In Bingen ist momentan schwer zu sagen, wer schlimmer dran ist: Der Oberbürgermeister, die SPD-Opposition oder die Lokalzeitung. Der Alkoholismus von OB Thomas Feser ist spätestens seit seiner Promille-Fahrt am 30. April öffentliches Thema, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Fesers Problem ist vor allem ein persönliches. Den politischen Blackout erlebt aber nicht seine CDU, sondern ausgerechnet die SPD, die stärkste Oppositionspartei im Stadtrat. Sie hat die Wahl zum Bürgermeister (und Feser-Vize) vergeigt, ihren Kandidaten und Hoffnungsträger Sebastian Hamann beschädigt, darüber die Koalition platzen lassen und fordert im  Moment ihres eigenen Niedergangs den Rücktritt des gerade erst in sein Amt eingeführten CDU-Oberbürgermeisters. Merkwürdig ist auch das Verhalten der Binger „AZ“. Die Zeitung hat den Fall Feser zwar publik gemacht, dann aber der zuständigen Lokalredaktion entzogen. Zuletzt kümmerte sich der Mainzer „AZ“-Chefredakteur Friedrich Roeingh persönlich um den OB. Einen redaktionellen Meinungsbeitrag oder Leitartikel sucht man bei der „AZ“ vergebens. Lokalredakteur Erich Michael Lang, eigentlich ein intimer Kenner der Binger Kommunalpolitik und leidenschaftlicher Kommentator des Stadtgeschehens, analysiert heute stattdessen das „nachgebesserte Binger Buskonzept“. Allgemeine Zeitung (Feser), Allgemeine Zeitung (Binger SPD) 

Den Mäuseturm gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Foto: Tourist-Info Bingen am Rhein.

Binger Mäuseturm. Foto: Tourist-Info Bingen am Rhein

Politisch und auch sonst kann es in Bingen eigentlich nur aufwärts gehen. Für das Gastronomische sorgt Hotel-Investor Jan Bolland. Er hat einen spektakulären Coup gelandet und Sterne-Koch Nils Henkel für sein „Papa-Rhein“ engagiert. Henkel, bislang Küchenchef im Rheingauer Gourmet-Restaurant „Burg Schwarzenstein“, soll in Bingen ein „lässiges Gastronomiekonzept ohne Sterneambitionen“ verwirklichen. Das neue Großhotel am Rheinufer öffnet im Sommer. Allgemeine Zeitung, paparheinhotel.de

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