In der Verbandsgemeinde Loreley scheint die SPD-Welt noch in Ordnung zu sein: Landeschef und RLP-Innenminister Roger Lewentz ist über seinen Wohnort Kamp-Bornhofen hinaus der ungekrönte König am rechten Rheinufer, sein früherer Büroleiter Mike Weiland gewann im März die Wahl zum VG-Bürgermeister, und mit Ex-„Loreley“ Theresa Lambrich aus Filsen verfügt die Partei über ein im ganzen Tal bekanntes Nachwuchstalent. Übernächsten Sonntag will die Loreley-SPD auch in St. Goarshausen feiern. Ihr Kandidat Nico Busch, 37, bewirbt sich um die Nachfolge des zurückgetreten Stadtbürgermeisters Matthias Pflugradt. Der Jurist und Event-Unternehmer („Loreley Security Service“) ist in der Stadt aufgwachsen und lebte später in Erlangen. 7 Fragen an einen, der weggezogen und zurückgekehrt ist. 

Nico, du hast in Bayern studiert und dort gearbeitet. Was hat dich zurück nach St. Goarshausen gezogen?

Lass einen Franken nie hören, er wäre Bayer. Aber im Ernst: Zurückgezogen hat mich die Liebe zur Region. Und die familiäre Verbundenheit hier. Ich war gefühlt immer nur vorübergehend weg. Auch wenn ich in Franken gelebt habe, war ich immer regelmäßig in St.Goarshausen. In der Großstadt zu leben ist das Eine – aber das ländliche St. Goarshausen würde ich immer der anonymen Großstadt vorziehen.

Am 11. Oktober willst du zum Bürgermeister gewählt werden. Es wäre viel Arbeit für ein eher symbolisches Gehalt. Was motiviert dich?

Ich möchte etwas bewegen. Ich saß oft in Stadtratssitzungen und hätte gerne meine Meinung – fachlich wie auch persönlich – eingebracht. Das kann ich aber nur, wenn ich aktiv „dabei“ bin. Als Beigeordneter habe ich jetzt schon ein Rederecht, als Stadtbürgermeister auch ein Stimmrecht. Ich möchte, dass es in der Stadt voran geht und die Möglichkeit haben, Themen aktiv anzugehen, Veränderungen anzustoßen. Natürlich wünsche ich mir auch ein positives Feedback für mein Engagement. Das ist ein weiterer „Gehaltsbestandteil“. Ansonsten bin ich vielleicht einfach Idealist.

In deiner Stadt sind gleich mehrere Themen akut. Fangen wir mit dem Dauerbrenner an, der Brücke. Jeder weiß, dass sie in diesem Jahrzehnt nicht mehr gebaut wird. Warum sorgt man in der Zwischenzeit nicht für deutlich bessere Fährzeiten? 

Nun, es gab ausgeweitete Fährzeiten. Zuletzt in den Jahren 2012 bis 2016. Dabei wurde der Fährbetrieb vom Land für zusätzliche Früh- und Spätfahrten bezahlt. Eine Ausweitung der Fährzeiten ist wohl primär eine Kostenfrage. Und im zweiten Schritt dann eine Frage der Wirtschaftlichkeit: Was investiert man, und was für einen Nutzen bringt es, also z.B. wie wird das Angebot angenommen. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es für den Fährbetreiber nicht wirtschaftlich zu sein, generell die Fährzeiten auszuweiten. Ich spreche jetzt nicht von den aktuellen Corona-Fährzeiten. Diese zeitliche Beschränkung soll aber meines Wissens nach zum Winterfahrplan wieder wegfallen. Zur Frage, ob für das Land eine weitere Förderung entsprechenden Mehrwert für die Region bringt oder wie diese Frage ausgewertet wurde, konnte ich vom Verkehrsministerium leider keine Antwort bekommen. Hier konnte man mir nur eine Zwischenauswertung für die Jahre 2012 und 2013 geben. Eine abschließende Auswertung scheint wohl leider nicht erfolgt zu sein.

Mittelrhein-Metropole St. Goarshausen. Foto: Rheinland-Pfalz-Touristik / Dominik Ketz.

Blick auf St. Goarshausen. Foto: Rheinland-Pfalz-Touristik / Dominik Ketz.

