In Bacharach ist gerade zu besichtigen, wie eine Stadt ohne Bürgermeister ihre Interessen durchsetzt: Es ist schwierig. Die Sparkasse Rhein-Nahe, immerhin ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut mit einer Landrätin als Vorsitzende des Verwaltungsrates, hat sich aus Bacharach zurückgezogen, ohne sich mit der Stadt abzustimmen. Im Herbst 2018 schloss zunächst die unrentable Filiale am Marktplatz, Ende 2019 wurde auch der Geldautomat abmontiert. Die Sparkasse hat nach eigenen Angaben schon im November versucht, die Stadtverwaltung zu informieren. „Sämtliche Anrufe auf Anrufbeantworter blieben jedoch leider unbeantwortet“, erklärt Sparkassen-Manager Jens Treske auf Anfrage von Mittelrheingold. Erst im Dezember habe man den 1. Beigeordneten Gunter Pilger* erreicht, „der Verständnis für die wirtschaftlichen Belange der Sparkasse gezeigt“ habe. Pilger führt momentan die Geschäfte im Rathaus, weil sich sich noch niemand für das (Ehren-)Amt des Bürgermeisters gefunden hat. Er weist die Darstellung der Sparkasse zurück, wonach die Stadtverwaltung nicht ansprechbar gewesen sei. Auch der Stadtrat habe sich engagiert und im Dezember eine Resolution verabschiedet. „Wir sehen natürlich den wirtschaftlichen Druck, nehmen aber nicht einfach hin, dass keine Alternative geprüft wurde. Anderswo arbeiten Sparkassen und Volksbanken gemeinsam an kundenfreundlichen Lösungen“, sagt Pilger, der sich auch über die misslungenen Kontaktversuche wundert:  „Die Sparkasse weiß, wo wir sind und wie Sie uns auch per E-Mail erreichen kann. Wir reagieren zeitnah.“  Der 1. Beigeordnete betont, dass entgegen der Darstellung der Sparkasse der erste Kontakt noch im November stattfand.

Schwierigkeiten soll schon in der Ära des vorerst letzten Bacharacher Bürgermeisters Karlheinz Schleis gegeben haben. Treske, Leiter des Vorstandssekretatariats in der Bad Kreuznacher Sparkassen-Zentrale, erinnert sich an eine slapstickreife Szene aus dem Sommer 2018. Damals wollte Vertriebsdirektor Jörg Brendel im Bacharacher Rathaus über die Schließung der Zweigstelle verhandeln. Allerdings erschien niemand von der Stadtverwaltung. Brendel und Teske vermuten, dass der Termin vergessen worden war. Als Brendel nach längerer Wartezeit gehen wollte, rüttelte er an verschlossenen Rathaustüren. Man hatte vom außen abgeschlossen. Der Sparkassen-Manager musste schließlich aus dem Fenster steigen.

Bacharach am Rhein. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Bacharach am Rhein. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Die Sparkasse Rhein-Nahe begründet ihre Maßnahmen mit fehlender Wirtschaftlichkeit. Selbst die Automaten hätten in Bacharach mehr Geld gekostet als erwirtschaftet. Zum Glück ist Bacharach trotzdem nicht ohne Bank. Am Holzmarkt ist nach wie vor die Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück mit Personal und Automaten präsent. Es gebe derzeit keine Pläne, etwas daran zu ändern, teilt die Bank mit. Die Filiale sei renoviert und modern ausgestattet worden. Sie ist das letzte Überbleibsel der früher eigenständigen „Bacharacher Volksbank“, die in den 90er Jahren in einer größeren Organisation aufging. Mitteilungen der Sparkasse Rhein-Nahe und der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück, Telefonat mit Gunter Pilger

* Anmerkung: Die erste Fassung des Artikels erschien ohne Stellungnahme der Stadt Bacharach. Nach einem Telefonat mit Gunter Pilger ist seine Sicht der Dinge ergänzt worden. 

