Redaktion

Zu viel Platz an der Sonne

Kaub am Rhein. Foto: Henry Tornow / Romantischer Rhein

Weniger Wein, aber dafür herausragende Qualitäten und alles halb so schlimm: So klang es neulich, als die „Rhein-Zeitung“ mit Winzern aus Boppard, Oberwesel und Bacharach über den Jahrgang 2026 sprach. Auf der anderen Rheinseite ist man entweder kritischer oder ehrlicher. In einem Artikel der Rhein-Lahn-Ausgabe der „RZ“ ist von gravierenden Klima-Problemen in Kaub die Rede. Dort habe sich „die Situation extrem zugespitzt“, zitiert die Zeitung Winzer Peter Bahles. O-Ton: „Ehemalige Toplagen zählen heute zu den Verlierern, weil es dort inzwischen einfach zu heiß und zu trocken ist.“ Bahles meldet für 2026 heftige Ernteausfälle. Er habe auf einem ganzen Hektar die Beeren schon im Sommer herausgeschnitten, um wenigstens die Reben zu retten. Was am Ende gelesen werden konnte, sei „gut, aber nicht überragend.“ Nicht weit entfernt in Dörscheid sinniert Mittelrhein-Weinbaupräsident Heinz-Uwe Fetz über die Zukunft seines immer kleiner werdenden Anbaugebietes. Er plädiert in der „RZ“ für einen Zusammenschluss mit den Weinbauregionen Nahe und Ahr. Einige Kilometer weiter stromabwärts hört sich auch Günter Zimmermann von der Winzergenossenschaft Bornich eher nachdenklich als enthusiastisch an. Es kämen nicht genug junge Winzer nach und: „Wir Älteren packen das Arbeiten in den Steillagen vom Alter her irgendwann nicht mehr“. Ähnlich wie Bahles berichtet auch Zimmermann von massiven Ausfällen („Fast überall die halbe Ernte“). Noch am ehesten zufrieden ist Jens Didinger aus Osterspai – seine Weinberge liegen fast ausschließlich linksrheinisch im Bopparder Hamm. Im dortigen Mikroklima kommen die Reben bislang besser mit der Dürre zurecht als anderswo. Entwarnung gibt Didinger trotzdem nicht. Er glaubt, dass auf beiden Rheinseiten nachgerüstet werden muss: „Ohne zusätzliche Bewässerung wird es künftig vermutlich kaum gehen.“ Rhein-Zeitung (€)
Foto: Henry Tornow / Romsntischer Rhein

Doppelwumms in Lorch

Nicht alle historischen Fundstücke aus dem Rhein sind Fälle fürs Museum. In Lorch hat das Niedrigwasser am vergangenen Wochenende eine Artilleriegranate aus dem 2. Weltkrieg freigegeben. Ein Spaziergänger fand sie am Samstagnachmittag und alarmierte die Polizei. Experten des Kampfmittelräumdienstes schafften das Geschoss Kaliber 8,8 cm vorsichtshalber auf die Lorcher Insel, um es fernab von der Bundesstraße zu sprengen. Laut „Hessenschau“ braucht es am Sonntagmorgen 2 Versuche bis zur vollständigen Zerstörung. Hessenschau


Werbung: Rheinleuchten startet am Donnerstag

Oberwesel geht ein Licht auf. Genauer gesagt: vier. Vom 8. bis 11. Oktober verwandelt das Lichtkunstfestival rheinleuchten die Stadt der Türme in eine nächtliche Bühne. Gespielt wird an vier Orten – in der Liebfrauenkirche, im Klostergarten, im Stadtmauergarten und an St. Martin.

Verantwortlich für die Inszenierung ist das Künstlerkollektiv eastside lights.media. Es hat eine „Route des Lichts“ entworfen, die sich an den vier Elementen entlanghangelt. In der Liebfrauenkirche ist die Luft dran, das Unsichtbare schlechthin, und das Licht wird zum Echo einer höheren Wirklichkeit. Im Klostergarten erinnert das Feuer an die Zerstörung des Minoritenklosters. Im Stadtmauergarten übernimmt der Rhein die Rolle des Wassers und erzählt eine Liebesgeschichte über Bewegung und Verbundenheit. Und an St. Martin, wo Kirche und Wachturm seit Jahrhunderten fest im Boden stehen, wird die Erde zum Resonanzraum zwischen Gestern und Heute.

Los geht es jeweils mit Einbruch der Dunkelheit, Schluss ist um Mitternacht. Wer die ganze Runde dreht, sollte 90 bis 120 Minuten einplanen und festes Schuhwerk mitbringen: Barrierefrei ist die Route nicht durchgehend. Durst muss niemand leiden – im Klostergarten und an St. Martin schenkt die Westerwald-Brauerei aus.

Auch das Rheintal stellt sich auf die späten Gäste ein. Die Loreley-Fähre der FRS fährt länger als üblich, donnerstags und sonntags bis 23 Uhr, freitags und samstags bis Mitternacht. Wer von der rechten Rheinseite kommt, muss also nicht vor dem letzten Lichtspiel zum Anleger hetzen. Parken lässt sich am Bahnhof, auf dem Schulhof der Realschule plus und entlang der B9. Der Veranstalter empfiehlt trotzdem Bus und Bahn – nicht ganz ohne Grund, wenn man den Parkdruck in Oberwesel kennt.

Eine Abendkasse gibt es nicht. Tickets werden vorab für einen festen Einlass-Slot gebucht, danach kann man sich bis Mitternacht frei auf der Route bewegen. Wer sich spontan entscheidet, kann aber auch noch kurzfristig online buchen.

Veranstalter ist der Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Info
rheinleuchten, 8. bis 11. Oktober 2026, Oberwesel, von Einbruch der Dunkelheit bis 24 Uhr
Eintritt: 9 Euro, ermäßigt 6 Euro (Kinder bis 18, Schüler und Studierende, Menschen mit Behinderung), Familien 18 Euro (2 Erwachsene, 2 Kinder)
Vorverkauf: www.rhein-leuchten.de, Tourist-Information Oberwesel, Kulturhaus Oberwesel


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