Dein Parteifreund Michael Maurer aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis hat in der „RZ“ erklärt, dass das Land 85 Prozent der Brückenkosten übernehmen würde. Warum keine 100 Prozent, wenn das Thema so wichtig ist und sich der Landrat in Simmern gegen eine kommunale Beteiligung sperrt?

Nun, es heißt ja „Landeszuschuss“ bzw. „Förderung“. Nicht Brücken-Schenkung. Es gibt klare Förder-Richtlinien, die solche Beteiligungen regeln. Dabei klingt 85 Prozent für mich schon sehr hoch. Üblicherweise scheinen Förderanteile geringer zu sein. Deshalb ist auch die volle Kostenübernahme des Raumordnungsverfahrens durch das Land für mich etwas nicht Selbstverständliches.

Kommen wir zur Loreley. Dort soll eine Hotelanlage mit über 700 Betten entstehen. Warum so groß?

720 Betten, um genau zu sein. Es gibt eine Studie, die besagt, das über 3.000 Betten im Mittelrheintal fehlen. Zudem gibt es Baurecht, das die Größe zulässt. Und einen Investor, der natürlich wirtschaftlich denkt. Die Rahmenbedingungen führen im Ergebnis zu dem geplanten Projekt, wie es kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Wie soll es mit dem Tourismus in St. Goarshausen weitergehen? Kommt die Kooperation mit St. Goar oder wartert ihr auf die neue Loreley GmbH?

Wie der Jurist so schön sagt: Es kommt darauf an. Die Frage scheint sich mehr auf eine Tourist-Info in St. Goarshausen zu richten. Hierzu werde ich Gespräche führen und Angebote einholen. Für mich ist klar: St. Goarshausen braucht eine Tourist-Info! Ob wir diese selbst besetzen, oder sie als Dienstleistung bei St. Goar, der Loreley-Touristik e.V. oder einer kommenden GmbH einkaufen, muss sich zeigen. Wichtig ist für mich aber auch, dass in St. Goarshausen wieder mehr WIR-Gefühl aufkommt, auch unter den Gewerbetreibenden, von denen eine Vielzahl touristisch orientiert ist: Gemeinsam auftreten. Miteinander, statt jeder für sich. So stelle ich mir den Tourismus in der Loreleystadt vor.>Was die Vermarktung nach außen hin betrifft: Wir sind in einer Vielzahl touristischer Organisationen, an die auch Gelder fließen. Hier werde ich aktiv auch die bezahlten Leistungen einfordern. St. Goarshausen kann nicht alles selbst machen, und sollte nicht grundsätzlich eine „eigene Suppe kochen“ wollen. Aber dass Preis- und Leistung stimmen muss, und das eingekaufte Leistung auch erbracht werden muss – das werde ich im Auge behalten, und gegebenenfalls als ersten Schritt entsprechende Gespräche dazu führen.

In diesem Jahr ist der Konflikt mit dem Pächter der Freilichtbühne eskakaliert. Warum ist kein Mediationsverfahren möglich?

Jetzt kommt der Jurist zu Wort: Ein Mediationsverfahren, bzw. ein Vergleich zwischen zwei Parteien eines Rechtsstreits, ist immer möglich. Denn die Parteien sind im Zivilrecht die Herren des Verfahrens. Das letzte Mediationsverfahren hat sich in der Vorbereitung sehr in die Länge gezogen, weil sich die beiden Parteien über Details zum Mediationsverfahren uneinig waren. Irgendwann hat dann der Stadtrat beschlossen, das Hauptsacheverfahren, welches bis dahin geruht hat, wieder anzugehen. Ihm ist sozusagen „der Geduldsfaden gerissen“. Es ist also nicht grundsätzlich unmöglich. Natürlich müssen für ein Mediationsverfahren aber die Voraussetzungen stimmen. Man muss auf beiden Seiten verhandlungsbereit sein. Auch muss die Lösung für beide Seiten tragbar und vertretbar sein. Entsprechende Einigungsangebote können von beiden Seiten eingebracht werden – ob mit oder ohne Mediator. Der Mediator ist dabei dann mehr der Moderator oder der Vermittler. Und durch den zeitlichen Faktor darf kein weiterer Nachteil drohen. Die Kurse zum Thema Mediation während meines Referendariats waren sehr auf Psychologie und Gesprächsführung ausgerichtet – aber extrem interessant und hilfreich.

Nico Busch will Bürgermeister von St. Goarshausen werden. Foto: Privat

Ab geht die Post

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