Kontakt zur „RZ“, ebenso wie zu den anderen beiden Partnern. Angestellt bin ich wie gesagt bei der Entwicklungsagentur, d.h. die bezahlen mich auch. Das Auto kommt ebenfalls von der Entwicklungsagentur. Die „RZ“ hat mich technisch ausgestattet mit Hard- und Software. Und zur GDKE pflege ich Kontakt bezüglich Veranstaltungen usw. im Tal. Die kennen das Tal eben noch ein gutes Stück besser als ich.

Du setzt sehr stark auf Fotos und Videos. Welche Hardware verwendest Du? Die Drohne interessiert mich besonders.

Von meinem Equipment mache ich bald mal ein Foto und lade es bei Facebook hoch. Das hatte ich ohnehin schon geplant, weil ich denke, das könnte manche interessieren. Ich nutze hauptsächlich eine Fuji XT-20 mit einem Fuji 16-55mm 2.8 Objektiv. Außerdem habe ich noch 4 alte Olympus-Linsen, die ich per Adapter an der Fuji anbringen kann. Eine Canon 500d mit Sigma 70-200mm 2.8 Objektiv nutze ich für Tele-Aufnahmen. Außerdem habe ich noch eine Actioncam, verschiedene Stative und ein Mikro im Rucksack. Der ist dementsprechend schwer.

Die Drohne ist eine DJI Phantom 4, soweit ich weiß. Die kommt auch von der „RZ“, ist aber noch nicht in meinem Besitz. Ich muss noch als Drohnenpilot eingetragen und versichert werden. Und falls Dich Software auch interessiert: Ich bearbeite mit Adobe Lightroom meine Fotos, Videos am Smartphone mit iMovie und will mir auch noch Adobe Premiere für Videoschnitt am PC aneignen.

Im YouTube-Kanal des Burgenbloggers hat sich seit den Videos von Jessica Schober 2015 wenig getan. Willst Du das ändern oder konzentrierst Du Dich wie Deine Vorgänger bewusst auf andere Social-Media-Plattformen?

Da habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Ich glaube aber, ich lasse Youtube weiter ruhen. Die meisten Videos kommen wohl via Facebook und Instagram. Lediglich wenn ich mal ein aufwendigeres Video im Blog einbinden möchte, reaktiviere ich mal Youtube. Man muss es ja auch mal so sehen: Ich bespiele jetzt schon vier Plattformen: den Blog, Facebook, Instagram und Twitter. Das reicht mir eigentlich auch aus.

Du bist bei einer Regionalzeitung ausgebildet worden und stehst noch am Anfang der journalistischen Laufbahn. Der Markt für Regionalzeitungen ist ziemlich schwierig geworden. Glaubst Du, dass es in 30 Jahren noch regionale Tageszeitungen geben wird und wie könnten sie aussehen?

Ich glaube, dass es in 30 Jahren noch einen Markt für regionalen und lokalen Journalismus gibt. Denn die Menschen wird auch dann noch interessieren, was vor der eigenen Haustür passiert. Ob das aber dann noch in Printform geschieht, wage ich zu bezweifeln. Die Abo-Zahlen der meisten regionalen Tageszeitungen in Deutschland sinken seit Jahren. Mehrere Generationen konsumieren schon jetzt Nachrichten nur noch online. Und da geht die Reise auch hin, schätze ich. Es gilt, neue Formate zu entwickeln. Wenn ich jedoch genau wüsste, wie der Markt sich in den kommenden Jahren entwickelt, wäre mir der nächste Job wohl sicher.

Die Frage nach einem Mittelrhein-Geheimtipp kommt wahrscheinlich viel zu früh. Trotzdem: Gibt es einen Ort oder ein Erlebnis, der bzw. das Dich in Deiner ersten Mittelrhein-Woche besonders beeindruckt hat?

Oberhalb der Burg Sooneck gibt es einen Platz, der sich „Siebenburgenblick“ nennt. Etwas weiter unterhalb davon gibt es ein ruhigeres Plätzchen, wo nicht so viele Leute vorbeikommen. Ein schroffes Stück Fels ragt dort aus dem Hang ins Tal hinein. Dort werde ich sicher noch öfter sitzen. Einen Lieblingsplatz auf der Burg habe ich noch nicht, dafür muss ich noch weitere Abende dort draußen verbringen. Positiv überrascht war ich von „Maria Ruh“ gegenüber der Loreley. Ich wusste nicht, dass dort auch eine Bühne aufgebaut ist, wo man den Sommer über Livemusik verschiedenster Genres hören kann. Da werde ich sicher auch nochmal hinfahren.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Bisher in der Reihe „7 Fragen an ….“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Weinliebhaber, Journalisten und Nebenerwerbswinzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) –Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard)Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“)Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim)

Termine des Tages

Boppard – Kinderwelterbetag – 10. Juni, 13 – 17 Uhr. boppard.de

Bacharach – „Auf Dichters und Malers Spuren“ / Führung mit Welterbe-Gästeführer Thomas Merz – 10. Juni, 14 Uhr. Zweckverband Welterbe

Oberheimbach – Reblauswandertag – 10. Juni. VG Rhein-Nahe

Bingen – Binger Comedy Nights – 10. Juni. bingen.de

Foto des Tages: Auf Schönburg

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