Kein Bürgermeister, keine Zuversicht im Stadtrat und kein Konzept für die Zukunft: St. Goarshausen kommt in den Medien nicht gut weg. Umso schöner dass die einstige Kreisstadt im Münchner Burda-Verlag ihre Fans hat. Das Buda-Portal „Esquire“, spezialisiert auf Lifestyle und gepflegte Unterhaltung, hat St. Goarshausen auf eine Liste mit 3 „Reise-Geheimtipps am Rhein“ gesetzt. Die Stadt habe „die Fähigkeit, einen zu überraschen.“ Sie sie „klein, unaufgeregt und nicht auf Hochglanz poliert“. Redakteurin Laura Stunz will das ausdrücklich als Kompliment verstanden wissen. Ihre beiden anderen Empfehlungen betreffen Bacharach („architektonisch ein Glücksfall“) und Boppard („systematisch unterschätzt“). Esquire
Foto: Andreas Pacek, fototour-deutschland.de/Romantischer Rhein Tourismus GmbH / CC BY 4.0
Brückenmaut in Boppard
In Boppard sind Details zur geplanten Hängebrücke bekannt geworden. Laut „RZ“ will der schwäbische Investor Eberhardt Bewehrungsbau die Anlage über Eintrittsgelder finanzieren. „Wir rechnen mit 8 bis 10 Euro für Erwachsene“, zitiert die Zeitung Projektleiter Roland Haag. Kinder bis 6 Jahre sollen gratis über das Ewigbbachtal laufen, für Jugendliche gäbe es ermäßigte Preise. Denkbar ist auch ein Kombiticket inklusive Sesselbahn. Eberhardt hatte deren Betrieb Anfang des Jahres übernommen und plant die Bergstation als Zugang zur Brücke ein. Entschieden ist noch nichts. vor einem Baubeginn muss zunächst der Bopparder Stadtrat zustimmen. Rhein-Zeitung (€), Mittelrheingold (Hintergrund)
Bürgermeister statt Bürokrat
Am Rathaus der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe in Bingerbrück hängen die Fahnen auf Halbmast. Die Verwaltung trauert um ihren früheren Chef Karl Thorn. Der frühere VG-Bürgermeister (2015-2023) starb am Samstag beim Steeger Spenden-Fahrrad-Marathon, laut „AZ“ an Herzversagen. Thorn, ein begeisterter Radfahrer, hatte die Veranstaltung vor einigen Jahren selbst mit initiiert und fuhr Jahr für Jahr mit – am Samstag zum erstmals mit einem E-Bike. Der gebürtige Rheinhesse genoss am Mittelrhein einen legendären Ruf als Kümmerer, Problemlöser und – wie er sich selbst nennen ließ – „VG-Karl“. Er hatte Verwaltung noch von der Pike auf gelernt und sich vom 14-jährigen Lehrling bei der Kreisverwaltung in Mainz bis in der höheren Dienst vorgearbeitet. In den 80er Jahren wurde er Büroleiter in Bingerbrück, 2015 folgte die Wahl zum Bürgermeister. Thorn wusste auf Baustellen ebenso gut Bescheid wie in Dienstzimmern – er hätte problemlos als Handwerker anfangen können, mauerte und verlegte Fliesen wie ein Profi und baute sein erstes Eigenheim vom Keller bis zum Dach größtenteils selbst. Seine Bodenhaftung verlor er nie, auch nicht seinen Realitätssinn als Verwaltungsprofi. Sorgen machte ihm die wachsende Zahl von Gesetzen und Vorschriften. Die Bürokratie in ihrer jetzigen Form, befürchtete er bei seiner Pensionierung 2023 „werden wir uns bald nicht mehr leisten können“. Allgemeine Zeitung (€) , VG Rhein.Nahe, Allgemeine Zeitung (€, Thorn-Verabschiedung 2023)
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Zum Thema Sankt Goarshausen:
Ist halt ein Magazin für „ gepflegte Unterhaltung“