Er ist jung, er ist engagiert, nicht frei von Ehrgeiz, und wenn es drauf ankommt, geht er keinem Streit aus dem Weg – schon gar nicht mit der AfD. Der Bopparder CDU-Stadtrat Philipp Loringhoven gilt als Nachwuchshoffnung seiner Partei. Freiherr von Freytag-Loringhoven – so sein vollständiger Nachname – ist eine bunte Mittelrhein-Mischung: Enkel eines baltischen Flüchtlings, aufgewachsen im rechtsrheinischen Osterspai und Bopparder aus Leidenschaft. 7 Fragen an einen Kommunalpolitiker mit klarer Kante.

Philipp Loringhoven ist seit 2014 Stadtrat in Boppard. Foto: Privat

Philipp Loringhoven ist seit 2014 Stadtrat in Boppard. Foto: Privat

Den Namen Loringhoven verbindet man vor allem mit Großgrundbesitz im frühen zaristischen Baltikum und mit einem der Verschwörer des 20. Juli. Wie kam deine Familie an den Mittelrhein?

Sehr richtig, der Ursprung meiner Familie liegt im Baltikum – präziser gesagt in Lettland (Adjamünde). Mein Großvater väterlicherseits ist gegen Ende des 2. Weltkriegs aus seiner Heimat, einem Pferdegehöft in Adjamünde, vor der roten Armee mit 20(!) Pferden geflohen und irgendwann am Mittelrhein gelandet. Dort traf er meine Großmutter, Ehrentraud Freiin von Preuschen zu Liebenstein und lebte seitdem bis zu seinem Tod in Osterspai auf Schloß Liebeneck.

Du lebst in Boppard und engagierst dich dort in der Kommunalpolitik. Was bedeutet die Stadt für Dich?

Die Frage ist nur schwer zu beantworten, ohne etwas pathetisch zu werden. Meine Frau – damals noch Freundin – und ich sind erst 2012 nach Boppard gezogen. Der Grund war ein relativ pragmatischer. Wir suchten zum einen unsere erste gemeinsame Wohnung, zum anderen benötigte ich aber auch eine direkte Zugverbindung nach Mainz, da ich zu diesem Zeitpunkt noch Student war. Da wir bewusst aus Koblenz – wo ich zuvor lebte –  etwas raus wollten, fiel die Wahl aus nüchternen Gesichtspunkten schnell auf Boppard, jedoch war es schon vom ersten Tag um uns geschehen.

Die wunderschöne Oberstraße, der Marktplatz, der Platz der Partnerstädte, die Rheinpromenade, die wundervollen Ortsbezirke mit ihrer ganz individuellen Geschichte  … wir waren hin und weg von der entspannten Frühlingsatmosphäre und dem Charme der Stadt. Die Menschen waren äußerst freundlich, und wir fanden binnen Tagen sehr schnell Anschluss hier vor Ort. Boppard bedeutet dadurch für uns wirklich Heimat, „angekommen sein“, ein Ort und eine Stadt in der man sich rundum wohl fühlt. Ein ganz starkes Gefühl von „zu Hause sein“ und sich jeden Tag auch an den Schönheiten der Stadt erfreuen können. Weiterführend dann auch zu benennen, was einem nicht gefällt, oder was man verbessern kann – so kam mein Weg in die Kommunalpolitik, sich aktiv für seine Heimat engagieren.

2017 hast Du mit einem leidenschaftlich Post auf Facebook für Aufsehen gesorgt. Es war eine Abrechnung mit der AfD, die mit einem Boppard-Foto für sich geworben hatte. Wie waren die Reaktionen?

Die Reaktionen waren beeindruckend einseitig. Ich habe den Beitrag auch öffentlich gemacht. Das heißt ich habe ihn sowohl an AfD-Bundesvorstand, AfD-Kreisvorstand und auch an viele Presseorgane geschickt. Ich habe eine überwältigende Flut an Zuspruch von Menschen aller politischen, oder auch vollkommen unpolitischen Richtungen erfahren, sei es via Mail, Facebook, persönliche Anrufe, oder sogar persönliche Ansprachen auf offener Straße. Die negativen Rückmeldungen beliefen sich auf einen(!) anonymen Drohbrief, auf dessen „Inhalt“ – sofern man es so nennen mag, da außer stumpfen Parolen nichts drin stand – ich hier nicht weiter eingehen möchte und den man auch getrost ignorieren kann.

