Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Loreley-Krise: „Am Ende wird es nur Verlierer geben“

Im Streit um die Freilichtbühne hofft der Konzertveranstalter Loreley Venue Management immer noch auf eine Einigung mit der Stadt St. Goarshausen. „Ich stehe weiterhin zum gemeinsam geplanten Mediationsverfahren. Die Stadt hat das seit April auch schriftlich“ sagte Geschäftsführer Ulrich Lautenschläger im Gespräch mit Mittelrheingold. Es habe „nie unüberwindbare Differenzen“ gegeben. „Der letzte Knackpunkt, die Honorarhöhe de Mediators, ist lange aus dem Weg geräumt, auch im Sinne der Stadt und ihrer Bürger“, so Lautenschläger.

Seine Firma soll die Freilichtbühne bis Ende des Jahres räumen. Eigentlich läuft der Pachtvertrag noch bis 2030. Das zerrüttete Verhältnis zwischen Stadt und Pächter beschäftigt seit Jahren die Anwälte. Lautenschläger hält Teile der Pacht zurück und begründet es mit baulichen Mängeln auf dem Felsen. Die Stadt will mehr Geld sehen und streitet in einem weiteren Verfahren um unklare Gewinnbeteiligungen. Ein Mediationsverfahren sollte den Konflikt lösen. Ein pensionierter Richter aus Koblenz war als neutralen Vermittler vorgesehen. Anfang des Jahres entschied sich der Stadtrat trotzdem für die harte Tour und leitete die Trennung ein.

„Ich verstehe nicht, warum der Stadtrat nicht wie beabsichtigt in den Mediationsprozess einsteigt, sondern Knall auf Fall kündigen will“, so Lautenschläger. Am Ende wird es nur Verlierer geben.“  Insider rechnen mit einem längeren Rechtsstreit.

Die zukünftige Stadtspitze von St. Goarshausen äußert sich dazu nicht. Katrin Vetters, 1. Beigeordnete und ab 31. Juli kommissarisches Stadtoberhaupt, verweist auf eine Übereinkunft des neuen Rathaus-Teams: „Wir wollen keine laufenden Verfahren kommentieren“.  In Stadtratskreisen ist allerdings von Anfragen mehrerer Konzertveranstalter die Rede. In der Branche bestehe Interesse, die Lautenschläger-Lücke zu schließen und die Bühne im kommenden Jahr zu übernehmen, heißt es.

Der Konflikt führte zum Rücktritt von Bürgermeister Matthias Pflugradt. Er gilt als Lautenschläger-Versteher und hatte ebenso vergeblich wie undiplomatisch versucht, den Stadtratsbeschluss auszusetzen. Pflugradt befürchtet einen längeren Stillstand auf der Loreley, wenn sich Stadt und Pächter nicht einigen. Über seine Nachfolge als ehrenamtlicher Bürgermeister wird im Oktober per Urwahl entschieden.

Neugestaltung des Loreley-Plateaus 2018. Foto: Ministerium des Inneren RLP.

Neugestaltung des Loreley-Plateaus 2018. Foto: Ministerium des Inneren RLP.

Restaurant-Retter in Boppard

Boppards Burg-Gastronom Özay Salim hatte gestern seinen großen TV-Auftritt. Auf Kabel 1 kümmerte sich Restaurant-Retter Frank Rosin um Salims persönliche Corona-Krise. Der 37-Jährige hatte kurz vor dem Lockdown das „Königliche Brauhaus“ in der Burg eröffnet und verlor durch die Pandemie fast den kompletten Umsatz. Rosin und sein Team halfen beim erfolgreichen Neustart. Im Kabel-1-Film zur besten Sendezeit ist auch Bürgermeister Walter Bersch zu sehen. Die Stadt ist Besitzerin der Burg und stundete Salim die Pacht. Ein Kredit der Volksbank in Boppard machte den Betrieb auch finanziell wieder flott. kabeleins.de (Video), Facebook

Der Kampf um die Bettensteuer

Nach der Sommerpause könnte es im hessischen Teil des Welterbe-Tals hoch hergehen: Rüdesheim und Lorch müssen über eine gemeinsame Tourismus-Abgabe für den Rheingau entscheiden. Das Geld soll je zur Hälfte bei den Kommunen bleiben und in die Dachorganisation Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH (RTKT) fließen. Streit ist vorprogrammiert, denn die einzelnen Rheingau-Gemeinden verfolgen unterschiedliche Interessen. Rüdesheim als klassischer Tourismus-Ort etwa setzt auf Gruppenreisen mit Mittelrhein-Flair, großstadtnahe Orte wie Eltville oder Kiedrich dagegen auf gutsituierte Individualreisende aus dem Rhein-Main-Gebiet. FAZ (gedruckte Ausgabe)

Donner in St. Goarshausen

Motorradfahrer gelten je nach persönlicher Lage als Nervensägen oder als Umsatzbringer. In St. Goarshausen bringen laute Maschinen die Anwohner auf die Barrikaden. Die „RZ“ dokumentiert in ihrer Rhein-Lahn-Ausgabe die Proteste und zitiert wütende Bürger. Demnach werden an machen Tagen bis zu 550 Maschinen gezählt. Der Lärmpegel erreicht über 90 Dezibel. Zum Vergleich: Ein Presslufthammer kommt auf etwa 100. Gastronomen können auf die Motorrad-Kolonnen kaum verzichten; sie lassen nicht nur Lärm sondern auch Geld im Tal.  Rhein-Zeitung

Bingen bleibt

Das Binger Krankenhaus steht nicht zur Diskussion und eröffnet demnächst auch seine Notaufnahme wieder. Das hat die Klinikleitung gegenüber der „AZ“ klargestellt. In den vergangenen Monaten war das traditionsreiche Haus ins Trudeln geraten, weil wesentliche Teile des Betriebs für Corona-Patienten reserviert wurden. Nach der Schließung des Oberweseler Krankenhauses Ende September dürfte Bingen ohnehin alternativlos sein. Notfälle aus der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe müssten ansonsten nach Simmern oder Boppard transportiert werden. Allgemeine Zeitung

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Boppard braucht gut Holz und Lorch träumt vom Wasser

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Urlaub auf dem Rheinbalkon

  1. Boppard – Ich hatte das im Film so verstanden, dass der Bürgermeister Bersch mitteilte, dass er die Pacht nicht stunden dürfe, da es sich um öffentliche Gelder handelt. Im dem Filmausschnitt ist man nur zu dem Ergebnis gekommen, dass man den Pächter im Zweifelsfall nicht pfänden würde.

  2. Frank Zimmer

    Hallo Renate, ich glaube, es ging um Stunden oder ganz darauf verzichten. Die Stundung von Pacht- oder Mietzahlungen ist meiner Meinung nach wegen Corona grundsätzlich möglich. Aber ich frage gern nochmal nach. Viele Grüße, Frank

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