Ab sofort gibt es jede Woche den Mittelrhein-Fragebogen. Kreative Menschen und erzählen, was ihnen an der Gegend gefällt, wofür sie sich einsetzen und was man im Oberen Mittelrheintal unbedingt kennen(lernen) sollte. Den Anfang macht Christian Büning aus Oberwesel:

1. Christian, was machst Du am Mittelrhein?

Seit ziemlich genau einem Jahr lebe und arbeite ich hier als Designer und Verleger. Mein Büro ist mitten in Oberwesel am Marktplatz in einem alten Teeladen, und hinter unserem Haus wartet ein Garten in Hanglage darauf, neu belebt zu werden.

2. Warum Oberwesel?

Mein Mann kommt gebürtig hier her und die unsichtbaren Bande, die ihn zurück gezogen haben, waren offenbar stark. Außerdem ist Frankfurt nicht weit weg, was ein Argument bei der Jobsuche für ihn war. Für mich war es ein Experiment, ob ich mein Designbüro auch von einem kleinen Ort aus führen kann, nachdem es 15 Jahre in der Münsteraner Innenstadt war. Nach einem Jahr kann ich sagen, dass es geht, sogar sehr gut. Am Anfang waren einige etwas irritiert, was der Typ in dem Teeladen am Telefon macht, warum ein Periodensystem der Elemente im Schaufenster steht und was zur Hölle visuelle Kommunikation ist. Manche haben dann einfach geklopft und ich hab viele nette Leute kennen gelernt.

Christian Büning lebt und arbeitet seit 2017 in Oberwesel.

3. Was wünschst Du Dir für den Mittelrhein?

Ich bin hier früher oft mit dem Zug durchgefahren und fand es wildromantisch. Wie kann man so urig leben? Ich kenne noch nicht viele Orte hier, aber mir kommt es vor, als ob langsam diejenigen Leute überwiegen, die das sehen, was hier möglich ist und nicht dem nachhängen, was nicht mehr ist. Der Mittelrhein ist ein bisschen wie der Ruhrpott, nur mit mehr Gaublöchern. Hier hat es immer Strukturwandel gegeben und die Leute haben sich auf das Neue eingestellt. Das ist eine Stärke. Was in meinen Augen noch zwei Finger Luft nach oben hat, ist das Mittelrheingefühl. Die Rheingauer haben eines, die Pfälzer auch und die Rheinhessen neuerdings auch. Das würde ich dem Mittelrhein wünschen. Darüber hinaus hoffe ich natürlich, dass die Bewerbung für die Bundesgartenschau positiv ausfällt. Das wäre eine Vitaminspritze für die Infrastruktur und für mein Gärtnerherz.

4. Und was tust Du dafür?

Ich hab eine Fankollektion für den Rheinkilometer 550 ins Leben gerufen. Motto: »hier ist alles etwas schiefer«. Das kommt erstaunlich gut an, manche T-Shirts sind schon bis nach Australien oder Kanada gekommen. Als verbindendes Element gibts eine Weintasche mit dem Spruch »Das schönste Mittel vom Mittelrhein«. Ansonsten helfen wir den örtlichen Winzern, so gut wir können – als Konsument. Man muss aber auch Farbe bekennen. Daher engagiere ich mich im Gewerbeverein. Vielleicht kann hier als Kommunikationsfachmann etwas beisteuern.

5. Was würdest Du hier so vermissen, dass Du es unbedingt erhalten möchtest?

Ganz klar die Architektur. Nicht alles, aber vieles, vor allem die kunstvollen Schieferdächer finde ich fantastisch. Dann natürlich den knackigen trockenen Riesling, nicht nur weil er schmeckt, sondern weil ich auch die Weinberge mag und die ganz Stimmung, die da herrscht. Ich mag die Trockenmauern und die ganzen Kräuter, die da wachsen. Und was ich sehr angenehm finde, ist die Selbstverständlichkeit, mit der man hier aufrutscht, damit noch zwei mehr auf die Bank passen. In den ersten Wochen hier hätte ich übrigens das freie WLAN stark vermisst, das mir beruflich den Kopf gerettet hat. Sehr gute Einrichtung!

6. Welcher Laden und welches Lokal gefallen Dir besonders gut?

Eine Institution ist natürlich das Lamm in Oberwesel und die Wildschweinfrikadellen im Goldenen Propfenzieher. Die Lurelei in Bacharach ist auch sehr charmant und macht guten Kaffee. Ansonsten hab ich noch keine Straußwirtschaft erlebt, die nicht gut war. Das ist immer ein guter Rat, wenn es gemütlich sein soll.

7. Welcher Ort am Mittelrhein ist Dein Geheimtipp?

Die Straußwirtschaft zum Toni in Engehöll. Die beiden Betreiber sind nicht mehr direkt am Anfang ihrer Karriere und es passen nicht viel mehr als 25 Leute in die Stube, aber es ist so, als ob man bei lieben Verwandten zu Besuch ist. Der Ofen bollert, nach dem Essen setzen sich die beiden Wirte dazu und wollen wissen, was neu ist. Anneliese macht alles selbst in der Küche und Toni beobachtet ganz heimlich, wie die Leute auf seinen Wein reagieren. Essen und Wein sind übrigens erstklassig.

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