Weltbekannt, wunderbar gelegen und total zerstritten: Ein bisschen erinnert Rüdesheim an das kleine gallische Dorf. Klaus Zapp will mehr aus seiner Heimatstadt herausholen. Der Post-Manager steht heute für das Amt des Bürgermeisters zur Wahl. Fehlende parteipolitische Erfahrung will er durch unabhängige Denke und Berufserfahrung wettmachen. 7 Fragen an einen Idealisten mit Management-Qualitäten.

Klaus Zapp will Bürgermeister von Rüdesheim werden. Foto: Privat

Rüdesheim gilt als Inbegriff der rheinischen Gemütlichkeit, aber die Kommunalpolitik wirkt so zerstritten wie sonst nirgendwo am Mittelrhein. Warum?

Das ist eine wirklich gute Frage, auf die es nicht die eine schlüssige Erklärung gibt. Am Ende ist es auch egal, ob ein Grund oder mehrere Gründe zur jetzigen politischen Kultur geführt haben. Mich jedenfalls stört dieser Zustand sehr und hat nicht ganz unwesentlich zum Entschluss meiner Kandidatur beigetragen. Wir geben nach außen einfach kein gutes Bild ab. Selbst positive Dinge werden zerredet und führen am Ende zu einer negativen Wahrnehmung und auch Berichterstattung. Dies muss sich nachhaltig ändern, und hierin liegt ein Hebel für eine positive Entwicklung. Ich bin jedenfalls der festen Überzeugung, dass wir in Rüdesheim nur gemeinsam die anstehenden Probleme lösen können

Gegen den amtierenden Bürgermeister kursieren Vorwürfe wie in einer Bananenrepublik. Selbst Wahlergebnisse werden in Frage gestellt. Wie schätzt du das ein?

Ich halte mich grundsätzlich aus derartigen Spekulationen heraus, glaube jedoch nicht, dass einer alleine die Verantwortung für jegliche Fehlentwicklungen in Rüdesheim und seinen Stadtteilen trägt. Deine Frage dokumentiert aber doch letztlich wieder anschaulich, wie desolat das öffentliche Bild von Rüdesheim wirklich ist. Hier sehe ich dringenden Handlungsbedarf. Es macht jedoch wenig Sinn, wenn wir Energie verschwenden, um nach Schuldigen suchen und uns intensiv mit der Aufarbeitung der Vergangenheit beschäftigen. Die können wir nicht mehr ändern. Der Blick muss sich nach vorne richten. Die Gegenwart und Zukunft können wir positiv beeinflussen. Hierbei wäre ein erster guter Schritt, wenn alle politischen Akteure sich und ihr eigenes Tun selbstkritisch reflektierten. Zudem kann ich, als einziger wirklich unabhängiger Kandidat ohne negative Vorbelastung, genau diesen kulturellen Veränderungsprozess glaubhaft initiieren, begleiten und moderieren. So schaffen wir auch wieder das notwendige Vertrauen bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Du trittst als 3. Kandidat neben Bürgermeister Volker Mosler und seinem Gegner Hansjörg Bathke an. Eigentlich müsste sich Herr Mosler darüber freuen, denn dadurch teilt sich das Lager seine Kritiker …..

Wie meine Mitbewerber mich und meine Kandidatur wahrnehmen, spielt für mich keine Rolle. Ich trete an in dem Glauben, Rüdesheim und seine Stadtteile voranbringen zu können. Das ist meine persönliche Motivation. Den jetzigen Zustand wollte ich nicht länger hinnehmen. Mich rein auf ein Meckern zurückziehen, das ist nicht mein Ding, und deswegen habe ich mich zur Kandidatur entschlossen. Welche Reaktion dies bei den Herren Mosler oder Bathke ausgelöst hat, können dir die beiden am besten selbst erklären.

Was willst du konkret anders machen als deine Mitbewerber?

