Eine Flutkatastrophe wie an Ahr ist dem Oberen Mittelrheintal bisher erspart geblieben. Undenkbar ist es nicht, denn die notwendigen Schutzkonzepte sind längst nicht abgearbeitet – falls überhaupt geschrieben. Welche Szenarien möglich sind, zeigen Computersimulationen des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums. Für das Projekt „Hydrozwilling Rheinland-Pfalz“ wurde das komplette Bundesland gescannt, jedes einzelne Grundstück erfasst, alle Wasserläufe digitalisiert, Prognosen für Starkregen und Hochwasser verknüpft und alle Daten visualisiert. Die Ergebnisse sind frei zugänglich. Auf der Website des Ministeriums kann jetzt jeder sehen, was im Ernstfall mit seinem Haus passieren kann, wo sich das Wasser seine Bahn bricht und wie hoch es in der Nachbarschaft steigt. So könnte etwa extremer Starkregen über mehrere Stunden hinweg den Kauber Marktplatz meterhoch volllaufen lassen. Und in Bacharach zeigt die 3D-Simulation, wie der Münzbach über die Ufer tritt und über die bisher immer hochwasserfreie Rosenstraße in Richtung Rhein schließt. Selbst auf den Höhen gäbe es nasse Füße – die Panoramastraße „Gut Rheinfels“ oberhalb von St. Goar etwa würde zum Wasserweg, während sich weitere Regenmassen über die steile Schlossbergstraße in die Altstadt ergießen. Neben dem freien ‚“Hydrozwilling“-Zugang für private Nutzer gibt es eine zusätzliche Profi-Version für Kommunalverwaltungen. Sie soll den Städten und Gemeinden die weitere Katastrophenschutz-Planung erleichtern. Hydrozwilling Rheinland-Pfalz
Visualisierung: Landesamt für Umwelt RLP
„Man weiß immer erst, was man hatte, wenn es verloren ist“
Auf den ersten Blick hält man Jens Didinger für den größten Fan der Mittelrheinbrücke. Der Winzer aus Osterspai bewirtschaftet auf der gegenüberliegenden Rheinseite rund 3 Hektar Weinberge im Bopparder Hamm. Didinger setzt bei Wind und Wetter mit der kleinen Fähre von Tony Deleu über den Fluss – während der Lese auch mit vollbepacktem Anhänger. Um die 1.500 Euro gehen dafür Jahr für Jahr drauf. Trotzdem kann Didinger auf eine Brücke verzichten. Ihm persönlich würde sie nicht viel bringen, erklärt er in der „RZ“. Der geplante Standort bei Wellmich sei einfach zu weit weg. Stattdessen sorgt er sich um die Zukunft der Fähren. O-Ton: „Man weiß immer erst, was man hatte, wenn es verloren ist. Sei es der Metzger, der Bäcker im Dorf oder eben der Fährmann.“ Falls die Brücke gebaut wird, dürften die Fahrpläne weiter ausgedünnt werden. Zwischen Boppard und Filsen würde der Fährbetrieb während des Winterhalbjahres vermutlich ganz eingestellt. Rhein-Zeitung (€)
Foto des Tages
Jetzt den Mittelrheingold-Newsletter abonnieren
Mittelrheingold Auslese: Jeden Freitag die wichtigsten Mittelrhein-Themen auf einen Blick. Hier geht’s zum kostenlosen Abo.
