Der aktuelle Schrecken aller Fertighausbesitzer ist für Bewohner von Mittelrhein-Burgen auch ohne Putin der Normalfall: Heizungen im Frostschutz-Modus, ausgekühlte Wände und eisige Innenräume. Die Deutsche Presse-Agentur hat sich bei Burgherren im Welterbetal umgehört. Demnach bleibt Energieeffizienz in den alten Gemäuern ein frommer Wunsch. Die Burgen können allein schon aus Denkmalschutzgründen nicht energetisch durchsaniert werden. „Es ist nicht so, als würden wir draußen leben, aber wir kriegen schon jedes Wetter mit“, zitiert die dpa den Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung Stefan Hirz. Der Mann weiß, wovo er spricht – er arbeitet nicht nur auf der Marksburg, er wohnt auch dort. Mehr als 19 Grad Raumtemparatur sind hoch über Braubach nicht drin. Teile der Burg lassen sich überhaupt nicht heizen.

Marksburg über Braubach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Marksburg über Braubach. Foto: Romantischer Rhein Tourismus / Henry Tornow

Ähnlich sieht es auf Burg Rheinstein aus. Im historischen Kern hat es noch nie eine Zentralheizung gegeben. Für die Hohenzollernprinzen, die dort im 19. und frühen 20. Jahrhundert lebten, stochten Dienstboten die Kamine und Kachelöfen. Weil die Räume nicht mehr bewohnt werden, bleiben sie im Winter einfach kalt. Burgbesitzer Markus Hecher und seine Familie leben abseits des Hauptgeböudes im früheren Personaltrakt. Dort gibt es zwar eine Zentralheizung, aber außer Doppelglasfenstern keine Dämmung. Ein altes altes Haus müsse atmen, ansonsten bilde sich Schimmel, heißt es im Artikel. Wenn es durch die Ritzen zieht, wenden die Hechers ein altes Hausmittel an: „Da legen wir dann Wollknäuel davor.“ Der dpa-Text über die traditionelle Eiszeit auf Rheinstein und der Marksburg ist u. a. in der „FAZ“ erschienen. Frankfurter Allgemeine Zeitung

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