Im nächsten Jahr wählen die Rheinland-Pfälzer neue Kommunalparlamente. Wie schätzt du das Potenzial für die AfD in Boppard und in den anderen Mittelrhein-Gemeinden ein?

Meine Einschätzung, wie ich es auch in dem offenen Brief formulierte ist die, dass ich die AfD in Boppard für mehr als überflüssig betrachte.  In Boppard haben wir zurzeit 7 (!) politische Gruppen vertreten, davon 5 in Fraktionsstärke. Die Bürgerinnen und Bürger, die in Bundestagswahlen die AfD wählen, haben in meinen Augen in erster Linie die Nase gestrichen voll, dass sie keine wirkliche Alternative zu den großen, eingesessenen Parteien haben – diese aber fordern.

Wir haben in Boppard noch aktiv die „Liste“ Bengart, die „Bürger für Boppard“ und auch die „Freie Wählergemeinschaft“, die alle sehr wohl noch starke Unterschiede untereinander aufweisen, sodass ich der festen Überzeugung bin, dass jeder Wähler eine Gruppe finden wird, die für ihn wählbar ist. Sollte die AfD wider meiner Einschätzung und meinen Wünschen es doch in den Rat schaffen, dann wird sie sich an ihren Taten messen lassen müssen – in der Kommunalpolitik laufen Dinge nämlich sehr viel konkreter ab, als auf Landes-, oder Bundesebene. Darüber reden wir dann aber erst, wenn es wirklich so weit kommen sollte.

Wie es die anderen Kommunen am Mittelrhein handhaben kann ich nur schwerlich beurteilen, da ich die jeweiligen Personen der AfD dort überhaupt nicht kenne und auch nicht einschätzen kann, mit welcher Parteienstruktur die jeweilige Gemeinde in die Kommunalwahl gehen wird.

Kommen wir zu Deiner eigenen Partei, der CDU. Dein Parteifreund und Landrat Marlon Bröhr hat mit seiner differenzierten Haltung zur Mittelrhein-Brücke für ziemlichen Wirbel gesorgt. Wie ist Deine Meinung zur Brücke?

Die Mittelrheinbrücke ist ein seit Jahrzehnten überfälliges und absolut notwendiges Infrastrukturprojekt für die Rheingemeinden. Ich denke auf diesen Standpunkt kann man sich in den allerweitesten Kreisen links- und rechtsrheinisch einigen. An der Umsetzung gibt es selbstverständlich verschiedene Standpunkte. Landrat Dr. Bröhr ist in erster Linie Landrat des Rhein-Hunsrück Kreises und als solcher dazu verpflichtet Schaden vom Kreis fernzuhalten.

Die Einschätzungen zur Trägerschaft der Brücke in Landesobhut und der somit gelagerten Unterhaltsverpflichtungen teile ich mit ihm voll. Mehrfach wurde von unterschiedlichen Seiten belegt, dass es eine Landesbrücke sein sollte. Im Hinblick auf die finanzielle Handlungsfähigkeit des Kreises und insbesondere der uns bevorstehenden kommunalreformatorischen Jahre – ja sogar Jahrzehnte ist das Verhalten des Landrates verantwortungsvoll und seine Standpunkte und Argumente überzeugend. Eine nüchterne und unaufgeregte Lösung dieser Problemstellung sollte im Interesse aller Beteiligten sein, da nur diese Art des Vorgehens eine absehbare Realisierung möglich macht.

Das gelingt dann, wenn sich auch Akteure der Landesregierung in Mainz an die Gutachten des bspw. Landesrechnungshofs, oder auch des sehr renommierten Prof. Spannowsky orientieren. Am Ende steht natürlich immer ein Kompromiss, jedoch bedeutet für unseren Landrat Meinungsaustausch eben nicht, dass er seine eigene Meinung gegen die eines Funktionärs in Mainz austauscht und das ist gut so.

Spätestens 2031 findet die Bundesgartenschau am Mittelrhein statt. Wer ist dann Bürgermeister von Boppard – Philipp Loringhoven oder Niko Neuser? 

Was für eine gemeine Frage! Ich halte die BuGa 2031 für eine großartige Chance das Mittelrheintal einen gewaltigen Schritt nach vorne zu bringen. Nicht nur dass unsere Aorta, der Tourismus, dadurch noch mehr schlagen wird, nein auch die Möglichkeiten zur infrastrukturellen Ertüchtigung für das Tal auf die nächsten Jahrzehnte werden absolut positive Auswirkungen für alle haben – sowohl Bewohner, als auch Gäste.

