Nr. 3 im Mittelrhein-Tourismus klingt nur dann nach Trostpreis, wenn man die anderen 2 nicht kennt. Hinter der Großstadt Koblenz und der Tourismus-Großmacht Rüdesheim ist Boppard der mit Abstand wichtigste Gastgeber im Welterbetal. Zuständig für den Erfolg ist ein Kunsthistoriker, Ex-Reiseleiter, Marketingprofi, früherer Schlossherr und überzeugter Wahl-Bopparder: Stefan Rees. Im Mittelrheingold-Interview spricht er über den Neustart nach 2 Jahren Corona-Krise und hohe Erwartungen an Mittelrhein-Touristiker.

Stefan Rees ist Tourismuschef von Boppard. Foto: Privat

Stefan Rees ist Tourismuschef von Boppard. Foto: Privat

Stefan, wie wird man Tourismus-Chef von Boppard?

Indem man sich auf eine öffentliche Ausschreibung bewirbt und sich dann vor einem nicht allzu kleinen Auswahlgremium, bestehend aus Bürgermeister, Beigeordneten, Stadträten und Tourismus-Ausschussmitgliedern, gegen mehrere Mitbewerber durchsetzt. Bevor ich nach Boppard kam, war ich Geschäftsführer der Schloss Drachenburg gGmbH in Königswinter.

In Rüdesheim und Bingen gab es in der Tourist-Infos zuletzt ein Kommen und Gehen, beide Städte suchen gerade wieder neue TI-Chefs. Sind die Erwartungen an den Job höher als früher?

Die Erwartungen waren schon immer sehr hoch, allerdings ist der Entscheidungsrahmen meist nicht so hoch. Meines Erachtens wird oft übersehen, dass die Touristiker auf viele Faktoren gar keinen direkten oder nur bedingt Einfluss haben, und dass manche Mühlen sehr langsam mahlen. Wenn die Erwartungshaltung aber gleich hoch bleibt, der kurzfristige Erfolg jedoch vorerst ausbleibt, führt das zu Frustration und eben auch zu Fluktuation.

Wie lief der Saisonstart bei euch?

Als Ganzjahresdestination haben wir ja nur eine Saison, nämlich von Januar bis Dezember. Aber Spaß beiseite: Das Ostergeschäft lief hervorragend und bereits der erste Themensonntag „Boppard blüht auf“ Ende März hat zu einer so vollen Innenstadt und Gastronomie geführt wie seit zwei Jahren nicht mehr und vor allem: zu einer sehr optimistischen Haltung aller Gewerbetreibenden.

Im letzten Jahr ohne Corona kam Boppard auf über 300.000 Übernachtungen. Mit vielen rechnest du diesmal?

Wir haben zwar viele und wirklich hochwertig ausgestattete Ferienwohnungen und Häuser neu in die Vermietung bekommen, dafür vermietet ein sehr großes Hotel in diesem Jahr überhaupt nicht, ein weiteres hat die Option erhalten, das Hotel in Eigentumswohnungen umzuwandeln, und ein drittes vermietet ein Gros seiner Zimmer fest an Auszubildende. Diese Betten fehlen natürlich in der Statistik. Ich bin soweit Realist, dass mir bewusst ist, dass wir das statistische Allzeithoch von 2018 so schnell nicht toppen werden. Aber wir werden hinter Koblenz und Rüdesheim bei den Übernachtungszahlen weiterhin eine starke Nummer drei im Welterbe Oberes Mittelrheintal sein.

Auf welche Events freust du dich 2022 besonders? Du musst natürlich sagen: Auf alle, aber welche 3 kannst du besonders empfehlen?

Wie du richtig sagst: Auf alle. Ich freue mich, dass die Winzer und Köche am 24. April zum 25. Mittelrheinischen Weinfrühling in den Bopparder Hamm einladen können. Ich freue mich, dass wir am 12. Juni den sechsten Bopparder Kinderwelterbetag durchführen können. Da er nur alle zwei Jahre stattfindet, war das Bedauern über die Absage bei allen Beteiligten – vielen Ehrenamtlichen – schon sehr groß, zumal wir bereits viele neue kreative Ideen für 2020 entwickelt hatten. Und ich freue mich natürlich auf das Bopparder Weinfest, das bei Gästen und bei Einheimischen ein Publikumsmagnet ist. Und hier besonders auf das neue Element, das vom neuen Bürgermeister angeregt wurde, nämlich statt die Große Weinprobe weiter sonntags im Saal stattfinden zu lassen sie auf Donnerstag und auf ein Schiff zu verlegen und mit dieser kulinarischen Weinprobe das Weinfest einzuläuten.

Apropos Events. Deine Bopparder Veranstaltungen hast du im Blick, aber wo informierst du dich über Termine in der Nachbarschaft?

Auf der Seite des Romantischen Rheins im Veranstaltungskalender, also über Deskline.

Abgesehen von Boppard: Was ist dein Lieblingsplatz am Oberen Mittelrheintal?

Siehst du ganz richtig: Die Bopparder Rheinuferpromenade oder unser Obst- und Gemüsegarten mit Blick auf Boppard! Aber seit der Bundesgartenschau 2011 liebe ich auch die Fahrt mit der Seilbahn hoch zur Festung Ehrenbreitstein und zurück ans Deutsche Eck.

 

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Zur Person: Stefan Rees studierte Kunstgeschichte und Betriebswirtschaftslehre in Freiburg und Paris. Während des Studiums jobbte er im Kunsthandel und als Reiseleiter. Nach seinen Abschluss als Magister Artium startete er hauptberuflich beim Münchner Touristiker Studiosus Reisen, wo er als Marketingreferent und Sales Manager arbeitete. Die gemeinnützige Schloss Drachenburg GmbH in Königswinter holte ihn an den Mittelrhein. Rees war dort Geschäftsführer, ehe er als Tourismus-Chef nach Boppard wechselte. Anders als in Bingen, Rüdesheim oder der Verbandsgemeinde Loreley ist die Boppard-Touristik nicht als privater oder kommunaler Wirtschaftsbetrieb organisiert, sondern Teil der öffentlichen Verwaltung. 

(Bewegt-)Bild des Tages

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