Während Deutschland über Brandmauern und Wahl-Intrigen diskutiert, kocht in Lorch eine eher folkloristische AfD-Affäre hoch. Im Mittelpunkt stehen ein 77-jähriger Fensterputzer aus Lorch-Wollmerschied, eine Party-Band im Lederhosen-Look und ein „unpolitisches Liebeslied“, wie es im „Wiesbadener Kurier“ heißt. Der Fensterputzer ist Bernd Richefort, jahrzehntelang selbständig und als Spezialist für hohe Wiesbadener Altbauwohnungen so bekannt und geschätzt, dass ihm der „Wiesbadener Kurier“ 2022 einen eigenen Artikel widmete. Von ihm stammt das Lied für die Lorcher Stimmungskapelle „Schlossberg-Musikanten“. Und hier beginnt das Problem: Das Lied soll auf Druck der Lorcher CDU aus dem Programm genommen worden sein, weil Rochefort bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahr für die AfD kandidiert hat. Diesen Vorwurf erhebt seine Tochter Isabell Hofer-Richefort, die anders als Richefort senior den Sprung ins Kommunalparlament geschafft hat und dort die 2-köpfige AfD-Fraktion anführt. Laut „Wiesbadener Kurier“ sieht Hofer-Richefort ihren Vater als Opfer einer – O-Ton – „Form der persönlichen und gesellschaftlichen Ausgrenzung“. Das wiederum bringt der Lorcher CDU-Vorsitzenden Udo Büschenfeld in Rage. Er bestreitet vehement, dass im Namen seiner Partei Einfluss genommen wurde und spricht von „pauschalen, ehrabschneidenden Anschuldigungen“. Mittlerweile schließt er auch juristische Schritte „wegen übler Nachrede und Verleumdung“ nicht mehr aus. Im Oberen Mittelrheintal ist Lorch eine von 4 Kommunen mit AfD-Mandatsträgern. Die Rechtsaußen-Partei ist außerdem in den Stadträten bzw. Stadtverordnetenversammlungen in Koblenz, Rüdesheim und Bingen vertreten. Wiesbadener Kurier (€), Schlossberg-Musikanten (Website der Band)
Foto: Friedrich Gier/Romantischer Rhein Tourismus GmbH
Mittelalter-Mode aus Oberwesel
Nach dem Aus für das legendäre Mittelalter-Festival Spectaculum leert der zuständige Verein zur Erhaltung mittelalterlichen Brauchtums in Oberwesel e. V seine Kleiderkammer. Am Samstag kommender Woche (17. Oktober) werden zwischen 10 und 14 Uhr zahllose Stücke aus dem Fundus verkauft. Gereinigt und laut Verein „in einem guten bis sehr guten Erhaltungszustand“ kostet ein Gewand zwischen 30 und 120 Euro. Zum Angebot gehören auch Mönchskutten und „Pestkittel“. Das „Spectaculum“ war für seine außergewöhnliche Authentizität und Liebe zum Detail berühmt, darum dürften die Textilien weit werthaltiger als der handelsübliche Karneval-Kitsch sein. Der Verkauf bedeutet übrigens nicht, dass die Idee eines Mittelalter-Festivals auf hohem Niveau gestorben ist. In Oberwesel (und darüber hinaus) hofft man immer noch auf ein kleineres Format, das im Ehrenamt zu stemmen ist. Spectaculum Oberwesel (Vereins-Website mit Liste aller angebotenen Kleidungsstücke)
Werbung: Fotos des Tages – Rheinleuchten in Oberwesel





Tickets und Infos unter https://www.welterbe-mittelrheintal.de/rheinleuchten. Fotos: Studio 550 / Franziskus Weinert
Jetzt den Mittelrheingold-Newsletter abonnieren
Mittelrheingold Auslese: Jeden Freitag die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo.