Das weiße Haus von Rüdesheim

Die „Villa Sturm“ in Rüdesheim gehört zu den nobelsten Wohnhäusern im Oberen Mittelrheintal.  Nach Architektur (Kaiserzeit) und Anstrich (Weiß) würde sie sogar noch im Hamburger Millionärsviertel Pöseldorf an der Außenalster als Musterbeispiel großbürgerlicher Eleganz hervorstechen. Glücklicher Besitzer ist neuerdings der Rüdesheimer Hotelier Ralf Seifer. Laut „Wiesbadener Kurier“ hat er schon die erste halbe Million in die Sanierung gesteckt. Die Villa Sturm soll u. a. als Fest- und Veranstaltungsort für sein nahe gelegenes Parkhotel dienen. In dem denkmalgeschützten Haus aus dem späten 19. Jahrhundert residierten früher u. a.  Landrat und Verwaltung des Rheingaukreises. Wiesbadener Kurier, Wikipedia (Foto der Villa Sturm)

Ave Marienhaus

Der kirchliche Krankenhaus-Konzern Marienhaus hat am Mittelrhein ein Image-Problem. 2019 versuchte er eigenmächtig, die Loreley-Kliniken in Oberwesel und St. Goar zu schließen. Jetzt ist auch von Probleme am Standort Bingen die Rede. Die „AZ“ berichtet über einen Brandbrief von Ingo Rochus Schmitt, dem Vorsitzenden der Binger Linken. Schmitt war Patient im Heilig Geist Hospital und diagnostiziert Überforderung beim Personal und rücksichtslose Controlling-Mentalität beim Management. Allgemeine Zeitung

In GOH brennt der Baum

St. Goarshausen gehört mehr noch als Bacharach zu den Problemzonen am Mittelrhein. Die Stadt ist de facto ohne Bürgermeister und hat momentan noch nicht einmal eine Touristen-Information. Kurz vor Weihnachten kam die nächste Hiobsbotschaft: Der rheinland-pfälzische Landesrechnungshof blockiert den lange geplanten Neubau des Feuerwehrhauses. Die Finanzexperten halten das Projekt für unwirtschaftlich und unrealistisch geplant. Allein schon der Kaufpreis für das vorgesehene Grundstück in der Forstbachstraße sei überhöht. Stadt und Verbandsgemeindeverwaltung wollten eigentlich ein historisches Industriegebäude abreißen und dort neu bauen. Rhein-Zeitung

Boppards Hotelier Nr. 1

Nach dem Rückzug von Gerd Ripp hat auf Burg Rheinfels über St. Goar demnächst eine Unternehmensgruppe aus Nordrhein-Westfalen das Sagen, aber in Boppard regiert weiterhin die älteste Grand-Hotel-Dynastie am Mittelrhein. Die Nachfahren von Josef Breitbach führen das „Bellevue“ in 4. und 5. Generation. Juniorchef Marek Gawel erweitert den Betrieb sogar noch: Er hat hat gerade das Bopparder Hotel Ebertor übernommen. Rhein-Zeitung

Ein Blick auf die Buga

Wir wissen zwar, wann die Bundesgartenschau 2029 beginnt, aber nicht genau, wo. Binger Hildegard-Fans hätten da eine Idee: Sie wollen das Gelände des ehemaligen Hildegard-Klosters am Rupertsberg in Bingerbrück als „Zugangstor“ (O-Ton „Allgemeine Zeitung“) zur Buga nutzen. Momentan erinnert das Areal zwischen Naheufer,  Brücke, Hauptbahnhof und „Kick“-Filiale zwar eher an Ruhrgebiet als am Rupertsberg, aber Oberbürgermeister Thomas Feser und sein Museumschef Matthias Schmandt haben dort große Dinge vor. In und um die so genannte „Würth’sche Villa“ herum soll ein Geschichtszentrum für den gesamten Kreis Mainz-Bingen entstehen, Kreisarchiv und Erinnerungsort für Hildegard von Bingen inklusive. Laut „AZ“ ist das Millionenprojekt aber nicht ohne Hilfe zu stemmen. 3 private Investoren sind als Partner im Gespräch. Von einer Kombination mit der Bundesgartenschau erhofft man sich zusätzliche Fördermittel. Allgemeine Zeitung

Disclaimer: Die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz ist derzeit für die Vorbereitung der Buga 2029 zuständig. Sie gehört zu den Sponsoren von Mittelrheingold, nimmt aber keinen Einfluss auf die Berichterstattung. 

Video der Woche

„Wer soll das alles lesen?“ – Falls Sie sich das bei Mittelrheingold immer schon gefragt haben: Im Neuen Jahr wird ein bisschen was anders. Der wöchentliche Newsletter rückt in den Mittelpunkt. 2020 fehlt leider die Zeit für die tägliche Medienschau.  Mehr dazu im Video.

