Redaktion

Raumordnung ist das halbe Leben

Mittelrhein zwischen Fellen und Wellmich: Hier soll die Brücke gebaut werden. Foto: Romantischer Rhein / Henry Tornow

Die Mittelrheinbrücke kommt. Man weiß nur noch nicht, in welchem Jahrzehnt. So ungefähr lautet das Ergebnis der SPD-Mittelrheinkonferenz in St. Goar, einer öffentlichen Veranstaltung der beiden Kreisverbände Rhein-Hunsrück und Rhein-Lahn mit Innenminister Michael Ebling und Landeschef Roger Lewentz als VIP-Gäste. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Brücke ist das im Februar 2021 eingeleitete Raumordnungsverfahren (ROV). Es könnte „eineinhalb Jahre dauern“, hieß es damals. Eineinhalb Jahre nach Februar 2021 bedeutet August 2022, aber auch im Mai 2023 kann das zuständige Innenministerium noch keinen Vollzug melden. Im vergangenen Februar , 2 Jahre nach Beginn des Verfahrens, erklärte Ebling, er sei „zuversichtlich, dass wir das Raumordnungsverfahren im Frühjahr 2023 abschließen können.“ Das Frühjahr 2023 endet im nächsten Monat, aber es sieht nicht so aus, als wenn das Ministerium bis dahin liefert. Laut „RZ“ war auf der Mittelrhein-Konferenz von einem Abschluss „in diesem Jahr “ die Rede. Danach kann man sich im Innenministerium zurücklehnen – die Zuständigkeit für die weiteren Planungen geht an das Verkehrsministerium von Daniela Schmitt (FDP) über. Schmitt soll – O-Ton – „Die tatsächliche Planung der Brücke … dann tatkräftig und zügig umsetzen“. Rhein-Zeitung (€), BEN-Kurier („Raumordnungsverfahren zur Mittelrheinbrücke soll im Frühjahr 2023 abgeschlossen sein“, Februar 2023)
Das Foto von Henry Tornow zeigt den geplanten Brückenstandort zwischen Fellen und Wellmich

Der Weinfrühling und das schlimme Ende

Sonne, 20 Grad und rund 8.000 Besucher: Besser hätte es für den „Mittelrheinischen Weinfrühling“ am Sonntag nicht laufen können. Beim Veranstalter, dem Förderverein Bopparder Hamm, hält sich die Freude trotzdem in Grenzen. Grund dafür ist ein Todesfall im Bahnhof Spay. Abends gab es dort so viel Gedränge, dass ein 41-jähriger Mann auf die Gleise fiel und von einem vorbeifahrenden Zug überrollt wurde. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Eine der vielen Anwesenden war Doris Schneider von der „RZ“. Sie beschreibt in der Koblenzer Lokalausgabe das „blanke Entsetzen“ auf dem Bahnsteig und die Situation unmittelbar danach, als nichtsahnende Festgäste auf geschockte Augenzeugen trafen . Laut SWR hat die Kriminalpolizei Koblenz die Ermittlungen übernommen. Rhein-Zeitung (€), SWR

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3 Gedanken zu „Raumordnung ist das halbe Leben“

  1. Brücke, das Tal und die Buga
    Das Mantra „Bis zur Buga muss das alles gemacht sein!“ verstehe ich nicht. Die im RZ-Artikel genannten dringend notwendigen Maßnahmen (Straßensanierung, ÖPNV, Brücke) haben doch nicht vorrangig die Aufgabe, einige Wochen lang eine Buga zu ermöglichen sondern die weitere Verschlechterung der Lage für die Tal- und Höhengemeinden zu verlangsamen. Die Buga wird eine touristische Veranstaltung, von der bsw. die Höhengemeinden kaum etwas mitbekommen, wenn es beim derzeitigen Planungsstand bleibt. Die Talgemeinden dagegen spielen sich gegeneinander aus, um Schwerpunkt zu werden, d.h. Investitionen abzubekommen.
    Entgegen aller Dementi scheint auch die Brücke weiterhin keine Priorität zu haben. Klar, das ROV mag angelaufen sein, allerdings ist dessen Ausgang ohne weitere Informationen nicht absehbar. Lippenbekenntnisse zur Brücke hat es jedenfalls in den vergangenen 50 Jahren viele gegeben, genauso wie Gründe, warum sie dann doch nicht kam.
    Nichtsdestotrotz: Ich begrüße jede Maßnahme, die dazu dient, Leben und Arbeiten im Tal (und auf den Höhen) zu ermöglichen. Jeder Glasfaserausbau für Remote-Arbeit, jeder Nachtbus, jeder Radweg, jede sanierte Straße (bsw. nach Dahlheim), jede finanzielle Entlastung für die Gemeinden, jedes Windrad, jedes Krankenhaus (bitte, um optimistisch zu bleiben, ausnahmsweise mit Geburtsstation), jeder Hausarzt, jede völkerverständigende Rheinquerung, jedes Weinfest, jede Fastnacht, jeder Regionalzug, jeder Flüster-Güterzug hilft, den vollständigen Untergang zu verlangsamen. Und in seiner Gesamtheit wage ich zu hoffen, dass sogar eine Trendwende möglich ist. Mit der Buga hat das meines Erachtens wenig zu tun.

  2. In dem Beitrag befindt sich ein Schreibfehler. Da heisst es Jahrzehnt, aber das sollte doch sicher Jahrhundert heissen ….

    • Hans,
      wieso so pessimistisch? In den letzten 50 Jahren war die Brücke doch mehrfach innerhalb eines Jahrzehnts erreichbar! Allein – man wollte sie nicht.
      Und sind nicht Brücken ein Zeichen spätrömischer Dekadenz, das so gar nicht zum jungfräulichen, d.i. natürlichen, Tal passt? Sollen die Trierer doch über ihre 2000 Jahre alte Brücke gehen, erbaut vom südländischen Ursurpator, sollen die Lahnsteiner und Koblenz auf ewig zur Sanierung monströser Zweckbauten verdammt sein!
      Am Mittelrhein wird noch welterbegerecht per Kahn übergesetzt, die Schwielen an den Händen des Fährmanns und das abgegriffene Portemonnaie des Fahrgastes zeugen von der Ursprünglichkeit und der Handarbeit in der größten Pracht ihrer Tradition.
      Wie für den Menschen, so gilt auch für die Region: Ist das Lebensende gekommen, so bringt immerhin Mahaf die Seele noch ans andere Ufer, ins Reich der Toten (entspricht Fähre St. Goar Richtung St. Goarshausen an schulfreien Tagen).

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