Seit der Pensionierung von Dieter Glaab wechseln die Binger Tourismuschefs etwa so häufig wie die Ministerpräsidenten in Italien. Besonders kurz machte es ein Kandidat, der trotz Zusage gar nicht erst antrat: Vor seinem ersten Arbeitstag 2018 hatte sich herausgestellt, dass seine Bewerbungsunterlagen frisiert und ein Hochschulabschluss erfunden war. Dann landete der frühere Lufthansa-Sprecher Georg Sahnen in der Tourist-Info am Rheinkai. Der PR-Profi blieb trotz beeindruckender Vita in Bingen blass. Nach 2 Jahren kündigte er seinen Abschied an. Mit Sahnens Nachfolger Heiner Schiemann nahm das Bingen-Marketing wieder Fahrt auf. Der frühere Agentur-Manager brachte neue Ideen in die Stadt, zog im Pandemiejahr 2021 einen YouTube-Kanal für regionale Kulturveranstaltungen hoch und sorgte für coronagerechte Events wie die Konzerte auf der Mäuseturminsel. Jetzt ist Schiemann weg. Die Chemie mit Oberbürgermeister Thomas Feser und anderen Größen der Binger Verwaltung habe nicht gestimmt, deutet die „AZ“ an. Schiemann geht auf eigenen Wunsch, aber nicht ganz geräuschlos, denn sein Team hat sich mit ihm solidarisiert. In der Stadt kursiert ein Brief der TI-Belegschaft an alle Ratsmitglieder und an den Aufsichtsrat der „Bingen Tourismus & Kongress GmbH“. Dort werden Schiemanns Führungsqualitäten gelobt und das Vorgehen der Verwaltungsspitze kritisiert. O-Ton: „Es wurden immer wieder Steine in den Weg gelegt, obwohl großartige Konzepte für 2022 und für die Zukunft entwickelt wurden“.

Binger Mäuseturm. Foto: Stadt Bingen / Torsten Silz

Foto: Stadt Bingen / Torsten Silz

Feser will den Job schnellstmöglich nachbesetzen. In Bingen ist die Leitung der Tourist-Info mit dem Stadtmarketing und dem Kongressmanagement verbunden. Formell wurde frühere Behördenstelle als Geschäftsführung der „Bingen Tourismus & Kongress GmbH“ privatisiert, tatsächlich halten Verwaltung und Oberbürgermeister immer noch die Fäden in den Händen. Bei der Suche nach einer Nachfolgerin oder Nachfolger konkurriert Bingen mit dem gegenüberliegenden Rüdesheim. Auch dort ist die Stelle des Tourismuschefs vakant.  Allgemeine Zeitung (€)

St. Goar schließt mit dem Krankenhaus ab

Die Übernahme des Oberweseler „Gesundheitscampus“ durch den irischen Investor Centric Health geht die Stadt St. Goar nichts mehr an. Die Kommune ist aus der kommunalen Krankenhausgesellschaft ausgestiegen und hat 1,29 Millionen Euro und das leerstehende Krankenhausgebäude im Gründelbachtal mitgenommen. Laut „RZ“ soll die Immobile demnächst verkauft werden, einen Interessenten gibt es schon. Als Kaufpreis sind 332.000 Euro veranschlagt. Die Summe ist so niedrig, weil u. a. wegen Asbestbelastung aufwendige Sanierungsarbeiten anstehen. „Wer auch immer dieses Krankenhaus kauft, muss es umbauen“, zitiert die Zeitung Stadtbürgermeister Falko Hönisch. Verkauf und Sanierung sollen vertraglich miteinander verknüpft werden. „Wir wollen keine Bauruine in der Stadt“. Rhein-Zeitung (€)

Brahms als Mittelrhein-Tourist und die Folgen

Apropos Falko Hönisch: St. Goars Bariton-Bürgermeister ist im Hauptberuf künstlerischer Leiter der Internationalen Musikakademie in der Heerstraße. Am Samstag startet er in der St. Goarer Rheinfelshalle eine Konzertreihe zum 125. Todestag von Johannes Brahms. Der Komponist war selbst Mittelrhein-Tourist:  Im August 1853 besuchte er als 20-Jähriger u. a. Lorchhausen, Sauerthal, die „Burg Sickingen“ (gemeint war die Sauerburg), das Wispertal, Kaub und St. Goarshausen. Rhein-Zeitung (Print-Ausgabe), Internationale Musikakademie

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