Der Traum von der eigenen Burg kann manchmal zum Albtraum werden. Bei Markus Hecher lief das eher umgekehrt. Er war entsetzt, als sein Vater in den 70er Jahren Burg Rheinstein zwischen Bingen und Trechtingshausen kaufte. Der damals heruntergekommene und von Betrügern ausgeplünderte Hohenzollernsitz ist heute ein Schmuckstück.  7 Fragen an einen engagierten Burgherren und Netzwerker, der nebenbei noch 3 Leichen im Keller hat.

Burgherr auf Rheinstein: Markus Hecher. Foto: Michael Leukel

Burgherr auf Rheinstein: Markus Hecher. Foto: Michael Leukel

Du warst 16 Jahre,  als dein Vater die Burg Rheinstein kaufte. Wie hast Du damals reagiert?

Ja, ich erzähle das immer wieder gerne; schließlich war es eben auch eine wichtige Entscheidung, die mein weiteres Leben sehr stark prägen sollte. Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich auf einer anderen Burg in Trechtingshausen, sodass ich dort eigentlich auch meine berufliche Zukunft gesehen hatte, doch es sollte anders kommen.

Mein Vater, Ex-Opernsänger und damaliger Pächter des Hotels auf Burg Reichenstein, hatte hautnah mitbekommen, was sich auf der Rheinstein in den 70er Jahren so abspielte, und als dann die Hare-Krishna-Sekte als Käufer der Burg auftauchte, witterte er die einmalige Chance, mit Protektion des Landkreises und der Landesregierung die Burg Rheinstein kaufen zu können. Hier kam voll der extrovertierte Künstler bei meinem Vater durch. Er, damals schon im Alter von 54 Jahren, sah Rheinstein als neue Bühne für sein Leben; die gewaltigen Probleme einer solch exponierten und sanierungsbedürftigen Burganlage konnte und wollte er nicht in der ganzen Tragweite sehen.

Ich war erschüttert über die Kaufentscheidung und sah keine wirtschaftliche Zukunft auf dieser runtergekommenen Burg, was mein Vater natürlich ganz anders sah. Erst Anfang der 80er Jahre, mit Unterstützung meiner Frau Cornelia, begann die Bereitschaft, in die Burg einzusteigen und dort eine Zukunft aufzubauen….und heute geht´s nicht mehr ohne :-).

Du bist wahrscheinlich der einzige Burgbesitzer am Mittelrhein, der ganz offiziell Leichen im Keller hat: In der Burgkapelle liegen 3 Mitglieder des früheren preußischen Königshauses begraben. Habt ihr die Gruft damals mitgekauft oder gibt es dafür eine Sonderregelung?

Man kennt ja den Spruch „Eine Leiche hat jeder im Keller“, wir haben halt gleich drei. Im Zuge der Kaufverhandlungen kam die Frage auf, ob die Sarkophage aus der Gruft zu einer anderen preußischen Ruhestätte überführt werden sollten. Da die Überführung allerdings auch für das Haus Hohenzollern sehr aufwändig und teuer geworden wäre, hat die rheinland-pfälzische Denkmalpflege entschieden, dass die historische Einheit der Kapelle und damit auch der letzte Wunsch der Preußenfamilie gewährt wurde und die Särge in der Gruft verblieben. Wir haben also sozusagen die „komplette“ Gruft mitgekauft.

Die Rheinstein ist für ihre schöne Lage berühmt und berüchtigt. Man kommt nur zu Fuß hoch. Wie regelt Ihr alltägliche Dinge wie Paketlieferungen oder Handwerkertermine?

Die Zuwegung der Burg ist eine tägliche Herausforderung, der wir uns gerne stellen und uns somit auch fit halten. Für die Postzustellung und die Paketdienste ist die Sache recht einfach, da am Einstieg zum Burgweg ein Briefkasten für die reinkommende und abgehende Briefpost aufgestellt ist. Die Pakete werden an einem vereinbarten Ablageort per Abstellgenehmigung deponiert, und wir übernehmen dann den Transport zur Burg per Einschienenbahn oder Traktor. Den Handwerkern nehmen wir den Materialtransport ebenfalls per Bahn oder Traktor ab, allerdings müssen die Handwerker dann zur Burg hochlaufen, bei 360 Metern Fußweg jedoch gut zu realisieren, und es ist alles eine Frage der persönliche Einstellung.

Was kostet Euch die Burg im Jahr und was geht am meisten ins Geld?

Ich hoffe, Du hast Verständnis dafür, dass ich ungern Beträge nennen möchte. Die Einnahmen, die wir mit der Burg erzielen, müssen zumindest den baulichen Ist-Zustand des Kulturdenkmals, den gesamten betrieblichen Unterhalt der Burg und unsere Existenz sichern. Für weitere denkmalpflegerische Maßnahmen kommen noch andere Quellen hinzu, u.a. aus Mitteln des Fördervereins „Freunde der Burg Rheinstein e.V.“ und aus Fördermitteln vom Land, Bund oder von Stiftungen.