Das „Wir“ und eine Sachorientierung müssen künftig wieder klar in den Vordergrund gestellt werden. Nur über Geschlossenheit und eine gemeinsame Linie können erfolgskritische Zukunftsprojekte wie die Beseitigung des Bahnübergangs in Rüdesheim oder die Buga 2029 erfolgreich bestritten werden. Außerdem möchte ich die Bürgerinnen und Bürger stärker beteiligen. Ich bin mir sicher, dass viele gute Ideen vorhanden sind, diese aber derzeit nicht abgerufen werden. Vielleicht auch, weil die Bürgerinnen und Bürger ob der jetzigen Verhältnisse schon etwas resigniert haben. Hier gilt es. eine Stadt aus dem Schlaf zu wecken und alle zur Mitarbeit zu motivieren. Wichtig wird es zudem sein, den Skeptikern schnell erste Erfolge zu präsentieren und hierüber eine Sogwirkung zu entfalten. Meine Mitbewerber hatten beide die Chance, in ihren jeweiligen politischen Ämtern positiv auf die Entwicklung Rüdesheims einzuwirken oder zumindest bestehende Missstände aktiv anzuprangern. Außerhalb von Wahljahren waren deren Stimmen jedoch eher leise …..

Du bist persönlich zwar Beamter, aber bei der Deutschen Post in einer quasi privatwirtschaftlichen Management-Funktion. Braucht die Kommunalpolitik mehr Manager aus der Wirtschaft?

Ich weiß nicht, ob die Politik zwingend mehr Manager aus der freien Wirtschaft braucht. Es existieren sicherlich exzellente gute Kräfte sowohl im Lager der Beamten als auch in der freien Wirtschaft. Die Fallhöhe für einen Bürgermeisterkandidaten ohne Beamtenhintergrund ist aber sicherlich höher als die meine. Gerade dann, wenn die Wiederwahl misslingt.

Was die Politik jedoch zwingend Fall braucht, das sind Persönlichkeiten, welche ihre Eigeninteressen in den Hintergrund sowie Sachorientierung in den Vordergrund stellen. Auf mich persönlich und die Aufgabe in Rüdesheim heruntergebrochen kann ich zumindest sagen, dass meine bei der Deutschen Post gesammelten Erfahrungen nicht schaden werden. Auch dort war das Thema Kulturwandel im Zuge der Transformation vom Staatsunternehmen hin zum privatwirtschaftlichen, weltweit aufgestellten Konzern ein tragendes Thema. Diesen Wandel habe ich in verschiedenen Leitungspositionen aktiv begleitet und bringe hieraus viele Erfahrungen und auch methodisches Wissen mit. Zudem lehrt die Arbeit, in der freien Wirtschaft Projekte und Aufgaben mit einer gewissen Verbindlichkeit anzugehen und die Erreichung von Zielen nachzuhalten. Wesentlich kann hierbei etwa sein, dass ich auch die Überwachung und ein Controlling des Bürgermeisters aktiv einfordere. Wie kann es etwa sein, dass man dem amtierenden Bürgermeister im Wahljahr vorwirft, kaum Beschlüsse des Stadtparlaments umgesetzt zu haben, die Stadtverordneten und der Stadtverordnetenvorsteher (aktuell Herr Bathke) diesen Zustand jedoch nicht für alle Bürgerinnen und Bürger wahrnehmbar skalieren bzw. erst jetzt im Wahljahr? Das passt nicht zusammen!

In 10 Jahren ist die Buga. Stehen die Rüdesheim-Besucher dann so wie heute vor geschlossenen Bahnschranken oder kommt bis dahin der Bahntunnel?

Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben. Das Projekt Beseitigung Bahnübergang kann aber nur dann erfolgreich im Vorfeld der Buga 2029 umgesetzt werden, wenn das politische Rüdesheim mit einer breiten Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger – ich meine wirklich alle!!!!! – sowie einer einheitlichen Haltung auf die Kostenträger der Baumaßnahme einwirkt. Wir haben hier leider keine Entscheidungsbefugnis und können nur über öffentlichen Druck und Geschlossenheit die für Rüdesheim beste Lösung erreichen. Zudem wird es wichtig sein, die Auswirkungen des Bauprojekts auf die Stadtteile Assmanshausen und Aulhausen so klein wie möglich zu halten. Aber auch dies wird sich auf die Kostenseite negativ auswirken und nur dann durchsetzbar sein, wenn wir dies alle zusammen und geschlossen massiv einfordern. Diesen Prozess können dann auch Bürgerinitiativen wie Rüd-Aktiv flankierend unterstützen.

Es gibt noch ein kontroverses Bau-Thema rund um Rüdesheim: Die Brücke nach Bingen. Braucht man die oder täte es eine verbilligte 24-Stunden-Fähre?

Bevor wir uns über die Brücke nach Bingen unterhalten, müssen wir meines Erachtens erst einmal unsere dringlichsten Verkehrsprobleme lösen. Dazu gehört neben der Beseitigung des Bahnübergangs sicher auch der Kreisel am Europadreieck. Zudem halte ich es für wenig realistisch, dass wir in absehbarer Zeit neben der Beseitigung des Bahnübergangs ein weiteres Millionenprojekt gestemmt bekommen. Von der zusätzlichen Belastung in der Bauphase ganz abzusehen. Die Rheinbrücke ist sicher verlockend, aber auch schwierig umsetzbar. Ob Umwelt- bzw. Naturschutz, Weltkulturerbe, temporäre Auswirkungen auf die Rheinschifffahrt oder auch die Fährbetriebe. Dieses Projekt ist komplex, birgt viele Unwägbarkeiten und hat vielschichtige Auswirkungen, so dass ich ad hoc keine fundierte Aussage zur Sinnhaftigkeit treffen kann. Aus einer reinen Kosten-Nutzen-Sicht ist es aber zumindest eine Überlegung wert, eine verbilligte, subventionierte 24-Stunden-Fähre mit in die Betrachtung einzubeziehen.

Schlussredaktion: Natascha Meyer

 

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#Rüdesheim am Rhein 라인강의기적 위즐링 와인

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Dieses Jahr in der Reihe „7 Fragen an …“ erschienen

Robert Wurm (Ex-Manager und Winzer in Lorch) – Marcus Schwarze (Journalist, Digitalberater und Buga-Blogger) – Tristan Storek (Düsseldorfer Jungwinzer und Techniktalent in Steeg) – Andreas Nick (Lehrer, Kommunalpolitiker und Hostel-Besitzer in Bad Salzig) – Jean-Michel Malgouyres (französischer Küchenchef in Rüdesheim) – Natascha Meyer (Kanzlei-Managerin, Lektorin und Boppard-Botschafterin) – Heiner Monheim (Verkehrsforscher und Bahnlärm-Bekämpfer) – Carolin Weiler (Winzerin und „FAZ“-Liebling aus Lorch) – Petra Bückner (Tourismuschefin in Lahnstein) – Michael Stein (Kommunalpolitiker aus Bingen) – Falko Hönisch (Opernsänger und Bürgermeisterkandidat in St. Goar) – Kathrin Büschenfeld (Apothekerin in Lorch) – Dieter Stein (IT-Manager und Konzertveranstalter aus St. Goar) – Peter Henrich (Archäologe in Koblenz) – Martin Bredenbeck (Geschäftsführer des Rheinischen Vereins) – Markus Patschke (Energieberater in Bacharach) – Ulrich Lautenschläger (Konzertveranstalter auf der Loreley) – Ivo Reßler(Bürgermeister-Kandidat in Lorch) – Jean-Marc Petit (Hausbesitzer und Denkmalpfleger in Bacharach) – Anne Kauer (Winzerin in Bacharach) – Gerd Benner (Manager und Hobby-Köhler aus Boppard) – Markus Kramb (Metzger aus St. Goar) – Mary-Ann Gellner (Hauptkommissarin der Wasserschutzpolizei St. Goar) – Ilka Heinzen (Einzelhändlerin und Stadträtin in Bingen) – Jan Bolland (Hotel-Investor in Bingen) – Pater Eryk (Franziskaner im Kloster Bornhofen) – Mareike Knevels (Kommunikationsdesignerin und Burgenbloggerin) – Willy Praml (Theatermacher „An den Ufern der Poesie) – Sebastian Hamann           (Beigeordneter der Stadt Bingen) – Johannes Lauer (Dachdeckermeister und Kommunalpolitiker in Lahnstein) – Almut Lager (Unternehmerin und Denkmalschützerin in Bacharach) – Maximilian Siech (Sportler und Projektleiter beim Zweckverband Welterbe) – Till Gerwinat und Lambert Lensing-Wolff (Unternehmer auf Burg Reichenstein) – Christiane Speth (Exil-Bopparderin und Udenhausen-Patriotin an der Schweizer Grenze) – Christian Albrecht (Feuerwehr-Profi aus Oberwesel) – Markus Kalkofen (Polizist und Landschaftspfleger aus Kamp-Bornhofen) – Lena Höver (Stadtmanagerin und Tourismus-Chefin in Oberwesel)

