Frank Zimmer

Saga-Dämmerung: „Wenn es am schönsten ist, hört man auf“

Rheinfels 2023. Foto. Claudia Schwarz

„Weißt du noch?“ – „Das waren noch Zeiten!“ – „Warum gibt es das nicht mehr?“ Wenn am Mittelrhein solche Sätze fallen, geht es fast immer um die großen Events der Vergangenheit. Es sind die Veranstaltungen, die man früher für selbstverständlich hielt und heute vermisst. Auf der Liste der ausgestorbenen Arten stehen u. a. Rockpalast-Konzerte auf der Loreley und das Bacharacher Winzerfest mit seinem historischen Festzug. Derzeit arbeitet man St. Goarshausen daran, „Rhein in Flammen“ auf den Friedhof zu bringen. Es ist leicht, die guten alten Großereignisse zu verklären und Wiederholungen zu fordern. Aber nicht jeder kann sich vorstellen, wie viel Arbeit, Geld und Ehrenamt dahinter steckt. Die „Rheinfels-Saga“ in St. Goar ist ein gutes Beispiel – und das Wochenende die perfekte Gelegenheit, ein spektakuläres Mittelrhein-Event zum letzten Mal zu erleben. Claudia Schwarz, die Geschäftsführerin der Touristikgemeinschaft Welterbe Oberes Mittelrheintal, kümmert sich seit der Premiere 1998 um die Open-Air-Show inmitten der Ruinen-Kulisse von Burg Rheinfels. Für die finale Saison hat sie noch einmal Landeszuschüsse für den Mix aus Theater, Musik, Illumination und Historie aufgetrieben. Im Mittelrheingold-Interview erklärt sie, warum große Events nicht ewig laufen können und wie es im Welterbetal trotzdem weitergeht.

Claudia, die Rheinfels-Saga zieht seit Jahrzehnten Publikum an. Warum hört ihr auf – weil es jetzt am schönsten oder weil es am teuersten ist?

Am 28. August 1998 war Premiere für die Rheinfels-Saga. Wir haben Sie dann jedes Jahr 8 Mal bis 2004 gespielt. 2021 gab es dann eine Wiederaufführung unter Corona-Bedingungen, die viele positive Resonanz fand. Die Rheinfels-Saga ist ein finanziell sehr aufwändiges Projekt, das ohne Landeszuschuss nicht realisierbar ist; wir haben 86.000 Euro Förderung erhalten. Das ist eine hohe Summe für ein einziges Projekt, mit der man auch viele kleinere Kulturprojekte im Land fördern könnte. Ich denke, alles hat seine Zeit, so auch die Saga. Es war toll und ich bin jeden Abend aufs Neue begeistert – von der Rheinfels, dem Gemäuer, dem Wolkenspiel am Himmel und der tollen Musik von Richard Wester – wenn ich an meinem Platz sitze. Und dann passt es auch, wenn es am schönsten ist, hört man auf .

Wie hoch ist der Aufwand für eine Saga-Saison?

Ich beschäftige mich schon ein Jahr vorher mit der Saga. Konzepterstellung, Beantragung der Förderung, Sponsorensuche, Abstimmungen mit dem Künstlerischen Leiter, Werbematerial, Unterkünfte für die Schauspieler und des Teams, Zusammenarbeit mit den Komparsen, Verpflegung für alle und viele Dinge mehr. Der Internationale Hansenorden zu St. Goar unterstützt das Projekt sehr, denn wir können für die gesamte Probe- und Durchführungszeit den Hansensaal nutzen. Ohne diese Hilfe wäre die Saga nicht durchführbar.

Was zahlt man als Zuschauer?

Erwachsene 28.- Euro , Schüler und Studenten 15.- Euro

Du bist Tourismus-Managerin für das ganze Welterbetal, darum hast du über St. Goar hinaus den Überblick. Wie steht es um die großen Events im Tal? Ist der Neustart nach Corona geglückt oder bleiben die Leute zurückhaltend?

Ich stecke nicht mehr so im operativen Geschäft, das übernehmen die Kolleginnen und Kollegen der Romantischer Rhein Tourismus GmbH, und sie haben mir berichtet, dass der Neustart gelungen ist, die Menschen gerne Veranstaltungen besuchen und es genießen, in der Gemeinschaft zu feiern und Kultur zu erleben.

Braucht das Tal neue Veranstaltungsformate oder müssen die alten anders vermarktet werden?

Es gibt schon viele neue Veranstaltungsformate. Ich denke da zum Beispiel an tollen Wein-Events: Electronic Wine in Koblenz, das Wine Date, den Oelsberg pur in Oberwesel oder die Lichtinszenierungen im Tal. Eine Herausforderung für uns alle ist es, bei den Veranstaltungen auch das Thema Nachhaltigkeit zu berücksichtigen.

In der „RZ“ hast du neulich gesagt, dass nach der Rheinfels-Saga etwas Neues kommt. Gibt es schon eine Idee?

Ich weiß, dass Kerstin Haasenritter, die Verantwortliche für die Burg Rheinfels, sich schon Gedanken macht, wie man die Rheinfels zukünftig bespielen wird.

Die Aufführungen am Wochenende bespielen noch einmal die ganze Geschichte von St. Goar. Wenn du eine kurze Zeitreise machen könntest – welche Epoche würde dich am meisten interessieren?

Am liebsten lebe ich im Hier und Jetzt. Aber ich könnte mir gut vorstellen, im 6. Jahrhundert zusammen mit Goar alle Rheinreisenden mit Speis und Trank und einem Lager für die Nacht zu versorgen – einmal Touristikerin, immer Touristkerin.

Freitag, Samstag und Sonntag sind die letzten Gelegenheiten für die Rheinfels Saga. Am 20. August ist endgültig Schluss. Wer noch einmal dabei sein möchte: Hier gibt es die Tickets.

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Disclaimer: Die im Text erwähnte Touristikgemeinschaft Welterne Oberes Mittelrheintal e. V. ist Sponsor von Mittelrheingold.

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