Zahl der Woche

Vor 50 Jahren gründeten die Brüder Wilhelm-Erich und Reinhard Franz in ihrem Heimatdorf Werlau bei St. Goar das, was man heute „Start-up“ nennen würde. Ihre Firma Wersi war eine Art Ikea für Musiker: Sie bot Bausätze für Elektro-Orgeln an. Wersi – das Kunstwort steht für Werlau und die Kreisstadt Simmern – beschäftigte in den besten Zeiten rund 200 Mitarbeiter in der Region. „RZ“-Redakteurin Suzanne Breitbach erinnert an das zwischenzeitlich insolvente Unternehmen, das heute zum Kölner Musikhändler Music Store gehört. Rhein-Zeitung, wersi.net (Website der heutigen Firma)

Termine der Woche

Samstag in Lahnstein – „Der Hauptmann von Köpenick“  / Theater in der Stadthalle – 4. Januar, 20 Uhr. lahnstein.de

Samstag in Oberwesel – Neujahrskonzert im Kulturhaus – 4. Januar, 20 Uhr. oberwesel.de

Samstag in Boppard – „Le Mans 66“ / Cinema in der Stadthalle – 4. Januar, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Sonntag in Oberwesel –  Neujahrskonzert im Kulturhaus – 5. Januar, 11 Uhr. oberwesel.de

Sonntag auf der Festung Ehrenbreitstein – „Kostproben aus dem WeinReich Rheinland-Pfalz“ / Weinprobe“ – 5. Januar, 13 – 16 Uhr 30. tor-zum-welterbe.de

Samstag in Lahnstein – „Der Hauptmann von Köpenick“  / Theater in der Stadthalle – 4. Januar, 18 Uhr. lahnstein.de

Sonntag in Boppard – Neujahrskonzert mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie – 5. Januar, 19 Uhr. boppard-tourismus.de

Sonntag in Boppard – „Le Mans 66“ / Cinema in der Stadthalle – 5. Januar, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Montag in Boppard – „Nur eine Frau“/ Cinema in der Stadthalle – 6. Januar, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Dienstag in Bingen – „Der Klavierspieler vom Garde du Nord“ im Programmkino KiKuBi – 7. Januar, 17 Uhr 15 und 20 Uhr 15. bingen.de

Dienstag in Boppard – „Le Mans 66“ / Cinema in der Stadthalle – 7. Januar, 20 Uhr. boppard-tourismus.de

Mittwoch in Bingen – „Der Klavierspieler vom Garde du Nord“ im Programmkino KiKuBi – 8. Januar, 20 Uhr 15. bingen.de

Donnerstag in Bingen – „The Guards“ / Spätschicht in der „Alten Wache“ – 9. Januar, 19 Uhr 30. bingen.de

Donnerstag in Lahnstein – „Die Nacht der 5 Tenöre mit Marc Marshall“ / Konzert in der Stadthalle – 9. Januar, 20 Uhr. lahnstein.de

Freitag in Boppard – „Ein Tintenhimmel, mehr und mehr“ / Lesung mit Jona Mues – 10. Januar, 19 Uhr. boppard-tourismus.de

Freitag in Bingen –  „Der Klavierspieler vom Garde du Nord“ im Programmkino KiKuBi – 10. Januar, 19 Uhr 30. bingen.de

Freitag in Bacharach – „Leuchten und Glühen“ / Glühwein-Wanderung mit dem Weingut Gero Schüler – 10. Januar, 19 Uhr 45. rhein-nahe-touristik.de

Foto der Woche

Das Beste zum Schluss

„Pop-up Store“ nennt man in Berlin, Hamburg oder München Läden oder Galerien auf Zeit. St. Goar kann das auch. In der Heerstraße 90 ist in den leeren Räumen einer früheren Pizzeria noch bis zum 12. Januar Kunst zu sehen. „After Turner“ heißt das Projekt des Wilhelm-Hofmann-Gymnasiums in St. Goarshausen. Schüler haben nach dem Prinzip der „Camera Obscura“ mit extrem langer Belichtungszeit Mittelrhein-Ausblicke von William Turner fotografiert. In der „Galerie auf Zeit“ sind außerdem Arbeiten des Künstlers Paolo Bigelli zu sehen. Er war für das Programm „Artist in World Heritage“  im Tal unterwegs. Die „Galerie auf Zeit“ ist am 4., 5. 11. und 12. Januar jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Rhein-Zeitung