Termine des Tages

Rüdesheim – Tage des Federweißen – 27. Oktober. tage-des-federweissen.de

St. Goarshausen – Rheinsteig Schlemmertour – 27. Oktober, ab 8 Uhr 45 (mehrere Touren). loreley-touristik.de

Festung Ehrenbreitstein – „Herbstvergnügen und Drachenfest“ – 27. Oktober, ab 10 Uhr. tor-zum-welterbe.de

Bingen – „BINkreativ“ / verkaufsoffener Sonntag – 27. Oktober, 13 – 18 Uhr. bingen.de

Boppard – Bauernmarkt / verkaufsoffener Sonntag – 27. Oktober, 13 – 18 Uhr. boppard.de

Bacharach – „Bacharach – Orionsteig – Heineblick –
Sauzahn – Pfalzblick – Schönburg-Elfenlay – Oberwesel“ / Wanderung mit Welterbe-Gästeführer Horst Maurer – 27. Oktober, 11 Uhr. gaestefuehrer.welterbe-mittelrhein.de

Oberwesel – Auto-Artistenshow mit den Geschwistern Kübler – 27. Oktober, 14 Uhr. oberwesel.de

Oberwesel – Stadtbild im Welterbe: Die Seitenstraßen der Liebfrauenstraße / kunsthistorischer Spaziergang mit Prof. Emil Hädler vom Architekturinstitut der Hochschule Mainz und Dr. Eduard Sebald vom Landesmuseum Mainz – 27. Oktober, 15 Uhr. oberwesel.de

Bingen – Orgelkonzert in der Kapuzinerkirche – 27. Oktober, 16 Uhr. bingen.de

Festung Ehrenbreitstein  – „Musik zwischen Himmel und Erde“ / Franziskas Abendlied: Musik & Dichtung – 27. Oktober, 16 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Lorch – „Glücksmomente“ mit Lulo Reinhardt (Gitarre) und Yuliya Lonskaya (Gitarre & Gesang) / Concerto Classico im Hilchenhaus – 27. Oktober, 17 Uhr. lorch-rhein.de

Bacharach – „Teufelstrillersonate“ /  Christoph Soldan (Klavier) und Alban Beikircher (Violine) / Bacharacher Meisterkonzerte – 27. Oktober, 18 Uhr. rhein-nahe-touristik.de

Boppard – „Gut gegen Nordwind“ / Cinema in der Stadthalle – 27. Oktober, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Festung Ehrenbreitstein – „Als ob“ / Comedy mit Sven Hieronymus – 27. Oktober, 20 Uhr. tor-zum-welterbe.de

Foto des Tages

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