Rein rechnerisch ist bei der Bahnsanierung auf der rechten Rheinseite gerade erst Halbzeit. Ein schwacher Trost ist: Touristisch gesehen hat man zwischen Rüdesheim und Koblenz das Schlimmste hinter sich. Zweieinhalb Saison-Monate ohne Bahn sind abgehakt, jetzt kommt noch eine letzte harte Durstrecke bis es im November ohnehin ruhiger wird. Am 12. Dezember sollen die Züge wieder rollen. Mangels Gäste haben Wirte und Hoteliers eine neue Zielgruppe entdeckt: Bauarbeiter statt Bildungsreisende. Uwe Girnstein vom „Rheingraf“ in Kamp-Bornhofen etwa bietet auswärtigen Handwerkertrupps Rundum-Sorglos-Pakete bis hin zur Essenslieferung direkt an die Baustelle. „Wir überleben damit“, zitiert ihn der SWR. Girnstein mag den Kontakt mit der neuen Kundschaft, er ist selbst gelernter Handwerker. Trotzdem fehlt ihm das gewohnte Geschäftsmodell: „Mir wäre lieber, es wären Touristen hier.“ Stromaufwärts in St. Goarshausen erklärt Arno Geisel vom „Loreleystübchen“ die Grenzen des Baustellen-Booms: Geschuftet würde Tag und Nacht in langen Schichten, danach hätten die Arbeiter keinen Sinn mehr für rheinische Weinseligkeit: „Die sind kaputt.“ Wie bei vielen seiner Kollegen läuft das Geschäft dieses Jahr deutlich schlechter. Für die Bahnsanierung sind zwischen Wiesbaden und dem nordrhein-westfälischen Troisdorf rund 2.000 Bauprofis mit fast 350 Maschinen im Einsatz. Das riesige Sanierungsprojekt umfasst nicht nur Gleise, Weichen und Oberleitungen, sondern auch Bahnhöfe. In Rüdesheim entsteht sogar eine komplett neue Haltestation. SWR
Foto: Andreas Pacek, fototour-deutschland.de/Romantischer Rhein Tourismus GmbH/CC BY 4.0
Ein Besuch auf der Marksburg
Die Marksburg ist die vielleicht schönste Dauerbaustelle im Welterbetal. Weil nie zerstört wurde und nie Ruine war, steht sie für 800 Jahre Renovierung und eine endlose Abfolge von Handwerkerrechnungen. Ein SWR-Video mit Christian Frey von der Deutschen Burgenvereinigung zeigt, was immer wieder zu tun ist, warum sich das alles lohnt und: was mittelalterliche Maurer besser wussten als spätere Kollegen. SWR (Video)
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