Es ist kalendarischer Zufall, aber zeitgleich mit dem Amtsantritt des neuen Rüdesheimer Bürgermeisters Dirk Stuckert starten 2 Projekte, die Stadtgeschichte schreiben werden. Kommende Woche will die Deutsche Bahn mit dem Arbeiten am neuen Bahnhof beginnen. Sie verlegt die komplette Station ans andere Ende der Innnenstadt in die Nähe der Schiffsanleger. Der Neubau mit 210 Meter langen Bahnsteigen ermöglicht das, was bisher nicht möglich war: barrierefreie Zugänge und eine zeitgemäße Ausstattung am Gleis. Ein klassisches Bahnhofsgebäude ist nicht mehr vorgesehen, das frühere – ein Denkmal aus der Zeit des Herzogtums Nassau – ist ohnehin längst privatisiert und Reisenden verschlossen. Der neue Bahnhof soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Zunächst wird allerdings die rechtsrheinische Bahnstrecke saniert. Ebenfalls im Februar starten ganz in der Nähe im Hafenpark erste Arbeiten für die Bundesgartenschau 2029. Die Buga-GmbH lässt dort 26 Bäume abholzen und bittet vorab per Pressemitteilung um Verständnis. „Baumfällungen sind immer ein sensibles Thema. Deshalb war es uns wichtig, die Eingriffe auf das zwingend notwendige Maß zu begrenzen und die Maßnahmen fachlich abzusichern“, wird Planungschef Rick Vogel zitiert. 230 Neupflanzungen sollen den Verlust in den kommenden Jahren mehrfach ausgleichen. Ungelöst bleibt die Frage der Rüdesheimer Bahnunterführung, für die man in der Stadt seit Jahrzehnten kämpft. Ein Ortstermin an der Bahnschranke mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder brachte kürzlich wenig Neues. Schnieder zeigte zwar Verständnis für die genervten Rüdesheimer, erinnerte aber auch an den enorme Finanzbedarf für eine landschaftsverträgliche Lösung. Sie koste im Vergleich zu einer Brücke über die Gleise „50 Millionen mehr, mindestens“. Auch der Unterhalt werde wesentlich teurer. Eine mutmaßlich monströse Brücke mit langen Rampen am Rand der Altstadt wollen allerdings weder die Rüdesheimer noch die Unesco. Sie würde das Bild des Mittelrhein-Tourismusorts Nr. 1 irreparabel beschädigen. Deutsche Bahn (Pressemitteilung), Buga 2029 GmbH (Pressemitteilung per Mail), Wiesbadener Kurier (€ Minister Schnieder in Rüdesheim)
Visualisierung: Deutsche Bahn AG
Schlicht und einfach gut
In einem unauffälligen Geschäftshaus im Koblenzer Stadtteil Rauental betreibt Rebecca Fischer aus Rhens eines der besten Restaurants der Stadt. Die „Entdeckung des Jahres 2023“ (Gault Millau) ist nicht nur als Köchin eine Ausnahmeerscheinung. Sie studierte Geografie und Physik, ehe sie mit Ende 20 die Uni verließ und eine Ausbildung in der Küche des Koblenzer Burger-Lokals „Circus Maximus“ begann. Hier war Fischer so gut, dass die Industrie- und Handelskammer ihr bei der Zwischenprüfung 100 von 100 Punkten gab und den sofortigen Wechsel in die Spitzengastronomie nahelegte. Nach Stationen bei „Gerhard’s Genussgesellschaft“ und im „Schillers“ experimentierte die zweifache Mutter mit Pop-up-Angeboten und eröffnete schließlich das „Schlicht Esslokal“ in der Moselweißer Straße. Fischers ungewöhnliche Karriere und ihr hohes Verständnis für Qualität – bis hin zur Personalführung – ist Thema eines Podcast-Interviews mit Redakteurin Nina Borowski. RZ-Podcast (Gespräch mit Rebekka Fischer), Schlicht Esslokal (Website des Restaurants)
Video der Woche
Bingens Bibliothekschefin Julia Löffler hat für bildungsbürgerlichen Dünkel wenig übrig. Sie möchte eine lebendige Stadtbücherei für möglichst viele Menschen. Zum Konzept gehört auch ein wöchentlicher Gaming-Treff für Kinder und Jugendliche. „Hier ist egal, wie viel Geld die Eltern haben und aus welchem Elternhaus man kommt“, sagt Löffler im SWR-Fernsehen. Das kurze Video aus Bingen ist noch in der Mediathek zu sehen. SWR
