Es klingt wie die Drohung von Lobbyisten, könnte aber auch die schlichte Wahrheit sein: Eine Brücke zwischen Wellmich und Fellen versenkt in der Umgebung jede Fähre. Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat das jetzt schriftlich. Klaus Hammerl von der Loreley-Fähre in St. Goarshausen, Boppards französischer Fährmann Tony Deleu, die Kauber André Kimpel und Henk Erlenbach und Niederheimbach-Schipper Michael Schnaas haben in einem Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Fall des Brückenbaus die Schließung ihrer Betriebe angekündigt. Neu ist die Warnung nicht. Die Fährleute erhalten anders als die Bahn oder Busbetriebe keine regulären Zuschüsse für den Öffentlichen Nahverkehr und arbeiten als Privatunternehmen rein kommerziell. Sie hatten schon früher erklärt, entweder ganz aufzuhören oder zumindest im Winterhalbjahr den Betrieb einzustellen, wenn die Brücke kommt. Das Geschäft rentiere sich dann nicht mehr. Unterdessen kritisieren mehrere Umweltverbände die – O-Ton – „abenteuerlichen Baukosten“ der vom Land favorisierten Autobrücke. Die aktuell geschätzten 50 Millionen Euro seien illusorisch, heißt es u. a. beim „Verkehrsclub Deutschland“. Bereits vor 12 Jahren habe das Land gegenüber der Unesco mit 60 Millionen kalkuliert. Weil ein Bau erst in den 30er Jahren realistisch wäre, kämen vermutlich um die 100 Millionen zusammen. Momentan läuft das Raumordnungsverfahren. Der Landesbetrieb Mobilität empfiehlt mit z. T. ungewöhnlichen Argumenten den Brückenbau – u.a., weil eine Brücke „welterbeverträglicher“ sei als die Fähren. Die Behörde argumentiert damit, dass sich die Unesco schon einmal mit einer Brücke beschäftigt habe, aber noch nie mit den Fähren. Kritiker des Brückenbaus fordern staatliche Zuschüsse für verbilligte oder sogar Gratis-Fähren mit verlängerten Fahrzeiten. Rhein-Zeitung, Verkehrsclub Deutschland, Mittelrheingold (11 Fragen und Antworten zur Mittelrheinbrücke)

Die Loreley-Fähre vor der Kirche von St .Goarhausen. Foto: Fähre Loreley GmbH & Co. KG

Bingen macht die Leinen los

Apropos Schiff: Das XXL-Event „Genuss am Fluss“ ist am Binger Kulturufer noch nicht möglich. Aber es kann auf dem Wasser stattfinden. Die Tourist-Info hat ein corona-konformes Konzept für die „MS Jules Verne“ entwickelt. Zum rheinum-sorglos-Paket gehören 4 Stunden Schiffsfahrt mit Sekt, Weinprobe und 3-Gang-Menü. Genuss am Fluss

Ein Fall für den Staatsanwalt

In Lorch wächst der Druck auf Ex-Bürgermeister Jürgen Helbing und den früheren Ersten Stadtrat Karl-Heinz Augustin. Beiden wird vorgeworfen, Genossenschaftswohnungen und den Immobilienbesitz einer gemeinnützigen Stiftung an ein privates Wohnungsunternehmen verkauft zu haben. Die beiden CDU-Politiker zogen bei Genossenschaft und Stiftung auch nach dem Machtverlust ihrer Partei die Fäden. Laut „Wiesbadener Kurier“ haben Augustins Nachfolger Rolf Schmidt und weitere Lorcher Bürger Strafanzeige gegen Vorstand und Aufsichsrat beider Institutionen erstattet. Im Raum stehe der „Verdacht der Untreue gegen die Stiftung, die Genossenschaft und den Verdacht der Amtspflichtverletzung der Lorcher Amts- und Mandatsträger und Ehrenbeamten gegen das Wohl der Stadt Lorch“. Helbing und Augustin wehren sich gleichfalls juristisch. Ihr Anwalt fordert wegen „wahrheitswidrigen Behauptungen, die geeignet sind, die Ehre, Reputation und den guten Ruf unserer Mandanten zu verletzen und zu beschädigen“ eine Unterlassungserklärung. Wiesbadener Kurier

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