Journalistisches Blog über das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal

Neue Bürger im Freistaat Flaschenhals und Bäcker Dries macht weiter

Seit fast 30 Jahren vermarkten Winzer und Gastronomen in Lorch und Kaub die unglaubliche Geschichte des „Freistaates Flaschenhals“. Das kleine Territorium zwischen Taunus und Mittelrhein entstand nach dem 1. Weltkrieg durch Zufall, weil es nirgendwo hingehörte – weder zur amerikanischen Besatzungszone rund um Koblenz noch zur französischen rund um Mainz. Auch die reguläre deutsche Verwaltung hatte wenig zu melden: Sie war von Kaub, Lorch, Sauerthal und den damals noch eigenständigen Gemeinden Lorchhausen, Ransel und Wollmerschied abgeschnitten, denn alle Straßen führten durch alliiertes Gebiet und die Bahn durfte nicht halten.

Blick auf Kaub. Foto: Romantischer Rhein Touristik / Dominik Ketz

Blick auf Kaub. Foto: Romantischer Rhein Touristik / Dominik Ketz

Mehrere Jahre lang regierte sich der inoffizielle Freistaat am Mittelrhein fast allein; der legendäre Lorcher Bürgermeister Edmund Pnischek fungierte mit dem Segen der preußischen Regierung als eine Art Staatspräsident und ließ sogar Geld drucken. Anders als heute verlief zwischen Lorch und Kaub übrigens keine Landesgrenze, beide Städte gehörten damals  zur preußischen Provinz Hessen-Nassau. Die 1994 gegründete „Freistaat Flaschenhals Initiative“ (FFI) ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Frühere Mitgliedsbetriebe sind geschlossen oder haben sich neu orientiert, aber die Idee lebt und FFI-Gründer Peter Bahles trommelt weiter für die Freistaat-Story, die schon Buchautoren und Comiczeichner inspiriert hat. Gerade hat die Initiative Zuwachs bekommen: Die Lorcher Gin-Macher Michael Holdinghausen und Raik Schrumpf („Bottleneck Distillers“) sind neu im Club. Im kommenden Februar wollen die Freistaatler ein besonderes Jubiläum zelebrieren. Dann jährt sich zum 100. Mal der Einmarsch der französischen Armee, die dem „Flaschenhals“ ein Ende machte. Wiesbadener Kurier (€), Freistaat Flaschenhals Initiative

Die Ampel steht

Apropos Lorch: Die rechtsrheinische B 42 ist ab Samstag endlich wieder befahrbar, wenn auch nur einspurig. Sie war zwischen Lorch und Assmannshausen mehrere Wochen lang gesperrt, weil weiter am Radweg gebastelt wird. Die Arbeiten an der Bundesstraße dauern seit 2004 und die nächste Vollsperrung im Frühjahr ist schon beschlossene Sache. Im Juni 2023 soll alles fertig sein. Nein, natürlich nicht alles. Da wäre noch das letzte kleine Stück am Rüdesheimer Ortsschild, aber das ist eine andere lange Geschichte. Wiesbadener Kurier (€)

Ladenschluss in Lahnstein

In Lahnstein geht am 31. Dezember nicht nur das Jahr zu Ende. An diesem Tag schließt mit der Buchhandlung Mentges einer der ältesten Läden am Mittelrhein. Inhaber Ludwig Leopold ist 92 und hätte vermutlich noch bis 100 weitergemacht, aber mehrere Lockdowns und die Online-Konkurrenz haben ihm das Geschäft verleidet. Seine Buchhandlung gibt es seit 1865. Rhein-Zeitung (€)

Dries macht weiter

Die Rüdesheimer Bäcker Martin und Stefan Dries dürften 3 Kreuzzeichen machen, wenn das Jahr 2022 vorbei ist. Es bescherte ihnen horrend steigende Energiekosten, über die sogar die „FAZ“ berichtete, und am Donnerstag noch einen Großbrand in ihrer Backstube. Den Schaden schätzen sie auf 500.000 Euro. Ihre Filialen laufen trotzdem weiter. Kollegen und Konkurrenten helfen ihnen dabei. Auf der Dries-Webseite erklärt der Chef die Lage per Video.  Wiesbadener Kurier (€), Bäckerei Dries (Video)

Alles muss raus

Vor 2 Jahren musste das St. Goarer Krankenhaus schließen. Die Stadt verkaufte das Gebäude und die neuen Eigentümer entrümpeln jetzt. Laut „RZ“ wird das komplette Inventar angeboten. Einiges ist schon weg, aber das Haus im Gründelbachtal ist noch lange nicht leer. Wer Interesse hat: Der Verkauf läuft an Ort und Stelle werktags von 9 bis 17 Uhr. Rhein-Zeitung (€)

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Glück auf, das Museum kommt

  1. Ruth Vogel

    Da bin ich mal gespannt, ob die B42 ab Morgen wieder mit Ampelreglung zu befahren ist.
    Heute Nachmittag um 16:30 Uhr war noch alles abgesperrt.

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