Nach der komplizierten und langwierigen Auszählung der hessischen Kommunalwahlen stehen die neuen Machtverhältnisse in Lorch und Rüdesheim fest. In beiden Städten sind die Bürgermeister die eigentlichen Sieger, obwohl sie gar nicht zur Wahl standen. Ihre jeweiligen Lieblingsfraktionen wurden deutlich gestärkt, das macht die Zusammenarbeit einfacher. Selbstverständlich ist das nicht, schon gar nicht in Hessen. Die unterschiedlichen Wahltermine für Bürgermeister und Stadtverordnetenversammlung, verbunden mit chronischem Kompetenzgerangel zwischen den beiden Institutionen, können dort schnell zum kommunalpolitischen Chaos führen. Im hessischen Teil des Welterbegebietes sind die Kommunalparlamente mächtiger als in Rheinland-Pfalz, sie bestimmen die Zusammensetzung der kollegial organisierten Verwaltungsspitze („Magistrat“), sie entscheiden über ihre Tagesordnung und sie lassen den Bürgermeister auch nicht ihre Sitzungen führen. Wenn es blöd läuft, machen sie ihm das Leben zur Hölle. Zum Glück drohen aber weder in Rüdesheim noch in Lorch instabile Verhältnisse. In Rüdesheim setzte sich die moderat bürgerliche Wählervereinigung GfR („Gemeinsam für Rüdesheim“) klar als stärkste Gruppierung durch. Sie steigerte sich gegenüber 2021 um 5,6 Prozentpunkte auf 40,8 Prozent. Die GfR hatte im vergangenen Jahr die erfolgreiche Bürgermeisterkandidatur von Dirk Stuckert (parteilos) unterstützt. Die CDU dagegen, die schon bei der Personenwahl unter die Räder gekommen war, verlor auch im Rennen um die Stadtverordnetenversammlung – sie kommt in ihrer früheren Hochburg auf nur noch 26 Prozent. Die Wählergruppe WIR – auch sie hatte 2025 vergeblich einen Gegenkandidaten zu Stuckert nominiert – schnitt etwas schwächer als beim vorigen Mal ab (Endergebnis 15,2 Prozent). Besonders bitter lief es für die SPD. Sie landete bei nur noch 8,7 Prozent und rutschte damit noch hinter die AfD (9,3 Prozent). In Lorch zeigen sich völlig andere Parteiergebnisse, aber trotzdem dasselbe Bild. Auch hier haben die Wähler ihrem Bürgermeister den Rücken gestärkt. CDU-Mann Oliver Lübeck kann künftig mit mehr Parteifreunden regieren. Seine CDU verbesserte sich von 21,8 auf 34,3 Prozent. Damit ist sie wieder die Nr. 1 in der Stadt, denn für die unabhängige „Liste Lorch“ (LiLo) ging es von 39,8 Prozent abwärts auf 24,9 Prozent. Die AfD kam auf 11,2 Prozent, sie stellt künftig 2 der 17 Stadtverordneten. In Rüdesheim wie in Lorch liegen die AfD-Ergebnisse deutlich unter dem Landesschnitt, der auf rund 15,9 Prozent geschätzt wird (noch ist nicht jede einzelne Kommune komplett ausgezählt). Ungewöhnlich stark war die AfD im Lorcher Stadtteil Ranselberg. Hier kann sie auf 31,6 Prozent. Die Partei führt es laut „Wiesbadener Kurier“ auf Pläne für Windräder zurück. Die AfD ist dagegen, während die anderen Parteien auf Mehreinnahmen für ihre klamme Kommune hoffen. Wiesbadener Kurier (€, Rüdesheim), Wiesbadener Kurier(€, Lorch)
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