Fördermittel sind aber keine Selbstläufer, sondern unterliegen großen Schwankungen. Z. Zt. versuchen wir, Rücklagen zu bilden, um in den nächsten Jahren wieder größere denkmalpflegerische Programmen in enger Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe zu realisieren.

Sehr kostenintensiv sind im Jahresverlauf neben den oben genannten Faktoren die gesamten Versicherungsbeiträge, die Tilgungen von Krediten, die Pflege und Wartung der Wege (Burgweg und Wanderwege auf unserem Gelände), die Instandhaltung der Transporttechnik zur Burg und nicht zuletzt die Beitrags- und Steuerlast.

Ihr finanziert das alles durch Eintrittskarten und Gastronomie. Wie hat sich der Burgen-Tourismus in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Der Burg-Tourismus hat sich parallel zum gesellschaftlichen Wandel stark verändert. Alles ist schneller, hektischer und leider teilweise auch etwas rauer geworden. Man muss heute anders als früher auf den Gast eingehen, er will bestens betreut sein und möglichst auch komplette „Sorglos-Pakete“ angeboten bekommen. Um die Attraktivität der Burg zu erhalten, muss man sich immer wieder neue Programme einfallen lassen, was wir mit verschiedenen Führungen oder unserem Weihnachtsprogramm versuchen umzusetzen.

Im Tal gibt es eine Reihe von Burgen mit Privateigentümern. Kennt man sich untereinander und tauscht man sich regelmäßig aus?

Ja, unter den Burgen hat sich die Nachbarschaft und der Kontakt stark zum Positiven verändert, und die Kanonen und Steinschleudern bleiben heutzutage unbenutzt im Museum stehen. Wir kommunizieren gut miteinander und betreiben sogar ein eigenes Burgen-Netzwerk. Dieses Netzwerk hat durch die BSA (Burgen-Schlösser-Altertümer Verwaltung) der Generaldirektion Kulturelles Erbe und die Romantischer Rhein Tourismus GmbH eine denkmal- und tourismusorientierte Trägerschaft gefunden und ist somit gut für die Zukunft aufgestellt. Etwas zynisch angemerkt, herrscht im Tal manchmal doch noch mehr „Kirchturmdenken“ als auf den Burgen hoch über dem Tal ;-).

Auch ein Burgherr macht mal Pause. Wo kehrt Markus Hecher gerne ein, wenn er am Mittelrhein unterwegs ist?

Zugegebenermaßen bleibt mir leider meist wenig Zeit, mal mit meiner Frau gemütlich durchs schöne Mittelrheintal zu fahren oder zur radeln. Wenn wir uns dann mal jedoch eine kleine Auszeit gönnen, machen wir am liebsten bei Betrieben Halt, die sich für das Mittelrheintal engagieren, und das werden erfreulicherweise ja auch immer mehr, wie z.B. die Welterbe-Gastgeber oder unsere Nachbarn, die Burg ReichensteinMein Geheimtipp wäre vielleicht noch der Gutsausschank vom Weingut Fendel in Niederheimbach. Hier bekommt man samstags und sonntags ab 17 Uhr wunderbare eigene Weine und leckere Wildspezialitäten. Jens Fendel ist nicht nur sehr guter Winzer sondern auch leidenschaftlicher Jäger 😉

Schlussredaktion: Natascha Meyer

Burg Rheinstein im Netz: Website, FacebookInstagram

Bisher in der Reihe „7 Fragen an ….“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Weinliebhaber, Journalisten und Nebenerwerbswinzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim), Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel) – Bernd und Marion Stahl (Gastronomen in Boppard)

Termine des Tages

Lorch – „Oldie Sunday“ im Landmuseum Ransel – 1. Juli, ab 11 Uhr. lorch-rhein.de

Bingen – Öffentliche Führung „Stadtgeschichte“ im Museum am Strom – 1. Juli, 11 Uhr 45. bingen.de

Spay  – Tag der offenen Gärten / Familie Backes  (Rheinufer) – 1. Juli – Gartenroute Hunsrück-Mittelrhein

Bacharach – Tag der offenen Gärten / Familie Dechent („Garten am Strom“) – 1. Juli, 10 – 18 Uhr – Gartenroute Hunsrück-Mittelrhein

Bacharach –  „Bacharacher Burgen“ / Wanderung mit Welterbeführer Horst Maurer  – 1. Juli, 11 Uhr – Zweckverband Welterbe

Lorch – Konzert im Hilchenhaus mit Benjamin Reiter (Piano), Anna Marila (Violine) und Nils Biesweg (Viola) – 1. Juli, 17 Uhr. lorch-rhein.de

Foto des Tages

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