Zu Niko hege ich ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Sollte sich bei der entsprechenden Bürgermeisterwahl im Jahre 2029 (also in über 10 Jahren!) sich für die Bopparderinnen und Bopparder die Wahl zwischen Niko Neuser und Philipp Loringhoven stellen, so können die Wählerinnen und Wähler ruhigen Gewissens sein, denn der Wahlsieger wird ein äußerst engagierter, motivierter und fähiger Bürgermeister sein, der viel für Boppard erreichen wird – so viel kann ich mit Sicherheit jetzt schon sagen und das ist mit Ausblick auf die lange Zeitspanne bis dahin doch schon sehr konkret.

Was ist dein unpolitischer Geheimtipp für das Obere Mittelrheintal? Welchen Platz, welchen Laden oder welches Lokal empfiehlst Du?

Essen hat nichts mit Politik zu tun (Gott sei es gedankt!), daher ist mein Tipp auf jeden Fall unpolitisch. Jetzt ist es natürlich schwierig keinem befreundeten Gastronom auf die Füße zu treten, aber die Antwort fällt mir relativ leicht.

Für das erste Date eine Picknick-Decke und ein guter Wein aus dem Bopparder Hamm auf Maria Ruh in Urbar, für alle darauf folgenden Hochzeitstage der Eiserne Ritter in Boppard. So halte ich das auch mit meiner Frau und das klappt ganz wunderbar.

Mitarbeit / Schlussredaktion: Natascha Meyer

Bisher in der Reihe „7 Fragen an ….“ erschienen:

Sebastian Busch (Landtagskandidat aus Lorch) – Christian Büning (Designer aus Oberwesel) – Sandra Bruns (Instagrammerin und Journalistin aus Emmelshausen) – Hasso Mansfeld (PR-Berater und Brücken-Aktivist aus Bingen) – Peter Theis (Gastronom und Shop-Betreiber in St. Goar) – Esther Pscheidt (Treibholzkünstlerin aus Lorch) – Wolfgang Blum (Wanderführer und Welterbe-Botschafter auf dem Rheinsteig) – Markus Fohr (Brauereibesitzer und Bier-Sommelier aus Lahnstein) – Christin Jordan und Lars Dalgaard (Journalisten und Winzer in Eltville und Oberdiebach) – Nadya König-Lehrmann (Welterbe-Managerin in St. Goarshausen) – Jörg Lanius (Winzer in Oberwesel) – Mario Link (Lebensmittel-Händler in Boppard) – Rolf Mayer (Kultur- und Event-Manager in Boppard) – Uwe Girnstein (Hotelier in Kamp-Bornhofen)  – Stefan Herzog (Tourismus-Berater und früherer Marketingchef für die Region Rheinhessen) – Horst Maurer (Welterber-Gästeführer aus Oberdiebach) – Gerd Ripp (Gastronomie-Unternehmer auf Schloss Rheinfels und Maria Ruh) – Niko Neuser (Kommunalpolitiker aus Boppard) – Christof A. Niedermeier (Krimi-Autor aus Frankfurt und Schöpfer von „Jo Weidinger“) – Stefan, Andreas und Markus Wanning (Gin-Macher aus Münster-Sarmsheim), Christoph Bröder (Burgenblogger auf Sooeneck) – Hubertus Jäckel (Architekt aus Oberwesel) – Bernd und Marion Stahl (Gastronomen in Boppard) – Markus Hecher (Burgherr auf Rheinstein) Timo Ahrens (Strandbar-Gründer aus Oberwesel)

Termine des Tages

St. Goar – Schützenfest – 15. Juli, ab 10 Uhr. VG St. Goar-Oberwesel

Lorch – Hilchenfest – 14. Juli, ab 10 Uhr. Stadt Lorch

Bornich – Weinprobe im Weinlehrpfad. 15 . Juli,  ab 11 Uhr. winzergenossenschaft-bornich.de

Festung Ehrenbreitstein – „Die Akte Humfrey“ / Stationentheater – 15. Juli, 14 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Bacharach – „Bacharachs Weinstuben gestern und heute“ / Führung mit Horst Maurer – 15. Juli, 15 Uhr. info@rhein-kultour.de

Loreley – „Night of the Prog“ / Musikfestival – 15. Juli, 23 Uhr. gastlandschaften.de

Foto des Tages

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